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  • Zelia Trebelli

    von Jutta Heise
    Zelia Trebelli, Stich von Auguste Hüssener
    Namen:
    Zelia Trebelli
    Geburtsname: Zelia Gillebert
    Varianten: Zelia Trebelli-Bettini, Zelia Le Bert, Gloria Trebelli, Gloria Gillebert, Gloria Trebelli-Bettini, Gloria Le Bert, Caroline Trebelli, Caroline Gillebert, Caroline Trebelli-Bettini, Caroline Le Bert
    Lebensdaten:
    geb. in Paris, Frankreich
    gest. in Êtretat, Fankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Opern- und Oratoriensängerin, Stimmlage: Mezzosopran, Alt, Contra-Alt
    Charakterisierender Satz:

    „Ihr gegenüber vergisst man, dass Singen doch eine Thätigkeit ist, die eine Aktion des Willens und des Körpers voraussetzt.“


    Ehrlich, Alfred Heinrich (Hg.): Berühmte Sängerinnen der Vergangenheit und Gegenwart, A. H. Payne, Leipzig 1895, S. 210.


    Profil

    Erst im Alter von 16 Jahren wurde die Stimme Zelia Trebellis durch den Gesangslehrer Pierre François Wartel entdeckt, bei dem sie daraufhin fünf Jahre unentgeldlich Unterricht erhielt.

    Ihre charakteristischen Bewegungen, die mehr denen eines Mannes als einer Frau entsprachen, ließen sie auf faszinierende Art vor allem Hosenrollen interpretieren. Durch das Timbre ihrer Stimmlage im Contra-Alt und die enorme Flexibilität ihres schauspielerischen Talentes wurde sie von den Managern sogar für Tenorrollen verpflichtet.

    Orte und Länder

    Zelia Trebelli verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Paris. Nach ihrem Debut in Madrid 1859 konzertierte sie in Polen, Holland, Deutschland und Österreich. Ihre große Karriere in London begann die Sängerin 1862. Hierher verlegte sie im Jahr darauf ihren künstlerischen Hauptwirkungskreis. Tourneen führten sie mehrmals nach Dänemark, Schweden, Russland, Deutschland und in die USA.

    Biografie

    Zelia Trebelli wurde 1838 in Paris geboren. Ihr Vater war ein geachteter Kaufmann, und die Eltern sorgten für eine umfassende Erziehung ihres einzigen Kindes. Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt Zelia Trebelli Klavierunterricht und zeigte in ihrem Spiel eine besondere musikalische Begabung. Allerdings trat sie nie öffentlich als Pianistin auf. Die Eltern führten einen musikalischen Salon und ließen ihre Tochter im Gesang unterrichten. Das Ziel war zunächst, dass Zelia Trebelli den Salon mit ihrem Gesang bereichern möge.


    Daher erhielt Zelia Trebelli im Alter von 16 Jahren eine Gesangsausbildung bei dem damals sehr bekannten Pierre Wartel, der auch Christina Nilsson unterrichtete. Als erfahrener Lehrer erkannte er das angeborene Talent seiner Schülerin und ermunterte sie zu einer künstlerischen Laufbahn. Zunächst stieß dieser Wunsch bei ihren Eltern auf Ablehnung. Durch das ungewöhnliche Talent ihrer Tochter ließen sie sich jedoch überzeugen und ermöglichten Zelia Trebelli einen Weg als Künstlerin.

    In der später legendenhaften Beschreibung von Klein heißt es, dass ihre Stimme von Pierre Wartel durch Zufall erkannt worden sei. Klein beschreibt diese Historie wie folgt: Zelia Trebelli zeichnete sich als eine sehr gute Korrepetitorin aus und begleitete die Schülerinnen und Schüler Wartels während seiner Gesangsstunden. Als eine Schülerin ihren Unterricht absagte, las der Maître im Nebenzimmer Briefe. Trebelli vertrieb sich die Zeit mit Singen. Ihr Gesang zog den Lehrer Wartel an. In der Annahme, seine Schülerin wäre nun gekommen, begab er sich zum Unterrichtsraum. Überrascht statt seiner Schülerin Zelia Trebelli singen zu hören, setzte er sich an das Klavier und bat sie wiederholt zu singen. Von diesem Zeitpunkt an erhielt sie bei ihm fünf Jahre kostenlosen Unterricht. (Klein S. 91f.)


