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  • Louise Reichardt

    von Ellen Freyberg
    Namen:
    Louise Reichardt
    Lebensdaten:
    geb. in Berlin, Preußen
    gest. in Hamburg,
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Sängerin, Gesangslehrerin, Chorleiterin
    Charakterisierender Satz:

    „Ich bin zu meiner unaussprechlichen Freude noch auf meine alten Tage zu einem recht ernsten Studium der Harmonie, wozu es in meinem Leben an Mußen gebrach gekommen und hoffe indem nie ein Frauenzimmer den reinen vierstimmigen Satz erreicht hat, dadurch meinen Ruf in Deutschland auf immer zu begründen.“


    (Brief Louise Reichardts an Wilhelm Grimm vom 6. Juni [1821], zitiert nach Boffo-Stetten 2000, S. 75)


    Profil

    Louise Reichardt war eine Liedkomponistin und -interpretin, die von dem auf dem elterlichen Gut Giebichenstein weilenden romantischen Dichterkreis (Ludwig Tieck, Achim von Arnim, Clemens Brentano, die Brüder Schlegel und Grimm, Friedrich Schleiermacher u.a.) hoch geschätzt wurde. 1809 ging sie nach Hamburg, um sich als Gesangs- und Klavierlehrerin sowie als Komponistin eine berufliche Existenz aufzubauen. Zusammen mit Johann Hermann Clasing gründete sie den „Musikalischen Verein für geistliche Musick“ und veranstaltete vielbeachtete Aufführungen oratorischer Werke, vor allem Georg Friedrich Händels, Mozarts und italienischer Komponisten. Das Musikfest von 1818 gilt als Vorläufer der 1819 gegründeten Hamburger Sing-Akademie. Als Chorleiterin, Organisatorin von Konzerten und Beraterin leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Etablierung eines bürgerlichen Musiklebens in der Hansestadt.

    Orte und Länder

    Louise Reichardt verbrachte die Kindheit in Berlin, bevor die Familie in den 1790er Jahren auf das neu erworbene Gut Giebichenstein bei Halle umzog. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kassel, wo ihr Vater für kurze Zeit die Stelle eines Hofkapellmeisters inne hatte, kehrte die Familie auf das elterliche Gut zurück. Von 1809 bis zu ihrem Tod im Jahr 1826 wirkte Louise Reichardt als Gesangs- und Klavierlehrerin, Chorleiterin und Komponistin in Hamburg.

    Biografie

    Louise Reichardt wurde am 11. April 1779 als zweites Kind der Eheleute Reichardt in Berlin geboren. Ihr Vater war der königlich preußische Hofkapellmeister, Komponist und Musikschriftsteller Johann Friedrich Reichardt, ihre Mutter Juliane Reichardt war die Tochter des Komponisten und Kapellmeisters Franz Benda und als Sängerin und Komponistin sehr geschätzt.

    Nachdem ihre Mutter 1783 an Kindbettfieber gestorben war, heiratete Johann Friedrich Reichardt die Hamburger Pastorentochter Johanna Dorothea Wilhelmina Alberti (verwitwete Hensler). Aus dieser Ehe gingen nochmals fünf Kinder hervor, drei weitere Kinder brachte Johanna Alberti mit in die Ehe.

    Als älteste Tochter (ihr älterer Bruder starb 1782) übernahm Louise Reichardt schon früh die Aufgabe, sich um die Erziehung und Ausbildung ihrer Geschwister zu kümmern (vgl. Steffens 1842, S. 230ff.) Nach Steffens war ihre Stiefmutter mit den häuslichen Angelegenheiten völlig überfordert, so dass die häusliche Verantwortung zum großen Teil auf ihr lastete.

    Ihr Vater, der oft ausgedehnte Bildungsreisen durch Europa unternahm und vielgelesene Reiseberichte verfasste, war anfänglich ein glühender Verehrer der französischen Revolution, was ihn in Schwierigkeiten mit seinem Brotgeber, König Wilhelm II. von Preußen brachte. 1794 wurde er aufgrund dessen ohne Pensionsanspruch aus dem Amt des königlich preußischen Hofkapellmeisters entlassen. Kurze Zeit später erwarb er – als Salinendirektor erneut zu Wohlstand und Ansehen gekommen - das bei Halle an der Saale gelegene Gut Giebichenstein, das für die vielköpfige Familie zum Lebensmittelpunkt und für zahlreiche Dichter zu einem einzigartigen Refugium romantischer Geselligkeit wurde. (vgl. Neuß 1949)

    Häufig zu Gast in der „Herberge der Romantik“ waren u.a. Achim von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich Eschen, die Brüder Schlegel, die Brüder Grimm, Ludwig Tieck, Joseph von Eichendorff, Karl von Raumer, Henrich von Steffens, Novalis und Friedrich Schleiermacher. (Reichardts zweite Frau Johanna hatte mehrere Schwestern, darunter Amalie Alberti, die seit 1798 mit Ludwig Tieck verheiratet war. Nicht zuletzt über ihn werden die Kontakte zu den Dichtern zustande gekommen sein.)

    Auch Goethe war zeitweilig zu Gast auf Gut Giebichenstein; in dessen Tagebüchern aus dem Jahr 1802 findet sich folgender Eintrag: „Die Nähe von Giebichenstein lockte zu Besuchen bei dem gastfreien Reichardt; eine würdige Frau, anmuthige schöne Töchter, sämmtlich vereint, bildeten in einem romantisch-ländlichen Aufenthalte einen höchst gefälligen Familienkreis […]. Auch darf nicht übergangen werden, daß ich die Melodien, welche Reichardt meinen Liedern am frühsten vergönnt, von der wohlklingenden Stimme seiner ältesten Tochter gefühlvoll vorgetragen hörte.“ (Goethe 1802, WA I, S. 136, zitiert nach Busch-Salmen u.a. (Hg.) 2003, S. 70)

    Zeitgenössischen Berichten zufolge hat Johann Friedrich Reichardt der Ausbildung seiner Kinder nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Louise Reichardt kam daher nicht in den Genuss einer kontinuierlichen musikalischen Ausbildung und brachte sich das Singen, Gitarre- und Harfespielen autodidaktisch bei. Auch ihre literarischen, philosophischen Kenntnisse verdankte sie wohl in erster Linie dem anregenden geistigen Klima im Kreis der Dichter: „[…] für ihre Erziehung geschah im Ganzen wenig, selbst die Musik ward nicht immer regelmäßig und gründlich getrieben. Da das Haus aber nie leer von Gästen wurde, die zu den Hochgebildeten jener Zeit gehörten, […] so war ihr dadurch eine reiche Bildungsschule eröffnet.“ (Brandt, 1865, S. 14f.)


