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  • Maria Theresia (von) Paradis

    von Marion Fürst
    Namen:
    Maria Theresia (von) Paradis
    Lebensdaten:
    * in Wien, Österreich
    in Wien, Österreich

    Seit Hermann Ullrichs Forschungen nahm man an, der 15. Mai 1759 sei das Taufdatum der Maria Theresia Paradis. Ein entsprechender Eintrag findet sich in den Kirchenbüchern von St. Stephan. Da in der Regel Kinder schon kurz nach der Geburt getauft wurden, schloss man entsprechend auf ein Geburtsdatum der Maria Theresia Paradis, das etwa zwei Tage vor dem 15. Mai lag (Ullrich 1961-62b, S. 159). Ernst Ramsauer stellte ähnliche Überlegungen an, brachte darüber hinaus einen weiteren Geburtstermin ins Spiel. Dieser allerdings ist nur in einer einzigen Quelle überliefert. Mathias Perth, ein Wiener Zeitgenosse der Paradis, notierte in seinem Tagebuch den 23. Februar 1759 als Tag ihres Wiegenfestes. Gegen diesen Termin spricht allein schon der zeitliche Abstand von mehreren Wochen zwischen Geburt und Taufe, ein in Zeiten hoher Kindersterblichkeit ungewöhnlich langer Zeitraum. Die überwiegende Mehrzahl der zeitgenössischen Quellen gibt den 15. Mai als Geburtstag der Maria Theresia an. Ein ins Stammblatt eingebundenes Blatt, dass den Text einer Gelegenheitskomposition überliefert, nennt den Aufführungsanlass des Werkes: “Dem Geburtsfeste des Fräuleins Theresa von Paradis geweihet, | von ihren musikalischen Freunden. Am 15 t: May 1793“ (STB o. S.). Da das Blatt aus dem Stammbuch bezeugt, dass sie am 15. Mai ihren Geburtstag feierte, dürften Zweifel am Datum ihres Wiegenfestes bis auf weiteres ausgeräumt sein (Fürst 2005, S. 17-18).

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Musikpädagogin, Sängerin, Organistin
    Charakterisierender Satz:

    „Würden es mir die männlichen Kunstgenossen verzeihen, wenn ich als Frauenzimmer – und sogar als gesichtsloses Frauenzimmer, es wagte, mich mit ihnen zu messen?“ antwortete sie einem Mitarbeiter der „Allgemeinen musikalischen Zeitung “ im Frühjahr 1810 auf die Frage, warum sie keine ihrer letzten Kompositionen veröffentlicht habe.


    Profil

    Musiker wie Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri aber auch Schriftsteller – etwa Konrad Pfeffel, Friedrich Gottlieb Klopstock und Gottfried August Bürger – bewunderten die blinde Musikerin, ihr Talent, ihre Menschlichkeit und Persönlichkeit. Während ihrer großen Konzertreise in den Jahren 1783-1786 lernte sie in Paris Valentin Haüy kennen und gab ihm den Anstoß, die erste Erziehungs- und Unterrichtsanstalt für Blinde, die Institution Royale des Jeunes Aveugles (Königliches Institut für junge Blinde), zu gründen.


    Nach ihrer Rückkehr nach Wien im Jahre 1786 trat sie besonders als Komponistin hervor. Ihr Werk umfasst Kantaten, Lieder, Klavierkonzerte, Kammermusik und Opern, die erfolgreich aufgeführt wurden. 1808 eröffnete Maria Theresia Paradis eine Musikschule, in der sie angehende Pianistinnen ausbildete, ein Novum in damaliger Zeit. 1824 verstarb sie im Alter von 65 Jahren. Ihr Wirken für die Bildung und Erziehung von Blinden, aber auch ihre kompositorischen und pianistischen Leistungen sowie ihr Einsatz für die musikalische Ausbildung von Mädchen und Jungen machen sie zu einer herausragenden Frau ihrer Zeit.

    Orte und Länder

    Maria Theresia Paradis lebte und wirkte in Wien, während einer Konzertreise von 1783-86 besuchte sie Deutschland, die Schweiz, Frankreich, England, die Spanischen Niederlande und Böhmen.

    Biografie

    Maria Theresia Paradis, 1759 in Wien geboren, war eine berühmte Persönlichkeit. Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri bewunderten die 1824 verstorbene blinde Musikerin, die Kantaten, Lieder, Klavierkonzerte, Kammermusik und Opern komponierte. 1808 gründete sie eine Musikschule, um junge Frauen auszubilden. Ihr Wirken für die Bildung und Erziehung von Blinden aber auch ihre kompositorischen und pianistischen Leistungen machen sie zu einer herausragenden Persönlichkeit der Musik- und Kulturgeschichte.

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    Maria Theresia Paradis wurde als erstes und einziges Kind von Joseph Anton Paradis (1733-1808) und Rosalia Maria geb. Levassori della Motte (1739-1794) in Wien geboren und am 15. Mai 1759 in St. Stefan, der Trauungskirche der Eltern, getauft. Den 15. Mai feierte sie später nachweislich als ihren Geburtstag, so dass – entgegen bisheriger Meinung in der Forschung – ein Zusammentreffen von Geburts- und Tauftag nicht auszuschließen ist.


    Taufpatin war eine Handelsfrau namens Maria Theresia Mayer und nicht, wie lange Zeit überliefert, die Kaiserin Maria Theresia (vgl. Ullrich Paradis und Mesmer 1961/62, S. 159). Auch gehörte die Familie Paradis nicht dem Adel an, wie lange behauptet (vgl. Ullrich Paradis und Mesmer 1961/62, S. 154). Gleichwohl stand die Familie durch die berufliche Stellung des Vaters als Hofkonzipist und späterer k.k. Regierungsrat dem Hofe nahe.


