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    von Anne Liebe
    Namen:
    Yvonne Loriod
    Geburtsname: Yvonne Loriod
    Ehename: Yvonne Loriod-Messiaen
    Lebensdaten:
    geb. in Houilles/Yvelines, Frankreich
    gest. in Saint-Denis bei Paris, Frankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Komponistin. Herausgeberin, Nachlassverwalterin
    Charakterisierender Satz:

    „La Providence veillait (Messiaen y croyait…). Elle se nommait Yvonne Loriod, son épouse, son interprète irremplaçable, qui fut une de ses premières élèves et l'assista en d'innombrables circonstances.“


    Aus Alain Louvier. „Avant-propos“. In: Traité de rythme, de couleur, et d'ornithologie (1949-1992), Band I, Paris: Leduc, 1994, S. VII.


    („Es war die Vorsehung (Messiaen glaubte an sie…). Ihr Name war Yvonne Loriod, seine Frau, seine unersetzliche Interpretin, die eine seiner ersten Schülerinnen war und ihm in unzähligen Situationen beistand“; deutsche Übertragung in Rathert, Wolfgang, Schneider, Herbert und Rickenbacher, Anton (Hg.). Olivier Messiaen. Texte, Analysen, Zeugnisse. Hildesheim: Olms, 2012, S. 3.)


    Profil

    Ein Leben für die Klaviermusik: das zeichnete Yvonne Loriod als Interpretin und Pädagogin aus. Ihre Repertoire-Schwerpunkte waren Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Béla Bartók, Pierre Boulez und Olivier Messiaen, ihrem Lehrer und späteren Ehemann.

    Orte und Länder

    Yvonne Loriod studierte in Paris und lehrte später auch dort. Für eine kurze Zeit war sie Klavierdozentin in Karlsruhe, ohne aber ihren Pariser Hauptwohnsitz aufzugeben. Als Interpretin jedoch reiste sie in alle Welt; einige Tourneeziele seien hier genannt: London 1949 und 1974, USA 1949, 1972,1974, 1978 (auch Montreal), Spanien 1949, Japan 1962. Mehrmals war sie Dozentin der Ferienkurse in Darmstadt.

    Biografie

    Als Yvonne Loriod als zweite Tochter von Simone und Gaston Loriod 1924 geboren wurde, standen Surrealismus und Cubismus in voller Blüte, beschäftigten sich Literatur, Kunst und Musik unter anderem mit der Kultur Afrikas. Yvonne Loriod wuchs in einer Familie auf, in der die Musik einen hohen Stellenwert besaß; der Vater war ein begnadeter Improvisator und Klavierspieler. Früh erkannten die Eltern die musikalische Begabung ihrer Töchter Yvonne und deren jüngerer Schwester Jeanne, ihrem dritten Kind. Beide wurden Musikerinnen, Solistinnen und Dozentinnen, beide reisten weltweit als Interpretinnen v. a. der Werke Messiaens, Jeanne an den Ondes Martenot (einem frühen elektronischen Instrument), Yvonne am Klavier.