    Erste Kompositionen Louise Reichardts erschienen 1800 in einer Sammlung von Liedern ihres Vaters, die in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ eine alles in allem wohlwollende Besprechung erhielten, wenngleich der Rezensent am Ende auch auf einige Schwächen hinweist:

    „Diese kleine Sammlung ist ein schätzbarer Beytrag zu den vorzüglichern Liedern, welche unserm deutschen Publikum zur Unterhaltung diene. Die Lieder des Herrn R. zeichnen sich jederzeit durch Ausdruck, untadelhafte Deklamation, und richtige Accentuation aus: auch vorliegende Gesänge machen hierin keine Ausnahme. Recensent hätte einigen dieser Lieder etwas weniger Trockenheit gewünscht. Jedoch ist dies Sache des Gefühls, worin er keinem der zahlreichen Liebhaber des Gesanges vorgreifen will, welche sich an diesen Gesängen ergötzen werden. Die von der Demoiselle R. komponirten Lieder verrathen sämmtliche feines Gefühl, und nicht gemeine literarische Kenntnisse. Besonders gut ist ihr das Herbstlied gerathen, worin vorzüglich der Schluss ganz den naiven, wundersamen Ton des Gedichts ausdrückt. Warum hat Demoiselle R. aber nicht zugleich angezeigt, wie man die letzte Zeile der 4ten Strophe: ‚Ist und bleibt Frühlingsschein‘ singen solle, da sie zu der vorstehenden Melodie schlechterdings nicht passen kann, indem sie einen Fuss zu viel hat?“ (AmZ, Nr. 27, 1800, S. 474f.)


    Insbesondere die enge Freundschaft zu Achim von Arnim und Clemens Brentano, die in einer Anzahl aufschlussreicher Briefe dokumentiert ist, wirkte sich äußerst produktiv auf ihr Liedschaffen aus. 1805 entstand das Lied „Lilje sieh mich“ aus „Ariels Offenbarungen“ von Achim von Arnim, das Louise Reichardt ihm anlässlich seines Weihnachtsbesuchs im selben Jahr überreichte. In einem Brief an Clemens Brentano berichtete Arnim: „Zehn schöne Tage blieb ich da von Weihnachtsliedern erhellt. Auch mir wurde beschert, Louise die älteste Tochter gab mir in einer gehölten Nuß mit einem rothen Bande gebunden eine zierlich fein geschriebene Musik zu einem Lied des Ariel, sie hat noch drey daraus überaus schön componirt […].“ (Brief Achim von Arnims an Clemens Brentano vom 26. Januar 1806, zit. nach Busch-Salmen (Hg.) 2003, S. 71) Arnim seinerseits überreichte der Familie ein Exemplar „Des Knaben Wunderhorns“, aus dessen ersten Band Louise Reichardt eine Reihe von Gedichten vertonte.

    Ein halbes Jahr später schrieb Achim von Arnim in einem Brief an Bettine Brentano, seine zukünftige Ehefrau: „Louise sang mir meine Lieder, neuere als Sie kennen, so klockenvoll (glockenhell), daß ich mich für einen unwissenden Handlanger in einer Goldküche hielt; […] Mit meinem letzten Brief schicke ich Ihnen Louisens gedruckte Lieder, […] besonders schön sind ihr einige aus dem Wunderhorn gelungen […].“ (Brief Achim von Arnims an Bettine Brentano vom 12.7.1806, in: Steig, 1913, S. 35)

    In Achim von Arnim fand Louise Reichardt einen Bewunderer und Förderer, der ihre Lieder u.a. in seiner Zeitschrift „Der Einsiedler“ veröffentlichte (u.a. 1808 „Der traurige Wanderer“). Er schätze ihre Vertonungen der Wunderhorn-Lieder sehr und drückte seine Dankbarkeit im Vorwort zur zweiten Ausgabe der Liedsammlung aus: „Herzlichen Dank allen neuen Melodien, mit denen das ‚Wunderhorn‘ von geschickten Händen ausgestattet wurde. Hier stehe Reichardts Name wie im Sendeschreiben oben an, verbunden mit dem Namen seiner Tochter Luise […].“ (zitiert nach Reich, 1980, S. 374)


    Johann Friedrich Reichardt scheint die kompositorische Arbeit seiner ältesten Tochter nicht nur interessiert verfolgt, sondern auch mit Wohlwollen unterstützt zu haben. 1806 veröffentlichte er drei Lieder seiner Tochter in der von ihm herausgegebenen „Berlinischen Musikalischen Zeitung“ und sorgte dafür, dass ein größeres Publikum auf die junge Komponistin aufmerksam wurde.

    Im selben Jahr erschien in der Allgemeinen musikalischen Zeitung eine ausführliche Rezension ihrer gerade erschienenen Liedsammlung „XII Deutsche und italiänische und romantische Gesänge“, in der besonders ihr Einfühlungsvermögen und die Originalität ihrer Einfälle hervorgehoben wurde: „Dem. Reichardt ist als eine glückliche Liederkomponistin durch manche hin und wieder zerstreute Gesänge und eine kleine Sammlung, die ihr Vater vor einigen Jahren herausgegeben hat, schon bekannt, und zeigt in diesem neuen Werkchen, im Vergleich mit jenen früheren, sehr rühmliche Fortschritte. Sie nähert sich im Ganzen der Weise ihres Vaters, in seinen Liedern am meisten; ist aber nie trocken, ist im Leichten, weit leichter, im gefälligen und zarten, weit gefälliger und zarter, als er oftmals, und wenn sie bey tiefer eingehenden, schwieriger zu behandelnden Gedichten sich noch nicht immer so eng an die Dichter und ihre Formen schliessen kann oder mag, so verfehlt sie sie doch gewiss in Absicht auf Gefühl niemals. Letzteres beweisset vor allem das vortreffliche Lied von Novalis […] Jenes erste Lob der zierlichen Leichtigkeit, Anmuth, Zartheit und ächten italienischen Weise verdienen vornämlich die Gesänge von Metastasio. Unter den übrigen zeichnen sich noch aus die Lieder S. 2 und S. 21 […] Das seltsame alterthümliche, helle Auslaufen der Singstimmen am Ende dieses Liedes ist ganz originell, und schon für sich etwas werth. So etwas macht freylich Jedermann, wenn’s einmal gemacht ist; aber Niemand kömmt ohne Geist zuerst und so am rechten Orte darauf! – Es ist nichts weniger, als höfliche Redensart, wenn Rec. Dem. R bittet, diese Sammlung nicht die letzte seyn zu lassen.“ (AmZ, Nr. 43, 1806, S. 686f.)