    Nach ihren Studien begann die Karriere Zelia Trebellis am 20. Oktober 1859 im Teatro Reale Madrid. Bezüglich der Rolle ihres Debuts unterscheiden sich die Quellen. Laut Friedrichs Opernführer glänzte die Sängerin als Rosina neben dem damals sehr berühmten Giovanni Matteo Mario als Almaviva in Rossinis „Barbier von Sevillia“. Die Musical Times (Vol. 33, Nr. 595 vom 1.9.1892) berichtet dagegen von ihrem Debut als Azucena in „Il Trovatore“ mit Giovanni Matteo Mario als Manrico. Alle Quellen berichten aber einstimmig von ihrem großen Erfolg.

    Schon in Madrid trat die Sängerin unter dem Namen Trebelli auf. Dieser Künstlername ist die Umkehr des Geburtsnamens Gillebert ohne „G“. Mit diesem Namen begann sie nun eine Weltkarriere.


    Nach ihrem Erfolg in Madrid kehrte Zelia Trebelli im April 1860 zunächst nach Paris zurück und nahm weiter Unterricht bei Pierre Wartel.

    Doch ihr Erfolg in Madrid hatte bereits die Aufmerksamkeit des Impressario Eugen Merelli, der beispielsweise die berühmte Sängerin Adelina Patti protegierte, angezogen. Er bot Zelia Trebelli ein Engagement als Mezzosopranistin in seiner italienischen Company an.

    Die Tournee begann im Herbst 1860 in Berlin im Königlichen Opernhaus. Hier schien die italienische Operntruppe des Impressario Merelli fast schon unterzugehen, denn die Sängerin Lorini-Mariani in der Titelrolle der Norma fiel durch. Fast wären die Vorstellungen von ursprünglich neun geplanten auf sechs reduziert worden, da debutierte Zelia Trebelli mit großen Erfolg als Arsace in „Semiramide“ von Gioachino Rossini. Durch diesen Erfolg dehnte sich das Gastspiel der Operntruppe auf drei Monate aus.

    Schon in Berlin wurde die Sängerin von den Rezensenten mit anderen berühmten Sängerinnen verglichen wie beispielsweise der damals schon berühmten Mezzosopranistin Désirée Artôt de Padilla, einer Schülerin Pauline Viardot Garcias. Diese sang zur gleichen Zeit wie Zelia Trebelli in Berlin im Victoria-Theater unter dem Management des Impressario Achille Lorini.

    Ein Jahr später wurde Zelia Trebelli in der Rolle der Rosina neben die Sängerin Maria Malibran gestellt und als „Königin des Gesanges“ bezeichnet. Der Rezensent der Magdeburgischen Zeitung bemerkte:

    „Ihre Töne treffen unwiderstehlich das Herz.“ Und weiter lobt er ihr „natürliches liebenswürdiges Spiel“. (Magdeburgische Zeitung Nr. 264, 11.11.1862, 1. Beilage)


    Von Berlin beginnend gingen die Konzertreisen bis 1866 nach Leipzig, Paris, Dresden, Wien, Amsterdam, Warschau und in andere europäische Musikmetropolen. U.a. gab die Sängerin im März 1861 in Genf ein Konzert mit Clara Schumann.

    Von ihren Erfolgen während der Tourneen zeugen die begeisterten Rezensionen, so waren in der Prager Opernaufführung die riesigen Räume des Neustädter Theaters überfüllt und erdröhnten unter dem rauschenden Beifall des Publikums: „Der alles überbewältigende Zauber lässt sich nicht beschreiben. Man vergißt ganz darauf, daß es Kunst, hohe Kunst sei, so zu singen, so einfach macht sich alles, so natürlich quellen aus der Brust die perlenden Läufe, so lebendig vibriren die gehaltenen Töne, so reizend kräuseln sich die endlosen Triller!“ (Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik Wien 7. Jg. S. 727, Nr. 33, 17.11.1861) und im Frühjahr 1862 entbrannte im Leipziger Gewandhauskonzert das Publikum zu ungewohntem Applaus. Dieser letztgenannte durchschlagende Erfolg veranlasste den Impressario James Henry Mapleson, die Sängerin für ein Engagement in London zu verpflichten. Hier machte sie am 8. Mai 1862 ihr Debut am Her Majesty’s Theatre in der Rolle des Maffio Orsini in „Lucrezia Borgia“ von Gaetano Donizetti. Vier Abende später sang sie die Rolle der Azucena in Verdis „Il Trovatore“. Durch ihre großen Erfolge erhielt sie nun regelmäßig große Contra-Altpartien in London.

