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  • Klanginstallationen von Kirsten Reese

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    Impressum

    Konzept: Kirsten Reese

    Webdesign und -programmierung: Julia Gerlach


    Fotos: Silvia Nagel, Kirsten Reese, Ingrid Schreiber und Angela Zohlen.

    Die Seite wurde 2002 im Rahmen des Forschungsprojekts Musik und Gender im Internet am Musikwissenschaftlichen Seminar der Musikhochschule Detmold/ Universität Paderborn realisiert und vom Innovationsprogramm der Universität Paderborn finanziert.


    Kommentar

    1. Genese und Projekthintergrund
    2. Entstehungsprozess und Methoden


    Genese und Projekthintergrund


    Die multimediale Präsentation zu Kirsten Reese entstand im Herbst 2001 als eine von acht “Fallbeispielen“ für multimediale Darstellungen auf der Internetplattform des Forschungsprojekts MUGI, für das damals das Gesamtkonzept erarbeitet wurde. Vier multimediale Präsentationen waren zeitgenössischen Komponistinnen gewidmet: Natalia Pschenitschnikova, Kirsten Reese, Ana Maria Rodriguez und Katia Tchemberdji. Die Präsentationen wurden von Kirsten Reese, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei MUGI, in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Komponistin, inhaltlich konzipiert und von einer/einem Webdesigner/in programmiert. Bei jeder Präsentation standen jeweils andere Aspekte im Mittelpunkt der Darstellung, die sich zum einen aus der Materiallage und dem Profil der Komponistin (Arbeit mit elektronischen Medien, Performance, Unterrichtstätigkeit usw.) ergaben, zum anderen aus der Absicht, in den Fallbeispielen verschiedene Methoden und Darstellungsformen auszuprobieren (also z.B. interaktive Werkdokumentationen, Interview mit Audioausschnitten usw.). Auch Layout und Design sind bewusst immer verschieden, um jeder Seite ein eigenes „Gesicht“ zu geben, das auch durch die Art der Darstellung inhaltliche Akzente setzt.


    Kirsten Reese: Sehen/Hören/Lesen/Assoziieren. Überlegungen zu Darstellungsmöglichkeiten in und mit multimedialen und interaktiven Medien


    Konzept und Methoden


    Bei der multimedialen Präsentation zu Kirsten Reese werden zwei Klanginstallationen, „Der tönende See“ und „Contained“ in einem Dokumentations- und einem Präsentationsteil interaktiv vorgestellt. Der inhaltliche und gestalterische Schwerpunkt lag bei der Darstellung von „Der tönende See“.


    Interaktive Präsentation „Der tönende See“


    Bei diesem in einer Flash Umgebung programmierten Bereich ging es darum, Aspekte eines Werks darzustellen, die sich auf üblichen "Musik"- Medien wie einer Partitur oder einer Audio-CD nicht dokumentieren lassen. Insbesondere ging es um folgende Aspekte:


    Multimedialität: „Der tönende See“ ist eine audiovisuelle Arbeit, die neben den klanglichen Bestandteilen auch bestimmt wird durch die visuellen und atmosphärischen Charakteristiken des Aufführungsortes. Diese werden über die verwendeten Fotos vermittelt: auf der Anfangsseite des Flashfilms erscheint ein Foto von einem von Wald umrandeten See. Das Foto ist umgeben von einem schwarzen Rahmen. Durch die dunkele Umrahmung (und weil es auf der Seite keinen Text gibt) wirkt das auf dem Foto Abgebildete so, als würde es auf einer Bühne präsentiert; es handelt sich um eine Inszenierung.


    Nichtlinearität: Einen Tonträger oder einen Film hört oder betrachtet man normalerweise von Anfang bis Ende. "Der tönende See" hatte zwar einen Anfang und einen Schluss und auch eine definierte Länge (40 Minuten), war aber bestimmt durch eine Mehrdimensionalität der klanglichen Ereignisse: die Klangquellen (elektronisch produzierte Klangsequenzen und gesprochene Märchentexte) bewegten sich von Wind und Strömung getrieben und mischten sich mit Naturgeräuschen. Auch die Zuhörer blieben nicht stehen, sondern gingen um den See herum, veränderten also ihren Hörwinkel. Je nach Position der Zuhörer im Verhältnis zu den sich über den See fortbewegenden klingenden Schüsseln konnten jeweils andere Klänge hervortreten oder sich in jeweils anderen Kombinationen vermischen.


    Dieser Aspekt ist gestalterisch wie folgt umgesetzt: Im ersten Bild des Flashfilms sieht man zunächst acht Schüsseln. Hinter ihnen „verbergen“ sich Klänge aus unterschiedlichen Abschnitten der elektronischen Komposition. Welche Schüsseln zuerst per Maus angesteuert und gehört werden, ist nicht vorgegeben. Fünf Schüsseln fangen an zu tönen, wenn man mit der Maus über sie fährt (roll-over). Die anderen lassen sich anklicken, worauf sich weitere Unterseiten mit Fotos mit weiteren Schüsseln öffnen. Die Nutzer können sich, wie die Besucher der Aufführung, individuell den Schüsseln nähern, um das Klanggeschehen zu verfolgen.