    Im Jahr 1806 wurde Gut Giebichenstein von plündernden französischen Truppen heimgesucht, was für die Familie den finanziellen Ruin bedeutete und die Lebensverhältnisse drastisch verschlechterte.

    Während ihr Vater sich an der Verteidigung Preußens vor den vorrückenden Truppen Napoleons beteiligte, sorgte Louise Reichardt für den Haushalt und die Erziehung der Geschwister. Um die Familie finanziell zu unterstützen, gab sie Gesangsunterricht und gründete einen kleinen Chor (Boffo-Stetter 2000, S. 65 und Steig, 1894, S. 220). In einem Brief aus dem Jahr 1807 an ihren Vater, der sich als Freiwilliger für die Verteidigung der Stadt Danzig gemeldet hatte, berichtete sie von ihren musikalischen Aktivitäten: „ ich lebe nun ganz wieder in meinen Wirthschafts Geschäften u[nd] Musick, womit ich es mir hier recht sauer werden lasse. Es wird mir wieder alle Erwartung gelingen mir auch hier einen kleinen Musikalischen Zirkel zubilden, wodurch ich in Berlin die letzten Monathe so glücklich war. Ich habe hier ein Häuflein allerliebster Mädchen zusammen getrieben, wovon jeden Morgen zwey zu mir kommen u den Dienstag Nachmittag alle u noch einige reine Bass u Tenorstimmen die ich unter unsern Bekanten gefunden die zusammen schon ein recht hübsches Chor formieren, du solst noch mahl Freude daran haben. Riekchen (ihre Schwester Friederike, E.F.) ist durch vieles singen diesen Winter recht fest geworden u hat eine starke Stimme die führt mir den Alt an u ich den Diskant, wo ich noch 3 oder 4 feste, ganz reine Stimmen neben mir habe, allen macht es so große Freude u sie üben so fleißig u mit so vieler Aufmerksamkeit daß ich mir in der Folge recht große Freude davon verspreche wir wollen auch wenn wir hinaus gezogen sind immer Dienstags zusammen kommen, u zugleich ziehe ich den jüngsten Rust mir zum accompagnieren zu, was schon anfängt recht gut zugehn der älteste singt mit in meinem Chor sehr rein u angenehm. Du hast mir oft gesagt bey Vielem ‚fang du nur an ich will dir dann schon helfen‘ darauff rechne ich nun sehr u ich hoffe du wirst mit mir zufrieden sein denn ich lasse nicht den kleinsten Fehler passieren u so sind alle doppelt aufmerksam u belohnen mich für die wahrhaft große Mühe die ich mir gebe. In Berlin hatten wir ein recht schönes Chor so daß Zelter in Ermangelung der Academie oft des Abends kam uns zuhören. An [Carl Friedrich von] Redtels Braut [Maria Helene Püttmann] bekomme ich nun noch eine kleine Schülerin, die Mädchen sind mir alle so lieb daß ich mich immer freue wenn ich sie sehe u ihretwegen auch gern noch einige Wochen in der Stadt bleibe um sie erst recht in Gang zubringen. Sehr glücklich bin ich auch wieder im Besitz meiner Laute nach welcher ich mich wie nach einem geliebten Kinde gesehnt habe. […] Ich habe in diesen tagen zuerst wieder einige Lieder componirt[,] in Berlin bin ich den ganzen Winter keinen Augenblick allein gewesen u ohne Musse ist der gl. Ding mir garnicht möglich.“ (Busch-Salmen u.a. 2003, S. 73)


    1808 trat Johann Friedrich Reichardt als Hofkapellmeister in den Dienst von Jérôme Bonaparte (1784–1860), der von 1807 bis 1813 als König von Westphalen in Kassel residierte, worauf die Familie nach Kassel übersiedelte und sich die finanzielle Situation – zumindest kurzfristig – wieder normalisierte. Hier machte Louise Reichardt u.a. Bekanntschaft mit den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm. Insbesondere zu Wilhelm entwickelte sich ein enges freundschaftliches Verhältnis, das über Jahrzehnte anhielt und bis 1823 in zahlreichen Briefen dokumentiert ist.

    Nach wenigen Monaten gab Johann Friedrich Reichardt sein Amt als Hofkapellmeister jedoch wieder auf, weil er, wie er verlauten ließ, sich dem Geschmack des Königs nicht unterordnen wollte. Daher zog die Familie 1809 wieder zurück nach Giebichenstein, und erneut begann eine Zeit voller Unsicherheit und Entbehrungen.

    Während Johann Friedrich Reichardt im Bemühen um Einkünfte durch Opernaufführungen in Wien weilte, fasste Louise Reichardt, nunmehr 30 Jahre alt, den Entschluss, der prekären finanziellen Lage der Familie ein Ende zu setzen und als Gesangslehrerin in den Großstädten Frankfurt a. M. oder Hamburg eine eigene Existenz aufzubauen. Nachdem sich zwei Heiratspläne auf tragische Weise zerschlagen hatten, – ihr erster Verlobter, der Dichter Friedrich August Eschen (1776–1800), verunglückte in den Schweizer Alpen und ihr zweiter Verlobter, der Maler Franz Gareis (1775–1803), erlag kurz vor der Eheschließung in Florenz der Ruhr – hatte sie offenbar die Hoffnung aufgegeben, zu heiraten und eine Familie zu gründen.


    In einem Brief vom 2. März 1809 schilderte Wilhelm Grimm Achim von Arnim die äußerst prekäre Situation der Familie sowie den Entschluss Louise Reichardts, nach Frankfurt oder Hamburg zu gehen: „Reichardts sind mit Packen beschäftigt. In etlichen Wochen werden sie abreisen. Er ist doch sehr leichtsinnig, so daß sie jetzt in wirklicher Geldverlegenheit sind, durch mancherlei Schulden die er gemacht. […] Louise, die diesem Unheil kein Ende, und die Schulden jährlich größer werden sieht, hat den Entschluss gefaßt, durch Unterricht im Singen und Musik und ein Conzert jährlich, in Zeit [sic] von 10–12 Jahren so viel zu verdienen, um diese zu bezahlen und Giebichenstein zu erhalten. Sie denkt deshalb nach Hamburg oder Frankfurt zu gehen, zwölf Schülerinnen zu erhalten, die jede Stunde mit 1 Thaler bezahlen, und täglich 4 Stunden zu geben, so wäre ihr schon eine Einnahme von 1200 Thalern gesichert. Ich zweifle nicht bei ihrem festen Charakter, daß sie es durchsetzen, und ich glaube auch, daß sie leicht viele für sich interessieren wird, nur ob es ihr glücken wird, gleich anfangs so viele Schülerinnen zu erhalten, weiß ich nicht; […]“ (Brief Wilhelm Grimms an Achim von Arnim vom 2. 3.1809, in: Steig 1904, S. 23f.)

