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  • Irene Kiesewetter

    von Ingeborg Harer
    Irene von Kiesewetter-Wiesenbrunn, Porträt von Josef Kriehuber, 1849
    Namen:
    Irene Kiesewetter
    Geburtsname: Irene Kiesewetter
    Varianten: Irene Kiesewetter von Wiesenbrunn, Irene Prokesch-Osten, Irene Frau von Prokesch, Irene Prokesch von Osten, Irene Irene Kiesewetter, Irene Irene Kiesewetter von Wiesenbrunn, Irene Irene Prokesch-Osten, Irene Irene Frau von Prokesch, Irene Irene Prokesch von Osten
    Lebensdaten:
    geb. in Wien, Österreich
    gest. in Graz, Österreich
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Korrespondentin, Gesprächspartnerin, Salonière
    Charakterisierender Satz:

    „[…] Die reizende Gebieterin des Hauses [Irene Kiesewetter bzw. Prokesch-Osten] spielte, ehe sie uns entließ, als den würdigsten Schluß zum Faust, das Finale des Don Juan. Eines Kunsturtheils über diese Leistung unfähig, kann ich nur sagen, daß mich kaum je Klavierspiel so befriedigt hat. Diese Wiederschöpfung aus einem Guß, dies Wühlen in den Tönen wie in einem Haufen Perlen, dieses nachhallende Donnern und Lispeln der kleinen Hand, dies Entsetzen, dies Entzücken – Alles mußte das Seinige beitragen, einen so tiefen Eindruck auf mich hervorzubringen: höchstes Kunsttalent, inniges Gefühl, tiefes Verständniß des unübertroffenen Meisters, ein vortreffliches Instrument, eine schöne Frau und ein empfängliches Gemüth. Mit geschlossenen Augen lauschte ich, und im Traum der Nacht noch erklangen mir fortwährend die Zaubertöne wieder.“

    (Hermann von Pückler Muskau, [Tagebucheintragung zu seinem Besuch der Familie Prokesch in Athen am 22. März 1836]. In: Hermann Pückler-Muskau, Südöstlicher Bildersaal. Band 2. Griechische Leiden. 1. Teil. Stuttgart: Hallberger´sche Verlagshandlung, 1840. „Aus meinem Tagebuche“, S. 367)


    Profil

    Als versierte Pianistin war Irene Kiesewetter im Wiener Musikleben eine anerkannte Dilettantin im strengen Wortsinn des 19. Jahrhunderts. Das heißt, ihre Auftritte erfolgten ausnahmslos unbezahlt und ausschließlich im privaten Bereich. Es ist jener Bereich des Musizierens, der ihr durch ihr Elternhaus wohlvertraut war und in den sie schon in jungen Jahren hineinwuchs, in einer Zeit, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der das tägliche Musizieren und Zusammenkommen mit dem Zweck des Musik-Machens selbstverständlich war. Nach ihrer Verheiratung war Irene Kiesewetter, nun verh. Prokesch-Osten, in ihrem jeweiligen Zuhause als Gastgeberin für das musikalische Programm zuständig und beeindruckte ihr Publikum als Pianistin mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, vor allem aber von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Sie gehörte Schuberts engstem Freundeskreis an und zählt zu den ersten Pianistinnen, die seine Werke spielten und auch unmittelbar nach dessen Tod im Bereich des privaten Musizierens verbreiteten. Einige musikalische Werke entstanden speziell für Irene Kiesewetter bzw. Prokesch-Osten.

    Orte und Länder

    Irene Kiesewetter verbrachte ihre Jugend in Wien und ihren Lebensabend in Graz, der Geburtsstadt ihres Mannes, den sie auf dessen diplomatischen Diensten nach Athen, zeitweise nach Berlin, nicht aber nach Istanbul begleitete.