    1863 wählte die Sängerin die englische Musikmetropole als ihren ständigen Wohnsitz. Im Sommer des gleichen Jahres heiratete sie den italienischen Tenor Alessandro Bettini. Mit ihm hatte sie eine Tochter

    – Antoinette Trebelli. Diese studierte in Brüssel Gesang und debütierte 1886 als Sopranistin. Sie trat vorwiegend in London, Australien und Südafrika auf – später unter dem Namen Antonia Dolores.


    Das Ehepaar Trebelli-Bettini trennte sich allerdings nach einem Jahr wieder. Damit endete aber nicht die gemeinsame künstlerische Tätigkeit in der Operntruppe des Impressarios Mapleson, im Gegenteil, man half sich gegenseitig. Als Zelia Trebelli in einer Aufführung wegen Krankheit den Orsini nicht singen konnte, bat Mapleson Alessandro Bettini die Rolle zu übernehmen. Dieser sagte zu, klebte sich den Schnurbart seiner Frau an und sang die Rolle mit Bravour.


    Zelia Trebelli gehörte zum festen Opernensemble des Her Majesty’s Theatre und arbeitete dort eng mit Theresa Tietjens zusammen, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verband. Weitere Gesangspartnerinnen und -partner waren u.a. Christina Nilsson, Ilma di Murska, Antonio Giuglini und Charles Santley.

    Ihre Auftritte beschränkten sich in London jedoch nicht nur auf das Her Majesty‘s Theatre, die Künstlerin sang darüber hinaus auch regelmäßig im Covent Garden. Hier spielte sie 1888 mehrmals die Rolle des Maffio Orsini unter dem Management von Augustus Harris.


    Nicht nur auf der Opernbühne war Zelia Trebelli in London zu bewundern, sondern auch im Konzertsaal. So trat sie bereits 1864 in den Philharmonischen Konzerten in London auf und sang hier bis 1876 zehn Mal.


    Ihre Karriere als Oratoriensängerin begann 1863 beim großen Festival im ostenglischen Norwich. Im „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sang sie 1873 beim Hereford Musical Festival, 1878 beim Norwich Festival, 1880 beim Leeds Festival und 1882 in Birmingham. In der „Petite messe solonnelle“ von Gioachino Rossini sang die Altistin 1869 beim Norwich Festival. Außerdem wirkte sie 1871 in Georg Friedrich Händels „Dettinger Te Deum“ und im „Messias“ sowie 1873 beim Herford Festival in dessen Oratorium „Jephta“ mit.


    Neben ihrem Engagement in London reiste Zelia Trebelli auch weiterhin zu Gastspielen und Konzerten auf das Festland. So gab sie 1876 gemeinsam mit Henri Vieuxtemps und Frederic Hymen Cowen sehr gut besuchte Konzerte in Kopenhagen. Ein Jahr später erregte sie als Azucena im königlichen Theater Kopenhagen besondere Aufmerksamkeit: „Sowohl hinsichtlich des Spieles wie Gesanges leistet sie in dieser Rolle etwas Ungewöhnliches“ bemerkte der Rezensent der Allgemeinen Musikalische Zeitung (Jg. 12, Bd. 16, 18.4.1877, S. 253f.) Im gleichen Jahr trat sie mehr als elf Mal im Königlichen Theater in Stockholm auf. Auch in den Jahren 1880 und 1881 unternahm die Künstlerin ausgiebige Konzertreisen in die skandinavischen Länder und nach Russland. Darüber hinaus gab sie Gastspiele an der Hofoper in Wien, in Berlin, Prag, Budapest und am Teatro Apollo in Rom.