    Den Widerstand des Vaters gegen die Gründung einer beruflichen Existenz ahnend, weihte sie zunächst nur ihre engen Freunde Wilhelm Grimm, Achim von Arnim, Clemens Brentano ein und ließ sich insbesondere von Bettine Brentano über die Erfolgsaussichten, in Frankfurt a. M. Fuß zu fassen, beraten. (vgl. Steig, 1913, S. 276 sowie Kastinger Riley 1986, S. 126f.).

    Schon bald bestand jedoch Gewissheit darüber, dass Frankfurt für ihre Pläne nicht in Frage kommt. Dies ist einem Brief Wilhelm Grimms vom Mai 1809 an seinen Bruder Jakob zu entnehmen. Darin schreibt er: „Louise hab ich nun in so mancher Lage gesehen und recht lieb. Es ist vieles vortreffliches an ihr, ihr Talent, ihr Verstand und ihr wirklich sehr liebreiches Gemüth. Du weißt von ihrem Plan, durch Unterricht Geld zu verdienen, um Giebichenstein frei machen zu können, der doch sehr respektabel ist und den ich wohl begreife, nachdem ich den Ort gesehen; leider scheint es nicht zu glücken, da es allen eingezogenen Erkundigungen nach in Frankfurt, auf das sie am meisten rechnete, nichts ist und nur Hamburg übrig bleibt, wohin sie ungern geht.“ (Steig, 1923, S. 30, zitiert nach Boffo-Stetter 2000, S. 66).


    Ende 1809 ging Louise Reichardt schließlich nach Hamburg, der Heimatstadt ihrer Stiefmutter, wo sie im Hause einer befreundeten Familie wohnte und von der Dame des Hauses, Luise Marie Sillem (1749–1826) wohlwollend aufgenommen wurde. Diese stellte ihr bereitwillig die Räumlichkeiten des Hauses für den Unterricht zur Verfügung und führte sie in die Hamburger Gesellschaft ein. Ihrem Unterricht war von Anfang an großer Erfolg beschieden. Offenbar gab es in der Hansestadt einen großen Bedarf an fundierter musikalischer Ausbildung für höhere Töchter. In kürzester Zeit hatte sie eine stattliche Anzahl von Schülerinnen, die ihr - entgegen allen vorab geäußerten Zweifeln - ein regelmäßiges Einkommen sicherten. Ihre Einnahmen waren 1811 so gut, dass sie ihren 1803 geborenen Halbbruder Fritz nach Hamburg holen und ihn für jährlich 300 Taler bei einem Pastor erziehen lassen konnte. „[…] von Louise kommen die besten Nachrichten, sie hat schon an die 1000 Thaler jährlich Einnahmen und nur zuviel Stunden.“, schrieb Wilhelm Grimm an Achim von Arnim. (Brief Wilhelm Grimms an Achim von Arnim, Steig 1904, S. 46) Ihre Schülerinnen, die sie auf Empfehlung ihrer Vermieterin und Gönnerin, Madame Sillem, erhielt und die sich aus großbürgerlichen Kreisen rekrutierten, ließen sich den Unterricht bei ihr jedenfalls einiges kosten, wie aus einem Brief Louise Reichardts aus dem Jahr 1818 hervorgeht: „Sie zahlten die Stunden nie unter einem Speziesthaler, in Altona sogar einen Dukaten.“ (Louise Reichardt, Brief vom 1.12.1818, zitiert nach Brandt, 1865, S. 83)

    Ihre erfolgreiche Unterrichtstätigkeit erlaubte ihr, ca. 1814 als Erste in Hamburg eine „Singschule“ zu eröffnen. (vgl. Boffo-Stetter 2000, S. 68) (Das genaue Datum der Eröffnung ist bisher nicht bekannt.) Neben Gesangs- gab sie bald auch Klavierunterricht.

    Obwohl sie die meiste Zeit mit Unterrichten beschäftigt war, widmete sie sich nach wie vor dem Komponieren von Liedern und veröffentlichte u.a. 1811 die Madame Sillem gewidmeten „XII Gesänge mit Begleitung des Fortepiano’s“.

    Gemeinsam mit dem Pianisten und Komponisten Johann Hermann Clasing (auch Johann Heinrich Clasing bekannt; 1779–1829) gründete sie 1816 (nach Salmen (2008) 1822) den „Musikalischen Verein für geistliche Musick“, mit dem sie ab 1816 öffentliche Konzerte gaben und im norddeutschen Raum mehrere große Musikfeste veranstalteten. So organisierte und gestaltete sie in den Jahren 1817 und 1818 in Hamburg und Lübeck „Geistliche Musikfeste“, bei denen vor einem außergewöhnlich großen Publikum von 5000 Besuchern in der Hamburger Michaeliskirche Händels „Messias“ und Mozarts „Requiem“ aufgeführt wurde. In der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ fanden die Konzerte ein durchweg positives Echo: „Wer die großen Schwierigkeiten kennt, welche im nördlichen Deutschland der Ausführung bedeutender Kirchenmusiken im Wege stehen, wird sich, selbst mit Berücksichtigung der grossen Kunstmittel, welche Hamburg darbietet, wundern, wie es möglich gewesen, eine Versammlung von 360 bis 400, theils Tonkünstler vom Fache, theils Dilettanten zu versammeln, welche die Meisterwerke Händels und Mozarts, den Messias und das Requiem, auf eine Vollendung sich nähernde Weise auszuführen vermochten. Der in neuen Zeiten gänzlich erstorbene, ja man dürfte sagen, unterdrückteste Sinn für geistliche Musik, die Beschwerlichkeit und Kostbarkeit der Reisen, vielleicht auch das grössere Phlegma der Norddeutschen, sind Hindernisse, welche nur durch den höchsten Enthusiasmus und unermüdete Thätigkeit ganz uneigennütziger, selbst zu bedeutenden Opfern fähiger Freunde der Musik besiegt werden können.

