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    von Damien Sagrillo
    Lili Boulanger
    Namen:
    Lili Boulanger
    Lebensdaten:
    geb. in Paris, Frankreich
    gest. in Mézy-sur-Seine (Departement Yvelines), Frankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Dirigentin
    Charakterisierender Satz:

    "En tant qu'ami de la France, je voudrais vous dire ma surprise que Lili Boulanger ne soit pas considérée pour ce qu'elle est: c'est à dire la plus grande des femmes compositeurs de l'Histoire de la Musique! qui par ailleurs a tout pour exalter les imaginations sensibles. Elle était belle, elle était la première femme à être envoyée à Rome comme premier Grand Prix, [...]. L'œuvre de Lili Boulanger témoigne beaucoup mieux que je ne saurai le faire de son importance dans l'Histoire de la Culture Française."


    ("Als Freund Frankreichs möchte ich mein Erstaunen darüber zum Ausdruck bringen, dass Lili Boulanger nicht als die Persönlichkeit angesehen wird, die sie in Wirklichkeit ist; nämlich die größte Komponistin der Musikgeschichte!, die im übrigen alles in sich vereinigt, um die gefühlvollsten Eindrücke hervorzurufen. Sie war schön; sie war die erste Frau, die den Rompreis gewann, [...]. Das Œuvre von Lili Boulanger vermag viel besser, als ich es tun könnte, ihren Stellenwert in der Kulturgeschichte Frankreichs zu unterstreichen.")


    [Igor Markévitch, Boulanger, Lili, 1893-1918, http://www.musicologie.org/Biographies/b/boulanger_lili.html, Stand 01/2011]


    Profil

    Lili Boulangers Biografie ist nur im Zusammenhang mit der Biografie ihrer ganzen Familie, vor allem aber mit der ihrer älteren Schwester Nadia (1887-1979) zu verstehen. Ihr kurzer, leidensvoller Lebensweg ist eng mit dem Pariser Konservatorium verbunden. Durch ihre außerordentliche Begabung konnte sie als Komponistin in der kurzen Zeit ihres Lebens zu großer künstlerischer Reife gelangen.

    Orte und Länder

    Paris war für Lili Boulanger Heimat und Zentrum ihrer künstlerischen Betätigung zugleich, und sie verließ die Stadt nur, wenn sie durch ihre Krankheit Ruhe und medizinische Pflege außerhalb von Paris finden wollte. Nach der Verleihung des „Prix de Rome“ weilte sie mehrere Monate in Rom.

    Biografie

    Lili Boulanger wurde am 21. August 1893 in dritter Generation in eine Musikerfamilie hineingeboren. Der Großvater Fréderic Boulanger (1779-1844) kam als Sohn französischer Eltern in Dresden zur Welt, übersiedelte nach Paris und legte im Jahre 1797 am dortigen „Conservatoire national supérieur de musique“ den ersten Preis im Fach Violoncello ab. Seine Frau, Marie-Juliette Hallinger (1786-1850), war auch Musikerin; im Jahre 1809 beendete sie ihre Studien im Fach Gesang. Die Familie Boulanger prägte das Pariser Konservatorium fast über zwei Jahrhunderte lang. Die ältere Schwester, Nadia Boulanger (1887-1979), blieb dieser Institution bis zu ihrem Tode im Jahre 1979 treu.


    Der Vater Ernest Boulanger (1815-1900) war Komponist und Dirigent und erhielt mit 19 Jahren den begehrten „Prix de Rome“, widmete sich aber später dem Gesang und wurde 1871 Professor für Gesang am Pariser Konservatorium. Er heiratete eine seiner Schülerinnen, die 43 Jahre jüngere Raïssa Myschetsky (1858-1935).


    Während ihrer Schwester Nadia nachgesagt wird, dass sie zunächst bis zu ihrem fünften Lebensjahr Musik nicht mochte, ja sich sogar beim bloßen Hören des Klaviers verkroch und zu weinen anfing, soll Lili Boulanger bereits mit zweieinhalb Jahren gesungen haben. Doch erkrankte sie schon im frühen Kindesalter an einer Bronchopneumonie, wovon sie sich zeitlebens nicht vollständig erholte. Häufig auftretende Infektionskrankheiten im Magen-Darm-Bereich machten für sie die Integration in ein normales Schul- und Arbeitsleben unmöglich.

    Im Alter von fünf Jahren sang Lili Boulanger Lieder von Gabriel Fauré, mit dem Meister am Klavier. [Landormy, 1930: S. 512]. Ihr musikalisches Talent machte sich zudem durch eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Improvisation bemerkbar. Ihre erste Erfahrung mit dem Musikunterricht hatte sie vermutlich durch sporadische Besuche der Klasse für Harmonielehre von Auguste Chapius (1858-1933). Es folgten im Jahre 1899 Orgelkurse bei Louis Vierne und wenig später Kurse in Klavierbegleitung bei Paul Vidal.

    Nach Léonie Rosenstiel (1978: S. 34) entstand Lili Boulangers erste Komposition im Jahre 1900 wahrscheinlich aus Anlass des Todes des Vaters. Die Komposition, von der allerdings nur Skizzen überliefert sind, trägt den Namen „La lettre de mort“.

    Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte Lili Boulanger am 5. September 1901, bei dem sie als Geigensolistin auftrat. Neben Violine spielte sie auch noch Cello, Harfe und Klavier.


    1904 zog die Familie in eine Wohnung am heutigen „Place Lili Boulanger“ (im neunten Pariser Arrondissement), in dessen Nähe auch Lilis spätere Lehrer Georges Caussade (1873-1936) und Paul Vidal (1863-1931) lebten. So konnte Lili Boulanger, wenn auch in unregelmäßigen Abständen, zu Hause unterrichtet werden. Ihre außergewöhnliche Begabung und der Kontakt und intensive Austausch mit den berühmtesten Musikern von Paris eröffneten ihr alle Möglichkeiten.

    Ab 1907 begann Lili Boulanger mit der Arbeit an den „Psalmen“, die erst kurz vor ihrem Tode fertiggestellt wurden. Weitere Kompositionsversuche folgten und sind in mehreren Skizzenbüchern (s. u.) der jungen Musikerin aufgezeichnet. Im Jahre 1909 wurde sie offiziell im Konservatorium aufgenommen, obwohl sie nur selten dort anzutreffen war. Meistens kommunizierte sie schriftlich mit ihren Lehrern. Bei Georges Caussade studierte sie Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge. Ihr Kompositionslehrer, Paul Vidal, war Rompreisträger des Jahres 1883 und bekannt für seine neuartigen Ideen. Lili Boulanger war eine seiner ersten Kompositionsschülerinnen. Angesichts ihres außergewöhnlichen Talents ist es durchaus vorstellbar, dass Vidal sie gezielt auf den „Prix de Rome“ vorbereitet hat. [vgl. Artikel „Paul Antonin Vidal“, The New Grove Dictionary]. Daneben belegte sie Kurse in Musikgeschichte bei dem Musikwissenschaftler und Gregorianik-Spezialisten Maurice Emmanuel (1862-1938). Denkbar ist, dass er Lili Boulangers Interesse auf dem Gebiet der sakralen Musik geweckt hat. Mithilfe der minutiös geführten Aufgabenhefte lassen sich die ersten Jahre Lili Boulangers (1910-1911) am Konservatorium nachvollziehen. Aus ihnen geht hervor, dass sie oft wegen Krankheit aussetzen musste. Ab dem Jahre 1912 scheint sich die Kompositionsschülerin Lili Boulanger gezielt auf den „Prix de Rome“ konzentriert zu haben. Ein erster Schritt, die offizielle Aufnahme in die Kompositionsklasse des Pariser Konservatoriums, war nur eine Formsache: Das Talent der jungen Schülerin, das Geflecht der Beziehungen im Umkreis der renommierten Ausbildungsstätte und das Renommee ihrer Vorfahren ebneten ihr den Weg. Weitere Schritte waren Vorstufen, die zum Erreichen der Endrunde vorgezeichnet waren. Unter anderem musste sie eine Fuge aussetzen, einen vorgegebenen Text als Chorsatz vertonen, und in der Endausscheidung eine Kantate mit Klavier- und Orchesterbegleitung vorlegen. Wegen hohen Fiebers musste sie allerdings im Mai 1912 zunächst dieses hochgesteckte Ziel aufgeben. In den nächsten sechs Monaten ließ ihr die Krankheit keine andere Wahl, als eine Zwangspause einzulegen, die sie mit einem vierwöchigen Aufenthalt in Berck an der französischen Kanalküste zu beschließen hoffte. Das Jahr 1913 brachte ihr schließlich den ersehnten Erfolg. Sie gewann den „Prix de Rome“ mit nur 19 Jahren, nach einem unregelmäßigen und relativ kurzen Studium und als erste Frau. Mit dieser Auszeichnung galt sie nun in Frankreich offiziell als Komponistin, war finanziell unabhängig und schloss sogleich einen Vertrag mit dem Verlag Ricordi. Den mit dem „Prix de Rome“ verbundenen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom konnte sie erst im März 1914 antreten und musste ihn nach wenigen Monaten im August des Jahres mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges schon wieder unterbrechen. Weihnachten 1914 verbrachte sie in Gargenville, westlich von Paris.


    Von 1915 an widmete sich Lili Boulanger bis zu ihrem Tode gemeinsam mit ihrer Schwester karitativen Aufgaben zugunsten der in den Kriegsdienst eingezogenen Kollegen des Konservatoriums. Nach einer Unterbrechung von anderthalb Jahren kehrte sie im Februar 1916 nach Rom zurück. Ihre Krankheit wurde immer unerbittlicher, fesselte sie häufig ans Bett und beeinträchtigte ihre schöpferische Arbeit in der Villa Medici. Im Juni des Jahres kehrte sie wieder nach Paris zurück. In ihrem Werk „Dans l’immense tristesse“ reflektieren dunkle Akkorde ihre damalige Gemütslage, die geprägt war durch Phasen starker Depressionen. Im Februar 1917 verließ sie Paris auf Geheiß ihres Arztes, um sich in Arcachon in der Nähe von Bordeaux einer Operation zu unterziehen, in die sie und ihre Familie große Hoffnung setzten. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Im Bewusstsein der wenigen Zeit, die ihr verbleiben würde, war Lili Boulanger darum bemüht, bereits begonnene Kompositionen, hauptsächlich die religiösen, zu vollenden. Im Alter von 24 Jahren, am 15. März 1918, verstarb Lili Boulanger an Morbus Crohn (einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung) und wurde auf dem Friedhof Montmartre beigesetzt.


