Elfrida Andrée (1841–1929). Fuge aus der Orgelsymphonie in h-moll

von Michael von Troschke

In den musikalischen Salons, die meine Kollegin Beatrix Borchard über viele Jahre veranstaltet hat und auf deren Besuch ich mich immer besonders gefreut habe, hätte die Komponistin gut hinein gepasst, wenn es eine Orgel im Mendelssohnsaal gegeben hätte: Elfrida Andrée. Sie war in vieler Hinsicht ein Multitalent. Katrin Losleben bezeichnet sie als Organistin, Komponistin, Veranstalterin, Pädagogin, Dirigentin, Harfenistin und Telegrafistin.[1] Dabei musste sie als Frau um die Anerkennung als Telegrafistin und Organistin mit der Unterstützung ihres Vaters einen regelrechten Kampf führen. Nach ihrer Ausbildung in Stockholm wurde ihr, als erster examinierter Organistin in Schweden, zunächst eine Anstellung an einer Kirche verwehrt. Über diesen Vorgang berichteten sogar ausländische Zeitungen:

„In Stockholm ist vor kurzem folgende Thatsache vorgekommen. Eine tüchtige Orgelspielerin, Namens Elfrida Andrée, hatte sich dem Organisten-Examen bei der musikalischen Akademie unterzogen und ein rühmliches Zeugnis über ihre Kentnisse [sic] erhalten. Sie wandte sich drauf an die Regierung mit der Bitte, sich um einen Organistenposten bewerben zu dürfen, und verpflichtete sich, für den Fall, daß da, wo ihre Bewerbung stattfände, die Organistenstelle mit den Funktionen eines Glöckners verbunden wäre, aus ihren eigenen Mitteln einen […] Glöckner zu besolden, wie es Geistliche und Schullehrer in gleicher Lage zu thun pflegten. Die Regierung übergab das Gesuch dem Erzbischof, der demselben aber hauptsächlich aus dem Grunde die Genehmigung versagte, weil darin eine Abweisung [sic] von der jetzt im Reiche geltenden Ordnung liegen würde, welche ausdrücklich bestimmt, daß Aemter und Bedienungen von Männern bekleidet werden sollen, welche in das Alter der Mündigkeit eingetreten sind. In Folge dessen hat jetzt auch die Regierung die Bittstellerin abschlägig beschieden.“[2]

Erst 1861 erließ der schwedische König ein Gesetz, das Andrée erlaubte, eine Stelle als Organistin an der finnischen und der französischen reformierten Kirche in Stockholm anzutreten. Eine Anstellung als Telegrafistin hat sie dann nicht weiter verfolgt. Es ist auch nicht bekannt, was neben ihrem musikalischen Engagement der Grund für das Interesse an der Telegrafie war.

Schließlich wurde Andrée 1867 Domorganistin in Göteborg und behielt die Stelle bis zu ihrem Tode 1929. Während dieser Zeit veranstaltete sie viele Konzerte und komponierte zahlreiche Werke für die Orgel. Besonders ihre Orgelsymphonien werden seit den 1960er Jahren wieder aufgeführt. Ein kleines Beispiel ist die hier eingespielte Fuge aus der Orgelsymphonie in h-moll, die Andrée 1891 komponierte.[3]

In die Programme der von Beatrix Borchard jedes Sommersemester veranstalteten Salonveranstaltungen hätten auch gut die Harfenkompositionen von Elfrida Andrée gepasst. Was sie veranlasste auch noch das Harfenspiel zu lernen und wo sie Unterricht genommen hat, ist nicht bekannt. Das Werkverzeichnis des MUGI-Artikels nennt vier Kompositionen für Harfe in unterschiedlichen Besetzungen. Von der Liedkomposition existiert eine Einspielung der Musikerinnen Amy Elizabeth Wheeler (Sopran) und Jessica Breitlow (Harfe).[4]

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