    Vor wenigen Jahren noch würde die Ausführung einer solchen Musik in Hamburg ein frommer Wunsch gewesen seyn. Zuerst verdient hier also genannt zu werden, die sinnige Künstlerin, Dem. Louise Reichardt, würdige Tochter des unvergessenen Kapellmeisters Reichardt. Ihre unermüdete Thätigkeit, ihr sorgfältiger Unterricht, und ihre Uneigennützigkeit bey der Bildung und Pflege der weiblichen Stimmen, hat es möglich gemacht, einen Chor zu bilden, und Sängerinnen an die Spitze der Ausführung zu stellen, die, obgleich sie nur für Dilettanten gelten wollen, wahren Virtuosen gleich zu achten sind. In Verbindung mit Herrn Clasing, dessen ich weiter unten erwähnen werde, haben mehrere Jahre auf ihre Veranlassung regelmässige Uebungen stattgefunden, an welchen bald die gebildeten Liebhaber der Musik Antheil nahmen, und welche hauptsächlich würdige Kirchenmusik zum Gegenstande haben. Im November vor. Jahres unternahmen diese beyden Künstler es zuerst, mit diesem engern Verein zur Feyer des Reformationsfestes in der Waisenhauskirche aufzutreten. Der 100ste Psalm und einige Stücke aus dem Judas Maccabäus, beyde von Händel, wurden vor und nach der Predigt ausgeführt, und lohnten die Unternehmer mit ungetheiltem Beyfall. […] Ein zahlreiches Publikum (es waren in jeder Aufführung wenigstens 5000 Zuhörer) lohnte die Unternehmer durch seinen Besuch und durch eine stille Aufmerksamkeit, welche bey einer so eng zusammen gedrängten Menschenmasse wol nur durch die himmlische Kraft der Musik zu bewirken seyn möchte, zugleich aber auch ein schönes Zeugnis für den Kunstsinn der Hamburger abgiebt.“ (AmZ, 20, 1818, Sp. 713ff.)

    Aus dem „Musikalischen Verein für geistliche Musick“ erwuchs schließlich die Idee zur Gründung der Hamburger Sing-Akademie, die im November 1819 gegründet wurde. Aus unterschiedlichen Quellen geht allerdings hervor, dass es zwischen den neu entstandenen Hamburger Musikschulen und -vereinen nunmehr harte Konkurrenzkämpfe gab, die dazu führten, dass Louise Reichardt und Johann H. Clasing bei der Gründung der Sing-Akademie übergangen wurden. (vgl. Sittard 1971, S. 290ff.) Inzwischen hatte sie sogar mit Einbußen ihrer Unterrichtstätigkeit zu kämpfen, da einige ihrer Schülerinnen zu anderen Instituten wechselten: „dieser Winter fordert große Opfer von mir. Mein Geschäft liegt zu Zeiten ganz, ich sehe meine kleine Heerde sich zerstreuen, ohne es hindern zu können. Die neu errichtete Sing-Akademie von Grund und Reinfeldt raubt mir mehrere meiner liebsten Theilnehmer und Schülerinnen“, schrieb sie im Januar 1820 an ihren Freund Wilhelm Benecke. (Brandt 1865, S. 97)


    Ende der 1810er Jahre begann sie, sich eingehend mit Kompositionen alter italienischen Meister zu beschäftigen, sie betrieb Generalbassstudien und holte kompositorischen Rat Carl Friedrich Zelters ein (vgl. Heckmann 2000, S. 110). „Ich bin zu meiner unaussprechlichen Freude noch auf meine alten Tage zu einem recht ernsten Studium der Harmonie, wozu es in meinem Leben an Mußen gebrach gekommen und hoffe indem nie ein Frauenzimmer den reinen vierstimmigen (Hervorhebung im Original) Satz erreicht hat, dadurch meinen Ruf in Deutschland auf immer zu begründen.“ (Brief Louise Reichardts an Wilhelm Grimm vom 6.Juni [1821?], zitiert nach Boffo-Stetten 2000, S. 75) Es erfüllte sie durchaus mit Stolz, mit den Kompositionsstudien in eine Domäne zu stoßen, die für Frauen zu Beginn des 19. Jahrhundert ungewöhnlich war. Gerade hierin sah sie eine erfolgversprechende Perspektive, zumal ihr bewusst wurde, dass eine dauerhafte kräftezehrende Unterrichtstätigkeit weiter zu Lasten ihres ohnehin schon labilen Gesundheitszustands gehen würde.


    Betrachtet man die Auswahl der Kompositionen, mit denen sie sich beschäftigte, so fällt auf, dass sie sich an dem Werkekanon ihres Vaters orientierte, den dieser schon 1782 und 1791 im seinem „Musikalischen Kunstmagazinen“ „zur Verbesserung des allgemeinen musikalischen Geschmacks“ abgedruckt hatte. (vgl. Monheim, 1999, S. 226ff.) Es scheint daher durchaus denkbar, dass die Sichtung des Nachlasses ihres 1814 verstorbenen Vaters den Anstoß gab, sich mit den alten Meistern zu beschäftigen. Zudem dürfte ihr die schwärmerische Idealisierung – insbesondere der Musik Palestrinas, Mozarts und Händels – im Kreise der Giebichensteiner Frühromantik präsent gewesen sein. So standen vor allem Kompositionen von Leonardo Leo, Francesco Durante, Giovanni Pierluigi Palestrina, Benedetto Marcello, Giovanni Batista Pergolesi, Carl Philipp Emanuel Bach und Georg Friedrich Händel im Zentrum ihres Interesses. Insbesondere letzterem wurde im „Musikalischen Kunstmagazin“ Johann Friedrich Reichardts die mit Abstand größte Aufmerksamkeit gewidmet, eine Vorliebe, die auch Louise Reichardt in höchstem Maße teilte. Mit ihren Chören führte sie eine Reihe von Werken Händels auf und verfolgte wohl ähnliche geschmacksbildende und religiös-erzieherische Ziele wie ihr Vater.


    1819 erwog sie, als Lehrerin nach England zu gehen. Zu diesem Zweck reiste sie im Sommer des Jahres für vier Monate zu einer befreundeten Familie in die Nähe von London, kehrte jedoch – vermutlich aus gesundheitlichen Gründen – schon nach kurzer Zeit wieder nach Hamburg zurück.

