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    von Marina Lobanova
    Tabea Zimmermann
    Namen:
    Tabea Zimmermann
    Ehename: Tabea Zimmermann-Sloane
    Lebensdaten:
    * in Lahr, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Bratschistin, Kammermusikerin und Professorin für Bratsche
    Charakterisierender Satz:

    „Tabea Zimmermanns Spiel zeichnet sich durch eine unerhörte technische Perfektion aus, größte Klarheit der Artikulation und Intonationsreinheit sind selbstverständlich, alles wirkt hier genau zentriert und ausbalanciert“.


    (N. Hornig in „FonoForum“ vom 08.09.2009 über die Aufnahme von J. S. Bachs und M. Regers Suiten (Myrios, DDD, 2008)


    Profil

    Tabea Zimmermann ist eine der vielseitigsten und renommiertesten BratschistInnen. Sie engagiert sich sowohl für klassische als auch für moderne Musik und hat mehrere Komponisten inspiriert und angeregt, für sie Werke zu komponieren. Mit großem Enthusiasmus und Engagement wirkt sie als Professorin für Bratsche und als Kammermusikerin.

    Orte und Länder

    Tabea Zimmermann wurde in Lahr geboren, studierte in Freiburg i.Br. und Salzburg und konzertiert in der ganzen Welt, u.a. in Köln, Leipzig, Weimar, New York, London, Vancouver, Lissabon, Barcelona, Helsinki, Edinbourgh, Salzburg, Paris, Amsterdam, Jerusalem, Madrid, Zürich.

    Als Professorin für Bratsche unterrichtete sie in Saarbrücken, Frankfurt am Main und derzeit an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin.

    Biografie

    Tabea Zimmermann wurde am 8. Oktober 1966 in Lahr geboren. Mit drei Jahren erhielt sie ihren ersten Violaunterricht bei Dietmar Mantel an der Musikschule in Lahr mit fünf Jahren Klavierunterricht. Ab 1979 studierte sie Viola bei Prof. Ulrich Koch an der Hochschule für Musik in Freiburg i.Br. und anschließend bei Prof. Sándor Végh am Mozarteum in Salzburg. Sie gewann zahlreiche internationale Wettbewerbe, u.a erhielt sie die ersten Preise beim Concours International d’Exécution Musicale de Genève (1982), beim Maurice Vieux International Viola Competition in Paris (1983), bei dem sie als Preis eine Viola des berühmten zeitgenössischen Geigenbauers Etienne Vatelot erhielt, auf der sie seitdem spielt, und beim Budapest International Viola Competition (1984).


    Von 1987 bis 2000 konzertierte sie mit ihrem ersten Ehemann, dem Dirigenten David Shallon (1950–2000), mit dem sie zwei Söhne hat. Ihr zweiter Ehemann ist der amerikanische Dirigent Steven Sloane; aus dieser Ehe stammt ihre Tochter.


    Von 1987 bis 1989 war Tabea Zimmermann als die jüngste deutsche Professorin an der Hochschule für Musik in Saarbrücken tätig; ab 1994 lehrte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und ab 2002 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

    Tabea Zimmermann tritt mit renommierten Orchestern der ganzen Welt auf, so spielte sie u.a. in der New Yorker Carnegie Hall, bei den Vancouver Recital Series, in der Gulbenkian Foundation Lissabon, dem Palau de la Música Barcelona, beim Rheingau Musik Festival und Festivals in Helsinki, Edinburgh und Montreux, in der Wigmore Hall London, in der Kölner Philharmonie, im Concertgebouw Amsterdam, im Konzerthaus Wien, in der Tonhalle Zürich und der Berliner Philharmonie und dem Auditorio Nacional de Musica Madrid. Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngsten Jahre gehören ihre Auftritte in der Saison 2010/2011 mit dem London Symphony Orchestra am Gewandhaus Leipzig und in der Berliner Philharmonie sowie zwei Konzerten mit der Camerata Salzburg bei den Salzburger Festspielen.


    Sie war Artist in Residence beim Kunstfest Weimar (2008) sowie in Luxemburg (2009) und Hamburg (2010) und hat zahlreiche zeitgenössische Werke zur Uraufführungen gebracht, u.a. die Sonate für Viola solo von György Ligeti sowie „Recicanto“ für Viola und Orchester von Heinz Holliger, das Bratschenkonzert Nr. 2 „Über die Linie IV“ von Wolfgang Rihm, „Monh“ von Georges Lentz, „Notte di pasqua“ von Frank Michael Beyer und das Doppelkonzert von Bruno Mantovani, das sie zusammen mit Antoine Tamestit spielte. Tabea Zimmermann ist Mitglied im Arcanto Quartett, dem die Geiger Antje Weithaas und Daniel Sepec und der Cellisten Jean-Guihen Queyras angehören.


