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  • Licht und Klang. Aspekte der Raumwahrnehmung in Klanginstallationen von Christina Kubisch

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    Impressum

    Konzept: Claudia Tittel, Kirsten Reese, Thomas Nösler, Sakrowski

    Texte: Claudia Tittel

    Design und Programmierung: Thomas Nösler, Sakrowski

    Redaktion: Kirsten Reese


    Alle Rechte des Bild- und Tonmaterials liegen bei Christina Kubisch.

    Realisierung: Juni 2004


    Kommentar

    1. Design
    2. Verwendete Texte und ihre Umstrukturierung für die Internetumsetzung: Wahrnehmungsbeschreibung
    3. Dynamisierung des Textes und Steuerung des Leseprozesses
    4. Darstellung von Material und Kompositionsprozess
    5. Darstellung übergreifender technischer und künstlerischer Prinzipien
    6. "Lebenslinien"


    Design


    Die multimediale Präsentation mit allen Navigationsmöglichkeiten ist in eine Flash-Umgebung eingebunden. Die grafischen Gestaltungselemente (grüne Lichtstreifen) sind abgeleitet von einem Foto einer Arbeit von Christina Kubisch. Der Hintergrund der Seiten ist schwarz, die Schrift weiß. Die Gestaltung knüpft an visuelle Aspekte der Arbeiten der Künstlerin an, denn in vielen Klanginstallationen arbeitet Christina Kubisch mit UV Licht: Lautsprecher, Kabel oder andere Objekte sind mit fluoreszierender Farbe bestrichen, so dass sie unter Schwarzlicht im Dunkeln grün leuchten.


    Ein weiteres individuell gestaltetes Element ist die Navigations"leiste" für die Hauptnavigation unten links: senkrechte Striche sind abgeleitet von der digitalen Darstellung einer akustischen Wellenform, z.B. in einer Audiosoftware.


    Verwendete Texte und ihre Umstrukturierung für die Internetumsetzung: Wahrnehmungsbeschreibung


    Die für die Internetsite geschriebenen Texte wurden von der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Claudia Tittel verfasst. Sie ist Autorin einer 2004 abgeschlossenen Dissertation mit dem Titel "KLANG/ZEIT/LICHTRaum. Klang als plastisches Material im Spannungsbereich zwischen Musik und bildender Kunst. Untersuchungen zum Werk von Christina Kubisch". Claudia Tittel analysiert in ihrer Untersuchung zahlreiche Klanginstallationen. Dabei taucht das Problem auf, auf welche Form des Werkes man sich bei der Analyse einer Klanginstallation, für die akustische, visuelle und räumliche Eigenschaften eine zentrale Bedeutung haben, beziehen kann: Claudia Tittel weist darauf hin, dass übliche Dokumentationsmedien (Audio- oder Videoaufnahmen) oft nicht ausreichen, weil sie z.B. den räumlichen Eindruck des Werks nicht erfassen (S.23). Indem sie ausführliche Beschreibungen der Wahrnehmung der Installationen anfertigt, an die sie analytische Beobachtungen anknüpft, findet die Autorin eine Lösung für das Problem der Analyse von Werken, für die es keine Partitur gibt. (Sie selbst diskutiert diesen methodischen Ansatz jedoch nicht.) In Anlehnung an den in den 1960er/70er Jahren für die elektronische Musik entwickelten Begriff der "Hörpartitur" könnte man von der Anfertigung einer "Wahrnehmungspartitur" bzw. einem "Wahrnehmungsprotokoll" sprechen.


    Dynamisierung des Textes und Steuerung des Leseprozesses


    Naturgemäß sind die "Wahrnehmungsprotokolle" durch ihre Detailliertheit mit einer großen Menge an Text verbunden - dies ist aber für eine multimediale Präsentation nicht erwünscht, weil nicht "mediengerecht" (-> siehe Forschungsbericht). Die Ausgangstexte wurden daher insgesamt gekürzt und umstrukturiert. Indem sie in Abschnitte unterteilt und Bildern zugeordnet wurden, wurden sie zugleich "dynamisiert" und der Leseprozess wurde gesteuert. Die Methode der Wahrnehmungsprotokolle wird zum Gestaltungsprinzip, was im folgenden an einem Beispiel dargestellt werden soll.