    Ihre seit je chronisch schwache Gesundheit und die zunehmende Konkurrenz unter den Hamburger Musikinstituten mögen Gründe gewesen sein, dass sie ihre Unterrichtstätigkeit in den 1820er Jahren immer mehr reduzierte. Da ihr mittlerweile erwachsener Halbbruder Fritz, um den sie sich jahrelang gekümmert hatte, nicht mehr auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen war, konnte sie die finanziellen Einbußen etwas leichter verkraften.

    Die finanziellen Sorgen nahmen trotz einer Leibrente von 1000 Thalern, die ihr ihre Gönnerin Madame Sillem 1826 hinterließ, immer größere Ausmaße an. Ihrem ersten Biografen zufolge soll sie das Geld „auf den Rath ihrer Freunde und um sie bei ihrer großen Wohlthätigkeit zu sichern, bei einer Londoner Societät zu 7 Prozent“ fest angelegt haben und war daher in den letzten Monaten ihres Lebens gezwungen, mehrmals umzuziehen. (vgl. Brandt, 1865, S. 213).

    Louise Reichardt starb am 17.11.1826 mittellos in einer kleinen Kammer im Haus eines Tapezierers.


    Wenige Wochen nach ihrem Tod erschien in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ ein Nachruf, der von einer außerordentlich hohen Wertschätzung Louise Reichardts als Komponistin, Lehrerin und Chorleiterin zeugt (siehe Materialsammlung). In derselben Ausgabe erschien darüber hinaus eine eingehende Besprechung ihrer noch kurz vor ihrem Tod erschienenen „Sechs deutschen Lieder mit Begleitung des Pianoforte“, in der – entsprechend der Ästhetik der zweiten Berliner Liederschule – die besondere Auswahl der Gedichte und die Schlichtheit des Tonsatzes gewürdigt wird: „Die kürzlich verstorbene, wahrhaft hochachtungswerthe Louise R., die Hamburg nicht nur als Lehrerin des Gesanges, sondern auch als Führerin ihrer Schülerinnen und derer, die sich sonst ihr anschliessen wollten, zum Edlern und Vollendetern in der Musik überhaupt, gewiss vermissen wird – hinterlässt in diesen sechs Liedern ihren Freunden ein schönes Andenken, und Allen, die einen einfachen, aber ausdrucksvollen Gesang lieben, ein schätzbares, angenehmes Geschenk. Die Gedichte sind sehr gut gewählt: von poetischem Werth, wahre, mithin auch für musikalische Composition vorzüglich geeignete Lieder, nicht schon mehrmals in Musik gesetzt, und dem Inhalt nach mannichfaltig. Die in jedem Gedicht herrschende Stimmung, und auch der in jedem angegebene Sprachton, ist treffend in die Musik gelegt: nur bey No. 2. möchte man etwas tiefer in die Saiten gegriffen wünschen. Die melancholischen Erfindungen sind nicht, wie sonst fast bey allen Frauenzimmer-Compositionen, die uns bekannt worden sind, blosse Nachklänge zur Zeit vorzüglich beliebter Meister, sondern sie sind aus der eigenen Brust hervorgequollen und haben darum auch, nur die eine mehr, die andere weniger, ihr Eigenes. Declamation und Accentuation sind nicht nur richtig, sondern auch mit Sinn und Fleiss bestimmt. Gegen die Harmonie und ihre Correctheit lässt sich zwar manches Kleine, mehr für das Auge, als für das Ohr – z.B. S. 5, Syst. 3, Takt 5, zweyte Hälfte – aber nichts Wesentliches einwenden. Die Begleitung, wie einfach sie ist, ist darum nicht ohne Interesse. Die Ansprüche an Umfang der Gesangshöhe sind die mässigsten: sie erstrecken sich nur auf die besten Mitteltöne des Soprans oder Tenors, mithin auf die Töne, die eine jede, für Musik gebildete Stimme besitzt. Nur das erste Lied ist davon ausgenommen, da es für eine, musikalisch schon mehr ausgebildete Sopranstimme bestimmt ist.“ (AmZ, 29, 1827, Sp. 542f.)

    Würdigung

    Louise Reichardt war eine angesehene Musikpädagogin, die ab 1809 in ihrem Hamburger Wirkungsfeld zur Etablierung eines bürgerlichen Ausbildungs- und Konzertwesens beitrug. Sie pflegte Kontakte zu Carl Friedrich Zelter und zu einflussreichen Vertretern der Romantik, wie Achim von Arnim, Wilhelm Grimm, Clemens und Bettine Brentano und Philipp Otto Runge. Sie vertonte vor allem Gedichte von Achim von Arnim, Clemens Brentano und Novalis und veröffentlichte insgesamt 12 Liedersammlungen. Ihre ca. 90 Lieder und Chorsätze, weltlich und geistlich, waren im 19. Jahrhundert außerordentlich beliebt, einige sind noch heute als „Volklieder“ bekannt. Die Lieder sind meist einfach gehaltene Strophenlieder im empfindsamen Stil, die sich durch volksliednahe, lyrisch eingängige Melodien und betont schlichte Begleitung für Klavier oder Gitarre auszeichnen.

    Sie führte damit das ästhetische Ideal der zweiten Berliner Liederschule, dessen Vertreter ihr Vater Johann Friedrich Reichardt sowie Carl Friedrich Zelter und Johann Abraham Peter Schulz waren, fort.

    Ihre vierstimmigen Choräle sind im Zusammenhang mit den Bemühungen Louise Reichardts um eine Erneuerung des evangelischen Kirchengesangs zu sehen, die stark von der Frömmigkeitsbewegung pietistischer Strömungen geprägt waren. (vgl. dazu Salmen, 2008, S.182)

    Rezeption

    Schon zu ihren Lebzeiten erfreute sich Louise Reichardt großer Wertschätzung, ein umfangreicher Nachruf in der Allgemeinen musikalischen Zeitung von 1827 spiegelt diese wieder (siehe Materialsammlung). Darin finden ihre Verdienste als Lehrerin, Chorleiterin und Organisatorin von Konzerten ebenso eine Würdigung wie ihre Bedeutung als Liedkomponistin und Bearbeiterin von Werken barocker Meister.