    Die Vermittlung von Nicht-Linearität und Mehrdimensionalität geschieht auch durch die spezifische nicht-lineare Qualität des Bildes selbst, wie sie von dem Medienwissenschaflter Knut Hickethier beschrieben wird:"[...] wenn die Augen des Betrachters das Bild 'abfahren', so erfolgt dies nicht wie bei der Schrift zeilenartig, sondern attraktionsorientiert. Das Bild hat also einen stärker ganzheitlich wirkenden Charakter, der Gleichzeitigkeit (und damit auch Nicht-Zeitlichkeit) vermittelt.“ (Knut Hickethier. Einführung in die Medienwissenschaft. Metzler: Stuttgart, Weimar 2003. S. 84.)


    Ein weiterer Aspekt der Nicht-Linearität des Werks besteht darin, dass sich die verwendeten elektronischen Klänge auch in der Binnenstruktur des Werks, also in einzelnen Abschnitten der Komposition, in nichtvorhersehbarer Weise überlagerten. Dieser Aspekt wird im Flashfilm dadurch verdeutlicht, dass in einem der Unterfenster ein "Loop" (ein sich automatisch wiederholender Ausschnitt) mit elektronischen Klängen kontinuierlich durchläuft, und der Nutzer/die Nutzerin durch das Anklicken von den zwei Schüsseln, die im Foto des Unterfensters abgebildet sind, zwei weitere Klangschichten hinzufügen kann, die sich in unterschiedlichen Perioden überlagern.


    Einbeziehung der Rezeption: "Der tönende See" wird nicht nur dokumentiert und über die Bilder und Klänge der Arbeit selbst „dargestellt“, auch die Wahrnehmung und Rezeption durch die Zuhörer/Zuschauer wird mitreflektiert. Dies geschieht durch die Einbeziehung von Fotos von „lauschenden“ Zuhörern in Rücken-Ansicht und von Audio-Kommentaren eines Jungen:


    1. Bei drei der Schüsseln des ersten Flashbildes erscheint beim "roll-over" ein Foto mit „Hörenden“ aus dem Publikum der Aufführung. Die Hörenden sind dem Betrachter des Fotos (dem/der Nutzer/in) mit dem Rücken zugewandt. Die Nutzer sehen das, was das Publikum bei einer Aufführung sieht: neben dem Geschehen auf dem See die Rücken der anderen Besucher, die die Aufführung verfolgen. Die „Rücken- Ansicht“ eines Menschen steht in diesem Fall sinnbildlich für Hören und Betrachten. Die Besucher der Aufführung werden als Hörende zu Akteuren, jede und jeder hört - in graduellen Abstufungen - ein anderes Stück. Durch die Einbindung dieser Fotos wird die Rezeption, das gemeinsame Hören und Betrachten der Aufführung, gestalterisch zum Thema.


    2. In einem der Unterfenster kann man zwei Schüsseln anklicken, worauf zwei kurze Kommentare eines etwa sechsjährigen Jungen erklingen, die bei der Aufführung des Stücks zufällig mitgeschnitten wurden: "Die Schüsseln reden sogar richtig." - "Wie kann man denn - äh - äh - wie kann der See denn sprechen?"


    Das Staunen des Jungen wird durch den Ausdruck seiner Stimme wiedergegeben. Die scheinbar belanglosen Kommentare des Kindes sprechen ästhetische und technische Fragen an, die auch die Reaktion erwachsener Zuhörer auf die Arbeit kennzeichnet: zum einen könnte man sagen, dass intuitiv der künstlerische Sinn der Komposition ("die Dinge reden") formuliert wird. Zum anderen ist die Frage, „wie funktioniert denn das?“ Teil der Rezeptionshaltung gerade bei vielen Klanginstallationen. (Insbesondere wenn Klanginstallationen im öffentlichen Raum stattfinden, ist die Erfahrung, dass sich Rezipienten unbefangener trauen, Fragen zu stellen, während in einem klassischen Konzert oft die Ehrfurcht vor der "hohen Kunst", von der sie angeblich nichts verstehen, viele abhält, sich zu äußern). Die Frage nach dem "wie?" und nach der Technik ist eine Form der Annäherung, der Aneignung einer künstlerischen Arbeit. Eine Faszination mit der (Kompositions-)technik, die ein „zu einem sprechendes“ künstlerisches Ergebnis produziert - diese Themen werden in den zwei kurzen Sätzen des Jungen berührt, ohne ausführlich erläutert zu werden. Indem hier zwei Sätzen eine hervorgehobene Bedeutung zukommt, handelt es sich um ein Beispiel dafür, wie im Medium Internet exemplarisch gearbeitet wird.


    Dokumentation und interaktive Präsentation „Contained“


    Die interaktive Präsentation von "Contained" ist in html programmiert und weniger komplex als die Präsentation von "Der tönende See". Die Dokumentation bietet kurze Erläuterungstexte und Fotos von den Installationsorten. In der tatsächlichen Ausstellung wurde die Klanginstallation vom Computer über eine Softwareapplikation gesteuert und konnte von den Besuchern über Bildschirm und Maus interaktiv beeinflusst werden. Die Internetpräsentation stellt diese Situation zum Teil nach, indem Fotos eines Raumes wie auch im originalen Ausstellungssetup durch Anklicken vergrößert werden und dazu Audiodateien des Raumklanges abgespielt werden können.