    Maria Theresia erblindete vermutlich im Alter von 3 Jahren in der Nacht vom 9. zum 10. Dezember 1762. Die Angaben in den Quellen sind jedoch sehr unterschiedlich, auch das Alter von 2 oder 4 Jahren findet sich. Ebenso zahlreich sind die Erklärungen für ihr Erblinden: Plötzliches Erschrecken, gichtiger Schlagfluss, „Gutta serena“ (Schwarzer Star) sowie Nebenwirkung durch falsche Behandlung einer Hautkrankheit. Viele Ärzte versuchten jahrelang vergeblich, unter Einsatz von äußerst schmerzhaften Methoden, das Mädchen von seiner Blindheit zu heilen. Auch die aufsehenerregende Therapie des Arztes und Magnetiseurs Franz Mesmer im Jahre 1777 scheiterte.


    Trotz ihres Schicksals erhielt das hochbegabte Kind eine gute allgemeine Ausbildung, sie lernte Sprachen, eignete sich Kenntnisse der Literatur an, indem man ihr vorlas. Wolfgang von Kempelen baute ihr 1779 eine Handsetzerei und -druckerei, mit Hilfe derer sie in der Lage war, selbständig Briefe zu setzen. Sie korrespondierte so mit bekannten Zeitgenossen, etwa mit dem blinden Gelehrten Johann Ludwig Weissenburg (1752-1800) aus Mannheim (Arnscheidt 2007, S.116).


    Ihr Vater, niederösterreichischer Regierungsrath, erkannte früh ihre musikalischen Talente und lies sie bei den damals bedeutendsten Musikpädagogen Wiens unterrichten. Ihre Lehrer waren u.a. Georg Friedrich Richter und Leopold Kozeluch (Klavier), Vincenzo Righini und Antonio Salieri (Gesang), Abbé Georg Joseph Vogler (Komposition), Antonio Salieri und Karl Friberth (Musiktheorie). Schon in früher Jugend trat sie öffentlich auf, als Sängerin wie als Orgelspielerin. Mit 11 Jahren soll sie in Gegenwart der Kaiserin Maria Theresia in der Augustinerkirche Pergolesis „Stabat Mater“ gesungen und sich selbst auf der Orgel begleitet haben. Die Kaiserin interessierte sich fortan für ihre weitere musikalische Entwicklung und gewährte ab 1774 einen Ehrensold von 200 Gulden, der nach ihrem Ableben von Kaiser Josef II. eingestellt, später jedoch erneuert wurde.


    Wie man die Blinde das Spiel der Tasteninstrumente lehrte, darüber hat sie selbst berichtet. Anlass gab eine Anfrage des blinden Freundes Weissenburg aus Mannheim, der wissen wollte, ob man ihr beim Lernen die Noten vorschlage, oder ob sie nach dem Gehör spiele. Sie antwortet ihm in einem Brief vom 8. April 1780: „Ich habe zween vortreffliche Flügel. Man spielt mir die Stücke vor, und ich versuche es gleich nachzuspielen. Man verbessert etwas den Fingersaz, und ich lerne in einer Lection oft anderthalb Soli, ohne viele Mühe. Zuweilen werden mir auch die Tasten genent, besonders bei Erlernung der Ritornellen. Mein Gehör ist ziemlich richtig. Ich kann mich auf selbiges mehr verlassen, als auf die Tactierung mit der Hand. Ich spiele Concerte von P. E. Bach, Reichart, Wolf, Müthel, Richter, Benda, Schobert etc. Mein Gedächtnis ist dabei die einzige Hilfe, um die mancherlei Stücke nicht zu verwirren“ (Rheinische Beiträge 1781, S. 245). Ihre Repertoire-Liste lässt sich durch Angaben weiterer Autoren verlängern: „Sie spielt über 60 Concerte, und andere Stücke von einem Wagenseil, Steffan, Hayden, Hoffmann, Bach und Richter. Man sagt ihr nur das Numer von dem Stücke, so man auflegt, und sie fängt es an zu spielen“ (Luca 1778, S. 336f.).


    Der wichtigste unter ihren Lehrern war zweifellos Leopold Kozeluch (1752-1818), ein als Pädagoge, Pianist und Komponist im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts sehr geschätzter Mann. 1778 hatte der gebürtige Tscheche sich in Wien niedergelassen, schon bald Kontakte zu adeligen Kreisen erworben und schließlich eine Stellung als Musiklehrer am Wiener Hof erhalten. Der Pianist Leopold Kozeluch zeichnete sich durch eine brillante Technik sowie eine ebenso geschmack- als auch eindrucksvolle Spielweise aus. Zu seinen zahlreichen Schülern gehörten auch Ignaz v. Seyfried, Simon Sechter, Josef Wolfram und Andreas Brumminger. Maria Theresia Paradis war eine seiner besten und erfolgreichsten Eleven.

    Für Paradis schrieb Leopold Kozeluch Klavierkonzerte, die sie während ihrer Reise in den Jahren 1783-1786 regelmäßig aufs Programm ihrer Konzerte setzte. Damit leistete sie ihren Beitrag, Leopold Kozeluch zu seinem internationalen Ruhm als Komponist zu verhelfen.


    Ihre Konzertreise führte sie von Wien aus zunächst nach Linz und Salzburg, wo sie nachweislich Bekanntschaft mit Leopold und Nannerl Mozart machte, vielleicht auch den gerade anwesenden Wolfgang Amadeus Mozart traf. Zumindest wird berichtet, er habe sie zu größerem Selbstvertrauen ermuntert. Ihr Weg führte sie zunächst nach Deutschland, wo Frankfurt, Mannheim, Koblenz, Augsburg, München wichtige Wirkungsorte im Jahr 1783 waren. Anfang 1784 besuchte sie u.a. Colmar und Straßburg, im Februar war sie in der Schweiz zu Gast, etwa in Basel, Zürich und Bern, erreichte auf der neuerlichen Reise durch Frankreich auch Lyon und kam Mitte März in Paris an. Hier blieb sie bis Ende Oktober. In der Zeit ihres Aufenthaltes lernte sie auch Valentin Haüy kennen, der – angeregt durch ihr Beispiel – 1785 die erste europäische Blindenschule gründete. In Paris nahm sie auch Kompositionsunterricht bei Georg Joseph Vogler. Ab November weilte sie in London und trat in Konzerten mit führenden Größen des Londoner Musiklebens auf. Im Frühjahr des Jahres 1785 verlies sie die Insel und bereiste Belgien, kehrte über einen erneuten Besuch Süddeutschlands schließlich gen Norden, wo sie Ende des Jahres Hamburg erreichte und dort u.a. Bekanntschaft mit Carl Philipp Emanuel Bach und der Schauspielerin, Sängerin und Komponistin Minna Brandes machte. Anfang 1786 führte sie ihre Reise nach Osten, sie besuchte Leipzig und Dresden, kam im März bis nach Prag, von wo aus sie im April nach Wien zurückkehrte.