    Für das ungleiche Geschwisterpaar Lili und Nadia Boulanger wirkte sich das familiäre Umfeld positiv auf den späteren Werdegang aus. Beide profitierten von einer Jugend mit einem Elternpaar, welches ebenso ungleich schien, dessen musikalische Interessen und Talente jedoch auf die Kinder übergingen.

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    Lili Boulanger war kein langer Lebensweg beschieden. Den künstlerischen Werdegang in vier Etappen aufzugliedern (Chailley, S. 17-44) scheint daher wagemutig, aber für eine namhafte Komponistin dennoch folgerichtig und für das Verständnis ihres Lebenswerkes durchaus hilfreich. Eine erste Etappe umfasst die Jahre 1905-1910. In diesen Jahren schrieb Lili Boulanger ihre ersten Werke, darunter „La lettre des morts“, sozusagen als schmerzliche musikalische Erinnerung an den Verlust des geliebten Vaters und wahrscheinlich als leidensvolle Vorahnung des eigenen Schicksals. Des Weiteren entstanden in dieser Zeit vor allem religiöse Werke. Diesen Jahren müssten auch noch die Erfahrungen der Kindheit vorangestellt werden, in welchen Lili Boulanger noch nicht komponierte, die aber durch Erfahrungen im Umgang mit Musik auf höchstem Niveau sowie den Kampf gegen die Krankheit und die ersten musikalischen Kontakte zusammen mit ihrer Schwester Nadia am Pariser Konservatorium gekennzeichnet waren. Eine zweite Etappe, umfasst die Jahre 1910-1912, ihre Lehrjahre, (so Chailley, S. 20). Lili Boulanger entschloss sich, Musik zu studieren. Sie nahm Kurse am Pariser Konservatorium in den Fächern Harmonielehre und Komposition. In diese Zeit fallen auch die ersten größeren Kompositionen. Einige wurden kurz nach ihrem Tod ediert, wie z. B. „Reflets“, „Attente“ (s. Notenbeispiel) und „Le retour“. Anschließend folgten drei weitere Lehrjahre (1912-1915). 1913 erhielt Lili Boulanger den „Prix de Rome“ mit der Solokantate „Faust et Hélène“, auch wenn sie ihn sich mit Claude Delvincourt (1888-1954) teilen musste. Ein weiteres wichtiges Werk aus dieser Zeit ist der 13 Lieder umfassende Zyklus „Clairières dans le ciel“. Neben dem „Prix de Rome“ wurden ihr im Jahr 1913 noch zwei andere Preise zuteil: der „Prix de la Fondation Yvonne de Gouy d'Arsy“ und der „Prix Lepaulle“. Am Ende waren ihrem Schaffen nur drei weitere Jahre (1916-1918) der künstlerischen Meisterschaft vergönnt. Die schon früher begonnenen Psalmen 24, 129 und 130 (1916-1917) und die „Vieille prière bouddhique“ (1917) wurden fertiggestellt. Sie arbeitete weiter an der Oper „La Princesse Maleine“ nach dem lyrischen Drama von Maurice Maeterlinck, jedoch schon in der Gewissheit, diese nicht mehr vollenden zu können.

    Würdigung

    Obwohl das Interesse der Musikwissenschaft an der jung verstorbenen Lili Boulanger größer als an ihrer Schwester Nadia zu sein scheint – sie war ohne Zweifel die talentiertere Komponistin – , wäre ihr weiterer Lebensweg, so er ihr denn vergönnt gewesen wäre, sicher der einer Komponistin gewesen. Dennoch ist ihre Schwester Nadia die populärere. Sie war die anerkannte und einflussreiche Musikpädagogin an einer der renommiertesten Musikausbildungsstätten, dem Pariser Konservatorium, und sie hat auch durch ihr Geflecht an Beziehungen im Umkreis des amerikanischen Konservatoriums in Fontainebleau zu nationalen und internationalen Persönlichkeiten, wie u. a. Maurice Ravel, Aaron Copland, Leonard Bernstein, nach dem Tode ihrer Schwester die französische Musik wie wohl niemand sonst geprägt. Während aber Nadia Boulanger bei ihren mehrfachen Teilnahmen am Wettbewerb um den „Prix de Rome“ nur die vorletzte Runde, bzw. im Jahre 1909 mit ihrer Kantate „Les Sirènes“ – deren Text von Charles Grandmougin Lili Boulanger wenige Jahre später (1911-1912) ebenfalls vertonte – den zweiten Platz („deuxième Second Grand Prix“) erreichte, gewann Lili Boulanger diesen im Alter von 19 Jahren auf Anhieb. Ab 1911 war Lili Boulanger auch eine der ersten Schülerinnen ihrer Schwester Nadia am Pariser Konservatorium.