    Beispiel 1: Bereich "KlangFlussLichtQuelle" - "Raumwahrnehmung"


    Auf der ersten Seite dieses Bereichs sind drei Fotos eingebunden, die ineinander überblenden. Die Seite hat keinen schriftlichen Kommentar. Auf der Unterseite mit dem Stichwort "visuell" sind 3 Textseiten anklickbar. Jede dieser Seiten zeigt jeweils ein Foto, wobei sich sowohl die Textabschnitte als auch das Foto vor dem dunklen Hintergrund langsam einblenden. Die Seiten enthalten folgende Texte:


    1. Seite:


    "Die Besucher betraten zunächst einen dunklen Raum."


    Dieser erste, für sich stehende Satz versetzt die-/denjenigen, die/der sich die Internetseite anschaut, gewissermaßen in die Perspektive der Besucher der Klanginstallation: So wie der Ausgangspunkt der Wahrnehmung für die Besucher der dunkele Raum ist, ist es für die/den Nutzer/in der schwarze Bildschirmhintergrund.


    Es folgt eine quasi neutrale Beschreibung dessen, was die/der Betrachter/in sieht.


    "Auf beiden Seiten des Raumes bildeten vierzig quaderförmige Betonpfeiler mit fluoreszierendem, unterschiedlich angeordnetem, grünleuchtendem Linienschmuck eine zweihundert Meter lange Flucht in den Raum.


    Die Linienanordnung schien in der Gesamtheit vorerst einheitlich, bei genauerem Hinsehen variierte sie jedoch zwischen den einzelnen Stützen stark. Wie sich durch die Perspektive des Raumes die Pfeiler verkleinerten, verjüngten sich auch die Zwischenräume zwischen den Linien in Blickrichtung."


    2. Seite:


    Auf der nächsten Seite wird beschrieben, wie das Gesehene auf die/den Betrachter/in wirkt:


    "Durch die den Betonpfeiler unterschiedlich spiralförmig umwickelten Leuchtstreifen oszillierte der Raum. Einerseits löste sich die schwere Masse der Pfeiler auf, andererseits bildeten sich leicht bewegende immaterielle plastische Körper im Raum, die sich oberhalb spiegelten. Die Decke selbst schien wie ein schwarzer Schleier auf dem Raum zu liegen, so dass auch ihre Schwere aufgelöst war. An manchen Stellen am Boden waren kleine Pfützen sichtbar, die einzelne Details der leuchtenden Linien fragmentarisch widerspiegelten, so dass an diesen Stellen der Boden zu einem See wurde."


    3. Seite:


    Der dritte Schritt ist die eigentliche "Analyse", eine Beschreibung aus der Sicht der distanzierten Beobachterin, die die beiden Wahrnehmungsmodi - was sehe ich? wie wirkt es auf mich? - zusammenbringt.


    "Durch den Einsatz von Schwarzlicht wurde die Atmosphäre des Ortes und somit auch seine Materialität verändert. Die räumlichen Körper – wie die Betonpfeiler – wurden unsichtbar, und der Raum schien selbst aufgelöst zu sein, nicht mehr zu existieren. Die durch die Leuchtstreifen gebildeten „immateriellen Skulpturen“ wurden als einzige „Objekte“ wahrgenommen. Sie waren die einzigen Bezugspunkte für das menschliche Auge, zu denen es schweifte, um sie zu fixieren. Da das normalerweise zur visuellen Raumerfassung benötigte Licht in all seinen Schattierungen nicht vorhanden war, versuchte das Auge immer wieder, ausgehend von den virtuellen Lichtquellen, einen Gegenstand im Raum auszumachen, an dem es sich orientieren konnte. Raumgröße und -höhe, seine Breite und Tiefe konnten nicht geschätzt, seine Öffnungen zur Außenwelt und die den Raum strukturierenden oder tragenden Elemente nicht unterschieden, sein architektonisches Material nicht bestimmt werden."


    Die kurzen Texte beschreiben und analysieren die Wahrnehmungssituation. Dass sie auf 3 Seiten verteilt sind, entspricht einer inhaltlichen Gliederung des Wahrnehmungs- und Analyseprozesses. Dabei korrespondieren die Texte mit den auf der ersten Seite des Bereichs abgebildeten Fotos: in den Texten ist von der "Immaterialiät" der Seheindrücke der Besucher die Rede, von Spiegelungen und schwarzen Schleiern, und genau dies wird durch das Überblenden, das "Verschwimmen" der Fotos nachvollziehbar.