    Ihr Stammbuch, in das auch die Erinnerungs- und Widmungsblätter von Reisebekanntschaften Eingang fanden, gibt wichtige Informationen über die Personen, die sie während ihrer Reise traf, hilft zugleich bei dem Erschließen der Reiseroute, da Konzertankündigungen und -berichte nicht immer aufzufinden sind. Zu den Personen zählen wichtige Figuren des kulturellen Lebens der Zeit, darunter zahlreiche Schriftsteller wie Klopstock, Matthias Claudius, Conrad Gessner, Konrad Pfeffel, Sophie La Roche u.a.


    Josef Riedinger lernten Mutter und Tochter Paradis in Mannheim kennen, er sollte sich 1785 den beiden Frauen als Reisebegleiter anschließen und später auch nach Wien ziehen, um dort als Lebensgefährte der Maria Theresia Paradis im Haus ihrer Eltern zu bleiben. Der vermutlich aus Berlin stammende, in Wien als Beamter tätige Mann schrieb für die Komponistin zahlreiche Libretti und Liedtexte, fertigte ihr aber auch ein Notensetzbrett, mit dem die Blinde ihre Werke selbst aufsetzen konnte.


    Dank des Stammbuches lassen sich auch die im Wiener Elternhaus eingehenden Freunde und Bekannten namentlich erschließen, darunter auch zahlreiche Schriftsteller, etwa Johannes Alois Blumauer, Gottlieb von Leon und Zacharias Werner.


    In den 1790er Jahren trat Maria Theresia nur noch selten als Pianistin in Wien auf, sie widmete sich in dieser Lebensphase hauptsächlich dem Komponieren. Es entstanden Lieder, ein Melodram, Kantaten, Singspiele, Opern. Sie wurden teils im privaten Rahmen, teils öffentlich aufgeführt, mit unterschiedlichem Erfolg. Das Melodram „Ariadne und Bachus“ erhielt eine gute Kritik („Wiener Zeitung“, Sonnabend den 9. Julius 1791, S. 1796) und sechs Aufführungen im k. k. Nationaltheater. Die Oper „Rinaldo und Alcina“, 1797 in Prag uraufgeführt, wird nach zwei Darbietungen abgesetzt und in der Presse zerrissen.


    Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1808 gründete Maria Theresia Paradis auch aus finanziellen Gründen eine Mädchenschule, in der überwiegend junge Mädchen unterricht wurden, darunter auch blinde Schülerinnen und Schüler. Die zeitgenössische Presse war voll des Lobes über die Art ihres Unterrichtes und die vortrefflichen Leistungen ihrer Schülerinnen, die sich in Hauskonzerten regelmäßig hören lassen.


    Am 1. Februar 1824 starb sie an einem Lungenleiden.


    „Die würdige Künstlerin beschloß ihren thätigen, vielfach verdienstlichen Lebenslauf [...], nachdem sie beinahe ein 65 jähriges Alter erreicht hatte, allgemein bedauert, und von vielen, welchen sie auf der Bahn des zukünftigen Geschickes eine treue Führerin war, innig beweint. Auch die Nachwelt muß ihr Andenken ehren, und ihren Namen vor der Vergessenheit bewahren.“ (Schilling 1837, Bd. 5, S. 374)

    Würdigung

    Und dieses ist wohl in ihrem Leben das Bemerkenswerte: nicht ihre Begegnung mit Mesmer, nicht, dass sie zu musizieren wusste, sondern dass sie ebenso wie Weissenburg ihrem Leben Beispielhaftigkeit zu geben verstand, wird ihren Namen unvergessen bleiben lassen. Was vor ihr nur wenigen Blinden zuteil wurde – eine systematische Erziehung – darf heute jeder Blinde von einem Kulturstaat fordern.“ (Jantsch, 1955, S. 8-9)

    Rezeption

    „Wie so viele Künstler – plötzlich meteorgleich aufflammend – der Nachwelt zumeist unbekannt bleiben, ist Maria Theresia von Paradis heute auch eine nahezu Verschollene, die nur in der Geschichte der Blinden weiterleben wird“ (Gräflinger 1928, S. 18). Diese Einschätzung aus dem Jahre 1928 wird man im Jahre 2005 nicht mehr teilen, zu intensiv haben sich Musikologen in den vergangenen Jahrzehnten auch mit der Künstlerin befasst. Dennoch gilt: Zu Lebzeiten weit über ihre Geburtsstadt Wien hinaus als Pianistin, Sängerin und Komponistin bekannt und bewundert, als Pionierin der Blindenbildung verehrt, ist Maria Theresia Paradis heute nur Fachleuten ein Begriff. Im öffentlichen Bewusstsein spielt sie keine Rolle mehr, selbst in der österreichischen Metropole erinnert einzig die im 19. Bezirk seit 1894 befindliche Paradisgasse an Leben und Wirken dieser eindrucksvollen Persönlichkeit. Mozart-Liebhaber assoziieren mit ihrem Namen vielleicht das Klavierkonzert KV 456, das er für die Blinde komponiert haben soll. Paradis’ Werke, darunter solche für ihr Instrument, das Forte-Piano, aber auch Lieder, Kantaten und Opern, werden nicht mehr oder sehr selten aufgeführt. Wollte man übrigens ihre Werke aufführen, so wäre dies nicht in allen Fällen möglich, zahlreiche Partituren sind verloren gegangen. Die Quellenlage zu ihrem Leben und Werk ist nur in seltenen Fällen günstig, manche Unklarheit lässt sich trotz intensiver Recherche nicht beseitigen.


