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  • Maria Anna Mozart

    von Melanie Unseld
    Namen:
    Maria Anna Mozart
    Ehename: Maria Anna Freiin / Freifrau von Berchtold zu Sonnenburg
    Lebensdaten:
    * in Salzburg, Österreich
    in Salzburg, Österreich

    Maria Anna Mozart kam in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1751 zur Welt, getauft wurde sie am 31. Juli 1751.

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Nachlassverwalterin, „Wunderkind“
    Charakterisierender Satz:

    „…daß mein Mädl eine der geschicktesten Spilerinnen in Europa ist, wenn sie gleich nur 12. Jahre hat…“ (Leopold Mozart, 28. Juni 1764, Mozart-Briefe I, S. 154).


    Profil

    Als Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart stand sie zunächst ebenfalls im Rampenlicht: als Wunderkinder wurden beide in ganz Europa bestaunt. Nach 1769 durfte sie allerdings nicht mehr als Virtuosin reisen, da sie sich nun auf ein bürgerliches Leben vorzubereiten hatte. Sie blieb in Salzburg künstlerisch aktiv soweit es die Umstände zuließen, und war für ihren Bruder noch während dessen Wiener Zeit (ab 1781) die wichtigste Ansprechpartnerin in pianistischen Belangen. Nach ihrer Heirat (1784) zog sie zusammen mit ihrem Mann Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg nach St. Gilgen, wo sie sich nur noch mühsam ihren künstlerischen Freiraum erhalten konnte. Nach dem Tod ihres Mannes (1801) kehrte sie nach Salzburg zurück, wo sie wieder als Klavierlehrerin tätig war.

    Orte und Länder

    In Salzburg geboren ging sie zusammen mit ihrem Bruder Wolfgang Amadeus sowie mit den Eltern bis 1769 mehrfach auf Konzertreisen. Nach ihrer „Wunderkind“-Zeit blieb sie zunächst in Salzburg und folgte nach ihrer Heirat ihrem Mann nach St. Gilgen. Nach dessen Tod kehrte sie nach Salzburg zurück, wo sie auch starb.

    Biografie

    In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1751 wurde Maria Anna (Walburga Ignatia) in Salzburg geboren. 1758 erhielt sie ersten Klavierunterricht von ihrem Vater, dem Salzburger Vicekapellmeister Leopold Mozart. Im Jahr darauf legte dieser für sie ein Notenbuch an. Nachdem der Vater das außerordentliche Talent der Tochter und des 1756 geborenen Sohnes erkannt und bereits früh gefördert hatte, ging er 1762/63 erstmals mit seinen beiden („Wunder“-)Kindern auf Reisen, um ihr Talent am Münchner und am Wiener Hof vorzustellen. Nach den dortigen großen Erfolgen ließ sich Leopold Mozart in Salzburg beurlauben und ging mit der gesamten Familie auf eine mehr als dreijährige Reise (Juni 1763 bis November 1766). Hier erregte Maria Anna Mozart durch ihr Klavierspiel größte Aufmerksamkeit. Die Reise ging über Deutschland nach Frankreich, England, Holland und in die Schweiz. Nach einer weiteren Konzertreise nach Wien (September 1767 bis Januar 1769) musste Maria Anna Mozart in Salzburg bleiben, da sie inzwischen im heiratsfähigen Alter und eine berufliche Pianisten-Laufbahn für sie nicht vorgesehen war. 1772 wird in der Familienkorrespondenz erstmals von ihrer pädagogischen Tätigkeit berichtet. 1775 reiste sie zusammen mit dem Vater nach München zur Premiere von „La finta gardiniera“ KV 196 ihres Bruders.

    Um 1780/81 machte sie die Bekanntschaft mit Franz Armand d’Ippold, der sie sehr verehrte und dessen Zuneigung von ihr wahrscheinlich erwidert wurde. Warum eine Heirat nicht zustande kam, ist bislang nicht eindeutig zu klären. 1781 reiste sie wiederum mit dem Vater nach München, um der Premiere von „Idomeneo“ KV 366 beizuwohnen.

    Im Mai 1781 schlug ihr inzwischen in Wien lebender Bruder Wolfgang vor, (mit Franz d’Ippold) nach Wien zu kommen, um hier als Klavierlehrerin und Pianistin zu leben. Dieser Vorschlag wurde nicht in die Tat umgesetzt. Stattdessen heiratete sie am 23. August 1784 den zweifachen Witwer und Vater von fünf Halbwaisen Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg und zog mit ihm nach St. Gilgen. Am 15. Juli 1785 kam das erste gemeinsame Kind, Leopold Alois Pantaleon, zur Welt. Leopold Mozart hatte bestimmt, dass seine Tochter in Salzburg entbinden solle und behielt den Säugling auch nach der Geburt bei sich. Maria Anna Berchtold zu Sonnenburg kehrte nach St. Gilgen zurück.

    Im Mai 1787 kam Maria Anna nach Salzburg, um ihren todkranken Vater zu pflegen, der am 28. Mai 1787 starb. Am 22. März 1789 kam Maria Annas zweites Kind zur Welt, getauft auf den Namen Johanna Maria Anna Elisabeth, genannt Jeanette (gest. 1. September 1805). Am 22. November 1790 folgte die Geburt des dritten Kindes, Maria Barbara (gest. 26. April 1791).