    Doch ihre Tourneen beschränkten sich nicht nur auf Europa; 1878 reiste Zelia Trebelli mit der Mapleson Operntruppe das erste Mal nach New York. Ihr Ruhm war bereits bis nach Amerika gedrungen, und so wurde die Künstlerin hier freudig empfangen. Aufgrund des großen Erfolges wiederholte sie die Tournee 1883. Über ihren Auftritt als Azucena 1883 im New Opera House in New York berichtete der Rezensent der New York Times: „Mme. Trebelli is an artist of rare dramatic ability, and she presented an embodiment of the vengeful Zingara which was majestic in its passion and moving in its pathos, while her voice, a pure contralto, rich in the lower tones and wonderfully clear and sweet in the upper register, imparted a new interest to the familiar airs of Azucena. Her spending singing and acting in the encampment scene have never been excelled upon our stage, and the demonstration of approval which followed this scene was entirely deserved.” (New York Times, 27.10.1883; http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?res=F40D12FC3E5C15738DDDAE0A94D8415B8384F0D3 ) Im Januar 1884 sang sie in der Metropolitan Opera mehrmals die Rolle der Carmen. Diese Rolle verkörperte sie bereits 1878 im Londoner Majesty‘s Theatre, und in dieser Rolle debutierte sie im Januar 1884 in Chicago.

    Eine weitere Tournee in die USA folgte 1886. Hier sang sie unter Henry Abbey in der Metropolitan Opera.


    1889 – im Alter von 51 Jahren - erlitt die Künstlerin einen Schlaganfall und wurde infolge dessen erwerbsunfähig. Am 18.8.1892 starb Zelia Trebelli in ihrem Ferienhaus in Êtretat. Die Beerdigung fand in der Nähe von Paris in Poissy statt.

    Würdigung

    Besondere Bedeutung erlangte Zelia Trebelli durch den gewaltigen Umfang ihrer Stimme, die bis in die tiefsten Lagen ins Contra-Alt und in der Kopfstimme bis zum h’’ reichte. Weiterhin wird die Kraft, die ursprüngliche Frische, die Gleichmäßigkeit der Register, der Wohlklang, die Durchsichtigkeit des Tones und eine seltene Korrektheit des Gesanges der Sängerin gelobt. Ferner werden ihre schönen Wendungen der Koloratur gepriesen und die „eherne Gestaltung der Cantilenen“. (Illustrierte Zeitung Nr. 919, 9.2.1861, S. 96f.) Durch eine besondere Atemtechnik war es Zelia Trebelli möglich, Verzierungen und Melismen ungewöhnlich zu verlängern. Die Besonderheit ihrer Stimme beschreibt der Rezensent der Illustrierten Zeitung wie folgt: „Die Stimme […] hat einen etwas gedeckten Klang, selbst manchmal eine Beimischung von Kehlton und dennoch für das Ohr einen ungemeinen Reiz und Wohllaut, der mehr durch das Timbre als durch dramatische Belebung den Hörer anregt.“


    Für die Wandelbarkeit ihrer Stimme spricht das breite Repertoire der Künstlerin. Schon während ihrer Tournee mit dem Impressario Merelli 1861 sang sie die Rolle der Arsace in Rossinis „Semiramide“, der Rosina im „Barbier von Sevilla“, der Isabella in der „Italienerin in Algier“, der Azuzena in „Il Trovatore“, als Tankred, als Orsino in „Lucrezia“ und selbst in der Baritonrolle des Grafen Almaviva in „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart. (Illustrierte Zeitung Nr. 919, 9. Februar 1861, S. 97.)


    Bezüglich der Rolle der Rosina äußerten sich die Rezensenten allerdings widersprüchlich. Während in der Illustrierten Zeitung von „Anmuth“ und „Natürlichkeit“ die Rede ist, fehlt es ihr nach Einschätzung der Allgemeinen Musikalischen Zeitung in der Rolle der Rosina an „natürlicher Grazie“. Gesanglich überzeugte die Sängerin allerdings stets.