    Die Lebensgeschichte der Maria Theresia Paradis bewegt dennoch auch heute, sie inspiriert zu Erzählungen, Romanen, Essays, Filmen, zu Musical und Oper. Einige Beispiele dieser produktiven Wirkungsgeschichte sollen hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit genannt werden.


    Der Schriftsteller Stefan Zweig schrieb eine monografische Trilogie mit dem Titel Heilung durch den Geist, die 1931 im Insel-Verlag erschien. Drei historische Figuren aus der Welt der „Geist-Heiler und Heiler durch den Geist“ widmete er jeweils einen Essay: Franz Anton Mesmer, Mary Baker Eddy, Gründerin der „Christlichen Wissenschaft“, und Sigmund Freud.


    Die Begegnung zwischen Mesmer und dem Fräulein Paradis in einen kleinen Roman oder in ein wirkungsvolles Drama zu verwandeln, daran haben sich in jüngster Zeit zwei Autoren gewagt. Mit seinem Roman „Der fünfte Winter des Magnetiseurs“ hat der schwedische Erfolgautor Per Olov Enquist ein einfühlsames literarisches Portrait des Franz Anton Mesmer geschrieben. Auch wenn Enquists Hauptfigur, Friedrich Meisner, nicht den Namen des historischen Vorbilds trägt, so ist diese doch bis in Einzelheiten getreu dem Begründer des Mesmerismus nachgebildet.


    Der irische, in Roscommon geborene Schriftsteller und unter dem Namen Patrick Ireland auch als Künstler tätige Brian O’Doherty veröffentlichte 1992 seine Annäherung an die Figur Mesmers mit dem Roman „The Strange Case of Mademoiselle P.“ 1993 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Der merkwürdige Fall der Mademoiselle P.“ Der Roman besteht aus fünf Kapiteln, in denen stets die Erzählperspektive wechselt. In den ersten beiden Kapiteln schildert O’Doherty aus Mesmers Sicht, wie die Familie Paradis ihn erstmals in seiner Klinik aufsucht, berichtet von Gesprächen, die er mit dem Vater am Vortag führte, teilt die ersten Beobachtungen mit, die Mesmer über Maria Theresias Zustand anstellte. Weiterhin beschreibt er Mesmers Behandlungsmethoden und schließlich den Heilungserfolg.


    Eine erotische Beziehung zwischen Mozart und Paradis erdichtet auch Otto Brües in seiner 1952 veröffentlichten Novelle „Mozart und das Fräulein von Paradis“. Brües, 1897 in Krefeld geboren und bis zu seinem Tod im Jahre 1967 als Dichter, Schriftsteller und Journalist tätig, imaginiert die Entstehungsgeschichte von Mozarts Klavierkonzerts in B-Dur KV 456. Dies ist aller Wahrscheinlichkeit nach jenes Konzert, das Mozart für Paradis komponierte.


    „Maria Theresia von Paradis oder Eine charmante Schwindlerin!“ – so der Titel eines Musicals, das der österreichischer Musiklehrer Frank Huss für seine Schüler schrieb. Am 9. März 2003 erlebte das Stück – dargeboten von Schülern, die auch solistische Partien übernahmen, Schulchor und Lehrerband bestehend aus Saxophon, Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug – seine Premiere. Das Textbuch, gleichfalls von Huss verfasst, zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von Paradis’ Persönlichkeit: sie wird als Simulantin hingestellt, die schon seit Jahren Blindheit vortäusche und nicht wage, ihrer Familie die Wahrheit zu sagen.


    Paradis Lebensgeschichte gab auch die Vorlage zum Bühnenwerk, das der dänische Komponisten Bo Holten (*1948) 1998 komponierte. Am 6. März 1999 wurde Bo Holtens Oper Maria Paradis uraufgeführt. Acht ausverkaufte Vorstellungen in der Kopenhagener Den Fynske Opera erlebte das fast zweistündige Werk.


    Für sein Musiktheater wählte Holten eine kammermusikalische Besetzung: 4 Violinen, 2 Violen, 2 Violoncelli, Kontrabass, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Klavier sind neben den sieben Sängern für eine Aufführung nötig. Er bezog auch Werke der Maria Theresia Paradis als Material in seine Oper ein, wie Holten 2004 in einer persönlichen Mitteilung schrieb: „Ich habe mehrere von Marias eigenen Kompositionen verwendet, und das Lied ‚Ich war ein kleines Würmchen’ hat eine ganz große Bedeutung im dramatischen Verlauf. Mozart ist auch dabei! Es gibt eine Szene, wo er eines der Themen vom Klavierkonzert Nr. 18 komponiert, und es gibt auch eine andere weitere, die durchaus auf dieses Konzert baut. Anton Mesmer ist natürlich die andere wichtige Hauptperson, aber auch Marias Eltern und Riedinger spielen wichtige Rollen. Abgesehen von den dramatischen Ereignissen in Marias Leben, handelt die Oper auch von der ‚Heilung durch den Geist’. Das wichtigste Thema ist zwar die Entwicklung Marias unter den Händen verschiedener Männer (Vater und Mesmer), die sie zu ihrem eigenen Vorteil verwenden. Und dass sie sich zu einer selbständigen weiblichen vollgültigen Künstlerin entwickelt“.


    1994 kam der Film Mesmer in die Kinos, der die Begegnung des Heilers mit der Pianistin in eine Liebesgeschichte verwandelt. Dennis Potter schrieb das Drehbuch, Regie führte Roger Spottiswoode, Michael Nymann komponierte die Filmmusik.