    Mit sechs Jahren erhielt Yvonne Loriod ihren ersten Klavierunterricht, ab 1935 wurde sie von ihrer Patin Nelly Eminger-Sivade unterrichtet, einer Schülerin Lazare Lévys. Um Yvonne Loriods Eltern finanziell zu entlasten, unterrichtete sie ihr Patenkind unentgeltlich und förderte sie auch nach diesem Unterricht weiter, indem sie ihr die Möglichkeit gab, in ihrer Pariser Wohnung zu üben und dort regelmäßig in privatem Rahmen aufzutreten. Bei diesen Zusammenkünften waren unter anderen André Jolivet, Arthur Honegger, Georges Migot und Francis Poulenc zu Gast. Ihre weitere Ausbildung erhielt sie von 1938 bis 1948 am Pariser Conservatoire bei Lazare Lévy und Marcel Ciampi. Ihr Talent und ihre hervorragenden Ergebnisse (sieben „Premiers Prix“) ermöglichten ihren späteren Erfolg als Solistin und Klavierdozentin. 1941 zählte sie zu den ersten Schülerinnen und Schülern Messiaens im Fach Harmonielehre, wenige Monate später besuchte sie zusammen mit Pierre Boulez und anderen auch Messiaens Analyse- und Kompositionsunterricht im privaten Kreis bei Guy Bernard-Delapierre. Während ihres Kompositionsstudiums bei Darius Milhaud (bis 1948) verfasste sie einige Werke, zwei erinnern an Afrika (siehe dazu: Werkverzeichnis). Hat da Milhauds „afrikanisches“ Werk Pate gestanden: „La Création du Monde“ von 1923 nach Texten von Blaise Cendrars und mit Bühnenbildern von Fernand Léger? Nach ihrer Studienzeit in Milhauds Klasse jedoch trat Loriods kompositorische Tätigkeit immer mehr in den Hintergrund; sie widmete sich ganz dem Klavierspiel und -unterricht.


    Ihre pianistische Laufbahn wurde von ihrer Begegnung mit Messiaen geprägt. Er entdeckte ihre Sicherheit und ihr Können gerade auf dem Gebiet zeitgenössischer Musik. Von da an vertraute er ihr die meisten seiner Werke für Klavier an: Mit Ausnahme der bereits 1929 entstandenen „Préludes“ und der „Quatre Études“ von 1949/50 hat sie alle diese Werke uraufgeführt. Den ersten Klavierpart des Duos „Visions de l’Amen“ scheint Messiaen mit Bedacht auf Loriods Fähigkeiten geschrieben zu haben. Es finden sich schon darin alle pianistischen Herausforderungen, die in den „Trois petites Liturgies de la Présence divine“, der „Turangalîla-Symphonie“ und im monumentalen Zyklus der „Vingt Regards“ anzutreffen sind.

    Rasch intensivierte sich die Beziehung zwischen Loriod und Messiaen. Dieser war seit 1932 mit Claire Delbos, einer exzellenten Geigerin, Komponistin und Malerin, verheiratet. Ihre Ehe wurde aber von der schweren Erkrankung Claires gezeichnet, die dazu führte, dass sie 1954 in einem Heim untergebracht wurde; sie starb 1959. Zwei Jahre später heirateten Yvonne Loriod und Olivier Messiaen, 20 Jahre nach ihrer ersten Begegnung. In den langen Jahren vor ihrer Eheschließung besang Messiaen immer wieder die Liebe zwischen Mann und Frau, insbesondere im Liederzyklus „Harawi“, in der „Turangalîla-Symphonie“ und im Chorwerk „Cinq Rechants“. In „Harawi“ und in der „Symphonie“ findet sich ein zyklisch gebrauchtes Liebesthema, das auf thematisches Material aus den „Vingt Regards“ zurückzuführen ist. Die Texte von „Harawi“ und den „Cinq Rechants“ und die Kommentare zur „Turangalîla-Symphonie“ stammen von Messiaen selbst. Da wie dort bedient er sich einer surrealistischen Sprache, die bis zur Sprachneuschöpfung reichen kann. Liebesworte stehen darin im Vordergrund. Yvonne Loriod hat sich über diese Zeit geäußert, als sie den beiden Messiaen-Biographen Peter Hill und Nigel Simeone Rede und Antwort stand: Sie erinnerte an den Tag der Beisetzung Claires, an den 25. April 1959, als Messiaen sie abends am Bahnhof mit folgenden Worten begrüßte: „,Something terrible has happened: Claire has died, on Wednesday; I’ve just come from the burial. […] You must not leave me, you who are young and so full of life.’ Messiaens’s declaration confirmed what had been unsaid for years. Initially, Loriod’s regard for him had been that of an adoring pupil: admiration for his music, for the way he kept faith in himself in the face of setbacks, and, on a human level, for his solicitude towards Claire. Messiaen’s increasing dependence on her throughout the 1950s had been almost comically mundane, with repay what she saw as her debt to Messiaen, who had done so much to foster her career. They were in love – an ,impossible love’ as Loriod put it – but they were not lovers; they needed frequently to escape from one another, to resist the temptation to defy the moral precepts of their shared faith.“ (Hill, S. 229; „,Es ist etwas schreckliches passiert: Claire ist am Mittwoch gestorben. Ich komme gerade von der Beisetzung zurück. […] Sie dürfen mich nicht verlassen, denn Sie sind jung und voller Leben.’ Messiaens Aussage bestätigte das, was jahrelang unausgesprochen geblieben war. Zunächst hatte ihn Loriod mit der schwärmerischen Verehrung einer Schülerin angeschaut: Bewunderung für seine Musik, für seine Art, trotz Rückschlägen den Glauben an sich nicht zu verlieren, und, auf rein menschlicher Ebene, für seine Sorge um Claire. In den fünfziger Jahren war Messiaen immer stärker von Loriod abhängig geworden, und das in fast komisch weltlich-konkreter Weise: Sie laß unentgeltlich Korrektur, fuhr ihn und putzte sogar für ihn. Das war ihr Weg, das zurückzuzahlen, was sie gegenüber Messiaen als ihre Schuld ansah, weil er so viel getan hatte, um ihre Karriere zu fördern. Sie liebten sich – eine ,unmögliche Liebe’, wie Loriod es nannte – aber sie waren kein Liebespaar; sie hatten häufig das Bedürfnis, voreinander zu fliehen, um der Versuchung zu widerstehen, die moralischen Grundsätze ihres gemeinsamen Glaubens zu überschreiten.“; eigene Übersetzung)


