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  • Therese von Zandt

    von Klaus Martin Kopitz
    Einzug Napoleons in Düsseldorf am 3. November 1811, kolorierter Stich von Johann Petersen. Im Vordergrund Therese von Zandt im weißen Kleid und roter Schärpe, links neben ihr Musikdirektor August Burgmüller
    Namen:
    Therese von Zandt
    Geburtsname: Anna Therese Friederike von Zandt zu Reichartshausen
    Ehename: Therese Burgmüller
    Lebensdaten:
    geb. in Düsseldorf, Deutschland
    gest. in Düsseldorf, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Sängerin, Musikjournalistin
    Charakterisierender Satz:

    „Es ist ein alter, oft gebrauchter Spas, dass Musiker sich Bedenklichkeiten über ihre Kunst und ihre Produkte eben so wenig gefallen liessen, als Dichterinnen über ihre Verse. In der Voraussetzung, dass dieser alte Spas auch verlogen, dieser oftgebrauchte auch verbraucht ist, will ich von Zeit zu Zeit meine Bedenklichkeiten über dies und das in der neuesten Musikwelt zu Tage fördern.“


    Z...., Bescheidene Anfragen an die modernsten Komponisten und Virtuosen, in: „Allgemeine musikalische Zeitung“, Jg. 1, Nr. 9 vom 28. November 1798, Sp. 141–144, hier Sp. 141.


    Profil

    Mehrere Indizien sprechen dafür, dass Therese von Zandt ab 1798 – als erste Frau – Mitarbeiterin der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ war und Beethoven im Dezember 1803 zur Vertonung des „Fidelio“-Stoffs anregte. Das französische Libretto von Jean-Nicolas Bouilly, auf dem „Fidelio“ basiert, wurde damals von Friedrich Rochlitz, dem Redakteur der Zeitung, erstmals ins Deutsche übersetzt.

    Sie ist die Mutter der Komponisten Friedrich Burgmüller (1806–1874) und Norbert Burgmüller (1810–1836).

    Orte und Länder

    Therese von Zandt verbrachte den überwiegenden Teil ihres Lebens in Düsseldorf. Weitere Wirkungsstätten waren Asbeck/Westfalen, Wien, Regensburg und vermutlich auch Leipzig.

    Biografie

    Therese von Zandt entstammt einem alten Adelsgeschlecht. Sie wurde am 18. Juni 1771 in Düsseldorf-Neustadt geboren und am 4. Juli in der Martinkirche in Bilk bei Düsseldorf getauft. Ihre Eltern waren der Kavallerie-General Franz von Zandt (1740–1807) und Maria Sophia von Zandt geb. Reichsfreiin von Lindenfels (1745–1802). Die Mutter wurde 1799 Mitglied des Sternkreuzordens, einem hochrangigen österreichischen Frauenorden, in den nur Adlige aufgenommen wurden. Großmeisterin des Ordens war Kaiserin Maria Therese von Österreich (1772–1807), die zweite Frau von Kaiser Franz I. (1768–1835). Im Wiener Archiv des Sternkreuzordens hat sich Therese von Zandts Ahnentafel erhalten, die am 21. August 1782 in Düsseldorf als Nachweis ihrer „Stiftsfähigkeit“ ausgestellt wurde und am 19. Juni 1795 beim Sternkreuzorden als Adelsnachweis der Mutter eingereicht wurde. (Abb. bei Klaus Martin Kopitz, Der Düsseldorfer Komponist Norbert Burgmüller, Kleve 1998, S. 193.)


    Sie hatte zwei ältere Schwestern, Philippine von Zandt (1764–1856) und Maria Anna von Zandt (1765–1838), die bis zur Säkularisation in einem Kloster lebten, sowie den Bruder Karl Friedrich von Zandt (1766–1813), der eine militärische Laufbahn einschlug.


    Therese von Zandt wurde 1783 Stiftsdame des hochadligen kaiserlich-freiweltlichen Damenstifts in Asbeck/Westfalen. Damit verbunden war die Zahlung einer Präbende, einer Art Leibrente. Für die Stiftsdamen bestand in den ersten Jahren Residenzpflicht, später konnten sie frei ihren Wohnsitz wählen.