    Nachdem am 5. Dezember 1791 ihr Bruder Wolfgang Amadeus Mozart in Wien gestorben war, wurde Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg im April 1792 von Friedrich Schlichtegroll um biografische Informationen über ihren Bruder gebeten. Zwischen 1798-1807 ist ein Briefwechsel mit dem Leipziger Verlagshaus Breitkopf & Härtel in Zusammenhang mit Werken ihres Bruders belegt.

    Nachdem am 26. Februar 1801 ihr Mann Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg gestorben war, zog Maria Anna im Oktober desselben Jahres zurück nach Salzburg und nahm ihre Unterrichtstätigkeit wieder auf.

    1821 erhielt sie Besuch von ihrem Neffen, dem inzwischen als Musiker tätigen Franz Xaver Wolfgang Mozart. Zwei Jahre später übergab sie Familienbriefe an ihre Schwägerin Constanze Nissen, verw. Mozart, geb. Weber, die eine erste umfangreiche Mozart-Biographie vorbereitete. 1825 erblindete sie und starb am 29. Oktober 1829 in Salzburg. Nach Querelen mit ihrer Schwägerin Constanze Nissen um das Familiengrab hatte sie 1827 nochmals ihr Testament geändert und wurde nach ihrem letzten Willen nicht neben Vater Leopold und Tochter Jeanette auf dem Friedhof St. Sebastian in Salzburg begraben, sondern auf dem Friedhof St. Peter (ebda.).

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    In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1751 in Salzburg als Tochter des Hofviolinisten Leopold und seiner Frau Anna Maria Mozart, geb. Pertl, geboren, wuchs Maria Anna (genannt „Nannerl“) im heute als „Mozart-Geburtshaus“ bekannten Haus in der Getreidegasse 9 auf. Am 27. Januar 1756 kam das letzte Kind des Ehepaares Mozart auf die Welt, Nannerl und Wolfgang waren die einzigen überlebenden Kinder.

    1758 erhielt Maria Anna erstmals Klavierunterricht von ihrem Vater. Im Juli 1759 legte dieser für sie ein Notenbuch an (“Pour le Clavecin ce Livre appartient a Mademoiselle Marie Anne Mozart, 1759“). Dass Maria Anna von Anfang an eine dezidiert pianistische Ausbildung erhielt, während ihr Bruder eine wesentlich breitere musikalische Unterweisung durch den Vater bekam, ist deutlich zu erkennen (vgl. Rieger 1990, S. 67ff.). Ob dieses Ausbildungsmuster den Fähigkeiten der Kinder entsprach oder einer zeittypischen, geschlechtsspezifischen Unterscheidung, ist nicht dokumentiert. Letzteres liegt freilich nahe: Einerseits setzte sich Vater Leopold intensiv mit den pädagogischen Theorien François Fénelons auseinandersetzte, der für eine derartige Unterscheidung plädierte. Andererseits war eine geschlechtsspezifische musikalische Ausbildung (mit Blick auf die später mögliche Berufswahl) auch bei anderen Geschwistern üblich, wie etwa der Fall von Nancy und Stephen Storace zeigt.

    Im Januar 1762 brach Leopold mit seiner Familie zu einer ersten Reise an den Münchener Hof, um seine Kinder dem musikliebenden Kurfürsten Maximilian III. zu präsentieren. Im September desselben Jahres wurde eine ähnliche Reise an den Wiener Hof unternommen; Kaiserin Maria Theresia schenkte bei dieser Gelegenheit beiden Kindern je ein Gala-Kleid. Im Januar 1763 kehrte die Familie nach Salzburg zurück, um bereits im Mai zu der über dreijährigen Westeuropa-Reise wiederum aufzubrechen.

    Von dieser Reise sind erstmals auch handschriftliche Dokumente von Maria Anna Mozart überliefert (vgl. Geffray 1998). Unzählige Konzerte und Auftritte der beiden Wunderkinder erregten überall höchstes Erstaunen. Darüber hinaus nutzt die Familie die Reise auch als Bildungsreise: Überall wurden Besichtigungen unternommen, und über den Kontakt mit Musikerpersönlichkeiten in Mannheim, Paris, London und andernorts lernten die Kinder auch die unterschiedlichen musikalischen Stile vor Ort kennen. Für die Reise hatte Leopold Mozart sowohl eine eigene Kutsche als auch ein Reiseklavier angeschafft, um das Reisen und die ständig weiterbetriebene musikalische Ausbildung beider Kinder so angenehm wie möglich zu machen.

    Auf der Rückreise von London erkrankte Maria Anna in Den Haag so schwer an Bauchtyphus, das man ihr bereits die letzte Ölung verabreichte. Drei Monate dauerte die vollständige Genesung, dann wurde die Reise über Frankreich und die Schweiz fortgesetzt. Am 29. November 1766 kehrte die Familie nach Salzburg zurück.