    Yvonne Loriods äußeres Leben als Gattin des berühmten Komponisten, Organisten und Hochschullehrers veränderte sich nach ihrer Hochzeit nicht grundlegend. Eine schwere Erkrankung und notwendige Operation nahm ihr die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Die Zeit nach 1961 blieb geprägt von ihrer Dozentinnentätigkeit am Pariser Conservatoire und ihren solistischen Auftritten. Nach einer zwischenzeitlichen Gastdozentur in Karlsruhe erhielt sie eine Professur für Klavier am Pariser Conservatoire, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1989 innehatte.


    Yvonne Loriod starb am 17. Mai 2010 in Saint-Denis und wurde neben Olivier Messiaen in Saint-Théoffrey im Isère beigesetzt.

    Würdigung

    Yvonne Loriod ist als Künstlerin vielfach im Schatten Messiaens gesehen worden. Ihre Mitwirkung an unzähligen Konzertaufführungen mit Werken ihres Mannes, ihre Organisation von Konzert- und Forschungsreisen, ihre Korrekturarbeit für die Herausgabe von Notenmaterial (insbesondere für die Oper „Saint François d’Assise“), ihre Mithilfe während der Aufzeichnungen von Vogelgesang (in den Vogelstimmen fand Messiaen ab den späten 1950er Jahren eine seiner stärksten Inspirationen), ihr pianistischer Rat bei Fragen zum Fingersatz in seinen Werken im „style oiseaux“ und ihre Tätigkeit als Herausgeberin der nachgelassenen Werke Messiaens (insbesondere des siebenbändigen „Traité de rythme, de couleur, et d’ornithologie“) bestärken diese Sichtweise, und Loriod selbst hat dieses Bild durch eigene Aussagen untermauert, wenn sie in Gesprächen mit großer Beharrlichkeit auf Messiaen, ihren „Helden“, zu sprechen kam.