    1842 veröffentlichte ihr Schwager Henrich Steffens, seinerzeit Naturphilosoph und Professor in Halle und zum engen Kreis der in Giebichenstein versammelten Dichter gehörend, seine Autobiografie und wirft einen ganz persönlichen Blick auf Louise Reichardt: „Das musikalische Talent war den Reichardtschen Töchtern mehr oder weniger angeboren; auch gute Stimmen besaßen sie alle. Louise war die einzige, die dieses Talent des Gesanges wie der Composition ernsthaft ausbildete. Die von ihr komponierten Lieder hatten etwas durchaus Eigenthümliches und waren keineswegs als Nachklänge der väterlichen zu betrachten, und daß sie vorzüglich Lieder der jüngeren Dichter, wie der Vater die Goethischen, komponierte, war natürlich. So wählte sie die von Tieck, Arnim und Brentano, Dichter, die mit der Familie vertraut waren. Viele ihrer Compositionen fanden durch ihre eigenthümliche Tiefe einen allgemeinen Eingang, und sind populärer geworden als die Reichardt’schen.“ (Steffens, 1842, S. 90; das vollständige Portrait Louise Reichardts von Steffens ist in der Materialsammlung zu finden).

    1832 besorgte ihr Schwager Karl von Raumer die Herausgabe einer Sammlung von Kirchenchorälen und schrieb im Vorwort: „Ich bin im Besitz einer großen Zahl alter Choräle, zu welcher die in der musikalischen Welt durch ausgezeichnete Liedcompositionen bekannte Luise Reichardt die Harmonien gesetzt hat. Da diese Choräle den Beifall mehrerer Kenner und Freunde der Musik erhielten, und diese mich zur Herausgabe derselben aufforderten, so hielt ich es fast für meine Pflicht, einer solchen Aufforderung Genüge zu leisten und den von der seligen Verfasserin mir anvertrauten Schatz nicht zu vergraben.“ (Vorwort zu Luise Reichardt, Choralbuch, hg. von Karl von Raumer, Basel 1832)

    „Ihre Gesangs-Miniaturen hatten in Hamburg noch in den 1870er Jahren, ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tode, einen Kreis stiller Verehrer“, teilt Stephenson mit. (Stephenson 1956, S. 10f.)

    In den 1890er Jahren veranstaltete die Sängerin Amalie Joachim in Zusammenarbeit mit dem Musikschriftsteller Heinrich Reimann historische Liederabende, bei denen auch Louise Reichardts Lied „Hoffnung“ (Wenn die Rosen blühn) erklang. (vgl. Borchard, 2007).

    Werkverzeichnis

    Das Werkverzeichnis wurde auf der Grundlage von Boffo-Stetter (2000) und Reich (1980) erstellt.


    Liedsammlungen

    „XII Deutsche Lieder von Johann Friedrich Reichardt und dessen Tochter Luise Reichardt“, Zerbst (C. C. Menzel) 1800

    (enthält 4 Lieder von Louises Reichardt) (Erstdruck in der British Library)

    „Der Geselligkeit gewidmete Lieder. Von Goethe“, 1804. Liedersammlung mit Liedern von Louise Reichardt, Carl Friedrich Zelter, Giovanni Paisiello, Peter von Winter, Johann Rudolf Zumsteeg und Johann Friedrich Reichardt. (Erstdruck befindet sich im Goethe-Museum Düsseldorf)


    „XII Deutsche und italiänische [sic] romantische Gesänge mit Begleitung des Piano-Forte componiert und Ihrer Durchlaucht der Herzogin Mutter Anna Amalia von Sachsen Weimar und Eisenach aus reiner Verehrung zugeeignet von Louise Reichardt“. Berlin (Verlag der Realschul-Buchhandlung) 1806. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    „Lied aus Ariels Offenbarungen“ (Lilie, sieh mich…), Berlinische musikalische Zeitung 1806, Beilage IV. (Originalausgabe des Erstdrucks in der Yale University New Haven)


    Zwei Lieder „Aus Novalis geistlichen Liedern“ „Aus Shakespeares Heinrich VIII.“ gedruckt bei Steig II, S. 245.


    „XII Gesänge mit Begleitung des Forte-Piano. Componiert und ihrer geliebten Schwester Friederike zugeeignet von Louise Reichardt“, Hamburg (Johann August Böhme) 1810. (Erstdruck in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg)


    „Unruhiger Schlaf“, Musikbeilage zu Achim von Arnims Gräfin Dolores, 1810.


    „Sei Canzoni di Metastasio coll Piano-Forte composti e dedicati alla Sua cara Sorella Sofia da Luise Reichardt Op. IV“, Hamburg 1811. (Erstdruck in privater Sammlung)


    „Die Blume der Blumen“ nach einem Text von Philipp Otto Runge, Notenbeilage für Singstimme mit Cembalo, in: Musen-Almanach, hg. von Johann Erichson, Wien (Gerold) 1814. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    „XII Gesänge mit Begleitung des Fortepiano’s componiert und Ihrer jungen Freundin und Schülerin Demlle Louise Sillem zugeeignet von Luise Reichardt. Drittes Werkchen“, Hamburg (Böhme) 1811, 2. Aufl.1839. (Erstdruck der 2. Aufl. in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    „Sechs Lieder von Novalis mit Begleitung des Piano-Forte, in Musik gesetzt und ihren geliebten Schülerinnen zugeeignet von Luise Reichardt. Viertes Werk“, Hamburg (Böhme) 1819. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München und Library of Congress Washington)


    „VII romantische Gesänge von Tieck für Singstimme mit Pianoforte Op. 5“, Hamburg (Böhme) 1822. (Erstdruck in privater Sammlung)


    „XII Gesänge mit Begleitung der Gitarre componiert von Luises Reichardt“, Breslau (C.G. Forster) vor 1819. (enthält dieselben Lieder wie die 1810 publizierte Sammlung. (Erstdruck in der British Library)


    „Sechs Deutsche Lieder für Singstimme (nach Ledebur op. 6), Hamburg (Böhme) o.J. (Erstdruck in Yale University, Music Library)


    „Sechs geistliche Lieder unserer besten Dichter, vierstimmig bearbeitet für 2 Sopran- und 2 Altstimmen von Luise Reichardt“, Hamburg (Cranz) 1823. (Erstdruck in Yale University, Music Library und British Library)


    „Sechs Deutsche Lieder mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt von Luise Reichardt, 6.te Liedersammlung Ihrer Hoheit der Frau Caroline Amalie Gemahlin Sr. Hoheit des Prinzen Christian zu Dänemark ehrfurchtsvoll gewidmet von der Verfasserin 1826“, Hamburg (Cranz) 1826. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    „Christliche liebliche Lieder gesammelt und herausgegeben von Luise Reichardt“, Hamburg (Cranz) 1827, Hofmeister 2. Aufl. 1836. Bearbeitungen zu 2, 3, und 4 Stimmen a cappella. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München und Library of Congress Washington)


    „Choralbuch. Lehret und vermehret euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen“, hg. von Karl von Raumer. Basel (Spittler) 1832. (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    XII Gesänge mit Begleitung des Piano-Forte op. 3, Hamburg (Böhme) ca. 1839. (= 2. Aufl. der 1819 erschienenen Sammlung). (Erstdruck in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    Einzelpublikationen


    Des Schäfers Klage (Schäfers Klagelied), in: Wieland und Goethe (Hg.), Taschenbuch auf das Jahr 1804, Tübingen (Cotta) 1803, S. 113.