    Unter den französischen Komponistinnen nimmt Lili Boulanger nicht nur wegen ihres frühen Todes eine Sonderstellung ein. In ihrer Familie war sie von Geburt an und über ihren Tod hinaus die Schutzbefohlene. Auf Geheiß des Vaters hatte Nadia sich um das Wohlergehen der jüngeren Schwester zu kümmern, und dies im Bewusstsein, dass sich Lili von ihrer chronischen Krankheit nie richtig erholen würde. Bei der Geburt Lili Boulangers war der Vater 73 Jahre alt und wahrscheinlich ahnte Nadia, dass ihr eines Tages gemeinsam mit der Mutter die weitere Erziehung zufallen würde. Nach dem Tod der jüngeren Schwester kümmerte sich Nadia Boulanger um die Verbreitung ihrer Werke.


    Krankheitsbedingt liegen viele Werke Lili Boulangers nur in Skizzenheften vor, sind unvollständig oder verschollen. Von den in der nachfolgenden Liste aufgeführten 64 Werken sind 24 veröffentlicht, zwölf sind unveröffentlicht, zehn sind unvollständig oder liegen in Skizzenform vor und 18 sind verschollen.


    Leben und Werk Lili Boulangers sind durch eine minutiöse Aufzeichnungstätigkeit und durch Angaben der Schwester Nadia Boulanger bestens dokumentiert. Ihr Werk ist durch eine tiefe Religiosität gekennzeichnet, die wahrscheinlich durch die Erkenntnis eines durch ihre Krankheit verkürzten Lebensweges getragen ist. Wenigstens 15 der 64 unten aufgelisteten Werke sind religiös geprägt. Weitere Werke vermitteln bereits im Titel eine eher pessimistische Grundstimmung. Ihre Tonsprache pendelt zwischen traditionell und avantgardistisch, in den Werken mit Orchester ist sie zuweilen auch kraftvoll, in einer Linie mit Zeitgenossen wie Igor Strawinsky, und war wegweisend für Komponisten wie Olivier Messiaen und Arthur Honegger.

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    Lili Boulangers Musik galt zunächst als Symbol französischer Kunst im Zeitraum um den Ersten Weltkrieg und ist heute zum Symbol des Feminismus in der französichen Musik schlechthin geworden.


    Nach ihrem Erfolg beim „Prix de Rome“ mit "Faust et Hélène" gelang der jungen Komponistin der Durchbruch. Sie konnte sich bei zukünftigen Auftritten einer gezielten Aufmerksamkeit von außen sicher sein, zumal sie als erste Frau den renommierten Wettbewerb für sich entschieden hatte. Von nun an widmete sie sich ihrem umfangreichsten und wahrscheinlich auch ihrem bedeutendsten säkularem Werk, dem Liederzyklus „Clairères dans le ciel“ nach der Gedichtsammlung „Tristesses“ von Francis Jammes (1868-1938). Nachdem sie sich vom Autor die Erlaubnis eingeholt hatte, die Texte zu vertonen, wählte Lili Boulanger 13 von 24 Gedichten aus, begann ihre Arbeit an dem Werk im Jahre 1913 in Nizza, setzte sie anlässlich ihres Aufenthalts in der Villa Medici in Rom fort und beendete sie im Jahre 1916. „Clairères dans le ciel“ ist in der Folge von der Musikwissenschaft am meisten beachtet worden (vgl. Bibliographie). Von den 13 Liedern für hohe Singstimme und Klavier hat Lili Boulanger 8 für Orchester bearbeitet. Sie wurden allerdings nie veröffentlicht. Jammes Texte spiegeln eine pessimistische Grundstimmung, ausgelöst durch dessen persönliche Lebenssituation, wider. Auch Lili Boulanger konnte sich in ihrer alltäglichen Auseinandersetzung zwischen Krankheit und Schöpferkraft mit den Texten identifizieren. Der impressionistische Stil kommt dem von Claude Debussy nahe. Bonnie Jo Dopp beschäftigte sich mit den „Clairères dans le ciel“ im Zusammenhang mit Zahlensymbolik und führte aus, dass Boulanger die Zahl 13, als Unglückszahl schlechthin bekannt und in Tarot sogar mit dem Tod in Verbindung gebracht, in den Vordergrund rückt. Lili Boulangers Name besteht aus 13 Buchstaben. Für die Titelseite wählte sie ein Logo, das einerseits ihren Initialen entspricht, das andererseits aber auch an die Zahl 13 erinnert. (vgl. Dopp, Fauser, Giesbrecht-Schutte, Williamson)


    Emblem Lili Boulanger


    Die Zahl 13 ist zudem in weiteren Werken von Bedeutung, so z. B. in ihrem letzten Werk, „Pie Jesu“. Dopp führt des Weiteren aus, wie Lili Boulanger sich mit dem Ton B (für Boulanger), bzw. mit der Tonart B identifizierte. Die dreizehn letzten Takte des in g-Moll beginnenden Stückes haben keine Vorzeichen, also keine b's! In den sieben Abschlusstakten steht als Pedalton das „G“. Von „G“ beginnend, ist „b“ die 13. diatonische Stufe (Dopp, S. 577). Obwohl „Pie Jesu“ die letzte Komposition Lili Boulangers ist, befinden sich bereits erste Notizen dazu in ihrem im Jahre 1909 begonnenen Skizzenbuch. Zu schwach, um selbst zu schreiben, diktierte sie ihrer Schwester Nadia die Noten von ihrem Sterbebett aus (Bertho Woolliams, S. 57). Das religiöse Werk ist im Angesicht ihres aussichtslosen Gesundheitszustands gekennzeichnet durch tiefe Trauer und durch die quälende Gewissheit des nahen Todes.