    Biografie

    Irene Kiesewetter wurde am 27. März 1811 in Wien geboren und wuchs in einem von Kunst und Kultur geprägten Elternhaus auf. Ihr Vater war der aus Holleschau/Mähren (Holešov/CZ) stammende Musikforscher Raphael Georg Kiesewetter (1773-1850), der sich seit 1843 „Edler von Wiesenbrunn“ nennen konnte. Irenes Mutter Jakobine geb. Cavallo (1773-1843) stammte aus Heidelberg, über sie ist jedoch nichts Näheres bekannt. Das Haus Kiesewetter war im Wien der 1820er-Jahre einer der wichtigsten Treffpunkte für die Musikwelt. Über Irene Kiesewetters musikalische Ausbildung gibt es keine Informationen. Es fehlen jegliche Hinweise bei wem, wann und wo sie ihren wohl fundierten Klavierunterricht erhalten haben könnte.


    Die beste Schulung erhielt sie wohl durch die Musikabende in ihrem Elternhaus.

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    Irene Kiesewetters Vater, Raphael Georg Kiesewetter, beschäftigte sich intensiv mit der Musik der Renaissance- und Barockzeit und veranstaltete ab 1816 in seinem Zuhause historische Konzerte, die sich großem Zuspruch erfreuten. Neben Franz Schubert waren die Schwestern Fröhlich (Anna Fröhlich, Barbara Fröhlich, Katharina Fröhlich, Josefine Föhlich) als aktive Mitwirkende in die Abendveranstaltungen eingebunden. Auch der Dichter Franz Grillparzer war wiederholt unter den Gästen. Zu den Verdiensten von Irene Kiesewetters Vater zählte in diesem Zusammenhang dessen Erstellung eines Musikalienkatalogs, der ausgewählte Musikwerke chronologisch geordnet und in Epochen eingeteilt nennt und damit einen Einblick in das im Hause Kiesewetter gespielte Repertoire Alter Musik gibt, mit dem wohl im Laufe der Jahre die gesamte Familie vertraut wurde (Quellen 3: Kiesewetter, Catalog, 1847). Die von Kiesewetter gesammelten Partituren befinden sich als „Fond Kiesewetter“ in der Österreichischen Nationalbibliothek. Weiters erlangte Raphael Georg Kiesewetter durch zahlreiche einschlägige Publikationen im Bereich der Musikgeschichte Bekanntheit, darunter die 1838 erschienene Schrift „Ueber die Musik der neueren Griechen […]“, in der er sich explizit auf das Wissen von Anton Prokesch, seines Schwiegersohnes, bezog (Quellen 3: Kiesewetter, 1838). Auch die damalige zeitgenössische Musik fand ihren Platz im Hause Kiesewetter, das letztlich zu einem der Orte wurde, an dem die neueste Musik von Franz Schubert aufgeführt wurde, darunter fanden sich besonders dessen Lieder und Klavierwerke.

    Irene Kiesewetter wurde nicht nur vom musikalisch-literarischen und intellektuellen Umfeld in ihrer Familie, sondern auch vom großen Bekanntenkreis ihrer Eltern geprägt, dem zahlreiche einflussreiche Frauen des Kulturlebens angehörten, allen voran die schon genannten vier Schwestern Fröhlich, aber auch die Schriftstellerin und Salonière Karoline Pichler sowie die Schauspielerin und Sängerin Sophie Müller. Es handelt sich dabei um Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens, mit denen Irene auch im brieflichen Kontakt stand. Zu ihrem Bekanntenkreis gehörten weiters verschiedene Personen aus dem Freundeskreis Schuberts wie z.B. der Pianist Johann Baptist Jenger und der Sänger Baron Karl von Schönstein. Die beiden Letztgenannten waren Irene Kiesewetters musikalische Partner bei diversen Auftritten im Hause ihres Vaters. Mit Jenger spielte sie vierhändig, den Tenor Schönstein begleitete sie am Klavier beim Vortrag von Schubert-Liedern.