    Einig sind sich die Rezensenten über das Auftreten Zelia Trebellis in Hosenrollen, in denen sie besonders durch ihren Habitus überzeugte. Demnach hatte sie die charakteristische Haltung eines Jungen und bewegte sich auf der Bühne entsprechend: “Son physique charmant ajoute à l’attrait; Mme Trebelli est un des plus beaux Orsini que nous ayons vus, et nous en avons tant vu! Son success a été complet.” (Ihre charmante Gestalt gibt den Reiz dazu; Mme. Trebelli ist einer der schönsten Orsini, die wir je gesehen haben, und wir haben jede Menge gesehen! Ihr Erfolg war komplett.) (Revue et Gazette Musicale de Paris, 39. Jg., Nr. 12, 24.3.1872)

    Stetig erweiterte sich ihr Repertoire an Hosenrollen. Charles Gounod war von dem Gesang und dem Spiel der Künstlerin so begeistert, dass er sie überzeugte, die vergleichsweise kleine Partie des Siébel in der Oper „Faust“ zu übernehmen. Die Künstlerin kam dem Wunsch des Komponisten nach und sang die Rolle des Siébel bei der ersten Aufführung der Oper im Her Majesty’sTheatre in London am 11. Juni 1863. Gounod war von Zelia Trebelli und Charles Santley, der die Rolle des Valentin sang, so begeistert, dass er beiden je eine zusätzliche Arie komponierte. So entstanden die Arien für Siébel: “Faites-lui mes aveux“ und für Valentin: “Avant de quitter ces lieux”. (Vgl. Klein 1931, S. 94)

    Auch Ambroise Thomas drückte auf ähnliche Weise seine Begeisterung gegenüber der Sängerin Zelia Trebelli aus. In der Londoner Premiere seiner Oper „Mignon“ 1870 am Dury Lane Theatre sang sie die Rolle des Frédéric. Zu diesem Anlass komponierte Thomas für sie die Rondo-Gavotte „Me voice dans son boudoir“.

    Und nicht nur in Hosenrollen begeisterte sie das Publikum. Durch das dunkle Timbre ihrer Stimme wurde die Künstlerin sogar für ausgesprochene Männerrollen engagiert. So verpflichtete das Management die Altistin beispielsweise für die Tenorrolle des Tamino in der Zauberflöte. Ihre ungeheure Flexibilität zeigte sie ebenfalls als Almaviva im „Barbier von Sevillia“.

    Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Sängerin ihren Ruhm in erster Linie durch ihre Travestierollen begründete, in denen sie noch im Alter von über 50 Jahren überzeugte.

    Rezeption

    Die Leistungen der Sängerin Zelia Trebelli wurden zu Lebzeiten in der internationalen Presse entsprechend positiv gewürdigt. Auch in den zeitnahen Memoiren des Impressario Mapleson wird die Sängerin erwähnt. In speziellen Fachbüchern über Sängerinnen des 19. Jahrhunderts wird in der Regel der Künstlerin ebenfalls ein Artikel zugesprochen und auch in einigen ausländischen Nachschlagewerken wie beispielsweise dem New Grove Dictionary of Music and Musicians wird auf die Besonderheit ihrer Kunst, speziell die der der Hosenrollen hingewiesen. Die Anerkennung wurde der Sängerin allerdings im deutschen Sprachraum nicht in dem Maße zuteil, denn sowohl in der ersten als auch der zweiten Ausgabe des Lexikon Die Musik in Geschichte und Gegenwart findet Zelia Trebelli keine Erwähnung. Eine umfassende Biografie fehlt zur Zeit ebenfalls noch.