    Rezeption

    Der Tod von Lili Boulanger fiel in das letzte Jahr des Ersten Weltkrieges. Die Franzosen waren das Sterben gewohnt. Trotzdem war die Anteilnahme der Öffentlichkeit in den Monaten nach ihrem Ableben groß. Der US-amerikanische Dirigent Walter Damrosch brachte Lili Boulangers Werke in den Vereinigten Staaten zur Aufführung und machte die Komponistin dort bekannt. Noch im Jahr ihres Todes richteten Mutter und Schwester Lili Boulanger zu Ehren den „Prix Lili Boulanger“ ein, um die Erinnerung an sie und ihr Werk wach zu halten. Er richtete sich, ebenso wie der „Prix de Rome“, an angehende Komponisten und wird heute in umgewidmeter Form von der „Fondation Internationale Nadia et Lili Boulanger“ unter dem Namen „Concours International de Chant-Piano Nadia et Lili Boulanger“ an Solisten vergeben. Zum gleichen Zweck wurde im Jahre 1939 der durch Nadia Boulanger in Boston angeregte „Lili Boulanger Memorial Fund“ ins Leben gerufen. Mit gleicher Zielsetzung und in Anlehnung an diese Initiative wurde im Jahre 1965 die Gesellschaft „Les amis de Lili Boulanger“ in Paris gegründet. Anlässlich des fünfzigsten Todestages der Komponistin organisierte die Gesellschaft eine Ausstellung in der französischen Bibliothèque Nationale und eine Serie von Konzerten mit dem damaligen französischen Rundfunkorchester ORTF.


    Im Jahre 1960 wurden erstmals Werke von Lili Boulanger unter der Leitung von Igor Markévitch aufgenommen.

    In Paris wurde der Ort im neunten Arrondissement, wo die Familie Boulanger wohnte, in „Place Lili Boulanger“ umbenannt. Im Jahre 1972 wurde in Gargenville, wo die Familie oft weilte, ebenfalls ein Platz nach der Komponistin benannt (Rosenstiel, S. 213-219).


    In heutigen Programmgestaltungen und CD-Aufnahmen nehmen Kompositionen Lili Boulangers eher einen untergeordneten Rang ein. Allerdings gibt es eine Reihe von CD-Einspielungen, die sich ausschließlich mit dem Werk von Lili Boulanger befassen (siehe „Quellen“). Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei nach wie vor auf die „Psalmen“, den Liederzyklus „Clairères dans le ciel“, das „Pie Jesu“.

    Werkverzeichnis

    (nach Stièvenard, S. 123-130 und Laederich, S. 355-396)



    Vokalmusik:


    Solokantaten

    La lettre de mort, für Sopran, 1904, Text: Eugène Manuel, Skizze.


    Psaume 131, 1907, für Solo und Orchester, verschollen.


    Psaume 137, 1907, für Solo und Orchester, verschollen.


    Ave Maria, 1908, verschollen.


    Maïa, für Sopran, Tenor, Bass und Klavier, 1911, Text: Fernand Beisser, unvollständige Klavierfassung.


    Frédégonde, Kantate für Sopran, Tenor, Bass und Klavier, 1911, Text: Charles Morel, nur die erste Szene.


    Reflets, für Sopran und Orchester, 1911, Text: Maurice Maeterlinck; Klavierfassung: Ricordi, 1918.

    Attente für Sopran und Klavier, 1912, Text: Maurice Maeterlinck, Ricordi 1919, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Le Retour für Mezzosopran und Klavier, 1912, Text: Georges Delaquys, Ricordi 1919, Neuauflage Schirmer 1979 / La nef légère, für Chor SATB und Klavier, 1912. Beide Werke sind identisch, aber unterschiedlich instrumentiert.


    Alyssa, Solokantate, 1912-1913, verschollen.

    Faust et Hélène, Kantate für Mezzosopran, Tenor, Bariton und Klavier, resp. Orchester, 1913, Text: J. W. von Goethe / Eugène Adenis, Klavierfassung: Ricordi 1913 und Durand 1970, Orchesterfassung: Ricordi 1920.


    Clairières dans le ciel, Liederzyklus für Sopran oder Tenor und Klavier bzw. Orchester, 1913-1916, Text: Francis Jammes, Klavierfassung: Ricordi 1919 und Durand 1970.


    Dans l‘immense tristesse, für Alt und Klavier, 1916 Text: Bertha Galeron de Calone, Ricordi 1919, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Pie Jesu, für Sopran, Streichquartett, Harfe und Orgel, 1918, Durand 1922, Gesang und Orgel: Durand 1924.



    Chorkantaten

    Psaume 119, für Chor und Orchester, 1909, verschollen.


    Sous Bois, für Chor SATB und Klavier, Text: Philippe Gille, 1911.


    Renouveau, für Sopran-, Alt-, Tenorsolo, Chor SATB, Klavier bzw. Orchester, 1911-1916, Text: Armand Silvestre, Klavierfassung: Ricordi 1918, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Soleils de Septembre, für Chor SATB und Klavier, 1911, unvollendet.


    Les sirènes, für Sopransolo, Frauenchor und Klavier, 1911-1912, Text: Charles Grandmougin, Ricordi 1918, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Le soir, für Chor SATB und Klavier bzw. Orchester, 1912.