    Trotz der Kürzung und Umstrukturierung der Ausgangstexte sind die Texte auf den jeweiligen Internetseiten immer noch relativ lang. Indem sie Wahrnehmung beschreiben, leisten sie etwas verhältnismäßig Abstraktes, der Wahrnehmungsvorgang wird "auseinandergenommen", muss aber von der/dem Leser/in innerlich wieder zusammengesetzt, wieder sinnlich vorgestellt, werden. Die Texte müssen nachvollziehend, also langsamer, gelesen werden. Dieser Zeitstrukturierung des Lesens und Verstehens entspricht, dass die in Flash programmierte Seite sich (wie ein Film) in einer (kaum merklichen) zeitlichen Abfolge aufbaut, Texte und Bilder treten allmählich aus dem Dunkeln hervor. Die Bilder bleiben im Hintergrund sichtbar, der visuelle, sinnliche Eindruck dessen, was beschrieben wird, ist also ständig präsent.


    Dieses erste Beispiel dafür, wie der Vorgang des Beschreibens und Analysierens zum Gestaltungsprinzip wird, bezieht sich auf die visuelle Wahrnehmung und Gestaltung. Beim nächsten Beispiel, tragen neben den visuellen auch akustische Komponenten zu einer Nachvollziehbarmachung der Wahrnehmungserfahrung bei.


    Beispiel 2: Bereich "Diapason" - Hörerfahrung


    Auf dieser Seite findet sich folgender Text, der die Hörerfahrung der Rezipienten beschreibt:


    In verschiedenen Dauern und zeitlichen Abständen waren Töne zu hören, synthetisch und doch unbestimmt natürlich anmutend. Sie erschienen nacheinander wie Hörpunkte aus dem Dunkeln, blieben einen Moment stehen, um dann wieder im Dunkeln zu verschwinden. Ein neuer Ton schwoll an, stand, klang, bis er nicht mehr wahrzunehmen war und von einem anderen Ton abgelöst wurde. (...)


    Doch auch hier konnte der Rezipient selbst eingreifen: Konzentrierte er sich auf einen spezifischen Klang, vermochte er den An- und Abschwingvorgang des Tones, dem Werden und Gehen zu folgen. Er erfasste jeden Ton einzeln als solchen und erfuhr sein Werden als akustisches Ereignis in der Zeit und im Raum, ohne dabei den wirklichen Zeitpunkt und genauen Ort lokalisieren und bestimmen zu können.

    Die/der Nutzer/in kann ein Audiobeispiel aktivieren und abspielen lassen, während sie/er die Seite liest. Es erklingen Töne von Stimmgabeln, und zwar so, wie es auch im Text beschrieben wird: vereinzelt und mit großen zeitlichem Abstand. Auch die beschriebene Erfahrung der "Ortlosigkeit" der Klänge ist nachvollziehbar: die Töne kommen "aus dem Computer", also aus einer "toten" Maschine, und mehr noch "aus dem Internet", also aus einem virtuellen, unbegrenzten Raum. Aus dem Computer Musik zu hören hat immer noch etwas ein wenig Überraschendes, Befremdliches, sogar Magisches (wie im 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert bei den "talking machines" und Sprechpuppen, und bei der Einführung des Grammophons, auf das das Publikum mit Staunen reagierte), insbesondere wenn es sich nicht um ein "kompaktes"


    Musikbeispiel handelt, sondern um fragile Einzeltöne. Die Computer-Maschine wurde ursprünglich nicht, wie etwa die Stereoanlage, für das Musikhören konzipiert, es hat etwas Unerwartetes, innerhalb einer Browser- oder Flashumgebung während des Lesens und Betrachtens von Bildern plötzlich Klänge zu hören. (Dieser Effekt wäre natürlich noch stärker, wenn, wie eigentlich für die Programmierung der Seite vorgesehen, dass Audiobeispiel automatisch bei Aufrufen der Seite starten würde - aus technischen Gründen wurde dann aber doch ein An- und Ausschalten des Audiobeispiels der Nutzer vorgezogen.) Die im Verhältnis langen Pausen zwischen den Tönen tragen außerdem dazu bei, dass es wirkt, als würden die Töne der/dem Nutzer/in aus dem dunklen Nichts entgegen kommen. Diese Wahrnehmung wird ebenfalls visuell umgesetzt: Auf der rechten unteren Seite des Bildschirms werden verkleinerte und einander überlagernde Fotos angedeutet sichtbar. Klickt man sie an, so vergrößern sie sich, sie bewegen sich nach links und in die Mitte des Bildschirms (also nach oben): sie kommen einem entgegen. Außerdem überlagern sie den Text, der zum Schluss, wenn das Bild seine maximale Größe erreicht hat, ganz verschwindet. Die/der Betrachter/in wird also möglicherweise im Lesen der Wahrnehmungsbeschreibung unterbrochen, er/sie muss das Bild erneut anklicken, dann verkleinert es sich wieder. Wie beim 1. Beispiel zu "KlangFlussLichtQuelle" gibt es einen gegenseitigen Verweis zwischen abstrahierendem Text und sinnlicher, visuell-akustischer Darstellung.