    Repertoire

    Opern und Singspiele


    Giulio Eugenio Abramo

    Les trois mariages: Conntess


    Ludwig van Beethoven

    Fidelio: Leonore


    Arrigo Boito

    Mefestofele: Marta und Panthalis (beide Rollen in einer Vorstellung) Elena

    Georges Bizet

    Carmen: Carmen


    Fabio Campana

    Esmeralda: Estella


    Domenico Cimarosa

    Il matrimonio segreto: Fidalma


    Gaetano Donizetti

    Lucretia Borgia: Maffio Osini

    Linda di Chamounix: Pierotto


    Friedrich von Flotow

    Martha: Nancy


    Charles Gounod

    Faust: Siebel

    Mireille: Taven


    Giacomo Meyerbeer

    Les Huguenots: Urbain

    Renato di Croenwald

    Dinorah od. Die Wallfahrt nach Ploërmel: Schafhirt


    Wolfgang Amadeus Mozart

    Le nozze di Figaro: Cherubino

    Don Giovanni: Zerlina

    Zauberflöte: Tamino / Dritte Dame


    Gioachino Rossini

    Il barbiere di Siviglia: Rosina / Almaviva

    Semiramide: Arsace

    Stabat mater: “Fac ut portem” – Mezzo-Sopran

    Tancredi: Tancredi

    La Cenerentola: Cenerentola


    Anton Rubinstein

    Le démon – Mezzo-Sopran


    Ambroise Thomas

    Mignon: Frédéric


    Giuseppe Verdi

    Aida: Amneris

    Il trovatore: Azucena

    Rigoletto: Maddalena

    La Traviata: Violetta

    Un ballo in mascera: Ulrica

    Luise Miller: Federica di Ostheim

    La forza del destino: Preziosilla


    Carl Maria von Weber

    Oberon: Fatima


    Oratorien und Messen


    Georg Friedrich Händel

    Saul HWV 53: David

    Messias HWV 56

    Jephta HWV 70

    Dettinger Te Deum HWV 283


    Felix Mendelssohn Bartholdy

    Elias: Königin


    Gioachino Rossini

    Petite messe solonnelle

    Quellen

    Literatur


    Ehrlich, Alfred Heinrich (Hg.): Berühmte Sängerinnen der Vergangenheit und Gegenwart, Albert H. Payne, Leipzig 1896.


    Klein, Hermann: Great Woman-Singers of My Time, G. Routledge & Sons, London 1931.


    Kolodin, Irving: The Story of the Metropolitan Opera 1883–1950, Alfred A. Knopf, New York 1953.


    Mapleson, James Henry: The Mapleson Memoirs, London 1888; ed. Herold Rosenthal, London 1966.


    Mensiaux, Marie de: Trebelli, a biographical sketch, H. Potter & Co, London 1890.


    Rosenthal, Herold: Friedrichs Opernlexikon, Hannover 1969


    Percy A. Scholes: The Mirror of Music 1844–1944, 2 Bd., Oxford University Press und Novello, London 1947.


    Lexikonartikel


    Forbes, Elizabeth, Artikel “Zelia Trebelli”, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians Bd. 19. Hg. von Stanley Sadie, London 1980.


    Artikel “Zelia Trebelli”, in: Svensk Uppslagsbok . Hg. von Gunnar Carlquist und Josef Carlsson Bd. 29, Förlagshuset Norden AB, Malmö 1957.


    Rosenthal, Herold: Two Centuries of Opera at Covent Garden, London 1958.


    K.J. Kutsch / Leo Riemes: Großes Sängerlexikon, 4. Aufl., Bd. 7, K.G. Saur München 2003, S. 4756.


    Programme


    Bibliothèque nationale de France. Bibliothèque-musée de l’Opéra:

    Fonds le Coupé Nr. 834, Res Piece. 39.

    Besetzungszetteldes „Théatre Italien de Paris“ von 1859–1863

    -gedruckte Programme des Archivs „Théatre Impérial Italien“.


    Abbildungen der Sängerin

    Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt / Main, Sammlung Manskopf.


    Rezensionen und Zeitungsberichte

    Illustrierte Zeitung Nr. 919, 9. Februar 1861, S. 96f.

    Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik Wien 7. Jg.

    Nr. 5, 2.2.1861, S. 69.


    Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik Wien 7. Jg.

    Nr. 11, 17.3.1861, S. 176.


    Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik Wien 7. Jg.

    Nr. 26, 14.7.1861, S. 445f.


    Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik Wien 7. Jg.

    Nr. 33, 17.11.1861, S. 727.

    Magdeburgische Zeitung Nr. 262, 8.11.1862, 1. Beilage).

    Magdeburgische Zeitung Nr. 264, 11.11.1862, 1. Beilage).


    The Times London Nr. 42 / 243, 12. Mai 1862, S. 12.

    The Times London Nr. 29 / 389, 18.10.1878, S. 7.


    The Musical Times and Singing Class Circular, Vol. 33, Nr. 595, 1.9.1892, S. 539f.


    New York Times 13.10.1883.

    New York Times 27.10.1883.

    New York Times 9.1.1884.

    New York Times 12.1.1884.

    New York Times 13.1.1884.