    Über ihre künstlerische Einstellung hat sich Tabea Zimmermann in einem Interview mit Wolfgang Sandner wie folgt geäußert:

    „Eigentlich möchte ich immer etwas Neues spielen oder so viel Abstand zwischen dem Spiel eines Werkes lassen, dass es wieder wie neu erscheint. Ich finde Routine in der Musik ganz schlecht. Das gilt für alle Bereiche, für Orchesterwerke, Kammermusik und die Sololiteratur. Nur durch veränderte Sichtweisen und dadurch, dass man Dinge neu entdeckt, wird man nicht müde. Auch wenn die Einsicht von einem Stück sich nicht so sehr verändert hat im Laufe der Zeit, so ist doch jeder Moment, in dem gespielt wird, einmalig. Diese Einmaligkeit muss man sich als Spieler erhalten. Dazu gehört auch das Neue im Alten. Die Beweglichkeit, Dinge neu zu gestalten, kann auch bei Repertoirestücken erhalten bleiben. […]

    Wo ist das Werk, das ich spiele, und wo bin ich selbst als Interpret? Das ist ein interessanter Dialog, den man mit dem Komponisten führt. Auch wenn er schon tot ist, führt man dieses imaginäre Gespräch. Am Ende dieses Dialogs aber muss das Werk in seiner Größe erscheinen, in das sich der Interpret begibt, ohne im Vordergrund zu stehen. Unter Selbstsicherheit kann die Sensibilität leiden. Wenn man sich andererseits aber sensibel gebärdet, sich öffnet, empfindlich und verletzlich bleibt, ist man gelegentlich nicht so stark, wie man das gerne wäre. Ich glaube, das ist nur ein ganz schmaler Grat. Es gibt Zeiten, in denen man sich so stark fühlt, dass man sich auch verletzlich zeigen kann. Und es gibt Situationen, in denen man aufpassen muss mit seinen Gefühlen. In meinem neuen Streichquartett ist das ein Lieblingsthema: Wie weit kann man gehen in der Beweglichkeit, im gemeinsamen Rubato, im aufeinander Reagieren? Wie kann man sich voll einbringen und trotzdem ganz unterordnen?“


    (Mit Ligeti durchs Fegefeuer gehen. Tabea Zimmermann im Gespräch mit Wolfgang Sandner. Das Interview wurde im Rahmen des "Auftakt 2005" an der Alten Oper Frankfurt geführt. Herausgeber: Alte Oper Frankfurt).

    http://www.karstenwitt.com/en/artist/tabea_zimmermann/special/text/10/

    Würdigung

    Tabea Zimmermann ist eine charismatische Künstlerin, die über technische Perfektion, ein tiefes Stilverständnis, sinnliches Klanggefühl und eine enorme Ausdruckskraft verfügt. Ihre Virtuosität wird nie zum Selbstzweck, sondern dient als notwendiges Instrument zur Vermittlung verschiedener musikalischer Konzepte. Ihre Auftritte bilden die Höhepunkte der Musikfestivals, Konzertreihen usw.

    Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Frankfurter Musikpreis (1995), den Preis der Accademia Musicale Chigiana Siena (1997), den Rheingau Musikpreis (1999), sowie 2006 den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau (2006). Am 28. April 2012 wurde sie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

    Rezeption

    Tabea Zimmermann genießt seit ihren ersten Auftritten die höchste Anerkennung und wachsende Popularität bei einem breiten Publikum. Die Kritiker halten sie für eine der größten Künstlerrinnen unserer Zeit:

    „Unter vielen Künstlern, die zu nennen wären, muss man Tabea Zimmermann hervorheben: eine galaktische Bratscherin, wie aus einer anderen Welt. Sphärenmusik“. („Thüringische Landeszeitung“ vom 14.09.2008).