    Das Mädchen am Ufer, Hamburg (Cranz), in: Lieder und Gesänge für Pianoforte oder Gitarre, Nr. 3, Hannover (Bachmann) o.J.


    Vierzehn Lieder und Canons ohne Begleitung von Mozart, L. Reichardt und Riehm, Bremen (Dreyer & Comolli) 1830.


    unveröffentlichte Manuskripte (nach Jackson 1994)


    „Herzlich thut mich erfreuen“ (früher Kgl. Universitätsbibliothek zu Königsberg)

    „Hört wie die Wachtel“ (ebd.)

    „Liebe“ (ca. 1825)

    „Nach Sevilla wo die hohen Prachtgebäude“ (Autorschaft ungesichert)


    Moderne Ausgaben und Sammlungen (chronologisch)


    Der Schnitter Tod (Volklied), Der Spinnerin Nachtlied (Clemens Brentano), Wassersnoth (aus Des Knaben Wunderhorn), Ich wollt‘ ein Sträußlein binden (Clemens Brentano), in: Deutscher Liederschatz, hg. von Ludwig Erk Leipzig (Edition Peters) 1859–1872.


    „Hoffnung“, New York (Schirmer) 1903.


    Luise Reichardt. Ausgewählte Lieder (= Musikalische Studienbücher 18) hg. von Gerty Rheinhardt, München (Die Masken) 1922.


    Louise Reichardt. Sechs geistliche Lieder für Frauenchor und Klavier, hg. von Carolyn Raney (= Nine Centuries of Music by Women) New York (Broude Brother) 1979.


    Songs of Louise Reichardt. Selected and with an Introduction by Nancy B. Reich (=Women Composers Series 7) New York (Da Capo Press) 1980.


    „Die Blume der Blumen“ (Text: Philipp Otto Runge), in: Frauen komponieren. 25 Lieder für Singstimme und Klavier, hg. von Eva Rieger und Käte Walter, Mainz u.a. (Schott) 1992.


    Schäfers Klagelied nach Johann Wolfgang von Goethe, in: Von Goethe inspiriert. Lieder von Komponistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, hg. von Ann Willison Lemke, Kassel (Furore) 1999.


    Louise Reichardt. Lieder romantischer Dichter für Singstimme und Klavier, hg. von Renate Moering, Kassel (Furore) 2006.

    Repertoire

    Über das genaue Repertoire ist nichts bekannt, doch ist davon auszugehen, dass sie ihre eigenen Lieder sowie die des Vaters und jene im Umkreis Gut Giebichensteins entstandenen sang.

    Quellen

    Sekundärliteratur


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    Weissweiler, Eva, „Juliane Reichardt und die Komponistinnen der Berliner Liederschule (Corona Schröter und Luise Reichardt)“ in: Komponistinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen, München u.a. 1999, S. 138–162. (Überarbeitete Neuausgabe von Komponistinnen aus 500 Jahren, Frankfurt a.M. 1981)


    Zeitschriftenartikel


    AmZ, Nr. 27, 1800, S. 474f.

    AmZ, Nr. 43, 1806, S. 686f.

    AmZ, 20, 1818, Sp. 713ff.

    AmZ, 29, 1827, Sp. 165–169

    AmZ, 29, 1827, Sp. 542f.


    Berlinische Musikalische Zeitung Nr. 50 1. Jg. 1805.

    Berlinische Musikalische Zeitung Nr. 39 2. Jg. 1806, S. 156 Musikbeilage (folgende Lieder von Louise Reichardt sind dort abgedruckt: „Lilie, sieh mich, Thau umblinkt mich“, „Wenn ich gestorben bin“ „Ist Lerchenklang am Bergeshang“, alle drei Lieder waren für XII deutsche, italiänische romantische Gesänge“ komponiert.)


    Links


    Kurzbiografie, verfasst von Brita Reimers:

    http://www.hamburg.de/clp/frauenbiografien-schlagwortregister/clp1/hamburgde/onepage.php?BIOID=3208&strasse=2982

    Forschung

    Im Kontext der Forschung der Liedästhetik der Goethezeit und der Quellenerforschung zur Frühromantik ist immer wieder auf Louise Reichardt hingewiesen worden. Walter Salmen hat im Rahmen seiner Forschungen über Johann Friedrich Reichardt auch Louise Reichardts Schaffen gewürdigt. Renate Moering verdankt die Forschung eine ausgiebige Untersuchung zum Verhältnis Louise Reichardts zu Achim von Arnim anhand, das sie anhand der überlieferten Briefe aufgearbeitet hat.

    Im Rahmen der Frauenforschung ist Louise Reichardts Schaffen besonders von Eva Weissweiler und in jüngerer Zeit von Iris Boffo-Stetter untersucht worden.

    Einige autografe Briefe Louise Reichardt befinden sich im Besitz des Freien Deutschen Hochstiftes, deren Katalog 2003 erschienen ist (siehe Quellen). Insbesondere Walter Salmen und Renate Moering haben in jüngerer Zeit wichtige Publikationen über Louise Reichardt veröffentlicht und einzelne Aspekte näher beleuchtet.

    Forschungsbedarf

    Ihre Rolle innerhalb der Hamburger Musikgeschichte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist bisher noch nicht umfassend gewürdigt worden. Weitere möglicherweise in Hamburger und Berliner Archiven befindliche Quellen könnten Aufschluss über ihre Rolle bei der Gründung der Sing-Akademie geben und ihre Kontakte zu den Mitgliedern der Berliner Sing-Akademie, insbesondere zu Carl Friedrich Zelter näher beleuchten.

    Ebenso steht eine eingehende Analyse aller Lieder Louise Reichardts im Spannungsfeld von zweiter Berliner Liederschule und frühromantischer Subjektivierung und pietistischer Frömmigkeit noch aus.

    Normdaten

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    Library of Congress (LCCN): n80125346
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Ellen Freyberg


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 27.03.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Ellen Freyberg, Artikel „Louise Reichardt“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 27.3.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Louise_Reichardt