    Nach Aussagen des Dichters Wolfgang Müller von Königswinter (1816–1873), einem engen Freund der Familie, erhielt Therese von Zandt Klavierunterricht und war später eine gefragte Klavierpädagogin. Daneben war sie offenbar eine versierte Sängerin. Auf einem Anschlagzettel für ein Konzert, das am 11. Januar 1792 in Düsseldorf stattfand, ist eine „Fr. v. Zand“ mehrfach als Interpretin von Bravourarien aufgeführt. Die falsche Schreibung des Names, der handschriftlich von einem Konzertbesucher ergänzt wurde, beruht offenbar auf Hörensagen. (Kopitz, Burgmüller, S. 35.) Zu dieser Zeit war sie Schülerin des Kapellmeisters August Burgmüller (1766–1824), ihres späteren Gatten, der sie auch in Musiktheorie unterwies. Müller von Königswinter schreibt: „Burgmüller, so wie seine Frau sollen in jungen Jahren hübsch, interessant und lebhaft gewesen sein. Und so war es denn natürlich, daß das Verhältniß immer fester wurde, was indeß der Familie nicht unbekannt blieb. Die Tochter wurde von dem strengen Vater in ein Kloster geschickt, um dort die Wunden der Liebe vernarben zu lassen. Aber damit war die Sache nicht abgethan. Burgmüller blieb in geheimem Einverständniß mit dem Fräulein und die Unannehmlichkeiten nahmen erst ein Ende, als eine Entführung dem Vater das Jawort abnöthigte und nun der Hochzeit nichts weiter im Wege war.“ (Wolfgang Müller von Königswinter, Erinnerungen an Norbert Burgmüller, hg. von Klaus Martin Kopitz, Düsseldorf 2010, S. 18.)


    Die Geschichte von der „Klosterentführung“ ist eine Erfindung und sollte womöglich die Wahrheit verschleiern, die allerdings nicht weniger dramatisch gewesen zu sein scheint. Richtig dürfte zumindest sein, dass die Eltern Therese von Zandts große Vorbehalte gegen eine Ehe mit dem bürgerlichen August Burgmüller hatten, der zudem Protestant war, wohingegen sie selbst zur katholischen Kirche gehörte. So lebten beide später viele Jahre getrennt voneinander und wussten nichts vom Aufenthaltsort des anderen.


    Für die Jahre nach 1792 bis 1804 liegen bislang nur wenige Hinweise zur Biografie Therese von Zandts vor, die jedoch in einer Weise einander greifen, dass sie eine vorübergehende, sehr intensive Beziehung mit Beethoven vermuten lassen. Mit ihr würde sich nebenbei die bislang rätselhafte Vorgeschichte zu Beethovens einziger Oper „Fidelio“ aufklären, über die der Beethoven-Forscher Harry Goldschmidt 1981 bemerkte: „Bis heute ist nicht geklärt, auf welchem Weg Beethoven zu dem Stoff gekommen ist.“ (Goldschmidt, Ur-Leonore, S. 110). Zu erwähnen sind folgende Quellen und anderweitige Belege:


    1) In der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ erschienen ab 1798 mehrfach Beiträge, die mit „Z....“ gezeichnet sind und offensichtlich von einer Frau stammen. (Kopitz, Burgmüller, S. 44–57.) Dabei ist zu bedenken, dass im Deutschen nur relativ wenige Familiennamen mit „Z“ beginnen und der Name mit vier Punkten abgekürzt wird.


    2) Am 9. November 1803 druckte dieselbe Zeitung einen dramatischen „Aufruf an den Tonkünstler Burgmüller“, den späteren Gatten Therese von Zandts. Der Autor, der sich als Mann ausgibt, schreibt, er habe Burgmüller vor vielen Jahren aus den Augen verloren und möchte ihn unbedingt wiedersehen. Die Formulierung „von meinem B.“, der Deckname „Combanala“ und insbesondere der demonstrative Gedankenstrich vor dem Wort „Mann“ (vgl. Materialsammlung, 12. Zeile von oben; http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_materialsammlungen/Zand1771/index.php) lassen vermuten, dass der „Aufruf“ in Wahrheit von einer Frau, d. h. von Therese von Zandt stammt, zumal sie Burgmüller kurze Zeit darauf tatsächlich wiederfand. Falls es zutrifft, dass sich hier eine Frau als Mann ausgibt, so wäre dies in doppelter Hinsicht bemerkenswert, denn damit würde der „Aufruf“ auch einen Grundgedanken des „Fidelio“-Stoffs aufgreifen.