    Am 11. September 1767 brach die ganze Familie wiederum nach Wien auf, da Leopold Mozart anlässlich der bevorstehenden Hochzeit Ferdinands IV. von Neapel mit der 16-jährigen Erzherzogin Josepha sowohl Auftrittsmöglichkeiten für beide Geschwister als auch Kompositionsaufträge für Wolfgang Amadeus Mozart erhoffte. In Wien brach allerdings eine Blatternepidemie aus, der auch die Braut zum Opfer fiel. Die Familie Mozart floh aus Wien, doch beide Mozart-Kinder erkrankten an den Blattern, die in Olmütz auskuriert wurden. Erst am 5. Januar 1769 kehrte die Familie nach Salzburg zurück. Es sollte die letzte Reise von Maria Anna Mozart als Klaviervirtuosin sein; von nun an reiste der Vater mit dem Sohn allein, Maria Anna blieb mit ihrer Mutter zu Hause in Salzburg. Mehrfach scheinen die beiden Frauen gegen diese Entscheidung aufbegehrt zu haben, mehrfach versuchte Leopold Mozart die beiden zu trösten: Er schickte ihnen beispielsweise den Rat, stattdessen Reisebeschreibungen von Johann Georg Keyssler zu lesen, „damit du [damit ist die Ehefrau Anna Maria gemeint] wenigst im Zimmer reisen kannst, wenn du gleich nicht bey uns bist“ (Mozart-Briefe, Bd. I, S. 304).

    Hier richtete sich Maria Anna Mozart darauf ein, nur noch im Rahmen der Salzburger Möglichkeiten künstlerisch aktiv zu sein: Konzertieren, häusliches Musizieren und Unterrichten. Darüber hinaus ist auch von kompositorischen Aktivitäten die Rede: „Cara sorella mia! Ich habe mich recht verwundert, daß du so schön Componieren kanst, mit einen wort, das lied ist schön, und probiere öfter etwas.“ (Brief von Wolfgang an Maria Anna vom 7. Juli 1770, Mozart-Briefe I, S. 369)

    In der Zeit der Italien-Reisen von Leopold und Wolfgang Mozart brachten die beiden in Salzburg verbliebenen Frauen offenbar mehrfach ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass sie nicht mitreisen durften. Doch Leopold wies dieses Ansinnen zurück, schob Argumente gegen das Reisen vor (Strapazen, Kosten), verwies die beiden Frauen aber auch auf frauentypisches Verhalten: sie sollten in Reisebüchern lesen (statt zu reisen) und sich neue Kleider machen lassen. Reisen galt im 18. Jahrhundert (und noch bis ins frühe 20. Jahrhundert) als unschicklich für (zumal unverheiratete junge) Frauen.

    Wie Maria Anna Mozart diesen Schnitt zwischen ihrer splendiden Wunderkind-Zeit und ihrer künstlerisch eher eintönigen Lebensphase nach 1769 in Salzburg empfunden hat, ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Dokumente, die Aufschluss über ihre Gefühle und Anschauungen darüber geben könnten, existieren nicht; ihre Tagebuchaufzeichnungen sind eher protokollarischer Art, referieren kurz alltägliche Begebenheiten wie den Kirchgang, Besuche, Gesellschaftsspiele u.v.m. (vgl. „meine tag ordnungen“ 1998). Dass sie sich trotz vermehrter Belastung im Haushalt und trotz der künstlerisch nur wenig anregenden Situation in Salzburg (und später vor allem in St. Gilgen) Zeit ihres Lebens Freiräume für ihre eigene pianistische Tätigkeit zu schaffen verstand, spricht allerdings dafür, dass sie ihr Selbstverständnis als Pianistin nie gänzlich verlor.

    Und auch das Reisen blieb ihr stets eine willkommene Ablenkung: 1775 und 1781 durfte Maria Anna Mozart immerhin noch als Zuschauende nach München reisen, um den Opernpremieren ihres Bruder dort beizuwohnen.

    Als Wolfgang Mozart im September 1777 zu seiner Paris-Reise aufbrach, durfte Vater Leopold auf Geheiß des Fürsterzbischofs nicht mitreisen. Stattdessen schickte er notgedrungen seine Frau mit auf die Reise. Maria Anna hingegen blieb bei ihrem Vater in Salzburg zurück. Diese Konstellation war für alle Familienmitglieder neu, bedeutete für alle eine neue Aufgabenverteilung. Für Maria Anna blieb nun der Salzburger Haushalt zu versorgen, was sie offenbar zur Zufriedenheit des Vaters erledigte: „Ich muß dir sagen, daß die Nannerl im Hauswesen in allem erstaunlich fleisig, arbeitsamm und aufmerksamm auf alles ist“, schrieb er seiner Frau am 27. Oktober 1777, um sogleich hinzuzufügen: „und sie spielt, so oft sie kann, und accompagniert recht gut. täglich abends sind 2 bis 2 1/2 Stund wenigst unser übungszeit.“ (Mozart-Briefe II, S. 88). Diese Zeilen dokumentieren nicht nur die haushälterischen Fähigkeiten Maria Anna Mozarts, sondern auch den Zwiespalt, in dem die junge Frau sich befand: sich als Hausfrau zu bewähren und gleichzeitig als Künstlerin aktiv zu bleiben. Die Zeilen dokumentieren zugleich auch, dass sich der Vater dieses Zwiespalts ebenfalls bewusst war – und dass er für das Dilemma seiner Tochter offenbar keinen Ausweg wusste. Dass er es war, der über den künftigen Lebensweg seiner Tochter bestimmte (Künstlerin versus Ehefrau), war hingegen im Sinne der patriarchalen Struktur für beide Seiten offenbar selbstverständlich. Zudem stand die gesamte Familie an einem Wendepunkt, der in vielen Briefen Leopolds an Wolfgang Mozart deutlich wird: es galt, eine finanzielle Absicherung für die gesamte Familie zu finden.

