Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (100%)
  • Deutsch
  • Spielfrauen im Mittelalter

    Klicken Sie auf den Bildstreifen, um die Präsentation zu starten.

    Impressum

    Constanze Holze: Texte, Bild- und Musikauswahl

    Kirsten Reese: Konzept, Redaktion, Bild- und Musikauswahl

    Weltformat.Design, Pepe Jürgens: Design, Interface & technische Umsetzung

    Sebastian Kraft (stud. Hilfskraft): Mitarbeit Programmierung


    Diese multimediale Präsentation entstand 2007 im Rahmen des Forschungsprojekts MUGI - Musik und Gender im Internet an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

    Kontakt: mugi[at]hfmt-hamburg.de


    Alle Rechte für Text-, Bild- und Tonmaterial liegen, soweit in den Mediennachweisen nicht anders vermerkt, bei der Autorin und MUGI.


    Kommentar

    Texte und Struktur


    Für die multimediale Präsentation "Spielfrauen im Mittelalter" wurde die Musikwissenschaftlerin Constanze Holze beauftragt, das inhaltliche Gerüst zu erarbeiten und die Texte für das Skript zu schreiben.

    Auf der Grundlage dieser Texte erarbeitete Kirsten Reese dann das Konzept der medialen Umsetzung der Site und die Navigationsstruktur. Eine wesentliche Aufgabe bestand zunächst darin, die Texte so in einzelne thematische Bereiche aufzuteilen, dass sie in der Navigation als gleichwertige "Kapitel", als Bereiche und Unterbereiche zugänglich sein würden. Der Unterschied zum Aufbau eines Buches liegt darin, dass es bei einem Buch zwar ebenfalls Kapitel und einen strukturierten Aufbau gibt, der Text jedoch durchlaufend und - mindestens wird das suggeriert - so angelegt ist, dass eines aufs andere aufbaut. Bei einer Internetpräsentation dagegen werden über die Navigation alle Bereiche einer inhaltlichen Ebene angezeigt. Diese Ebenen müssen von ihrer thematischen Relevanz und in ihren Proportionen aufeinander abgestimmt sein. Da es möglich ist, zwischen verschiedenen Kapiteln hin- und herzuspringen, müssen die Texte in sich abgeschlossen sein bzw. sich über Links inhaltliche Verknüpfungen herstellen lassen. Notwendig ist also einerseits eine besondere Klarheit im Aufbau und andererseits die Herstellung von Referenzpunkten zu anderen Bereichen der Site. Allein die Durchverlinkung der Texte ist anspruchsvoll und aufwendig. Zudem müssen die Texte neben der üblichen Redigierung auch stilistisch dem Medium adäquat aufbereitet werden.


    Als navigatorische Besonderheit wurden für die Site die so genannten "Reigen" entwickelt: weiter aufgefächerte "Mini-Bereiche" zu einem Thema, eine Aufzählung von Stichpunkten, die meist nur mit wenigen Sätzen erläutert werden.


    Insgesamt gibt es vier inhaltliche Bereiche auf der Site, denen jeweils eine Farbe zugeordnet ist. Im orangenen Bereich geht es um Informationen über die Spielfrauen und ihre Tätigkeiten, im roten Bereich um Ausbildung, Tätigkeiten und Musikpraxis der Spielleute, im violetten Bereich um sozialgeschichtliche Aspekte. Der blaue Bereich behandelt Forschungsfragen und Rezeption des Themas in künstlerischer und wissenschaftlicher Hinsicht. Weil es hier um unsere heutige Perspektive geht, wurde als Farbe blau und nicht wie in den drei anderen Bereichen ein roter Farbton gewählt.


    Inhalte


    Ein starker, inhaltlich begründeter Akzent bei der Arbeit an den Ausgangstexten und ihrer Strukturierung lag darin, deutlich zu machen, dass wir zum Thema "Spielfrauen im Mittelalter" eigentlich nur sehr wenig wissen. Zum einen sind insgesamt aus dem Mittelalter weniger Quellen erhalten als aus späteren geschichtlichen Zeiträumen. Zweitens sind gerade im Bereich der weltlichen, nicht-höfischen Musik aufgrund der überwiegend oralen Überlieferung und der sozialen Geringschätzung der Akteure nur wenige Quellen erhalten, und drittens gilt dies besonders für die Gruppe der Spielfrauen unter den Spielleuten. Eine ständige Reflexion dieser Aspekte auf allen Ebenen der Site war ein wesentlicher inhaltlicher Ansatzpunkt.