    3) Bei Therese von Zandt ließe sich auch ein biografischer, wenngleich wenig „romantischer“ Hintergrund für den „Aufruf“ benennen, aus dem sich zugleich der Grund für ihre Reise nach Wien ergibt. Wenn sie klagt, „so nahe meine Tod auch ist“, so dürfte gemeint sein, dass sie am 14. Oktober 1803 in Asbeck suspendiert worden war, nachdem sie bei einer Veranstaltung des Stifts unentschuldigt gefehlt hatte, so dass nun der Verlust ihrer Präbende drohte. In diesem Fall bestand nur noch die Möglichkeit, Kaiser Franz I., der in letzter Instanz über die Vergabe der Präbenden entschied, während einer seiner öffentlichen Audienzen um Gnade zu bitten. (Kopitz, Burgmüller, S. 64.) Stift Asbeck hatte im Übrigen auch eine diplomatische Vertretung in Wien in der Person des kaiserlichen Reichshofratsagenten Franz Edler von Ditterich zu Erbmannszahl, der in der oberen Bäckerstraße Nr. 808 residierte. (vgl. Hof- und Staats-Schematismus der röm. kaiserl. auch kaiserl. königl. und erzherzoglichen Haupt- und Residenz-Stadt Wien, Wien 1802, S. 16, 312 und 314.) Die Intervention war offensichtlich erfolgreich, denn schon unter dem 29. Oktober 1803 – noch vor Erscheinen des „Aufrufs“ – ist in den leider nur unvollständig erhaltenen Akten des Stifts vermerkt, dass Therese von Zandt wieder in den Genuss ihrer Präbende kam.


    4) Etwa im Dezember 1803 bat Beethoven den Wiener Maler Willibrord Joseph Mähler (1778–1860), der kurz zuvor ein Porträt Beethovens geschaffen hatte, ihm dieses Gemälde „wieder zuzustellen“, denn er habe es „einer fremden Dame die dasselbe bey mir sah, versprochen, während ihres Aufenthaltes vor [= für] einige Wochen hier, in ihr Zimmer zu geben – wer kann solchen Reizenden Anfoderungen widerstehen.“ (Kopitz, Burgmüller, S. 67.)


    5) Am 4. Januar 1804 schrieb Beethoven an Friedrich Rochlitz (1769–1842), den Redakteur der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“, er habe sich nun „geschwind ein altes französisches Buch bearbeiten laßen, und fange jezt daran an zu arbeiten.“ Die Adresse auf diesen Brief schrieb wahrscheinlich Therese von Zandt. (Kopitz, Burgmüller, S. 71 und Schriftvergleich S. 195.) Das genannte Buch war Jean-Nicolas Bouillys Libretto „Léonore, ou l’amour conjugal“, das Rochlitz zu dieser Zeit ins Deutsche übersetzte, wahrscheinlich für den in Dresden tätigen Komponisten Ferdinando Paer (1771–1839). Anlässlich der Uraufführung von Paers „Leonora“ am 3. Oktober 1804 in Dresden gelangte Rochlitz’ deutsche Übersetzung des Stoffs erstmalig zum Abdruck. Beethovens Brief an Rochlitz vom 4. Januar 1804 markiert den Beginn seiner eigenen Arbeit am „Fidelio“.


    6) Ferdinand Ries (1784–1838), der von 1803 bis 1805 Beethovens Schüler war, erinnerte sich später, wie er Beethoven einmal „mit der Eroberung einer schönen Dame neckte“, worauf dieser gestand: „die habe ihn am stärksten und längsten gefesselt, nämlich sieben volle Monate.“ (Franz Gerhard Wegeler und Ferdinand Ries, Biographische Notizen über Ludwig van Beethoven, Koblenz 1838, S. 117 und Kopitz, Burgmüller, S. 65.) Die ungewöhnliche Bemerkung ließe sich damit erklären, dass die Unbekannte identisch mit jener „fremden Dame“ war und sich nur vorübergehend in Wien aufhielt.