    In dieser Gesamtsituation (und verschärft durch den Tod der Mutter 1778 in Paris) eröffnete sich für die offenbare Zuneigung des Salzburger Hofmeisters Franz d’Ippolds zu Maria Anna Mozart keine Zukunft. Warum die beiden nicht heirateten (nicht heiraten durften), ist unklar, zumal der Kontakt Franz d’Ippolds zur Familie Mozart selbst nach der Heirat Maria Anna Mozarts eng blieb. Wolfgang Mozart freilich versuchte 1781, damals schon in Wien lebend, die Schwester nach Wien zu holen, um ihr hier nicht nur die Ehe mit Franz d’Ippold zu ermöglichen, sondern auch, da in Wien die Möglichkeit einer beruflichen Karriere für eine versierte Pianistin weitaus besser waren als in Salzburg (vgl. dazu Unseld 2006).

    Maria Anna Mozart blieb in Salzburg, unterrichtete weiterhin, gab Konzerte, sorgte für den Haushalt, spielte leidenschaftlich gern (vgl. Günther G. Bauer in Düll/Neumaier 2001), ging ins Theater und auf Kostümfeste (vgl. dazu Rieger 1990, S. 117ff.).

    Am 23. August 1783 heiratete sie Johann Baptist Franz (Reichsfreiherr) von Berchtold zu Sonnenburg in St. Gilgen, einen zweifachen Witwer mit fünf kleinen Kindern. Sie hatte nun als Pfleger-Gattin einem großen Hauswesen vorzustehen, für die Stiefkinder zu sorgen und immer auch den in Salzburg verbliebenen Vater zu umsorgen. Trotzdem nahm sie sich selbst in dieser Zeit den Freiraum, mehrere Stunden am Tag Klavier zu spielen. „In einer von ihr aufgestellten ‚Tagesordnung’ verzeichnet sie in dreistündiges Klavierspiel, von 14 bis 17 Uhr, mit anschließendem einstündigen Spaziergang. […] Keiner schrieb ihr die Übungszeit vor: Leopold [Mozart] mißbilligte sie gar, weil die Spaziergänge dadurch zu kurz kamen. Es ist denkbar, daß sich Berchtold daran störte, denn sie entzog sich den Kindern und den Haushaltsgeschäften. So bleiben diese drei Stunden ein selbst erkämpfter Freiraum.“ (Rieger 1990, S. 221)

    Am 25. Juli 1785 kam ihr erstes Kind zur Welt, Leopold Alois Pantaleon. Leopold Mozart hatte seine Tochter vor der Geburt nach Salzburg geholt und behielt nun, nachdem seine Tochter wieder nach St. Gilgen zurück musste, um ihren dortigen Verpflichtungen nachzukommen, den Säugling bei sich: „Damit du meine ganze gesinnung weist, so sage ich dir, daß ich den Leopoldl, so lange ich lebe, bey mir behalten werde, dieser ist, und war von Anfang schon mein Entschluss.“ (Leopold an Maria Anna, März 1786, Mozart-Briefe III, S. 512) Wie Maria Anna von Berchtold zu Sonnenberg diese Entscheidung aufgenommen hat, ist nicht überliefert. Selbst während Leopold Mozarts gelegentlicher Abwesenheit von Salzburg, wurde das Kind nicht nach St. Gilgen gebracht, sondern blieb in der Obhut einer Kinderfrau und Franz d’Ippolds in Salzburg.

    1787 starb Leopold Mozart, in den letzten Wochen gepflegt von seiner Tochter, die aus St. Gilgen kam. Die Hinterlassenschaft Leopold Mozarts wurde zwischen den Geschwistern geregelt, wobei Franz d’Ippold bei den organisatorischen Angelegenheiten behilflich war.

    Am 22. März 1789 gebar Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg ihr zweites Kind, die Tochter Johanna Maria Anna Elisabeth, genannt Jeanette. Diese starb 16-jährig, am 1. September 1805 in Salzburg.

    Am 22. November 1790 kam das dritte Kind, Maria Barbara in St. Gilgen zur Welt, das bereits nach wenigen Monaten starb (Bestattung am 26. April 1791). Im Dezember desselben Jahres starb Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburgs Bruder in Wien: Unbekannt ist bislang, wer ihr die Nachricht seines Todes überbrachte. Nur fünf Monate später wurde sie von Friedrich Schlichtegroll um biographische Informationen über ihren Bruder gebeten. Damit begann für sie eine intensive Beschäftigung mit dem musikalischen und biographischen Nachlass ihres Bruders, die sie zum Teil im Einvernehmen, zum Teil im (von außen bewusst gelenkten) Streit mit ihrer Schwägerin, Constanze Nissen, unternahm (vgl. Mozart-Briefe, Bd. 4, S. 184ff.).

    Nach dem Tod ihres Ehemanns (26. Februar 1801) übersiedelte Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg noch im Oktober desselben Jahres zurück nach Salzburg. Hier begann sie wieder zu unterrichten.

    Im Mai 1821 besuchte sie Franz Xaver Wolfgang Mozart, der jüngste Sohn von Wolfgang und Constanze Mozart. Dieser notierte: „Sie ist lebhaft, u[nd] erinnert sich ihres Bruders, u[nd] ihrer zusammen gemachten Reisen, ob wohl seither sechzig Jahre verfloßen sind.“ ("meine tag Ordnungen" 1998, S. XLIV)

    Trotz fortschreitender Erblindung unterrichtete sie bis zu ihrem 76. Lebensjahr. Ihr Testament aus dem Jahr 1823 änderte sie 1827, nachdem Constanze Nissen ihren Ehemann in das Mozart’sche Familiengrab auf dem St. Sebastians-Friedhof in Salzburg hatte beisetzen lassen. Nach ihrem letzten Willen wurde sie daher nach ihrem Tod am 29. Oktober 1829 in einer Kommunegruft auf dem Friedhof von St. Peter in Salzburg beigesetzt.