    La tempête (Pendant la tempête) für Frauenchor und Klavier, 1912, Text: Théophile Gautier.


    Soir d‘été, für Chor SATB und Klavier, 1912, unvollendet.


    La source, für Chor SATB und Klavier bzw. Orchester, 1912, Text: Leconte de Lisle.

    Hymne au soleil, für Altsolo, Chor SATB und Klavier bzw. Orchester, 1912, Text: Casimir Delavigne, Ricordi 1918, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Pour les funérailles d‘un soldat, für Baritonsolo, Chor SATB und Klavier oder Orchester, 1912-1913, Text: Alfred de Musset, Klavierfassung: Ricordi 1918, Orchesterfassung: Ricordi 1919.


    Soir sur la plaine, für Sopran- und Tenorsolo, Chor SATB und Klavier bzw. Orchester, 1913, Text: Albert Samain, Klavierfassung: Ricordi 1918, Neuauflage: Schirmer 1979.


    Vieille prière bouddhique, für Tenorsolo, Chor SATB und Klavier bzw. Orchester, 1914-1917, nach einem buddhistischen Gebet, übersetzt von Suzanne Karpelès, Klavierfassung: Durand 1921, Orchesterfassung, Durand 1925.


    Psaume 25 „La terre appartient à l'éternel“, für Tenorsolo, gemischten Chor, Orgel und Orchester, 1916, Klavierauszug: Durand 1924, Orchesterfassung: Durand 1926.


    Psaume 129 „Ils m'ont opprimé dès ma jeunesse“, für Bariton oder Basssolo, Chor TTBB und Orchester, 1910-1916, Klavierfassung: Durand 1921, Orchesterfassung: Durand 1924.


    Psaume 130 „Du fond de l'abîme“, für Altsolo, Chor SATB, Orgel und Orchester, 1910-1917, Klavierfassung: Durand 1924, Orchesterfassung, Durand 1925.


    Psaume 19 „Corinthiens“, für Chor und Orchester, verschollen.


    Psaume 1, für Chor und Orchester, undatiert, verschollen


    Les pauvres, undatiert, unvollendet.


    Mon cher amour est parti, undatiert, unvollendet.


    Psaume 126, undatiert, unvollendet.



    Oper:

    La princesse Maleine, Oper nach dem lyrischen Drama von Maurice Maeterlinck, ab 1911, unvollendet.



    Instrumentalmusik:

    Valse en mi majeur, für Klavier, 1905-1906, unvollendet.


    Apocalypse, 1909, für Solo und Orchester, verschollen.


    Pièce pour violon (flute) et piano, 1910,unveröffentlicht.


    Prélude en ré, für Klavier, 1911, unvollendet.


    Prélude en si, für Klavier, 1911, unvollendet.


    Trois études pour piano, 1911, verschollen.


    Morceau pour piano: thème et variations, 1911-1914, Autograph in der Musikabteilung der Nationalbibliothek in Paris, ms. 19493. Erstausgabe hsg. von Benjamin Gunnar Cohrs, Edition Tonger, Köln 2005.


    Nocturne für Violine bzw. Flöte und Klavier, 1911, Ricordi 1919, Neuausgabe für Violoncello und Klavier: Schirmer 1979.


    Fugue sur un thème de Georges Caussade für Klavier, 1912, unveröffentlicht


    Fugue (als Teil des „Concours de Rome“) 1912, unveröffentlicht.


    Sonate pour violon et piano, um 1912, verschollen.


    Deux études pour piano à quatre mains, 1912, verschollen.


    Fugue für Klavier als Teil des „Concours de Rome“, 1913, unveröffentlicht.


    D‘un vieux jardin, für Klavier, 1914, Ricordi 1919, Neuausgabe: Schirmer 1979.


    Cortège, 1914, Ricordi 1919, Neuausgabe: Schirmer 1979.


    Pièce pour violoncelle et piano, 1914, verschollen.


    Pièce pour hautbois et piano, 1914, verschollen.


    D‘un Jardin clair, für Klavier, 1914, Ricordi 1919, Neuausgabe: Schirmer 1979.


    Pièce pour trompette et petit orchestre, 1915, verschollen.


    Berceuse für Violine und Klavier,1915, verschollen.


    Poème symphonique, 1915-1916, verschollen.


    Sicilienne, für Kammerorchester, 1916, verschollen.


    Marche gaïe, um 1916, verschollen.


    Marche funèbre, um 1916, verschollen.


    D'un matin de printemps, für Violine oder Flöte und Klavier, auch. als Trio für Violine, Violoncello und Klavier oder auch. für Orchester, 1917-1918, Durand 1922, Transkription für zwei Klavier: Schirmer 1979.


    D'un soir triste für Violoncello und Klavier, auch als Trio für Violine, Violoncello und Klavier oder auch für Orchester, 1917-1918, Trioversion: Schirmer 1979.


    Cinq études pour piano, undatiert, verschollen.


    Triste semble, undatiert, unvollendet.



    Skizzen: (vgl. Birgit Stièvenard-Salomon, S. 130)

    Cahier de music, 1904.


    Cahier de travail, 1909-1917.


    Cahier de travail: III/Cantate II/Frédégonde, 1911.