    Erwähnenswert ist Irene Kiesewetters Verbindung nach Graz in den 1820er-Jahren, nämlich zum Hause Pachler, explizit zu Marie Pachler. Durch die Vermittlung Johann Baptist Jengers, der Irenes Klavierpartner im Vierhändigspiel war und sie offensichtlich besonders schätzte, sogar für sie schwärmte (wie durch Briefe belegt), sollte Irene Kiesewetter stellvertretend für Marie Pachler die Genehmigung für den Druck der Lieder op. 106 von Franz Schubert geben, die der Komponist Marie Pachler widmete. Außerdem war für das Frühjahr 1828 ein Treffen von Mutter und Tochter Kiesewetter mit dem Ehepaar Pachler in Graz geplant. Auf beide Ereignisse nimmt Jenger in seinem Brief vom 29. Januar 1828 Bezug, wenn er an Marie Pachler schreibt:

    „Die Tochter Irene meines Herrn Hofrates von Kiesewetter [Jengers Vorgesetztem], von welcher ich mit Ihnen als von einer der ersten Klavierspielerinnen Wiens, so viel ich mich erinnere, öfter gesprochen habe – ist kürzlich von einer bedeutenden Krankheit genesen. Ihr Arzt [Dr. Menz] hat nun für das kommende Frühjahr eine kleine Reise als Luftveränderung angeraten, und auf mein weiteres Anraten dürfte eine kleine Reise nach Steiermark dazu um so mehr fürgewählt [sic] werden, als Mutter und Tochter schon lange dies gelobte Land und seine lieben Bewohner – von welchen ich ihnen schon hie und da erzählte – kennen lernen möchten. – Wenn dies noch geschieht, so werden Schwammerl [Franz Schubert] und ich als Reisemarschalls mitgenommen, und somit dürften wir Sie alle in wenig [sic] Monaten sehen. – Eine zweite Angelegenheit betreff des Freundes Schw. [Schubert] ist, daß Sie, beste gnädige Frau, mir die Erlaubnis erteilen wollen, daß ich von schönen Händen auf ein Bändchen Lieder, welche Schub. Ihnen dediziert hat, Ihre Bewilligung zum Stich geben [lassen möchte], damit das Manuskript nicht nach Grätz gesendet werden darf. Ich sprach darüber schon mit Fräul. Irene, und sie übernimmt dies Amt sehr gerne. Dies sollte aber sehr bald geschehen, und daher bitte ich sehr bald um die Erlaubnis […].“ (Jenger an Marie Pachler, Wien 29. Januar 1828, zitiert nach Quellen 2: Deutsch, Dokumente, 1964, S. 486-487)

    Zu dieser Reise nach Graz kam es nicht. Was alle Beteiligten noch nicht wissen konnten: Wenige Jahre später (1832) sollte Marie Pachlers Jugendliebe, Anton Prokesch, Irenes Ehemann werden. Irene und Anton Prokesch standen später im persönlichen Kontakt mit Faust Pachler, Marie Pachlers Sohn, wie aus dem Briefwechsel (Österreichische Nationalbibliothek) hervorgeht.