    Würdigung

    Sie war die ältere Schwester Wolfgang Amadeus Mozarts, damit eine frühe Konkurrentin, Ansporn und zeitlebens eine der wichtigsten Ansprechpartnerinnen in musikalischen, vor allem pianistischen Dingen für ihren jüngeren Bruder. Ihre eigene öffentliche Pianistinnen-Laufbahn musste sie nach dem Willen des Vaters aufgeben und statt dessen in eine Versorgungsehe einwilligen. Dass sie sich neben ihren Alltagspflichten stets Freiräume für das Klavierspiel nahm, zeugt von ihrem hohen pianistischen Selbstwertgefühl.

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    Sie war das erste überlebende Kind der Eheleute Mozart und wurde von ihrem Vater Leopold seit ihrem 7. Lebensjahr unterrichtet. Dass sich in diesen Unterricht rasch die außerordentliche Begabung ihres jüngeren Bruders Wolfgang hineindrängte, lässt eine gewisse Konkurrenz-Situation zwischen den Kindern vermuten. Allerdings wurde Maria Anna von Anfang an als Pianistin ausgebildet, während Wolfgang eine wesentlich breitere Ausbildung (Tonsatz, Komposition, mehrere Instrumente…) erhielt. Diese frühe Spezialisierung führte bei Maria Anna dazu, dass sie bereits als junges Mädchen eine Pianistin von außerordentlichen Fähigkeiten war, und – spätestens seit der über dreijährigen Westeuropareise der Familie Mozart – weithin als Pianistin bekannt war.

    Dass ihr öffentlicher künstlerischer Lebensweg nach 1769 weitgehend abbrach, entsprach dem Lebensentwurf, den Leopold Mozart für seine Tochter vorgesehen hatte. Dennoch blieb sie, gegen alle Widrigkeiten des Alltags als Tochter, Ehefrau und Mutter, zeitlebens künstlerisch tätig und begann, als sie 1801 als Witwe nach Salzburg zurückkehrte auch wieder mit ihrer Unterrichtstätigkeit. Nach dem Tod ihres Bruders kümmerte sie sich darüber hinaus um das künstlerische wie persönliche Andenken an Wolfgang Amadeus Mozart.

    Rezeption

    Sie wurde zeitlebens und bis ins späte 20. Jahrhundert hinein fast ausschließlich als Schwester Wolfgang Amadeus Mozarts rezipiert. Erst mit der Biographie von Eva Rieger (1990) erhielt die Maria Anna Mozart-Forschung wichtige Impulse und eine neue Richtung. Interessant dabei ist der Weg der kulturhistorischen Kontextualisierung, den z.B. auch die Edition von Düll/Neumaier 2001 geht: Die nicht mehr durch Primärquellen fixierbaren Lebensumstände der Maria Anna Mozart werden auf diese Weise zumindest durch die Erforschung ihres nahen Umfelds greifbarer.

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    Von den Zeitgenossen wurde sie zunächst als pianistisches Wunderkind, später vor allem als Schwester Wolfgang Amadeus Mozarts rezipiert. Sie war nach 1791 neben Constanze Mozart die wichtigste Ansprechperson für Verleger, Musikhistoriker und Mozart-Enthusiasten für alle Belange rund um Wolfgang Amadeus Mozart.

    Die Musikgeschichtsschreibung hat sie daher lange Zeit auch ausschließlich im Schatten ihres Bruders wahrgenommen, wobei ein pauschalisierender Blick auf die angeblich weniger begabte Schwester vorherrschte.

    Erst die Biographie Eva Riegers (1. Auflage 1990, 2. Auflage 2005) trug dazu bei, Maria Anna Mozart als eigenständige Persönlichkeit wahrzunehmen. In der Folge wurden auch ihre Tagebuchaufzeichnungen ediert (1998, hg. von Geneviève Geffray). Anlässlich ihres 250. Geburtstages (2001) rückte sie verstärkt in den Fokus der genderorientierten Musikwissenschaft (vgl. Düll/Neumaier 2001), wobei sich die kulturhistorische Kontextualisierung als ein Weg des historischen Verstehens profilieren konnte. Darüber hinaus liegen in Düll/Neumaier neue Studien zu Maria Anna Mozarts Notenbuch vor sowie zur Spielkultur in Salzburg im ausgehenden 18. Jahrhundert.

    Werkverzeichnis

    Maria Anna Mozart wurde nicht – wie ihr Bruder – in Komposition unterrichtet. Dennoch begann sie vor allem nach 1769 mit kompositorischen Studien (Lieder u.a.). Diese haben sich sehr wahrscheinlich nicht erhalten. Vermutlich nahm die kompositorische Arbeit für sie nie einen größeren Stellenwert ein, sie verstand sich vor allem als Pianistin. Als solche jedoch war es selbstverständlich, dass sie auch improvisierte.