    Examensarbeit, 1911.


    Cahier de composition (1), 1913.


    Cahier de composition (2), 1913.


    Esquisses et brouillons pour „Clairères dans le ciel“, 1914.


    Cahier desquisse, 1914.


    Corrections Maleine, 1917-1918.

    Quellen

    Sekundärliteratur: (chronologisch)


    Mauclair, Camille: „La vie et l’œuvre de Lili Boulanger“. In: Revue musicale, 2/9–11 (1921), S. 147–155.


    Koechlin, Charles: „Evolution de l’harmonie: période contemporaine depuis Bizet et César Franck jusqu’à nos jours“, in: Encyclopédie du Conservatoire de Paris, hg. von A. Lavignac und L. de la Laurencie, Paris 1925, S. 591–760.


    Landormy, Paul / Martens, Frederick H.: „Lili Boulanger“. In: The Musical Quarterly, 16 (1930), S. 510–515.


    Reeser, Eduard: „Lili Boulanger“. In: De muziek, 7 (1933), S. 210–221 und S. 264–279.


    Dumesnil, René: Portraits de musiciens français, Paris: Durand, 1938, S. 11–23.


    Rosenstiel, Léonie: The Life and Works of Lili Boulanger, Rutherford/New Jersey: Fairleigh Dickinson University Press, 1978.


    Weissweiler, Eva: Komponistinnen aus 500 Jahren: eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen, Frankfurt: Fischer, 1981, S. 325–346.


    Chailley, Jacques: „L’oeuvre de Lili Boulanger“. In: Revue musicale, 353–354 (1982), S. 15–44.


    Huyghe, René / Chailley, Jacques: „Lili et Nadia Boulanger“. In: Revue musicale, Paris 1983, S. 9-48.


    Croguennoc, Sylvie: „Les mélodies de Lili Boulanger“. In: Autour de la mélodie française, Rouen: Presse Universitaire Rouen 1984, S. 99–122.


    Fauser, Annegret: „Die Musik hinter der Legende: Lili Boulangers Liederzyklus ,Clairières dans le ciel‘“. In: Neue Zeitschrift für Musik, 151/11 (1990), S. 9–14.


    Nies, Christel / Aulenkamp-Moeller, Roswitha (Hg.): Lili Boulanger, 1893-1918. Vom Schweigen befreit. 3. Internationales Komponistinnen-Festival, Kassel 1993.


    Borchard, Beatrix: Lili Boulanger. Eine Komponistin, in: Christel Nies und Roswitha Aulenkamp-Moeller (Hg.), Lili Boulanger, 1893-1918. Vom Schweigen befreit. 3. Internationales Komponistinnen-Festival, Kassel 1993, S. 28-37; Nachdruck in: Klong Musikszene Frau Nr. 31, September 1993, Frauenmusik-Forum Schweiz FMF Bern.


    Mosler, Katrin (Hg.): Lili Boulanger-Tage 1993 Bremen, Bremen: Callas 1993.


    Stièvenard-Salomon, Birgit: „Werkverzeichnis Lili Boulanger“. In: Mosler, Katrin (Hg.): Lili Boulanger-Tage 1993 Bremen, Bremen: Callas 1993. S. 123-130.


    Dopp, Bonny Jo: „Numerology and Cryptography in the Music of Lili Boulanger: the Hidden Program in ‚Clairières dans le ciel’“. In: The Musical Quarterly, 78/2 (1994), S. 556–583.


    Giesbrecht-Schutte, Sabine: „Lili Boulanger: ,Clairières dans le ciel‘ – ästhetischer Ausdruck und musikalische Form“. In: Die Musikforschung, 67 (1994), S. 384–402.


    Brooks, Jeanice: „The Fonds Boulanger at the Bibliothèque Nationale“. In: Notes, 51/4 (1995), S. 1227–1237.


    Fauser, Annegret: „Lili Boulanger’s La Princesse Maleine: a Composer and her Heroine as Literary Icons“. In: Journal of the Royal Musical Association, 122/1 (1997), S. 68–108.


    Fauser, Annegret: „La guerre en dentelles: Women and the Prix de Rome in French Cultural Politics“. In: Journal of the American Musicological Society, 50/2-3 (1997), S. 83–129.


    Roster, Danielle: Die großen Komponistinnen, Frankfurt/Main: Insel Taschenbuch 1998.


    Potter, Caroline: „Nadia and Lili Boulanger: Sister Composers“. In: The Musical Quarterly, 83/3 (1999), S. 536–356.


    Charlton, David: “Vidal, Paul Antonin”. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians Band 26, hg. von Sadie, Stanley; Tyrell, John, Oxford: Oxford University Press 2001, S. 539-540.


    Orledge, Robert: ”Emmanuel, (Marie François) Maurice“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians Band 8, hg. von Sadie, Stanley; Tyrell, John, Oxford: Oxford University Press 2001, S. 186-187.


    Williamson, Deborah: “A Performer’s Analysis of Lili Boulanger‘s ‘Clairières dans le ciel’: Song Cycle for High Voice and Piano; A Lecture Recital together with the Role of Blanche in ‘Dialogues of the Carmelites’ by F. Poulenc and two Recitals of Selected Works by H. Purcell, F. Schubert, S. Prokofieff, E. Chausson, W. A. Mozart, R. Schuman and G. Fauré”, University of North Texas, 2001.