    Ähnliche Bezüge finden sich auch an anderen Stellen der Site, zum Bespiel ist bei


    "KlangFlussLichtQuelle, Raumwahrnehmung visuell" ein Video von der Installation abrufbar. Das Video ist insgesamt sehr dunkel, man sieht nur blaugrün angeleuchtete Figuren (Besucher der Installation), die sich durch das dunkele Bild bewegen, was den Eindruck des Immateriellen, Schwebenden bestätigt, der in den Texten beschrieben wird. Sehr deutlich wahrnehmbar ist dagegen die akustische Ebene mit verschiedenen Wasserklängen - auch dies entspricht der Live-Rezeptionssituation, denn die Besucher hörten ihren individuellen Klang sehr nah und konkret über Kopfhörer. Sie konnten sich durch die Installation bewegen, und hörten unterschiedliche Wasserklänge, je nachdem, welcher Säule sie sich näherten.


    Darstellung von Material und Kompositionsprozess


    Neben der Beschreibung der visuellen und akustischen Wahrnehmung und Rezeption ist eine weitere Möglichkeit der Annäherung, der "Analyse" einer Installation die Darstellung ihres technischen Aufbaus und ein genaueres Betrachten des klanglichen Materials, das verwendet wird (dies wäre etwa vergleichbar mit der Analyse von Harmonien oder Zwölftonreihen in Partituren für notierte, von Instrumenten oder Stimmen zu interpretierende Musik). Die multimediale Präsentation tut dies exemplarisch anhand von kleinen Beispielen:


    Bei "KlangFlussLichtQuelle - Raumwahrnehmung auditiv" ist eine Skizze des Installationsaufbaus anklickbar, auf dem die Zuordnung der Klänge zu den Säulen markiert ist. Ein Ausschnitt der Skizze mit vier Säulen lässt sich vergrößern. Fährt die/der Nutzer/in mit der Maus über eine Säule, so erklingt ein spezifischer Wasserklang (z.B. Blubbern, Flussrauschen und Wassertropfen). Die Skizze taucht übrigens auch in dem Video im Bereich "KlangFlussLichtQuelle - Aufbau" auf, wo die Komponistin anhand der Skizze den Ablauf der Installation erklärt.


    Bei "Diapason - Klangliche Struktur" werden Fotos der verwendeten Stimmgabeln und ein Foto der Künstlerin beim Aufnehmen der Stimmgabelklänge gezeigt. Der Text beschreibt, wie die Stimmgabeltöne (also das klangliche Material) ausgewählt und aufgenommen wurden und erläutert die Entstehung von Schwebungen (Differenztönen), die sich zwischen den Tönen entwickeln.


    In diesem Bereich ist weiterhin eine von der Komponistin während des Kompositionsprozesses selbst angefertigte Skizze eines der Lautsprecherfelder (insgesamt gab es drei) eingebunden. Dieses "Feld I" zeigt die Zuordnung der Lautsprecher zu den einzelnen Stimmgabelklängen. Man kann sie einzeln anklicken und es erklingt dann jeweils nur ein Stimmgabelklang, die "Komposition" wird so exemplarisch in ihren einzelnen Bestandteilen hörbar gemacht.


    Darstellung übergreifender technischer und künstlerischer Prinzipien


    Für die multimediale Präsentation wurden zwei Klanginstallationen von Christina Kubisch ausgewählt, die technische, künstlerische und ästhetische Prinzipien ihrer Arbeiten exemplarisch veranschaulichen.


    In "KlangFlussLichtQuelle" verwendet Kubisch zwei technische Prinzipien, die auch vielen anderen ihrer Installationen zugrunde liegen: magnetische Induktion und Schwarzlicht oder UV-Licht. In zwei Unterbereichen werden diese Verfahrensweisen erklärt und anschaulich gemacht.


    Magnetische Induktion: Auf 2 Textseiten wird die Technik der magnetischen Induktion erklärt. Man kann sich durch eine Diashow mit 4 Fotos von Installationen klicken, die mit diesem Prinzip verwirklicht wurden. Es wird sofort anschaulich, inwieweit die Installationen einander ähneln (auf den Fotos sieht man Kabel und Kopfhörer), und andererseits auch, welche vielfältigen Anordnungen und Hörhaltungen der Rezipienten möglich sind.


