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    von Sophie Fetthauer
    Namen:
    Minna Brandes
    Lebensdaten:
    * in Berlin, Deutschland
    in Hamburg, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Schauspielerin, Komponistin.
    Charakterisierender Satz:

    „Minna Brandes hatte die Musikstücke, welche diese Sammlung enthält, immer bey gewissen Veranlassungen componirt, wodurch jedes durch etwas eigenthümliches charakterisirt worden, das der Kenner leicht beobachten wird. SIE hatte sie aber blos zu IHRER eigenen Unterhaltung gemacht, und war zu bescheiden, als dass SIE auf eine öffentliche Bekanntmachung derselben durch den Druck gedacht haben sollte. Mir hatten sie immer vorzüglich gefallen, und, wenn das Bekenntnis von dem wärmsten Verehrer des verstorbenen Mädchens partheiisch klingen möchte, so kann ich doch hinzusetzen, dass sie auch KENNERN vorzüglich gefallen haben, auf deren Andringen sie itzt im Druck erscheinen. Ich habe nichts in selbigen geändert, damit man sehen möge, wie sehr die richtigen Empfindungen und das feine Gehör der Tonsetzerinn auch bey denen Stellen, die Grammatick der Musik ersetzt haben, wo ihre Kenntniss am nöthigsten war. Wenn die Freunde der Musik, welche die Verstorbene gekannt haben, beym Spiele dieser Kleinigkeiten das Andenken an die Künstlerinn erneuern, die ihnen durch IHREN einnehmenden Gesang und durch IHR reizendes Clavierspiel manche angenehme Stunde gemacht hat; so ist einer der vornehmsten Zwecke erreicht, warum ich diesen IHREN musikalischen Nachlass herausgegeben habe. Hamburg, im Monathe September, 1788.“

    (Vorwort des Herausgebers Friedrich Hönicke zum „Musikalischen Nachlass von Minna Brandes“. Hamburg: Herold, 1788.)


    Orte und Länder

    Berlin, Preußen, Hamburg, Deutschland.

    Biografie

    Minna Brandes wurde am 21. Mai 1765 in Berlin geboren. Sie lebte zeitlebens mit ihren Eltern Ester Charlotte Brandes, geb. Koch (Schauspielerin) und Johann Christian Brandes (Dramatiker, Direktor, Schauspieler) zusammen. Sie reiste mit ihnen durch Europa und trat bereits seit ihrem vierten Lebensjahr auf der Bühne auf.Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie bei Muriottini in Dresden, bei Mara und Concialini (Gesang) sowie bei Hönecke in Weimar und Transchel in Dresden (Klavier). Öffentlich trat sie sowohl als Sängerin und Schauspielerin als auch als Pianistin auf. Ihre Kompositionen - verschiedene Werke für Klavier sowie italienische und deutsche Gesangsstücke – veröffentlichte sie hingegen nicht. Sie wurden vielmehr erst nach ihrem frühen Tod am 12. Juni 1788 in Hamburg von Friedrich Hönicke, dem Theaterdirektor der Stadt, im Verlag Herold herausgegeben.Seit 1782 lebte Minna Brandes in Hamburg und trat am dortigen Theater auf.

    Rezeption

    Matthew Head beschäftigt sich in seinem Artikel „Death and the authoress: Minna Brandes and the posthumous publication of women composers in the German enlightenment“ mit dem Phänomen, dass Minna Brandes als Musikerin nur durch ihren sehr frühen Tod und die danach einsetzende Beschäftigung mit ihrer Biographie und ihrem Schaffen in die Literatur eingegangen ist.

    Werkverzeichnis

    Gedruckte Werke


    Musikalischer Nachlass von Minna Brandes. Ihro Durchlaucht der Frau Herzogin von Curland Dorothee unterthänigst zugeeignet von Johann Christian Brandes, dem Vater. Herausgegeben von Friedrich Hoenicke, Musikdirector beym Hamburgischen Theater. Hamburg: Johann Henrich Herold, 1788.


    „Allegro“.


    „Erndte-Lied“, Allegretto“.


    “An die Nachtigall”, Lento.


    „May-Lied“, Allegretto.


    “Winter-Lied”,Andante Moderato”.


    “Das Traumbild”, Adagio.


    „Der alte Landmann und sein Sohn“, Andante.


    „Frühlingslied“, Andante.


    „Seufzer“, Largo.


    „Cavatina“. Larghetto. Für zwei Hörner in F, Flöte, Fagott, zwei Violinen, Viola, Sopran, Bass, Cembalo.


    „Duetto“ für Soprane und Orchester.


    „Largo“ für Orchester.

    Repertoire

    Minna Brandes sang im Jahr 1787 die Partie der Konstanze in der Hamburger Aufführung von „Die Entführung aus dem Serail“.

    Quellen

    Notenausgaben


    Musikalischer Nachlass von Minna Brandes. Ihro Durchlaucht der Frau Herzogin von Curland Dorothee unterthänigst zugeeignet von Johann Christian Brandes, dem Vater. Herausgegeben von Friedrich Hoenicke, Musikdirector beym Hamburgischen Theater. Hamburg: Johann Henrich Herold, 1788.


    Literatur und Quellen (chronologisch)


    Biographie von Minna Brandes veröffentlicht in den „Annalen des Theaters“. 3. Heft. Berlin: Friedrich Maurer, 1789. S. 33-51.


    Dommer, v. „Brandes: Minna B.“ In: Allgemeine Deutsche Biographie. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.). (Bd. 1-56, 1875-1812), Bd. 3. S. 244.


    Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Carl Dahlhaus u.a. (Hg.) . München, Zürich: Piper, 1991. Bd. 4, S. 301 und Register, S. 87.


    Cords, Herbert. „Minna Brandes: (1765-1788); eine berühmte Sängerin“. In: Der Heimatbote. Bd. 47. 11. Hamburg, 1998. S. 10-11.


    Head, Matthew. „Death and the authoress: Minna Brandes and the posthumous publication of women composers in the German enlightenment“. Vortrag für die Konferenz „Music & Death in the Eighteenth Century“ am King’s College, London im Februar 2003. Druck in Vorbereitung.


    Head, Matthew. “Cultural Meanings for Women Composers: Charlotte (‘Minna’) Brandes and the Beautiful Dead in the German Enlightenment”. In: Journal oft the American Musicological Society. Jg. 57. H. 2. Summer 2004. S. 231-284.


    Links


    http://mdz2.bib-bvb.de/~ndb/ndbvoll.html

    Internetversion der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ (1875-1912), zur Verfügung gestellt von der Bayerischen Staatsbibliothek. Der Eintrag zu Minna Brandes ist über das Register zugänglich.

    Forschung

    Matthew Head, University of Southampton/Großbritannien, hat zuerst auf die Komponistin Minna Brandes aufmerksam gemacht. Sein Artikel „Death and the authoress: Minna Brandes and the posthumous publication of women composers in the German enlightenment“ befindet sich in Druckvorbereitung.

    Forschungsbedarf

    Die Rolle der Musik im Wirken der Wanderschauspieler wurde noch nicht aufgearbeitet.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 18442806
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 135556546
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Sophie Fetthauer, Die Grundseite wurde im Oktober 2003 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Sophie Fetthauer
    Zuerst eingegeben am 26.5.2004


    Empfohlene Zitierweise

    Sophie Fetthauer, Artikel „Minna Brandes“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 26.5.2004.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Minna_Brandes