    Tatsächlich jedoch hat Yvonne Loriod ihre eigene Karriere als Solopianistin und Klavierdozentin nie vernachlässigt. In ihrem Briefwechsel mit Felix Aprahamian etwa, dem englischen Organisten und Musikagenten, der ihre erste gemeinsame Englandtournee mit Olivier Messiaen organisierte, erscheint sie als eine junge Frau, die mit Bedacht ihre solistische Karriere plant und aus diesem Grund zu jenem Zeitpunkt nur solche Auftritte annimmt, in denen sie als Interpretin im Mittelpunkt steht. Einen Plan zu einem Duo-Abend mit ihrer früheren Mitstudentin Yvette Grimaud lehnt sie ab. Am 20. April 1947 schrieb sie an Felix Aprahamian: „Je tiens à vous dire que je n’ai jamais fait équipe avec qui que ce soit, et préfère, au point où je suis dans ma carrière jouer en soliste (exception naturellement pour la musique et les œuvres du maître).“ („Ich muss Ihnen unbedingt sagen, dass ich niemals mit irgendjemandem zusammengearbeitet habe und dass ich es an dem Punkt, an dem ich auf dem Weg meiner Karriere gelangt bin, vorziehe, als Solistin aufzutreten (selbstverständlich mit Ausnahme der Musik und Werke des Meisters [hier ist Olivier Messiaen gemeint]).“ siehe Simeone 1998, S. 37.) In ihren Konzerten spielte sie nicht nur Messiaen: 1964 beispielsweise führte sie innerhalb einer Konzertreihe alle Klavierkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts mit eigenen Kadenzen auf; Dirigenten waren Pierre Boulez, Bruno Maderna und Frank Martin. Ihr Konzertrepertoire umfasste neben Messiaens Werken auch Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Manuel de Falla, Isaac Albeniz, Claude Debussy, Igor Stravinsky, Béla Bartók (1945 gab sie die französische Erstaufführung seines „Zweiten Klavierkonzertes“), Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton von Webern, André Jolivet (UA seiner „Zweiten Klaviersonate“), Jean Barraqué, Pierre Boulez (UA von „Structures I“ mit Yvette Grimaud 1953, von „Structures II“ mit Boulez 1961), Charles Chaynes und Gilbert Amy (UA der Klaviersonate). Das von ihr eingespielte Repertoire umfasst zwar schwerpunktmäßig Messiaens Solowerke für Klavier („Préludes“, „Vingt Regards“, „Cantéyodjayâ“, „Catalogue d’oiseaux“, „La Fauvette des jardins“, „Petites Esquisses d’oiseaux“), die „Visions de l’Amen“ für zwei Klaviere und die Orchesterwerke mit einem Solopart für Klavier („Trois petites Liturgies de la Présence divine“, „Turangalîla-Symphonie“, „Réveil des oiseaux“, „Oiseaux exotiques“, „Sept Haïkaï“, „Couleurs de la Cité Céleste“, „La Transfiguration de Notre-Seigneur Jésus-Christ“, „Des Canyons aux étoiles“, „Un Vitrail et des oiseaux“, „La Ville d’en-haut“, „Concert à quatre“), aber auch einige ihrer Interpretationen von Bach, Mozart, Schumann, Chopin, Albeniz, Stravinsky und Schönberg sind auf Schallplatte festgehalten. Zwölf Mal erhielt Yvonne Loriod den Grand Prix du Disque.