    Potter, Caroline: Nadia and Lili Boulanger, Aldershot: Ashgate 2006.


    Spycket, Jérôme: À la recherche de Lili Boulanger: Essai biographique, Paris: Fayard 2004.


    Laederich, Alexandra (Hg.): Nadia Boulanger et Lili Boulanger témoignages et études, Lyon: Symétrie 2007.


    Bertho Woolliams, Carole: Lili Boulanger: compositrice du XXe siècle, Paris: Le jardin d’essai 2009.



    Diskografie:


    In Memoriam Lili Boulanger, Marco Polo 01/1993, 02/1994, 03/2009.


    Requiem / Pie Jesu / Psalm 24 Audio-CD, BBC 1999.


    Faust et Hélène / D’un Soir Triste, Audio-CD, Chandos (CODAEX) 1999.


    Boulanger, Lili: Patrimoine, Audio-CD, Naxos 2000.


    Lyrikerinnen. Von den Anfängen bis 1900, Audio-CD, Naxos 2001.


    Les Sirènes (1911), Pour Mezzo-Soprano, Choeur Et Piano (Lili Boulanger), Audio-CD, Saphir productions 2006.


    Lili Boulanger / Claude Debussy, Audio-CD, Integ 2007.


    Karin Hendel plays Andrée, Viardot, Boulanger, Farrenc, Audio-CD, Zuk 2007.


    Lili Boulanger: Psalmen und Lieder, Audio-CD, Timpani 2008.


    Songs by Lili Boulanger & her Compatriots, Audio-CD, Cedille Re (SunnyMoon) 2008.


    Lili Boulanger: Die Lieder (Clairières dans le ciel / Trois Morceaux pour Piano / Quatre Mélodies), Audio-CD, Timpani 2008.


    Autour de Lili Boulanger, Audio-CD, Saphir productions 2009.


    Clairières dans le Ciel, Audio-CD, Thorofon 2007.



    Links:


    Fondation Internationale Nadia et Lili Boulanger (Stand 8/2010)

    http://www.fondation-boulanger.com


    Centre international Nadia et Lili Boulanger

    http://www.cnlb.fr/


    Boulanger, (Marie-Juliette Olga) Lili, (Stand 01/2011)

    http://berlispingo.blogspot.com/2010/06/lilly-boulanger-critica-de-fuentes.html


    J. M. Warszawski: Boulanger Lili (Marie-Juliette Olga) http://www.musicologie.org/Biographies/b/boulanger_lili.html (Stand 8/2010)


    Lili Boulanger (1893-1918) http://www.klassika.info/Komponisten/Boulanger/ (Stand 8/2010)

    Forschung

    Die Wissenschaft hat sich schon relativ früh mit den beiden Schwestern Boulanger, hauptsächlich aber mit Lili Boulanger, auseinandergesetzt, und unter dem Einfluss der Genderforschung kam es seit den späten 1970er Jahren zu einer Intensivierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen Lili und Nadia Boulanger, welches in der Musikgeschichte einzigartig ist.


    Nach dem Tode von Nadia Boulanger im Jahre 1979 verteilte ihre Erbin Annette Dieudonné den gesamten Besitz an verschiedene, breit gestreute Institutionen. Der Wunsch Nadia Boulangers, das Familienerbe in eine zentrale Stiftung zu überführen, ging wegen Geldmangels nicht in Erfüllung. Ein großer Teil des Nachlasses von Lili Boulanger befindet sich jedoch in der Bibliothèque Nationale de France in Paris und ist dort auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Darin enthalten sind, neben Autographen und gedruckten Ausgaben, auch Skizzenhefte, sonstige Aufzeichnungen, handschriftliche Briefe, Tagebücher sowie Bücher und Partituren aus der Privatbibliothek der Familie Boulanger (Brooks, S. 1227-1237).

    Forschungsbedarf

    Forschungsbedarf

    Obschon Leben und Werk von Lili (und Nadia) Boulanger - nicht nur in der frankophonen Fachwelt Thema von Fachtagungen sowie wissenschaftlichen Artikeln und Monographien ist, ihr Name Pate für Musikwettbewerbe stand und auch die deutsche und die angelsächsische Musikwissenschaft sich mit den Boulangers auseinandersetzte, gibt es bislang keine kritische Gesamtausgabe der Werke Lili Boulangers. Sie müsste einer umfassenden Würdigung des Werkes von Lili Boulanger vorausgehen und sämtliche bereits veröffentlichte und unveröffentlichte Werke umfassen. Dies wären derzeit 36 an der Zahl. Aufgrund eines vergleichsweise übersichtlichen Œuvres und aufgrund heutiger Erfahrungen mit Gesamtausgaben wäre ein solches Projekt mit verhältnismäßig überschaubarem Zeitaufwand zu bewerkstelligen. Es könnte die Musik Lili Boulangers in einheitlicher Gestaltung zu Aufführungszwecken und zu weiterführenden Forschungsarbeiten zur Verfügung stellen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 17406901
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 118989936
    Library of Congress (LCCN): n81140107
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Damien Sagrillo


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 03.02.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Damien Sagrillo, Artikel „Lili Boulanger“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 3.2.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Lili_Boulanger