    Repertoire

    Das Repertoire von Maria Anna Mozart ist nur schwer zu rekonstruieren, da zumeist nur die Namen der Komponisten bekannt sind: innerhalb der Familienkorrespondenz war man so vertraut, dass niemand die genauen Angaben benötigte, die zur eindeutigen Identifizierung von Stücken notwendig wären. So heißt es etwa in einem Brief von Leopold Mozart an seine Frau: „Nebst den Bachischen und ParadiesSonaten kann die Nannerl auch des Wolfg: geschriebne Sonaten und Variationen, und andere Sonaten mit nehmen, was sie will…“ (21.12.1974, Mozart-Briefe I, S. 508f.). Der Vater gab hier aus München Anweisungen, welche Noten seine Tochter mitbringen könne, um sie in München zu spielen.

    Auch aus den Reisebriefen, die Leopold Mozart zwischen 1763 und 1766 nach Salzburg schickte, sind wenig eindeutige Hinweise zu erkennen. Zumeist ist recht allgemein von den „schwersten Stücke[n] von den grösten Meistern“ (vgl. Düll/Neumaier 2001, S. 19) die Rede. Offenbar kam es auf diesen „Wunderkind“-Reisen nicht so sehr auf die Komposition und/oder den Komponisten, sondern auf die Interpretation durch Maria Anna Mozart an. Gleichwohl kann man bei den organisatorischen Qualitäten Leopold Mozarts davon ausgehen, dass er stets darauf bedacht war, dem Publikumsgeschmack nahe zu kommen, so dass er jeweils vor Ort zunächst eruierte, was das Publikum hören wollte, und es dann seine Tochter einstudieren ließ. Dieses Vorgehen ist etwa für Paris nachweisbar.

    Aufgrund dieser Situation sind – wie im folgenden zu sehen – häufig nur uneindeutige Angaben zu machen. Es ist denkbar, dass zukünftige Forschung hier genauere Hinweise ans Tageslicht befördert (s. unter Punkt 15).


    · Sonaten von Domenico Paradies, wahrscheinlich dessen Sonate di gravicembalo (London 1754) (s. Mozart-Briefe I, S. 508f.).

    · Sonaten von Johann Christian Bach, wahrscheinlich dessen 6 Sonaten für Clavecin oder Pianoforte op. 5 (Amsterdam 1768) (s. Mozart-Briefe I, S. 508f.).

    · Werke von Johann Schobert und Johann Gottfried Eckard (vgl. Mozart-Briefe I, S. 126), dabei ist von Eckard wahrscheinlich op. 1 gemeint, sechs Klaviersonaten, die 1763 erschienen waren.

    · Zum Repertoire von Maria Anna Mozart aus den Jahren bis 1781 gehörten auch zahlreiche Werke für Klavier zu vier Händen, die sie zusammen mit ihrem Bruder spielte, so etwa auch ein Klavier-Doppelkonzert von Georg Christoph Wagenseil. (Als Klavierduo ließen sich die Geschwister übrigens auch auf dem Ölbild darstellen, das Johann Nepomuk della Croce 1780/81 von der Familie Mozart anfertigte.)

    · Zudem dürfte sie Werke zahlreicher Salzburger Komponisten gespielt haben (Kollegen von Leopold und Wolfgang Mozart).

    · Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Maria Anna Mozart alle Klavierkompositionen (Solowerke, Kammermusikwerke und Konzerte) ihres Bruders spielte.

    Quellen

    Selbstverständlich sind für Maria Anna Mozart zumindest die Kindheit und Jugend betreffenden Quellen und biographischen Literaturhinweise zu nennen, die für Wolfgang Amadeus Mozart zu nennen wären. Insofern muss angesichts der Fülle auf eine ausführliche Nennung verzichtet werden. In die folgende Liste aufgenommen wurden hingegen:


    · Quellen, vor allem Maria Anna Mozart betreffend;

    · biographische Sekundärliteratur, sofern sie im Rahmen einer allgemeinen Mozart-Forschung auf besondere Weise auf Maria Anna Mozart eingeht;

    · spezielle Sekundärliteratur zu Maria Anna Mozart.


    Nicht aufgenommen wurden Literaturhinweise zu allgemeinen Fragestellungen, wie etwa der Situation der Frau im 18. Jahrhundert, der besonderen Situation von Künstlerinnen, zu kulturhistorischen und kultursoziologischen Fragestellungen etc., die für Maria Anna Mozart gleichwohl von Relevanz sind. Als Hinweis für weiterführende Lektüre mag hier die auch in dieser Hinsicht äußerst breitgefächerte Bibliographie in Rieger 2005 (2. Auflage) genügen.


    Quellen:

    Eine Wallfahrt zu Mozart. Die Reisetagebücher von Vincent und Mary Novello aus dem Jahre 1829. Hg. von Nerina Medici di Marignano und Rosemary Hughes, übers. von Ernst Roth. Bonn 1959.

    Fénelon, François: Über Mädchenerziehung. Ungekürzte Ausgabe. Hg. von Charlotte Richartz. Bochum o.J.

    Geffray, Geneviève: Correspondance VII. Notes de voyages, témoignages, journal de Nannerl, catalogue des oeuvres, index général. Édition de la Fondation Internationale Mozarteum Salzbourg réunie et annotée par Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch et Joseph Heinz Eibl. Édition française et traduction de l’allemand par Geneviève Geffray. Paris: Flammarion 1999.

    Leopold Mozarts Briefe an seine Tochter. Hg. von Otto Erich Deutsch und Bernhard Paumgartner. Salzburg, Leipzig 1936.