    New York Times 26.1.1884.

    New York Times 13.1.1886.

    New York Times 13.12 1886.

    New York Times 11.9.1887.


    Dwight’s Journal of Music Vol. 18 Nr. 12, 2.3.1861, S. 386f.


    The Musical WorldVol. 61 Nr. 11, 17.3.1883, S. 163.

    The Musical World Vol. 61 Nr. 19, 12.5.1883, S. 286.

    The Musical World Vol. 61 Nr. 22, 2.6.1883, S. 331.

    The Musical World Vol. 69 Nr. 49, 7.12.1889, S. 866.


    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 2, Nr. 38, 21.9.1864, S. 652f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 3, Nr. 19, 10.5.1865, S. 314f

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 6, Nr. 29, 19.7.1871, S. 449ff.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 6, Nr. 30, 26.7.1871, S. 467ff.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 11, Bd. 17, 26.4.1876, S. 268f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 12, Bd. 7, 14.2.1877, S. 108f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 12, Bd. 16, 18.4.1877, S. 253f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 13, Bd. 13, 27.3.1878, S. 205f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 15, Bd. 39, 29.9.1880, S. 616f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 15, Bd. 46, 17.11.1880, S. 732f.

    Allgemeine Musikalische Zeitung Jg. 16, Bd. 33, 17.8.1881, S. 525f.


    Revue et Gazette musicale 25.11.1860, S. 411.

    Revue et Gazette musicale 7.4.1861, S. 109.

    Revue et Gazette musicale 39. Jg., Nr. 12, 24.3.1872, S. 1f.


    Le Monde dramatique 11.4.1861.

    Le Guide musical 11.4.1861.

    Messager des Theatres 4.4.1861.


    L’Année musicale, Troisième Année, Paris, 1862, S. 108ff.


    Musical Times

    www.jstor.org/stable

    Forschung

    Das Buch von Hermann Klein (Great Woman-Singers of My Time, G. Routledge & Sons, London 1931) enthält einen größeren Artikel über das Leben und Wirken der Sängerin. Einige Fakten bedürfen allerdings der genaueren Klärung.


    Weiterhin befinden sich mehrere Briefe unter:

    Verbundkatalog Nachlässe und Autographen Kalliope: 8 Einträge

    Manuskript-Abteilung der British Library: http://molcat.bl.uk und

    18 Einträge für das Archiv der Royal Philharmonic Society


    Laut RIPM finden sich Hinweise auf das Leben und die Karriere von Zelia Trebelli in folgenden Zeitungen:

    The Musical World 1861–1891

    Dwight’s Journal of Music 1864–1886

    The Musical Times 1862–1892

    Svensk Musiktidning 1875–1892

    Nordisk music-tidende

    Caelia: Allgemeen Muzikaal Tijdschrift Niederlande 1863–1874

    Echo Muzyczne Warschau Jg. 5, Nr. 22, 15(3).11.1881, S. 171ff.

    Gazeta Muzyczna i Teatralna Nr. 5, 22.10. (3.11.)1865, S. 1f.

    Il teatro illustrato Milano 1. Jg., Nr. 7, Luglio 1881, S. 2f.

    Rheinische Musikzeitung 10. Jg., Nr. 42, 18.10.1862, S. 331–333


    Die „Bibliothèque nationale de France - Abteilung Bibliothèque-musée de l’Opéra“ besitzt zahlreiche Programme und französischsprachige Rezensionen aus der Zeitung „Revue et Gazette musicale“.

    Forschungsbedarf

    Im Rahmen der Aufarbeitung und Erforschung von Interpretationsgeschichte ist es von Bedeutung, das Leben und die Interpretationskunst von Zelia Trebelli in einer umfassenden Biographie entsprechend zu würdigen.

    Weiterhin ergibt sich die Forschungsfrage, in wieweit es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet war, dass Frauen nicht nur Hosenrollen sangen, sondern auch ausgesprochene Männerrollen verkörperten und wie sich diese Tatsache im Publikum und in der Gesellschaft wiederspiegelte.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 57391342
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117407984
    Library of Congress (LCCN): no2004033420
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Jutta Heise


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 18.07.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Jutta Heise, Artikel „Zelia Trebelli“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 18.7.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Zelia_Trebelli