    Werkverzeichnis

    A. Vokalmusik


    1. Bühnenwerke


    Ariadne und Bacchus, Melodram

    Text: vermutl. Johann Riedinger

    Um 1790 entstanden

    UA 20. Juni 1791 (Laxenburger Schlosstheater)

    Autograf, Abschriften, Drucke, Stimmen, Textbuch nicht nachweisbar


    Der Schulkandidat

    Ein ländliches Singspiel in drei Akten

    Text: vielleicht Riedinger

    1791/92 entstanden

    UA 5. Dezember 1792 in Wien

    Autograf des Akt I und von Akt II acht Nummern im Landesmuseum Linz


    Rinaldo und Alcina

    Die Insel der Verführung

    Komische Oper in 3 Akten

    Textbuch Hartung, Königsberg 1794, Schönfeld, Prag 1797

    Autograf, Abschriften, Drucke, Stimmen nicht nachweisbar



    2. Kantaten


    Trauerkantate auf den Tod Leopolds des Gütigen (1793)

    Text. Johann Riedinger, Wien 1792


    Kantate auf die Wiedergenesung meines Vaters

    Autograf, Abschriften, Drucke, Stimmen nicht nachweisbar


    Deutsches Monument Ludwigs des Unglücklichen (Trauerkantate auf Ludwig XVI von Frankreich)

    Januar/Februar 1793 entstanden, im Sommer 1793 instrumentiert

    Text: Johann Riedinger

    UA 21. Januar 1794 in Wien im kleinen Redoutensaal

    Autograf nicht nachweisbar, Textbuch und Klavierauszug: Verlag der Schönfeldschen Handlung, Wien und Prag 1793



    3. Vokalmusik mit Klavierbegleitung


    Lenore

    Ballade von Gottfried August Bürger, in Musik gesetzt von Maria Theresia Paradis

    Vermutlich Ende 1789 entstanden

    Autograf nicht nachweisbar, Abschrift in Stadtbibliothek Wien

    Stich o. Verlagsangabe 1790, Gesellschaft d. Musikfreunde Wien


    Des Pfarrers Tochter von Taubenhain

    Ballade von Gottfried August Bürger, in Musik gesetzt von Maria Theresia Paradis

    Vermutlich 1789

    Autograf, Abschriften, Drucke nicht nachweisbar


    Zwölf Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt

    komponiert 1784-1786

    Texte von Hermes, Miller, Pfeffel, Klopstock, Claudius, Frl. Jerusalem, Riedinger, La Roche und aus der Göttingschen poetischen Blumenlese (1786)

    Autograf, Abschriften bis auf Lied Nr. 10 nicht nachweisbar

    Druck bei Gottlieb Emanuel Breitkopf Leipzig 1786


    Lied auf die Blindheit des Frl. M. Th. V. Paradis

    Ich war ein kleines Würmchen

    Text Pfeffel

    Autograf, Abschriften, Drucke nicht nachweisbar


    Lied „Auf die Damen, welche statt Gold nun Leinwand für die verwundeten Krieger zupfen“

    Zum neuen Jahr 1794

    Text: vermutlich Riedinger oder Paradis

    Autograf, Abschriften nicht nachweisbar

    Stich ohne Verlags- und Datumangabe


    Chor „Auf Brüder, auf, genießt des Lebens Wonne“

    für gemischten Chor und zwei Solostimmen

    Text Riedinger

    1813 entstanden

    Text bei Carl Gerold, Wien 1813 (Stadtbibliothek Sig. A 13.830)

    Autograf, Abschriften, Drucke nicht nachweisbar


    Lieder ohne nähere Bezeichnung



    B. Instrumentalmusik


    1. Klavierkonzerte


    Konzert in g-Moll


    Konzert in C-Dur


    2. Kammermusik


    Klaviertrio


    Sicilienne für Klavier und Violine


    3. Klavierwerke


    Klaviersonaten

    beide zweifelhaft


    Klaviervariationen

    gewidmet dem Abbé G. Vogler

    Autograf, Abschriften, Drucke, nicht nachweisbar


    An meine entfernten Lieben für Clavier

    vermutlich Fantasiestück über das Thema des Liedes Nr. 12 der Zwölf Lieder (Breitkopf 1786), dessen Titel vom Text Johann Riedingers herrührt


    Fantasie in G-Dur für das Pianoforte

    Druck Chemische Druckerei Wien 1807


    Fantasie de Therese Paradis

    Dediée à sa chére petite Ecolière Nanette de Sprinz pour sa Fête le 26. Juillet 1811

    Autograf Österreichische Nationalbibliothek Musiksammlung

    Abschriften, Drucke, nicht nachweisbar

    Repertoire

    Zu ihrem Repertoire gehörten neben Werken von Joseph Haydn, Joseph A. Steffan, L. Hofmann und Carl Philipp Emanuel Bach vor allem solche ihres Lehrers Kozeluch. Über 60 Klavierkonzerte soll sie auf ihrer Konzertreise auswendig gespielt haben (Schmidt 1824, S. 1065, Schindel 1825, S. 76). Während der Reise wurde das Repertoire aber auch ständig erweitert, so studierte sie oft „an manchen Orten noch überdiess in Eile Stücke ein, die daselbst local, oder in der Mode waren“ (Anonym 1817, Sp. 315).

    Quellen

    1. Literatur (Auswahl)


    Anonym. „Die vorzüglichsten gesichtslosen Musik-Virtuosen neuerer Zeit. Ein Ehrendenkmahl“, in: Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat 1, 1817, Sp. 249-251; Sp. 265-267; Sp. 288-290; Sp. 314-317; Sp. 321-324.


    Arnscheidt, Grit. „Briefe des blinden Mannheimer Akademiemitglieds Weissenburg. Ein Fundbericht“. In: Badische Heimat I/2007, S. 116-122.


    Bontinck, Irmgard. „Jeder spielt Klavier. Jeder lernt Klavier. Zum Stellenwert des Klaviers im 19. Jahrhundert“. In: Elena Ostleitner, Ursula Simek (Hg.). Ich fahre in mein liebes Wien. Clara Schumann-Fakten. Bilder. Projektionen. Wien: Löcker Verlag, 1996. S. 93-110.