    Im Bereich "Spielfrauen" findet sich daher zunächst eine Einführung in die zeitlichen und räumlichen Eingrenzungen des Themas - denn bei den nachfolgenden Informationen innerhalb dieses Bereichs darüber, wer eine Spielfrau war und was sie tat, muss im Hinblick auf die zitierten Quellen, Abbildungen und Musikbeispiele die regionale und zeitliche Verortung stets mitreflektiert werden. Um einen Überblick zu erhalten, wurde - von einer studentischen Hilfskraft, die an dem Projekt mitgewirkte - eine von historischen Karten abgeleitete farbige Karte erstellt, die einige der historischen Regionen anzeigt. Im Bereich "Bedeutungsspielräume" wird diskutiert, dass eine "Definition" der Spielfrau problematisch ist, sowohl aufgrund der Quellenlage als auch weil es eine berufliche Spezialisierung in unserem heutigen Sinn noch nicht gab. Daher sind die Spezialisierungen im "Spielfrauenreigen" weniger als Berufs-, sondern als Tätigkeitsbezeichnungen zu verstehen. Angeführt werden im "Spielfrauenreigen": cantaressa, fidicina, harperesse, joglaressa, mima, spilwip, saltatrice, soldadera, timpanatrix, trobairitz. Im "Namenreigen" folgt eine Auflistung der Spielfrauen, die namentlich bekannt geworden sind.


    Im roten Bereich mit den Unterbereichen "Beruf", "Instrumente", "Gesang" und "Repertoire" geht es um die musikalischen Aufgaben, die Spielfrauen und Spielmänner übernahmen, und um die von ihnen kreierte und interpretierte Musik sowie um die Instrumente, die sie verwendeten. Dieser Bereich wie auch der nächste zum sozialgeschichtlichen Kontext bezieht sich größtenteils auf die Spielleute insgesamt, auf Männer und Frauen. Um hier wiederum die Passagen abzusetzen, die sich ganz konkret auf die Frauen unter den Spielleuten beziehen, wurden diese in hellblauer Textfarbe gekennzeichnet.


    Bild- und Musikauswahl


    Die Auswahl der Abbildungen und Musikbeispiele war für diese multimediale Site ganz besonders wichtig. Die Autorin Constanze Holze nahm für die Auswahl der Abbildungen die grundlegende Printpublikation des Musikwissenschaftlers Walter Salmen "Spielfrauen im Mittelalter" (2000) zur Grundlage. Bereits in den 1970er und -80er Jahren hatte Walter Salmen zu Spielleuten publiziert und in europäischen Handschriftensammlungen nach Quellen und Abbildungen recherchiert. Viele Abbildungen stammen aus den Handschriftensammlungen großer europäischer Bibliotheken wie der Bibliothèque nationale in Paris und der British Library in London. Die Abbildungen wurden von MUGI als hochwertige Scans von den Bibliotheken bestellt, Nutzungsrechte mussten erworben werden. In diesem Zusammenhang wurde in den Online-Archiven der großen Bibliotheken erneut recherchiert und es wurden noch einige Abbildungen von Spielfrauen und anderen thematisch passenden Sujets gefunden.

    Eine weitere Aufgabe bestand in der Zuordnung der Bilder (Walter Salmen bringt seine Auswahl als Aneinanderreihung am Schluss seines Buches). Viele Abbildungen lassen sich nicht eindeutig einem bestimmten inhaltlichen Bereich der Site zuordnen, z.B. sind die Bezeichnungen im "Spielfrauenreigen" nicht unbedingt deckungsgleich mit den vorliegenden Abbildungen (eine abgebildete Spielfrau lässt sich kaum als "typische" tympanatrix oder als "typische" mima bezeichnen, da die Begriffe vielfältige Überschneidungen mit anderen Bezeichnungen wie etwa der saltatrice - allgemeine Bezeichnung für eine Tänzerin - aufweisen).