    Darüber hinaus wird uns auch in einigen Konzertmitschnitten ihr Klavierspiel vermittelt: stets beherrscht, mit klarer Phrasierung auch in den schwierigsten Passagen, dank einer Spielhaltung, die eine optimale Kraft- und Gewichtsübertragung erlaubt, ersichtlich an ihrem relativ hohen Handgelenk. Ihre Technik erlaubte ihr, schnelle und lange Akkordfolgen zu spielen, selbst in größter Lautstärke. In solchen Passagen bewies sie ihre Fähigkeit zur „diamantation“, wie Messiaen es ausdrückte: Unter ihren Händen erhielt der Klang eine seltene Klarheit und eine besondere Ausstrahlungskraft. Dies alles wurde von einer extrem schnellen Auffassungsgabe selbst für höchst komplexe musikalische Zusammenhänge und von einem erstaunlichen musikalischen Gedächtnis begleitet. Eine Analyse ihres Spiels deckt sich mit Yvonne Loriods eigenen Aussagen über ihren ersten Klavierdozenten am Pariser Conservatoire, Lazare Lévy: „He had a very intelligent technique of the arm. His advance essentially was this: find the best fingering, liberate the hands, use the thumb correctly, and, above all, use the weight of the arm. He had great reflexes for extending the arms out and back very quickly. He played with force but without hardness or stiffness. He made us work to get the arm to absorb the shock of the attack, using natural, not forced, weight.“ („Er hatte eine sehr intelligente Armtechnik. Sein Rat war im Wesentlichen Folgender: Finde den besten Fingersatz, befreie die Hand, gebrauche den Daumen in der richtigen Art und Weise, und vor allem, nutze das Gewicht des Armes. Er hatte großartige Reflexe, wenn es darum ging, die Arme sehr schnell auseinander zu spreizen und wieder zurückschnellen zu lassen. Er spielte mit Kraft, doch ohne Härte oder Steifheit. Er ließ uns daran arbeiten, den Arm zu benutzen, um den Schock beim Anschlag abzufedern, indem man ein natürliches, nicht gedrücktes Gewicht nutzt“, s. Timbrell 1999, S.117).


    Schließlich darf ihre pädagogische Tätigkeit nicht unerwähnt bleiben. Als Klavierdozentin am Pariser Conservatoire hat sie Musik seit Johann Sebastian Bach vermittelt, mit einem besonderen Gewicht auf zeitgenössischer Musik, an erster Stelle der Musik ihres Mannes. Zu ihren Schülerinnen und Schülern gehören u. a. Yoko Kaneko, Véronique Ngo Sach Hien, Laurence Disse, Brigitte Bouthinon-Dumas, Michel Béroff, Pierre-Laurent Aimard, Nicholas Angelich, Michaël Levinas, Roger Muraro und George Benjamin.

    Rezeption

    Wenn ehemalige Student_innen über Yvonne Loriod als Dozentin sprechen, fällt ihnen ihre warmherzige und doch sachliche Art immer als erstes und prägendes Merkmal dieses Unterrichts ein (s. Timbrell 1999, S. 168f.). Sie bezeugen ebenfalls, dass sie größten Wert auf eine breitgefächerte Repertoirekenntnis gelegt hat, und dass sie jeden überzeugen konnte, wie wesentlich und wohltuend die Praxis zeitgenössischer Musik für die gesamte musikalische Entwicklung eines jeden Spielers sei: Im Gespräch mit Roger Muraro (siehe „Les leçons particulières de musique. Yvonne Loriod.“) erinnert sie an ihr Bemühen um die Anerkennung und Pflege zeitgenössischer Musik in den Klavierklassen des Conservatoire.


    Die lange Zeit ihrer Witwenschaft (seit 1992) widmete Yvonne Loriod insbesondere der Pflege des Nachlasses ihres Mannes. Sie gab noch unveröffentlichte Werke heraus, sichtete die Skizzen und Vorarbeiten zu einem Ravel-Büchlein und vor allem zu den sieben Bänden des „Traité de rythme, de couleur et d’ornithologie“, die sie zwischen 1994 und 2002 herausgab. Diese intensive und umfangreiche herausgeberische Tätigkeit führte in diesem Zeitraum zu einer einseitigen Sicht auf Yvonne Loriod. Sie wurde als die Frau gesehen, deren Lebenswerk sich nur um den einen Fixpunkt drehen würde: Olivier Messiaen.

    Werkverzeichnis

    Werke Yvonne Loriods:

    „Pièces africaines“ (1943).

    „Pièce sur la souffrance“ (Entstehungsjahr konnte nicht ermittelt werden).