    Mozart, Maria Anna: "meine tag Ordnungen". Nannerl Mozarts Tagebuchblätter 1775-1783 mit Eintragungen ihres Bruders Wolfgang und ihres Vaters Leopold. Herausgegeben und kommentiert von Geneviève Geffray unter Mitarbeit von Rudolph Angermüller. Bad Honnef: K.H. Bock 1998.

    Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel u. a. 1962.

    Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Gesammelt und erläutert von Otto Erich Deutsch (Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Serie X: Supplement), Kassel u. a. 1961. Dazu auch der Ergänzungsband Kassel 1978.

    Mozart. Neue Ausgabe Sämtlicher Werke. Darin: Nannerls Notenbuch, hg. von Wolfgang Plath, Serie IX, Werkgruppe 27, Bd. 1. Kassel: Bärenreiter 1982.

    Nannerl Mozarts Tagebuchblätter. Hg. von Walter Hummel. Salzburg: Verlag Das Bergland-Buch 1958.


    Sekundärliteratur:

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    Angermüller, Rudolph: „Testament, Kodizill, Nachtrag und Sperrelation der Freifrau Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg, geb. Mozart (1751-1829)“. In: Mozart Jahrbuch 1986, Kassel/Basel: Bärenreiter 1987. S. 97-132.

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    Breitinger, Friedrich: Mozarts und Nannerls Auftreten am Salzburger Fürstenhof, in: Mozartiana. "Gaulimauli Malefisohu". Erhebungen von Friedrich Breitinger, herausgegeben von Friederike Prodinger, bearbeitet von Josef Brettenthaler. Salzburg: IKS 1992, S. 38-42.

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    Hoffmann, Freia: Instrument und Körper. Frankfurt am Main: Insel 1991.

    Hummel, Walter: Nannerl. Wolfgang Amadeus Mozarts Schwester. Zürich/Leipzig/Wien: Amalthea 1952.

    [Kastner, Emerich]: Mozart-Reliquien (Schluss.), in: Harmonie. Zeitschrift für die musikalische Welt und Organ für den Verband der deutschen Tonkünstler-Vereine 3 (1877), No. 24, Offenbach am Main, 22. December 1877, S. 214-215.

    Klein, H.: „Zur Herkunft Franz Armand d’Ippolds“. In: Mitteilungen der ISM 7. Jg., Heft 3/4 Dez. 1958, S. 2-3.

    Martin, Franz: „Das ‚Nannerl Mozart im Galakleid’“. In: Mozart Jahrbuch 1950. Salzburg 1951.

    Morath, Wolfram und Irene Andessner (Hg.): Salzburger Museum Carolino Augusteum: Frauen zu Salzburg. Caroline Auguste, Constanze Mozart, Nannerl Mozart, Barbara Krafft, Emilia Viktoria Kraus ("Hundsgräfin"). Ausstellung vom 23. Juli bis 12. September 1999. Salzburg: Carolino Augusteum, Salzburger Museum für Kunst und Kulturgeschichte 1999.

    Nickel, Barbara Kathleen: The Secret Wish of Nannerl Mozart. Toronto: Second Story Press 1996.

    Pass, Walter: Nannerl Mozart’s Tagebuchblätter (1775-1783). Eine Rezension, in: Frau und Musik im Zeitalter der Aufklärung. Zur 100Jahrfeier des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien 1898-1998, hg. von Siegrid Düll und Walter Pass. Sankt Augustin: Academia Verlag 1998. S. 78-81.

    Plath, Wolfgang: „Leopold Mozart und Nannerl: Lehrer und Schülerin“. In: Gerhard Allroggen und Detlef Altenburg (Hg.): Festschrift Arno Forchert. Kassel: Bärenreiter 1986, S. 127-130. (Nachdruck in Düll/Neumaier 2001, S. 85-91)

    Posch, Franz: „Leopold Mozart als Mensch, Vater und Erzieher der Aufklärung.“ In: Neues Mozart Jahrbuch. Regensburg 1941.

    Rieger, Eva: „Maria Anna Mozart“. In: Luise F. Pusch (Hg.): Schwestern berühmter Männer. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985.

    Rieger, Eva: „Die gefesselte Phantasie der Frau. Ein neuer Blick auf Nannerl Mozart“. In: Bericht über den Internationalen Mozart-Kongreß Salzburg 1991. Hg. von Rudolph Angermüller, Dietrich Berke, Ulrike Hofmann und Wolfgang Rehm. Kassel u.a.: Bärenreiter 1992, S. 115-121.

    Rieger, Eva: Nannerl Mozart. Leben einer Künstlerin im 18. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Insel 1992. 2. Auflage: Frankfurt am Main: Insel 2005.

    Schmid, Hans: „Mozart-Miszellen“. In: Acta Mozartiana 43 (1996), Heft 1, Augsburg, Juni 1996, S. 18-20.

    Schmid, Manfred Hermann: „Nannerl Mozart und ihr musikalischer Nachlaß: Zu den Klavierkonzerten im Archiv St. Peter in Salzburg.“ In: Mozart Jahrbuch 1980-1983, Kassel: Bärenreiter 1983.

    Schmidt, Nina: Nannerl Mozart – eine Künstlerin im Schatten ihres Bruders?, in: Frau und Musik im Zeitalter der Aufklärung. Zur 100Jahrfeier des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien 1898-1998, hg. von Siegrid Düll und Walter Pass. Sankt Augustin: Academia Verlag 1998, S. 58-77.