    Die gestalterische Einbindung der Abbildungen in die Site (s.u. Design und Programmierung) stellt eine Verbindung zum Prozess der ikonografischen Forschung her. Handschriftenabbildungen werden in verschiedenen Ausschnitten gezeigt, erst das genaue "Hineinzoomen"

    in eine winzige Abbildung einer Marginalie offenbart Spuren der musikalischen Tätigkeit von Frauen in verschiedenen Perioden des Mittelalters.


    Noch spannender und anspruchsvoller war die Auswahl der Musikbeispiele. Es ist heute eine große Auswahl an Aufnahmen mittelalterlicher Musik verfügbar, wenn auch überwiegend von geistlicher und höfischer Musik (Stichwort Minnesänger und troubadours). Wiederum ausgehend von den Vorschlägen der Autorin Constanze Holze recherchierte Kirsten Reese nach weiteren aussagekräftigen Musikbeispielen. Dabei war uns wichtig, dass sowohl Interpreten der 1970er Jahre, die für die Entdeckung dieser Musik wichtige Pioniere waren, erscheinen, sowie aktuellere Aufnahmen.

    Wie auch bei der 'Wiederentdeckung' anderer Musikepochen und -stile kamen wichtige Impulse für die erneute Beschäftigung mit der weltlichen Musik des Mittelalters nicht aus der Musikwissenschaft, sondern aus der Musikpraxis. Musiker haben Jahrzehnte lang geforscht und sich mit den Fragen einer adäquaten Aufführungspraxis auseinandergesetzt. Denn anders als bei den überlieferten Bildern geht es bei diesen Quellen darum, die Musik wieder zum Klingen zu bringen (wobei ikonografische Quellen oft entscheidende Hinweise für die Aufführungspraxis liefern). Die für die Site ausgewählten Klangbeispiele sollten verdeutlichen, dass es sich nicht um "gelehrte" Aufnahmen handelt, die Forschungsergebnisse lediglich illustrieren, sondern um Musik, die heute noch für Musiker und Hörer von Bedeutung ist. Ihre Interpretation bedarf besonderer Kreativität, da die Musik kaum notiert wurde und die vorhandenen Quellen nur eine Grundlage für das Musizieren darstellen, die durch das Kontextwissen der Musiker und die eigene Musiziererfahrung einfühlsam ergänzt werden müssen. Viele der aktuellen Einspielungen demonstrieren, dass die Lückenhaftigkeit der Überlieferung auch eine Chance ist, etwa durch Improvisation, Wahl der Instrumentierung usw. kreativ mit dem Material umzugehen.

    Dass man so relativ wenig über die Musizierpraxis und Komponierpraxis weiß, ist gerade in Bezug auf das Thema Spielfrauen auch ein Vorteil: von den meisten Stücken sind die Urheber nicht bekannt. Wer ein Stück komponiert hat, ob es überhaupt von einem einzelnen Menschen komponiert wurde oder ob es nicht vielmehr ein Produkt einer gemeinschaftlichen, immer weiter tradierten künstlerischen Praxis ist, lässt sich nicht feststellen. Diese Tatsache erlaubt es aber auch, umgekehrt anzunehmen, dass die anonymen Stücke von Frauen komponiert worden sein könnten bzw. dass an ihrer Entstehung Frauen mitgewirkt haben könnten. Hinzu kommt, dass viele der heutigen Interpreten Frauen sind.


    Die Auseinandersetzung mit Geschichte als Prozess zwischen minutiöser Forschungsarbeit und Rekonstruktion, aber auch zwischen Projektionen und imaginativen Zugängen wird gerade durch die in die Site eingebundenen Abbildungen und Musikbeispiele thematisiert. Zudem werden verschiedene Aspekte dieser Auseinandersetzung in den Bereichen "Forschungsfragen" und "Rezeption" thematisiert.