    Irene Kiesewetter lernte ihren zukünftigen Ehemann Anton Prokesch von Osten (1795-1876) am 25. März 1830 bei einem historischen Konzertabend im Hause ihrer Eltern in Wien kennen. Die Hochzeit erfolgte am 25. November 1832. Anton Prokesch von Osten, der ursprünglich aus Graz stammend an seiner Karriere als österreichischer Diplomat arbeitete, beugte sich durch diese Ehe offensichtlich dem Diktat der gesellschaftlichen Erwartungen, die an ihn, den weitgereisten Mann von Welt und in Erwartung seines dienstlichen Auftrags als Diplomat, gestellt wurden. Gleichzeitig bewirkte die Heirat für ihn, der stets den Kontakt zum Adel gesucht hatte, keinen weiteren gesellschaftlichen Aufstieg, da Irene Kiesewetter aus dem Bürgertum stammte. Bereits 1830 konnte Prokesch sich „von Osten“ nennen, ab 1845 „Freiherr von“, ab 1871 „Graf“. Für Irene, die fortan den Familiennamen ihres Ehemannes trug, bedeutete die Ehe den Eintritt in die höhere Gesellschaft auf internationaler Ebene im In- und Ausland. Sie begleitete ihren Mann zum Großteil auf dessen Auslandsaufenthalten im Rahmen des jeweiligen diplomatischen Dienstes, den er ab 1834 ausübte. Er war 1834 bis 1849 Gesandter in Athen, 1849 bis 1852 in Berlin, 1853 bis 1855 Präsidialgesandter am Deutschen Bundestag in Frankfurt/Main, 1855 bis 1861 kaiserlicher Internuntius in Konstantinopel (heute Istanbul, Türkei) und in der Folge 1861 bis 1871 Botschafter ebd., wobei Prokesch von Osten diese letzte Dienstverpflichtung ohne seine Frau ausübte. Irene Kiesewetter bzw. Prokesch-Osten verbrachte stattdessen ihren Lebensabend in Graz, in einem Zuhause, in dem es ein reges Kommen und Gehen gab und in dem auch neben zahlreichen Besuchen die Kinder des Ehepaares, die das Erwachsenenalter erreichten (Tochter Irene und Sohn Anton), samt Familien zumindest teilweise zugegen waren. Insgesamt wurden fünf Söhne und eine Tochter geboren, von denen vier Söhne relativ früh starben, zwei davon als Kleinkinder in Athen: Julius, geb. am 10. September 1833 in Wien, gest. am 30. Juni 1835 in Athen und Fritz, geb. am 20. Juli 1835 in Athen, gest. am 17. August 1838. Anton, geb. am 19. Februar 1837 in Athen, überlebte als einziger Sohn seine Eltern und starb am 12. März 1919 in Gmunden, Österreich. Weiters wurden am 5. Juni 1840 Karl in Neu-Waldorf bei Wien geboren (gest. 1864) und am 2. Juli 1851 in Berlin Franz Joseph, der 1856 in Konstantinopel starb. 1841 kam in Smyrna (heute Izmir, Türkei) die einzige Tochter Irene zur Welt, sie heiratete Franz Freiherr von Reyer und starb 1898 in Graz (vgl. Daten in Quellen 4: Bertsch, Anton Prokesch von Osten, 2005, S. 626-628).

    Speziell in der Zeit in Athen unterhielt das Ehepaar im Rahmen ihrer diplomatischen Repräsentationspflichten ein geselliges Haus, in dem Irene gelegentlich als Pianistin auftrat. Der Aufenthalt der Familie in Athen war nicht nur durch den Verlust von zwei Kindern geprägt, sondern auch vom Todesfall eines Freundes aus der Wiener Zeit, Josef Teltscher, der Irene Kiesewetter 1830 in einem Aquarell portraitiert hatte und der 1837 gemeinsam mit Jenger das Ehepaar Prokesch von Osten besuchte. Bei einem gemeinsamen Ausflug ertrank Teltscher am 7. Juli 1837 vor den Augen der Freunde im Meer (Quellen 4: Becker, Johann Baptist Jenger, 1978, S. 39).

    Das Familien- und Eheleben der Prokeschs blieb trotz des scheinbar glanzvollen Lebens von Krisen und Problemen nicht verschont. In Briefen zeigt sich jedoch immer wieder gegenseitige Zuneigung und Achtung. So sind beispielsweise nach mehr als 15 Jahre Ehe Anton Prokesch von Ostens ursprüngliche Zweifel in Hinblick auf die Verbindung mit der nicht adeligen Irene nicht mehr erkennbar, wenn er am 13. April 1849 aus Berlin an Irene schreibt: „Du bist meine Freude und mein Halt im Leben. Ich denke nie an den Tag, der uns vereinte, ohne ihn zu segnen“ (Quellen 2: Prokesch [der Jüngere], Aus den Briefen 1849-1855, 1896, S. 27). Nach Jahren des Reisens mit wechselnden Wohnorten, die durch die diplomatischen Dienste vorgegeben waren, erwarb das Ehepaar 1859 ein Haus in Graz. Heute befindet sich dieses „Palais Prokesch-Osten“ genannte Wohnhaus an der Ecke Elisabethstraße 38/Merangasse 11, welches Irene Kiesewetter zum endgültigen Zuhause wurde, während ihr Ehemann seinen diplomatischen Dienst in Konstantinopel ausübte.


    Irene Kiesewetter verh. Prokesch-Osten starb vier Jahre vor ihrem Ehemann am 7. Juli 1872 in Graz und wurde am Leonhardfriedhof in der Familiengrabstätte (Mausoleum erbaut von Theophil Hansen, Fresken von Joseph Tunner) beigesetzt.