    Die Beziehung Therese von Zandts mit Beethoven wäre hinreichend belegt, wenn sich die fremde Handschrift auf seinem Brief an Rochlitz zweifelsfrei als diejenge Zandts erweisen sollte. Die Quellen würden sich dann quasi gegenseitig erklären:


    Wenn Therese von Zandt die unter „Z....“ veröffentlichten Rezensionen sowie den „Aufruf an den Tonkünstler Burgmüller“ verfasste, so dürfte sie auch Friedrich Rochlitz gekannt und von seiner Übersetzung des „Leonore“-Librettos gewusst haben. Mit anderen Worten: Therese von Zandt könnte Beethoven den Stoff empfohlen haben. Sie wäre damit eine wichtige Frau in seiner Biografie und eine der wenigen, die auch sein Schaffen nachhaltig beeinflusste.


    Ein weiteres Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass Beethoven ab Anfang Juli 1804 unter der Trennung von einer – namentlich nicht genannten – Frau litt und mit dem Gedanken spielte, sich das Leben zu nehmen. Im November 1804 verliebte er sich schließlich in die verwitwete Gräfin Josephine von Deym geb. Gräfin Brunsvik (1779–1821) und gestand ihr: „Ein Ereigniß machte mich lange Zeit an aller Glückseeligkeit des Lebens hienieden zweiflen – nun ist es nicht halb mehr so arg, ich habe ihr Herz gewonnen.“ (Kopitz, Burgmüller, S. 85).


    Hinzu kommt, dass auch die Wiederbegegnung August Burgmüllers mit Therese von Zandt keineswegs unproblematisch verlief. Sie fand in Regensburg statt, wo Burgmüller eine Stelle als Kapellmeister am neugegründeten Theater erhielt. Therese von Zandt traf wahrscheinlich schon am 9. Juli 1804 in Regensburg ein, zusammen mit dem Bassisten und Schauspieler Johann Baptist Spitzeder (1764–1842), der zuvor am Theater an der Wien engagiert war und laut Regensburger Fremdenliste an jenem 9. Juli 1804 in der Stadt ankam. (Kopitz, Burgmüller, S. 78.) Burgmüller, der zuvor in Elberfeld tätig war, traf laut Fremdenliste erst am 25. August 1804 in Regensburg ein. Obwohl Therese anscheinend bald schwanger wurde, kam ihr Sohn Franz, den sie am 12. Mai 1805 im Regensburger Gasthof »Zum schwarzen Bären« gebar, unehelich zur Welt. Erst am darauffolgenden Tag holte Burgmüller einen Pfarrer und ließ sich protestantisch trauen. Doch auch Therese selbst war sich zwischenzeitlich offenbar unsicher, ob sie Burgmüller ehelichen wollte: Noch am 2. Februar 1805 nahm sie in Asbeck an der Wahl einer neuen Äbtissin teil. Mit ihrer Heirat verlor sie dann ihre Präbende sowie den privilegierten Status einer Stiftsdame. (Kopitz, Burgmüller, S. 88–90.)


    Am 4. Dezember 1806 kam in Regensburg der zweite Sohn Friedrich Burgmüller zur Welt, der später in Paris lebte und sich als Komponist von Salonmusik und instruktiven Klavieretüden einen Namen machte.


    Nachdem die Eltern Therese von Zandts in Düsseldorf gestorben waren – am 28. November 1802 die Mutter, am 20. März 1807 der Vater –, kehrte sie mit ihrer Familie im Sommer 1807 in ihre Heimatstadt zurück. Dort brachte sie am 8. Februar 1810 den dritten Sohn Norbert zur Welt, der ebenfalls Komponist wurde und aus heutiger Sicht das bedeutendste Mitglied der Musikerfamilie darstellt. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), der von 1833 bis 1835 städtischer Musikdirektor in Düsseldorf war, brachte mehrfach Werke von ihm zur Aufführung.


    Schon 1826 kam es auch zu einer Begegnung (oder Wiederbegegnung) mit Ferdinand Ries, der das erste Werk Friedrich Burgmüllers zum Druck empfahl.