    „Trois Mélopées africaines“ (1945) für Flöte, Ondes Martenot, Klavier und Schlagzeug, UA am 24. März 1945 in einem Konzert der Société Nationale de Musique.

    „Grains de cendre“ (1946) für Ondes Martenot, Klavier und Stimme, UA 1948.

    „Petits poèmes mystiques“ (1946) für zwei Sopranstimmen und kleines Instrumentalensemble.



    Schriften Yvonne Loriods:

    „Étude sur l’œuvre pianistique d’Olivier Messiaen“. In: Massip, Catherine (Hg.). Portrait(s) d’Olivier Messiaen. Paris: Éditions de la bibliothèque nationale de France, 1996, S. 74-158, dt. in: Rathert, Wolfgang, Schneider, Herbert und Rickenbacher, Karl Anton (Hg.). Olivier Messiaen.Texte, Analysen, Zeugnisse, Band 2: Das Werk im historischen Kontext. Hildesheim: Olms, 2013, S. 15-89.

    Messiaen, Olivier und Loriod-Messiaen, Yvonne. Ravel. Analyses des œuvres pour piano de Maurice Ravel. Paris: Durand, 2003.

    Repertoire

    Schwerpunktmäßig deckt Yvonne Loriods Repertoire den Bereich der zeitgenössischen Musik ab. Sie hat Olivier Messiaens gesamtes Klavierwerk gespielt, einschließlich der Kammermusikwerke und der Werke mit Orchester, Béla Bartóks „Zweites Klavierkonzert“, Pierre Boulez’ „Structures I und II“. Ihr Repertoire umfasste aber auch frühere Klaviermusik, zu nennen wären Wolfgang Amadeus Mozarts Sonaten, Fantasien und Klavierkonzerte, Robert Schumanns „Novelette“ und Isaac Albeniz’ „Iberia“.

    Quellen

    Bibliografie (Auswahl)


    Dingle, Christopher. „Yvonne Loriod as Source and Influence“. In: Dingle, Christopher und Fallon, Robert (Hg.). Messiaen Perspectives 1: Sources and Influences. Farnham: Ashgate Publishing Limited 2013.


    Hill, Peter und Simeone, Nigel. Messiaen. New Haven and London: Yale University Press 2005.


    Simeone, Nigel (Hg.). „Bien Cher Félix…“. Letters from Olivier Messiaen and Yvonne Loriod to Felix Aprahamian. Cambridge: Mirage Press Cambridge 1998.


    Simeone, Nigel, „Yvonne Loriod-Messiaen. Obituary“ in: International Record Review, June 2010, zitiert in http://www.oliviermessiaen.org/Loriod.htm

    (zuletzt abgefragt am 15.11.2014)


    Timbrell, Charles. French Pianism. Portland: Oregon Amadeus Press 1999


    Filmografie

    Manceaux, François. Yvonne Loriod, pianist and teacher. Arles: Harmonia mundi 2011.

    Forschung

    Dank der Arbeiten von Peter Hill, Nigel Simeone und Christopher Dingle wird seit 2005 verstärkt gesehen, dass Yvonne Loriod nicht bloß eine Messiaen-Spezialistin gewesen ist.

    Forschungsbedarf

    Eine Studie über Yvonne Loriods Kompositionstätigkeit wäre angebracht. Besonders wichtig wäre dabei, den Interessen der jungen Komponistin nachzugehen, die ihre Inspiration unter anderem in der afrikanischen Kultur gesucht hat und dies in einer Zeit, in der sie schon intensiv mit Messiaen zusammenarbeitete. Afrika scheint sie in den Bann gezogen zu haben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 113935614
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 122126084

    Autor/innen

    Anne Liebe


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 13.07.2018


    Empfohlene Zitierweise

    Anne Liebe, Artikel „Yvonne Loriod“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 13.7.2018.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Yvonne_Loriod