    Repertoire

    Tabea Zimmermanns stetig sich erweiterndes Repertoire umfasst die wichtigsten Werke für Viola solo sowie Violakonzerte und zahlreiche Ensemblekompositionen. Auf ihrer Repertoireliste stehen das Konzert für Viola und Orchester op. posth. von Béla Bartók; Konzert für Viola und Orchester Nr. 2 „The Seafarer“ von Sally Beamish; „Chemins II“ und „Naturale“ für Viola, Schlagzeug und Zuspielband von Luciano Berio; „Harold in Italien“. Symphonie mit konzertanter Viola, op. 16 von Hector Berlioz; Suite für Viola und Orchester (1919), Concertino für Flöte, Viola und Orchester und „Suite hebraïque“ für Viola und Orchester von Ernest Bloch; „Lachrymae“ op. 48. „Reflections on a Song of Dowland“ und „Double Concerto in B minor“ von Benjamin Britten; Romanze für Viola und Orchester op. 85 und Doppelkonzert für Klarinette, Viola und Orchester op. 88 von Max Bruch; Konzert für Cello und Orchester e-moll op. 85 (arrangiert für Viola) von Edward Elgar; Konzertstück für Viola und Orchester von George Enescu; „Replica“. Konzert für Viola und Orchester von Peter Eötvös; Konzert für Saxophon und Orchester (arrangiert für Viola von David Shallon) von Alexander Glasunow; „Schlussgesang“. Sechs Stücke für Viola und Orchester von Alexander Goehr; Konzert für Viola, Klavier, Bläser und Schlagzeug von Karl Amadeus Hartmann; Doppelkonzert für Orgel, Viola, Streichorchester und Basso continuo von Michael Haydn; „Trauermusik“ für Viola und Streichorchester, „Der Schwanendreher“. Konzert für Viola und Orchester, Kammermusik op. 36/3 Nr. 5 für Viola und Orchester und Konzertmusik op. 48 für Viola und Orchester von Paul Hindemith; Konzert für Viola und Orchester in D-Dur von Franz Anton Hoffmeister; „Recicanto“ für Viola und kleines Orchester von Heinz Holliger; „Fantasie/Potpourri“ op. 94 von Johann Nepomuk Hummel; „Schibboleth. Poème concertante“ für Viola und Orchester und „Nachtstück“ für Viola und kleines Orchester von Volker David Kirchner; „Cantus V“ für Viola und Orchester und „Kaddish“ für Viola und Streichorchester von Mark Kopytman; „Movement“ für Viola und Orchester und „...Concertante...“ für Violine, Viola und Orchester von György Kurtág; „Rhapsodie-Konzert“ für Viola und Orchester von Bohuslav Martinů; Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester KV 364 und Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 (arrangiert für Viola) von Wolfgang Amadeus Mozart; Sonata per la Gran Viola e Orchestra von Niccolò Paganini; Konzert für Viola und Orchester Nr. 1 „Song of Praise“ (1949) und „Yizkor (In Memoriam)“ (1947) von Oedoen Partos; Konzert für Viola und Orchester von Krzysztof Penderecki; „Über die Linie IV“ Konzert für Viola und Orchester Nr. 2 von Wolfgang Rihm; Konzert für Viola und Orchester op. 37 von Miklós Rózsa; "... den Impuls zum Weitersprechen erst empfinge". Musik für Viola und Orchester von Peter Ruzicka; Elegie für Viola und Streicher von Mátyás Seiber; „Monolog“ für Viola und Streicher und Konzert für Viola und Orchester von Alfred Schnittke; Konzert in D-Dur op. 1 von Carl Stamitz; „Don Quixote“ op. 35 von Richard Strauss; „On Opened Ground“. Concerto for Viola and Orchestra von Mark-Anthony Turnage; „Flos Campi“. Suite für Viola, Chor und Orchester von Ralph Vaughan Williams; Konzert für Viola und Orchester von William Walton; „Andante und Rondo ungarese“ von Carl Maria von Weber; „Antiphonen“ für Viola und 25 Instrumentalisten von Bernd Alois Zimmermann.

    Quellen

    Links


    www.tabeazimmermann.de


    http://www.karstenwitt.com/en/artist/tabea_zimmermann/


    Interview von Dr. Helge Grünewald mit Tabea Zimmermann anlässlich ihrer Konzerte mit den Berliner Philharmonikern:

    http://www.tabeazimmermann.de/digital-concert.html


    Über Tabea Zimmermann wurden zahlreiche Rezensionen und Kritiken verfasst; etliche sind im Internet verfügbar.

    Forschung

    Es gibt zur Zeit keine Forschung zum künstlerischen Wirken von Tabea Zimmermann.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf umfasst stilistische Fragen zu ihren Interpretationen und zu ihrer Lehrmethode.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 114011974
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 124756808
    Library of Congress (LCCN): nr90019573
    Virtuelle Fachbibliothek Musikwissenschaft
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Marina Lobanova


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 14.5.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Marina Lobanova, Artikel „Tabea Zimmermann“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 14.5.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Tabea_Zimmermann