    Brües, Otto. Mozart und das Fräulein von Paradis. Tübingen und Stuttgart. Wunderlich Verlag, 1952.


    Citron, Marcia. „Women and the lied 1775-1850”. In: Jane Bowers, Judith Tick (Hg.). Women making music. The Western Art Tradition 1150-1950. Urbana: University of Illinois, 1986. S. 224-248.


    D., S. „Maria Theresia von Paradis. eine Wegbereiterin der Blindenbildung“. In: Der Weg 66. 1979. S. 10.


    Ebstein, Erich. „Bürgers Gedichte in der Musik“. In: Zeitschrift für Bücherfreunde. August 1903. S. 192.


    Eitner, Robert. Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig 1900-1904. S. 316-317.


    Evers, S. „Der Fall der Maria Theresia Paradis (1759-1824)“. In: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde. 199/2. 1991. S. 122-127.


    Flothuis, Marius. „Position und Emanzipation der Frau zu Mozarts Zeit“. In: Moritz Csáky, Walter Pass (Hg.) Europa im Zeitalter Mozarts. Wien u.a.: Böhlau, 1995. S. 90-92.


    Fortino, Sally. „Women Composers associated with Joseph Haydn. A short introduction to some ‚new’ Keyboard repertoire“. In: Bernard Brauchli, Susan Brauchli, Alberto Galazzo (Hg.). De Clavicordio III. Proceedings of the III International Clavichord Symposium. Magnano. 24.-28. September 1997. Vigliano Biellese 1998. S. 241-254. (Paradis S. 247-251).


    Frankl, Ludwig August. Maria Theresia von Paradis’ Biographie. Linz: Verlag des oberösterreichischen Privat-Blinden-Institutes, 1876.


    Fürst, Marion. Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte Zeitgenossin (=Europäische Komponistinnen Bd. 4). Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2005.


    Gordy, Laura. Woman creating music. 1750-1850. Marianne Martinez. Maria Theresia von Paradis. Fanny Mendelssohn Hensel und Clara Wieck Schumann. Birmingham. AL.: University of Alabama Diss., 1987.


    Gräflinger, Franz. „Maria Theresia von Paradis“. In: Tages-Post Linz a. d. Donau. Sonntag, den 27. Mai 1928. S. 18.


    Gruber, Clemens M. Nicht nur Mozarts Rivalinnen. Leben und Schaffen der 22 Österreichischen Opern-Komponistinnen (= Neef’s kleine Bibliothek der schönen Künste). Wien 1990. (Beitrag Paradis S. 145-151).


    Hildebrandt, Ina. „Blind die Welt sehen. Die Musikerin Maria Theresia Paradis“. In: Hab meine Rolle nie gelernt. 15 Wiener Frauenportraits. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1997. S. 42ff.


    Jantsch, Marlene. „Das Leben der Maria Theresia Paradis und seine Bedeutung für die Blindenerziehung“. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. Jg. 105. Nr. 47. 26. Nov. 1955. S. 979-982.


    Kerner, Justinus. Franz Anton Mesmer aus Schwaben. Entdecker des thierischen Magnetismus. Frankfurt a.M.: Literar. Anstalt, 1856.


    Komorzynski, Egon. „Mozart und Maria Theresia von Paradis“. In: Mozart-Jahrbuch, 1952. S. 110-116.


    Krille, Annemarie. Beiträge zur Geschichte der Musikerziehung und Musikübung der deutschen Frau von 1750-1820. Diss. Berlin, 1938.


    Krones, Hartmut. „Fräulein Paradis, diese merkwürdige Künstlerin unserer Vaterstadt“. In: Michael Huber u.a.. (Hg.). Das Klavier in Geschichte(n) und Gegenwart. Strasshof: 4/4 verlag, 2001. S. 136-152.


    Kühnau, Johann Christoph Wilhelm. Die blinden Tonkünstler. Berlin, 1810.


    Landon, Else R. „Maria Theresia Paradis. Die Blinde und der Scharlatan“. In: In der Kunst der Kaiserin. Karrieren unter Maria Theresia. Wien: Verlag Carl Ueberreuter, 1997. S. 235-251.


    Matsushita, Hidemi. The musical career and the composition of Maria Theresia von Paradis 1759-1824. Diss.. Brigham Young University, 1989.


    Matsushita, Hidemi. „Maria Theresia von Paradis’ Singspiel. A Bicentennial Look at ‘Der Schulkandidat’”. In: International League of Woman Composers Journal (ILWC). June 1992. S. 1-4.


    Mell, Alexander. Enzyklopädisches Handbuch des Blindenwesens. Wien 1899. S. 836.


    Möller-Gosoge, Martina. „Die Kunstreise der Maria Theresia Paradis“. Salzburg: Hochschule für Musik und darstellende Kunst “Mozarteum”. Diplomarbeit, 1992.


    Nopp, Regina. Frau und Musik. Komponistinnen zur Zeit der Wiener Klassik (= Linzer Schriften zur Frauenforschung 1). Linz: Trauner, 1996.


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    Pichler, Caroline. Denkwürdigkeiten aus meinen Leben 1769-1843 (= Denkwürdigkeiten aus Altösterreich V+VI). Bd. 1+2. München: Georg Müller, 1914.


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    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis’ große Kunstreise: Die Heimkehr. Berlin und die Berliner“. In: Beiträge zur Musikwissenschaft 6. (1964). S. 135ff.


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis (1759-1824) als Musikpädagogin“. In: Musikerziehung. XIV. 1960-1961. S. 9-15.


    Ullrich, Hermann. „Das Stammbuch der Maria Theresia Paradis“. In: Jahrbuch des Bonner Heimats und Geschichtsvereins. XV. 1961. S. 340-384.


    Ullrich, Hermann. „Die Bildnisse der blinden Musikerin Maria Theresia von Paradis“. In: Musikerziehung. XV. 1961-1962. S. 69-72.


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis in London“. In: Music and letters. 43. XLIII. 1962. S. 16-24.