    Therese Burgmüller war in Düsseldorf eine gesuchte Klavierlehrerin. Zu ihren Schülern zählten die Kinder des Grafen Franz von Nesselrode (1783–1847), der zugleich Norbert Burgmüllers Mäzen war. Daneben scheint sie weiterhin als Journalistin tätig gewesen zu sein. Darauf deuten die unter dem Kürzel „B.“ verfassten Theaterrezensionen, die 1835 in der Zeitschrift „Hermann“ erschienen. (Kopitz, Burgmüller, S. 88 und 234f.)


    Am 7. Mai 1836 ertrank Norbert Burgmüller im Aachener „Quirinusbad“. Einer der letzten, der ihn lebend gesehen hatte, war Beethovens Sekretär und Biograf Anton Schindler (1795–1864), der auch die Todesnachricht nach Düsseldorf übermittelte. Therese Burgmüller war nach dem Tod ihres jüngsten Sohnes „für eine lange Zeit wie versteint, der Schmerz preßte ihr ganzes Wesen zusammen.“ (Müller von Königswinter, Erinnerungen, S. 74.) 1837 ordnete sie seinen Nachlass, veranstaltete für ihn ein Gedenkkonzert und gab einen Teil seiner Werke bei Friedrich Hofmeister (1782–1864) in Leipzig heraus. (Kopitz, Burgmüller, S. 288f.) Womöglich spielten dabei alte Beziehungen eine Rolle: Hofmeister ist ab 1797 Lehrling im Verlag Breitkopf & Härtel gewesen, in dem auch die „Allgemeine musikalische Zeitung“ erschien, wurde 1800 Geschäftsführer im Leipziger „Bureau de Musique“ und gründete 1807 seinen eigenen Verlag. Kein Geringerer als Robert Schumann (1810–1856) beglückwünschte Hofmeister zur Veröffentlichung von Norbert Burgmüllers Werken und verglich den früh verstorbenen Komponisten mit Franz Schubert (1797–1828).


    Vermutlich ist Therese Burgmüller auch die Autorin einer anonymen Anfrage, die am 28. Dezember 1843 in der Wiener „Theaterzeitung“ erschien. Es handelt sich um die Bitte von einem „wahren Verehrer Beethovens“, Nachforschungen nach dem Verbleib von Beethovens „Ur-Leonore“ anzustellen, also nach der ersten Fassung der Oper, die am 20. November 1805 im Theater an der Wien zur Uraufführung gelangt war. Ein Teil der Frage wurde in der Ausgabe vom 6./8. April 1844 von Anton Schindler beantwortet, der damals einen großen Teil des Autographs besaß, das sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz befindet. Am 4. Mai 1844 ergänzte Leopold von Sonnleithner (1797–1873), ein Neffe von Beethovens Librettist Joseph Sonnleithner (1766–1835), dass im Theater an der Wien „weder Partitur noch Stimmen dieser Oper mehr vorhanden sind.“ Zugleich hielt er die Erstfassung nicht für Wert, dass davon „gar zu viel Aufhebens“ gemacht werde. (Kopitz, Burgmüller, S. 297–299.)


    Im Jahr darauf wird Friedrich Burgmüller unter den Gästen des Bonner Beethoven-Fests erwähnt, an dem er wahrscheinlich zusammen mit seiner Mutter teilnahm. Während des Fests, zu dem hochrangige Persönlichkeiten aus ganz Europa anreisten, erfolgte am 11. August 1845 die feierliche Enthüllung des Beethoven-Denkmals auf dem Münsterplatz. (Kopitz, Burgmüller, S. 299.)


    Therese Burgmüller geb. von Zandt starb am 26. Dezember 1858 im Alter von 87 Jahren in ihrer Düsseldorfer Wohnung in der Ratinger Straße Nr. 87 im Beisein ihres Sohns Friedrich.