    Design und Programmierung


    Das Design der Site, das Pepe Jürgens entwickelte, sollte die bunte Vielfalt des Themas widerspiegeln. Jeder Hauptbereich hat eine eigene Farbe: rot, orange und lila für inhaltliche Bereiche, blau für die aus heutiger Sicht reflektierenden Bereiche. Die Farbgebung bestimmt das gesamte Design des jeweiligen Bereichs, etwa die Farbe der Borte am Browserrand, die Rahmen der Abbildungen, die Farbe des Audioplayers usw. Die Links sind immer in den Farben der Bereiche gestaltet, in die hinverlinkt wird. Zahlreiche Links zeigen zusätzlich als "thumbnail" die Abbildung, die auf der verlinkten Seite zu sehen ist.

    Die Buntheit des Designs bezieht sich auch auf die gezeigten Abbildungen aus den Handschriften. Sie repräsentieren verschiedene Zeiträume und Stile, manche wirken auf uns heute naiv und verspielt. Das Design sollte den Charakter der Abbildungen aufgreifen, aber nicht archaisierend, sondern frisch und modern wirken (ein Beispiel dafür wäre die Borte am Browserrand, die Umrandungen von Handschriften aufgreift, aber dennoch abstrahiert). Wesentlich war auch, dass das Design die Übersichtlichkeit der Navigation betont und ansprechend wirkt.


    Für die Startseite bestand die ursprüngliche Idee darin, einen Reigen aus den Abbildungen verschiedener Spielfrauen kreisen und tanzen zu lassen, von denen aus man gleich zu den einzelnen Bereichen der Site gelangen könnte. Der Designer Pepe Jürgens schlug statt des Reigens einen Fächer vor, bei dem man die einzelnen Abbildungen aufziehen und dann in den richtigen Proportionen betrachten kann. Unter dem Fächer findet sich eine zweizeilige Leiste mit Kästchen, die Musikbeispiele beinhalten. Auch von den Klangbeispielen aus ist eine direkte Verlinkung in die Bereiche der Site möglich.

    Pepe Jürgens fügte in die Site einen eigens designten Audioplayer ein, der automatisch Musik zu spielen beginnt, wenn man auf eine Seite gelangt, wenn man die Seite jedoch schon einmal besucht hat, kann die Musik vom Nutzer selbst gestartet werden.


    Die Abbildungen auf der Site werden in hoher Qualität und Auflösung wiedergegeben. Bei den meisten Bildern kann man zudem verschiedene Ausschnitte anwählen, die vergrößert dargestellt werden, oder umgekehrt, zu einer Marginalie sieht man zusätzlich noch das Handschriftenblatt, aus dem dieser Ausschnitt stammt. Dieses virtuelle "Hinein- und Herausgehen" aus einer Quelle versinnbildlicht die detektivische Forschungsarbeit, die für das Aufspüren der Existenz und dem Wirken von Spielfrauen im Mittelalter notwendig ist.

    Konklusion


    Die multimediale Präsentation "Spielfrauen im Mittelalter" präsentiert einerseits die vorhandenen Quellen - die aufgefunden Abbildungen aus Handschriften und eine Auswahl an Musikinterpretationen der letzten Jahrzehnte - in hoher Qualität und ästhetisch ansprechend. Andererseits geben die Texte einen inhaltlichen Einblick in das Wirken und den Lebenskontext von Spielfrauen. Die Texte und die eingebundenen Medien machen deutlich, dass es selbst bei diesem Thema möglich ist, aus den wenigen überlieferten Quellen Informationen herauszulesen und Details zu rekonstruieren. Wenn man einmal beginnt zu suchen und sich mit dem Quellenmaterial auseinanderzusetzen, tritt vieles zum Vorschein, das in Vergessenheit geraten war. Gleichzeitig bieten die Navigation und die Texte der Site immer eine Reflexionsebene, die besagt: wir wissen dennoch nicht, wie es "wirklich" war.

    Das Internet als multimediales, interaktives Medium eignet sich für diesen Präsentationsansatz besonders gut. Bilder und Musik fördern imaginative Zugänge, andererseits werden durch den sinnlichen und spielerischen Ansatz - z.B. durch die Möglichkeit des Aufziehens des Fächers am Anfang - Entdeckerlust und Offenheit geweckt.