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis und Dr. Franz Anton Mesmer“. In: Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien. XVII-XVIII. 1961-1962. S. 149-188.


    Ullrich, Hermann. „Die erste öffentliche Musikschule der Maria Theresia Paradis in Wien (1808-1824)“. In: Musikerziehung. XVI. 1962-1963. S. 187-191.


    Ullrich, Hermann. „Die erste öffentliche Musikschule der Maria Theresia Paradis in Wien. Die Programme der Schulkonzerte“. In: Musikerziehung. XVII. 1963-1964. S. 56-62.


    Ullrich, Hermann. „Drei wiederaufgefundene Werke von Maria Theresia Paradis“. In: Österreichische Musikzeitschrift. XVII. 1962. S. 458-471 (auch XXI. 1966. S. 400).


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis. Werkverzeichnis“. In: Beiträge zur Musikwissenschaft V. 1963. S. 117-154 (auch VIII. 1966. S. 256-258).


    Ullrich, Hermann. „W. A. Mozarts Begegnungen mit der blinden Musikerin Maria Theresia von Paradis“. In: Mozartgemeinde Wien. Forscher und Interpreten. 1913-1963. Wien: Verlagsanstalt Gutenberg, 1964. S. 72-85.


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis’ zweite Reise nach Prag 1797, die Uraufführung von „Rinaldo und Alcina“. In: Musikforschung. XIX. 1966. S. 152-163.


    Ullrich, Hermann. „Ein wiedergefundenes Klavierwerk...“. In: Österreichische Musikzeitschrift. XXI. 1966. S. 400.



    2. Moderne Editionen ihrer Werke (Auswahl)


    Maria Theresia von Paradis. „Morgenlied eines armen Mannes“. In: Denkmäler der Tonkunst in Österreich. Jg. XXVII/2. 1920

    Wiederabgedruckt. In: James Briscoe (Hg.). Historical Anthology of Music by Women Blommington: Indiana Univers Press, 1987. S. 97-98.


    Maria Theresia von Paradis. „Das Gärtnerliedchen aus dem Siegwart”. In: Denkmäler der Tonkunst in Österreich. Jg. XXVII/2. 1920.


    Maria Theresia Paradis. Lenore. Ballad for Soprano and Piano (1789). Poem by Gottfried August Bürger (1977). Hidemi Matsushita (Hg.). Fayetteville: ClarNan Editions, 1989.


    Maria Theresia von Paradis. Zwölf Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt (1784-86). Hidemi Matsushita (Hg.) (= Lieder by Women Composers of the Classic era. Vol. II). Fayetteville: ClarNan Editions, 1987. 2. Aufl.


    Maria Theresia von Paradis. „Da eben seinen Lauf vollbracht“. Aus: Zwölf Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt (Leipzig 1786). In: Barbara Garvey Jackson (Hg.). Lieder by Women Composers of the Classic Era. Vol. I. Fayetteville: ClarNan Editions, 1987. S. 10-24.


    Maria Theresia Paradis. Fantasie pour le piano. Hidemi Matshshita (Hg.). Bryn Mawr. PA: Hildegard Pub. Co., 1998 (786.2 PARADIS Fantasie).


    Maria Theresia Paradis von. Fantasie G-Dur für Klavier. hg. von Fine Zimmermann. Köln: P. J. Tonger Musikverlag, 1999 (=MusicaLady. Komponistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts Bd. 10).


    Maria Theresia Paradis. Sicilienne [für Violine und Klavier] arr. Samuel Dushkin. Mainz: B. Schott’s Söhne, 1931. „iederabgedruckt in: James Briscoe (Hg.). Historical Anthology of Music by Women. Blommington: Indiana University Press, 1987. S. 99-100.



    3. Diskografie (Auswahl)


    Lieder


    3 Lieder aus den 12 Reiseliedern

    An das Klavier

    Wenn ich einst von jenem Schlummer

    Erinnerung ans Schicksal

    Sopran. Maria Venuti. Violine. Wanda Wilkomirska. Klavier. Werner Genuit

    1991 SWF-CD


    Das Gärtnerliedchen aus dem Siegwart

    Neva Pilgrim, Sopran. Edward Smith, Cembalo, Steven Heyman, Klavier

    „Women’s Voices: Five centuries of Song”

    Leonarda Records 1997

    LEONARDA LE 338. 1997

    ASIN: B000004AF1


    An das Klavier

    Kristan Aspen. Flöte. Janna Macauslan. Gitarre

    „Returning the Muse to Music”

    Musica Femina

    LILC 3



    Klavierwerke


    Sicilienne

    Violine. Wanda Wilkomirska. Klavier. Werner Genuit

    1991 SWF-CD


    Sicilienne

    Evelyn Steinbock. Cello

    M. May. Klavier

    „Women’s Work”

    Gemini Hall Records

    Stero RAP-1010 1975


    Sicilienne for keybord in E flat

    Michael Murray

    Rolf Smedvig

    „Ceremonial Music for Trumpet & Symphonic Organ”

    Telarc 1993

    ASIN: B000003CZG


    Sicilienne for keybord in E flat

    Judy Loman. Nora Shulman

    „Dance of the Blessed Spirits”

    Naxos 1998

    ASIN: B000009OM9


    Sicilienne for keybord in E flat

    Itzhak Perlman. Samuel Sanders

    Itzhak Perlman’s Greatest Hits. Vol. 2

    Emi Classics 2000

    ASIN: B000004XST2


    Sicilienne for keybord in E flat

    Jacqueline Du Pré

    Jacqueline du Pré - a lasting inspiration

    Emi Classics 1999

    ASIN: B00000K4F9


    Sicilienne for keybord in E flat

    Anne Akiko Meyers. Sandra Rivers Conductes by Andrew Litton

    „Violin for Relaxarion”

    Rca 2000

    ASIN: B00004SSEC


    Sicilienne for keybord in E flat

    Michael Murray. Rolf Smedvig

    Conductor: Jahja Ling

    „Virtuoso”

    Telarc 2000

    ASIN: B00004C4MM


    Sicilienne

    Jacqueline Du Pré. Gerald Moore

    „Frauensaiten: die weibliche Seite der Musik“

    Früheres P-Jahr 1982

    Köln: Emi Records c 1996


    Sicilienne

    Nicola Hall. Gitarre

    Virtuoso guitar transcriptions

    Hamburg: Polygram-Musik-Vertrieb P 1991


    Sicilienne (trans. Harrell)

    Lyn Harrell. Cello

    Bruno Canino. Piano

    „Cello Adagios“

    Decca Records

    475 601-6 DX2


    Sicilienne

    Kaeko Mukoyama. violoncello

    Ikuyo Nakamichi. Piano

    „Grace“

    Sony Records

    SRCR - 1985


    Fantasie G-Dur

    Fine Zimmermann. Klavier

    Sonata D-Dur für Violine und Cembalo / Brandenstein. Caroline von.