    Würdigung

    Angesichts einer Biografie, die noch einige Lücken aufweist , ist eine abschließende Würdigung noch nicht möglich. Bemerkenswert ist auf jeden Fall die selbstbestimmte Entscheidung Therese von Zandts, sich von ihren Eltern loszusagen und die mit dem Adelstitel verbundenen Privilegien aufzugeben, um ein Leben an der Seite eines Musikers zu führen. August Burgmüller wurde seinerzeit sehr geschätzt und gilt als Begründer des bürgerlichen Musiklebens in Düsseldorf. 1812 schufen die Stadtväter für ihn die Stelle eines städtischen Musikdirektors, 1818 gehörte er zu den Mitbegründern der Niederrheinischen Musikfeste, die er mehrfach leitete und dabei auch Werke Beethovens zur Aufführung brachte.

    Quellen

    Sekundärliteratur


    Harry Goldschmidt, Die Ur-Leonore, in: Ludwig van Beethoven, Fidelio. Texte, Materialien, Kommentare, hg. von Attila Csampai und Dietmar Holland, Reinbek: Rowohlt 1981, S. 101–126.


    Klaus Martin Kopitz, »Sieben volle Monate«. Beethoven und Therese von Zandt, in: Musica, Jg. 49 (1995), S. 325–332. – Italienische Übersetzung von Claudio Bolzan, in: Nuova Rivista Musicale Italiana, Jg. 31 (1997), S. 323–335.


    Klaus Martin Kopitz, Der Düsseldorfer Komponist Norbert Burgmüller. Ein Leben zwischen Beethoven – Spohr – Mendelssohn, Kleve: Boss 1998.


    Rainer Cadenbach, Die Léonore vor der Leonore oder: „das Licht der gescheiden und Sinnigen französischen opern“ –Ansatzpunkte für eine Perspektive Beethovens auf den Fait historique en deux actes et en prose, mêlé de chants von Bouilly und Gaveaux, in: Von der Leonore zum Fidelio. Vorträge und Referate des Bonner Symposiums 1997, hg. von Helga Lühning und Wolfram Steinbeck, Frankfurt a. M.: Lang 2000, S. 93–119.


    Bernhard Laukötter, Stift Asbeck, Legden 2005.


    Klaus Martin Kopitz, Beethoven und seine Rezensenten. Ein Blick hinter die Kulissen der Allgemeinen musikalischen Zeitung, in: Beethoven und der Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel – „ich gebe Ihrer Handlung den Vorzug vor allen andern“, hg. von Nicole Kämpken und Michael Ladenburger, Bonn: Beethoven-Haus 2007, S. 149–167.


    Klaus Martin Kopitz, Artikel „Zandt, Therese von“, in: Das Beethoven-Lexikon, hg. von Heinz von Loesch und Claus Raab, Laaber: Laaber 2008, S. 863f.


    „Ich glaubte nur an Musik“ – Wolfgang Müller von Königswinter, Erinnerungen an Norbert Burgmüller, hg. von Klaus Martin Kopitz, Begleitbuch zur Ausstellung zum 200. Geburtstag des Komponisten im Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2010.

    Forschung

    Therese von Zandt war der Musikwissenschaft bis vor einigen Jahren noch unbekannt. Inzwischen sind bereits wichtige Eckdaten ihrer Biografie erschlossen.

    Forschungsbedarf

    Von grundlegender Bedeutung ist die Frage, wo Therese von Zandt nach ihrem Weggang von Düsseldorf in den Jahren 1792 bis 1804 ihren Lebensmittelpunkt hatte. In einem der mit „Z....“ gezeichneten Aufsätze heißt es 1799, dass „ich nicht in Leipzig lebe“. (Kopitz, Burgmüller, S. 51.) Aus anderen Beiträgen geht jedoch hervor, dass sie häufig Theateraufführungen und Konzerte in Leipzig besuchte, so dass sie wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe der Stadt wohnte. Wichtig wären auch weitere Schriftstücke von ihrer Hand, insbesondere aus der Zeit ihrer mutmaßlichen Beziehung mit Beethoven. Aufschlussreich für ihre Mitarbeit an der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ – wie auch für die Vorgeschichte von Beethovens „Fidelio“ – könnten außerdem Briefe von Friedrich Rochlitz sein. Von den etwa 1000 überlieferten Rochlitz-Briefen sind die meisten noch unveröffentlicht.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 100571828
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 139286268
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Klaus Martin Kopitz


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 20.05.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Klaus Martin Kopitz, Artikel „Therese von Zandt“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.5.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Therese_von_Zandt