    Schuler, Heinz: „Die Salzburger Familie Gilowsky von Urazowa und ihre Beziehungen zu den Mozarts“. In: Wiener Figaro 46. Jahrgang 1979, S. 27-35.

    Schuler, Heinz: „Nannerl Mozarts Stiefkinder“. In: Acta Mozartiana 1976, S. 30-35.

    Schuler, Heinz: Mozarts Salzburger Freunde und Bekannte. Biographien und Kommentare. Wilhelmshaven 2. Aufl. 2004.

    Senigl, Johanna: "Redlicher Mann" – "Allerliebste Mama" – "Schwester Canaglie". Die Mozarts und St. Gilgen. – Salzburg: Internationale Stiftung Mozarteum 1992.

    Senn, Walter: „Zur Erbteilung nach Leopold Mozart“. In: Neues Augsburger Mozartbuch. Augsburg: Seitz 1962.

    Solomon, Maynard: „Marianne Mozart: ‚Carissima sorella mia’“. In: On Mozart. Hg. von James M. Morris. Cambridge: Cambridge University Press 1994, S. 130-150.

    Tyson, Alan: „A reconstruction of Nannerl Mozart’s Music Book (Notenbuch)“. In: Music & Letters 60 (1979), S. 389-400.

    Unseld, Melanie: „Studiren […] und Metier davon zu machen“. Mozarts Schülerinnen Josepha Auernhammer und Babette Ployer. In: Elena Ostleitner, Gabriele Dorffner (Hg.): "Ein unerschöpflicher Reichthum an Ideen ... " Komponistinnen zur Zeit Mozarts und heute (Musikschriftenreihe Frauentöne , Bd. 6). Strasshof/Wien/Bad Aibling: Vier Viertel Verlag 2006 (im Druck).

    Unseld, Melanie: Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.

    Wintersteiner, Marianne: Anna Maria und Nannerl Mozart. Roman. 2. Aufl. Rosenheim: Rosenheimer Verlagshaus 1999.


    CD’s:

    Wolfgang Amadeus Mozart: Für Nannerl. Klavierkompositionen zu zwei und vier Händen (Hammerflügel). Wolfgang Brunner und Leonore von Stauss:

    Sonate D-Dur KV 381, Sonate C-Dur KV 19d und Sonate B-Dur KV 358 für Klavier zu vier Händen; Modulierendes Präludium (F-e) KV deest, Praeludium (Fantasie) und Fuge C-Dur KV 394, Sonate C-Dur KV 309 für Klavier solo (profil 67168 5) 2001. Diese CD liegt auch der Publikation Düll/Neumaier 2001 als Beilage bei.


    Links:

    http://www.mozarteum.at

    http://www.fembio.org/frauen-biographie/nannerl-mozart.shtml

    http://www.mozartproject.org/biography/mozart_n.html

    http://www.geocities.com/conniesunday/nannerl.html

    Forschung

    Viele Dokumente und Quellen von Maria Anna Mozarts eigener Hand gelten als verschollen. Zu Recht ist zu vermuten, dass die meisten dieser Dokumente vernichtet wurden, entweder bereits zur Zeit ihrer Entstehung, oder später während der Bestandsaufnahme der Mozart-Quellen, die Constanze Nissen und Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg vornahmen. Insofern ist davon auszugehen, dass nur vereinzelt weitere Dokumente ans Tageslicht kommen.

    Die übrigen Materialien sind – vor allem im Zuge der Mozart-Forschung – bereits vielfach ausgewertet worden. Dass dennoch im Fall der Maria Anna Mozart noch zahlreiche Lücken bestehen, wird im folgenden Punkt genauer beleuchtet.

    Forschungsbedarf

    Zahlreiche Aspekte von Leben und musikalischem Handeln Maria Anna Mozarts sind noch nicht hinreichend erforscht, so zum Beispiel:

    · ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten neben ihrem pianistischen Können, z.B. auf dem Gebiet der Komposition, Instrumentation, Improvisation etc.;

    · ihr Repertoire;

    · ihr soziales und künstlerische Netzwerk in Salzburg;

    · ihre Kompositionen/Kompositionsversuche;

    · das Verhältnis zwischen Constanze Nissen und Maria Anna Berchtold zu Sonnenberg nach dem Tod Wolfgang Amadeus Mozarts, vor allem während der gemeinsamen Salzburger Zeit;

    · ihre Schülerinnen (und Schüler?), ihre pädagogische Herangehensweise


    Darüber hinaus bleibt es trotz der verdienstvollen Arbeiten von Rieger, Geffray und Düll/Neumeier weiterhin ein wichtiges Forschungsdesiderat, die vorliegenden Quellen in neue Kontexte zu stellen. So dürfte etwa die weitergehende Erforschung des Bildungsideals Leopold Mozarts weitere Schlüsse auf die Ausbildung Maria Anna Mozarts geben, eine tiefgehende Untersuchung zum Phänomen der (weiblichen) Wunderkinder im 18. Jahrhundert steht ebenfalls noch aus.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 46846725
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 11858460X
    Library of Congress (LCCN): n91033907
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Melanie Unseld


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 25.8.2006


    Empfohlene Zitierweise

    Melanie Unseld, Artikel „Maria Anna Mozart“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25.8.2006.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Maria_Anna_Mozart