    Bearbeitung für Cembalo solo

    Erkrath: Musikvertrieb. P 1998


    Sicilienne (cello and piano)

    Leonarda

    CD LE353

    Double Cassette LPI 3-4

    Forschung

    Die Beschäftigung mit Leben und Werk der Maria Theresia Paradis setzte bereits im 19. Jahrhundert ein. Die ersten Würdigungen stammen von Autoren aus dem Umfeld der Blinden-Institute. Ludwig August Frankl, ihr erster Biograf und zugleich Initiator des Blindeninstituts auf der Hohen Warte in Wien, schrieb 1876 eine knapp 30 Seiten lange Biografie, ein schmaler Band und doch eine Pioniertat. Ausgangspunkt und Hauptquellen sind für Frankl zwei Objekte: das Stammbuch und eine lebensgroße Wachsbüste. Seine Darstellung basiert weiterhin auf Lexikon-Einträgen des 19. Jahrhunderts. Diese sind, trotz ihrer zeitlichen Nähe zum Leben der Maria Theresia Paradis, in ihren Angaben nicht immer richtig. So finden sich bei Frankl gelegentlich falsche Daten, so etwa die Angabe 1784 für den Beginn der großen Konzertreise oder 1786 statt 1787 als Jahr, in dem Maria Theresia Paradis eines ihrer wenigen Konzerte in Wien gab. Auch die Werkzuschreibungen sind aus heutiger Sicht nicht mehr uneingeschränkt gültig (die „Vier Clavier-Sonaten“, Amsterdam 1778 und „Zwölf Sonaten für Klavier“, Paris 1791 sind vermutlich nicht von ihr).


    Der Wiener Musikforscher Hermann Ullrich, vormals Präsident des österreichischen Obersten Gerichtes, arbeitete während der 1960er Jahre an einer Monografie zu Leben und Werk von Maria Theresia Paradis, die leider nie erschienen ist. Teile daraus sind verstreut in einzelnen Zeitschriften von ihm veröffentlicht worden. Diese Artikel zusammen genommen, ergeben aber kein geschlossenes Ganzes. Die stückweise Publikationsweise führte zu zahlreichen Dopplungen, teils auch in sich widersprüchlichen Angaben. Hinzukommt, dass Ullrichs Quellenangaben sehr ungenau sind, so dass das Aufspüren seiner bereits erschlossenen Quellen zur neuerlichen Odyssee werden kann.


    Der japanische Musikologe Hidumi Matsushita hat sich zuerst im Rahmen einer 1989 veröffentlichten Dissertation mit Leben und Werk von Maria Theresia Paradis intensiv auseinandergesetzt. Sein wichtigster Beitrag: er stellte als erster die Autorschaft der Komponistin an ihrem bekanntesten Stück in Frage. Die „Sicilienne“, so versuchte er anhand mehrerer Indikatoren nachzuweisen, stamme nicht von ihr, sondern Samuel Duskin habe das Stück geschrieben und als eine Komposition der Blinden ausgegeben. Seiner These wird seither in vielen Booklet-Texten und Veröffentlichungen, auch im Internet, gefolgt. Matsushita hat nach seiner Doktorarbeit auch einige Werke von Maria Theresia Paradis neu ediert, so etwa die Klavierlieder und die Ballade „Lenore“ sowie die Ouvertüre zur Oper „Der Schulkandidat“. Darüber hinaus bewirkte die von Leben und Werk ausgehende Faszination bei Matsushita auch eine produktive Rezeption: Er schrieb ein Ballett zu ihrem Leben, „Maria Theresia von Paradis: Seeing the Light of Day“, so sein Titel, das 1988 uraufgeführt wurde.


    In neuerer Zeit sind einige Staatsexamensarbeiten verfasst worden, die eine erneute Sichtung und Auswertung der Quellen vornehmen. Hervorzuheben ist die Arbeit von Ernst Ramsauer (1991), die erneut besonders die in Wien vorhandenen Primärquellen auswertet, die zu großen Teilen in der Handschriftensammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und im Haus-, Hof- und Staatsarchiv einzusehen sind. Dazu zählen Maria Theresia Paradis’ Pensionsakt und ihr Testament, Bittschriftenprotokolle aus dem Jahre 1808, das Stammbuch, die Tagebücher des Matthias Perth sowie zeitgenössische Nachschlagewerke.

    Forschungsbedarf

    Wünschenswert wäre das Auffinden der als verschollenen geltenden Werke, um das Gesamtschaffen der Komponistin würdigen zu können.


    Das Stammbuch der Maria Theresia Paradis, auch kulturgeschichtlich von Interesse, verdiente eine Faksimile-Ausgabe mit wissenschaftlichem Kommentar, worauf übrigens Heino Pfannenschmid, Herausgeber des Fremdenbuches von Gottlieb Konrad Pfeffel, bereits 1892 verwies.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 24867189
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    Library of Congress (LCCN): n82059306
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Marion Fürst, Die Grundseite wurde im Juni 2007 erstellt.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 06.07.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Marion Fürst, Artikel „Maria Theresia (von) Paradis“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 6.7.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Maria_Theresia_(von)_Paradis