Schriften und Sprachen

Wenn man sich in Archive begibt, um historische Quellen zu studieren, wird man als Erstes damit konfrontiert, dass alle Unterlagen vor Erfindung des Buchdrucks selbstverständlich Handschriften sind. Aber auch nach Gutenbergs Erfindung Mitte des 15. Jahrhunderts blieb die Aufzeichnung und damit die größte Zahl aller archivierten Unterlagen z.B. aus Klöstern oder Stadtverwaltungen handschriftlich. Dies änderte sich erst mit der Erfindung und dem Einsatz der Schreibmaschine Anfang des 20. Jahrhunderts.

Handschriften aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit
Das Lesen von mittelalterlichen Schriften wie z.B. die Kopiare aus dem Kloster Niesing, Staatsarchiv Münster Msc. I/84 ist weniger schwierig als man es sich vielleicht vorstellt, denn die Schreiberinnen und Schreiber bedienten sich im deutschen Sprachraum der Buchstaben des lateinischen Alphabets, wie wir sie weitgehend auch heute noch gebrauchen. Schwierigkeiten beim Lesen der Dokumente können vor allem durch Abkürzungen und Ligaturen (Zusammenziehung von Buchstaben) entstehen, die verwendet wurden, um Zeit und Papier bzw. Pergament oder Papyrus zu sparen. Übersichten über Abbreviaturen und Ligaturen im Mittelalter erleichtern die Entzifferung dieser Zeichen.

Handschriften des 18. und 19. Jahrhunderts
Deutschsprachige Dokumente aus dem ausgehenden 18. und dem gesamten 19. Jahrhundert bis hinein ins 20. sind durchgängig in deutscher Kurrentschrift geschrieben, wie z.B. der Verlagsvertrag zwischen Bernhard Hölscher und dem Verleger Wilhelm Hertz. Diese Schrift ist für uns heute z.T. wesentlich schwerer zu entziffern. Man muss sich häufig jeweils neu in die individuelle Handschrift einlesen. Tabellen für die Lateinisch-deutschen Cursiv-Schrift stellen auch hierfür ein gutes Hilfsmittel dar.

Niederdeutsche Sprachen
Hat man sich einmal mit den unbekannten Zeichensystemen angefreundet, wird das nächste Verständnisproblem deutlich: Was man dort entziffert, kann man kaum verstehen. Mittelalterliche Dokumente sind häufig in Latein verfasst. Findet man deutschsprachige Dokumente vor, so müssen sie noch lange nicht hochdeutsch sein. Im Falle des Münsterlands/Westfalen sind deutschsprachige Dokumente der frühen Neuzeit in der Regel in westfälischem Niederdeutsch verfasst. Auch hier kann man sich einlesen. Wörterbücher und Glossare, zum Teil von Sprachforschern im 19. Jahrhundert zusammengetragen und der Herausgabe älterer Dokumente beigefügt, erleichtern die Übersetzung ins Hochdeutsche.