    Schwarzlicht: Auf 2 Textseiten wird die Technik des Schwarzlichtes erklärt. Man kann sich durch eine Diashow mit 3 Fotos von Installationen klicken, die das UV-Licht als Lichtquelle verwenden. Auch hier wird visuell das Prinzip sofort anschaulich: alle Fotos haben einen schimmernden Blauton (UV-Licht bewirkt, dass mit phosphorisierender Farbe bestrichene Objekte blau oder blaugrün leuchten).


    In beiden Bereichen kann die/der Nutzer/in vom Text über die verlinkten Namen der Arbeiten direkt zum Foto der jeweiligen Installation gelangen. Alternativ kann man aber auch nur die Diashow "durchklicken" - diese Form der Darstellung eignet sich besonders, um Ähnlichkeiten und Varianten durch den unmittelbaren Vergleich sofort auszumachen, sie "springen sofort ins Auge".


    Sowohl bei KlangFlussLichtQuelle als auch bei Diapason wird auch immer wieder auf übergreifende "inhaltliche" künstlerische Prinzipien verwiesen, wie Gedächtniskonstruktion/Erinnerung (dem Bereich "KlangFlussLichtQuelle" zugeordnet, mit Diashow) und Ortsspezifik (dem Bereich "Diapason" zugeordnet).


    "Lebenslinien"


    Bei der Konzeption der multimedialen Präsentation sollte deutlich werden, dass sie nicht als personenbezogene Site über eine Künstlerin (oder gar als "Homepage" - Christina Kubisch hat eine informative und gut strukturierte Homepage, die unter "Links" angegeben ist) angelegt wurde, sondern dass spezifische Werke und charakteristische arbeitstechnische und ästhetische Prinzipien dargestellt werden sollten. Biografische Informationen wurden dennoch in die Site aufgenommen. Sie sind in dem Bereich "Lebenslinien" untergebracht, dieser "offenere" Begriff wurde bewusst gewählt als Alternative etwa zu "Biografie" o.ä.


    Auf drei Textseiten wird Kubischs künstlerischer Weg nachgezeichnet. Besonders herausgehoben werden frühere Arbeiten, die deutlich machen, mit welchen Werkformen (Performances und Kompositionen) Kubisch experimentierte, bevor sie sich (wenn auch nicht ausschließlich) auf Klanginstallationen konzentrierte, für die sie heute insbesondere bekannt ist.


    Die Werke werden über Fotos und Audiomaterial dargestellt. So sind bei "Identikit" ein Foto und eine Audiodatei mit der ganzen Komposition (weil die Komposition als ganzes eine linearen Spannungsverlauf von "sehr vielen Tönen" zu "sehr wenigen" bis zu "gar keinem Ton mehr" nimmt, sollte sie nicht nur als Ausschnitt präsentiert werden) abrufbar, die installative Performance "Two and Two" wird durch vier Fotos und vier Audioausschnitte dokumentiert.


    Bei den Performances "Emergency Solos" finden sich gestalterisch/technische Besonderheiten: Bei "It's so touchy" erklingen, wenn man Audiobutton anklickt, sehr leise Klickgeräusche, sie sind kaum wahrnehmbar und ähneln dem Klicken der Tasten auf der Computertastatur. Als Nutzer/in mag man also zunächst irritiert sein, bis man realisiert, dass es sich tatsächlich um ein Audiobeispiel handelt - ähnlich verwundert hat möglicherweise das Publikum in der Live-Situation der Performances in den 1970er Jahren reagiert. Die anderen beiden Stücke der "Emergency Solos" werden über die Original-Performanceanweisungen (in Englisch, da die Performances in New York aufgeführt wurden) und über animierte Fotos dargestellt, die jeweils den "springenden Punkt" im Ablauf der Performance visualisieren: Bei "Private Piece" ist es das Verschließen des Mundlochs der Flöte mit dem Finger am Ohr der Flötistin - nur sie hört die durch das Verschließen des Rohrs ausgelösten Resonanzveränderungen (daher der Titel des Stücks), und so erklärt sich, dass es hier kein Audiobeispiel gibt. Bei "Erotica" zeigt die Animation das Aufblasen eines Kondoms. Das Audiobeispiel ist zunächst ebenfalls sehr leise, dann hört man die Reaktionen des Publikums - Gelächter, erst vereinzelt, dann immer lauter werdend - und schließlich auch Blasgeräusche. Durch den auditiven Fokus auf das Gelächter steht die Reaktion des Publikums im Mittelpunkt, und weniger der klangliche Anteil der Performance. Dadurch bekommt die Aufnahme einen besonders starken Dokumentationscharakter und eignet sich dementsprechend für eine Präsentation im Internet mit Foto und Text besser als auf einer CD.