    Würdigung

    Irene Kiesewetter wird in der musikwissenschaftlichen Literatur zumeist im Zusammenhang mit dem Themenbereich „Frauen im Umkreis von Franz Schubert“ genannt. Der Bogen ist jedoch weiter zu spannen. Sie zählte zu einer der aktivsten Pianistinnen im privaten Bereich des Musizierens und bewährte sich insbesondere vor ihrer Verheiratung im damaligen Wiener Salonleben. Die Hauskonzerte ihres Vaters Raphael Georg Kiesewetter fanden in den Jahren zwischen 1816 und 1842 statt. Es ist davon auszugehen, dass Irene Kiesewetter als junges Mädchen an diesen Veranstaltungen sowohl als Pianistin als auch als Zuhörerin und Gesprächspartnerin der übrigen Teilnehmer gestaltend mitwirkte.

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    Die für ihr Leben entscheidende Begegnung mit ihrem späteren Mann Anton Prokesch-Osten fand im Rahmen eines Hauskonzertes im Elternhaus 1830 statt, auch nach ihrer Verheiratung im Jahre 1832 frequentierte das junge Ehepaar den Salon bis zur Abreise nach Griechenland.

    Die einzelnen Auftritte Irene Kiesewetters bzw. Prokesch-Ostens sind im Gesamtzusammenhang ihres musik-kulturellen Handelns zu sehen und in Beziehung zu setzen zum Netzwerk innerhalb der künstlerisch interessierten, gebildeten Personen des jeweiligen Umfelds in Wien, Athen, Berlin und Graz. Ihre persönliche Bekanntschaft mit Franz Schubert führte zum gemeinsamen Musizieren einerseits, andererseits zählte Irene Kiesewetter auch zu den ersten, die die Spielpraxis von Schuberts Werk auch nach dessen frühem Tod in ungebrochener Tradition fortsetzten. Ihr Ehemann, der seinerseits von frühester Jugend mit Musik und Dichtung in Berührung kam, verschiedene musikalisch-literarischen Salons in Graz und Wien frequentierte und neben seinem Hauptberuf als Diplomat als Dichter und Schriftsteller tätig war, unterstützte und ergänzte die Aktivitäten seiner Frau. Doch letztlich blieb sie die meiste Zeit der gemeinsamen Jahre die Frau an seiner Seite, die den geforderten Repräsentationspflichten aufgrund ihrer umfassenden Bildung und ihrer musikalischen Kenntnisse idealerweise nachkam. Erst in ihrem letzten Lebensabschnitt, in ihrem Wohnhaus in Graz, dürfte sie eigenständig und selbstbestimmt Alltag und gesellschaftliches Leben kombiniert haben.

    Rezeption

    Wien um 1830

    Irene Kiesewetters musikalische Auftritte, besonders als Klavierspielerin, erfolgten im privaten und im halböffentlichen Bereich der musikalisch-literarischen Salons. Durch das musikalische Haus ihrer Eltern, in dem die damals nicht mehr aufgeführten Werke zu Gehör gebracht wurden und der Allgemeinheit unbekannte Musik der Vergangenheit erklang, wuchs Irene schon als Kind von Musik umgeben auf. Neben Alter Musik wurde dort auch die aktuelle Musik von Zeitgenossen aufgeführt. Nach Schuberts frühem Tod im Jahre 1828 war das Haus Kiesewetter wohl auch jener Ort, in dem die Werke Schuberts, besonders die Lieder, regelmäßig zu Gehör gebracht wurden.

    Auch außerhalb ihres Zuhauses gab es für Irene Gelegenheit zu musizieren. Bei musikalischen Abenden im Hause der Schauspielerin und Schubert-Freundin Sophie Müller spielte sie in den 1820er-Jahren häufig Klavier, sie begleitete sowohl Franz Schubert, wenn dieser als Liedsänger in Erscheinung trat, sowie den Sänger Baron Karl von Schönstein, wie ein Zeitzeuge, Leopold Sonnleithner, berichtet (Quellen 3: Sonnleithner, „Wien, 1. Nov. 1857. Nachtrag 5. März 1858.“ In: Deutsch, Schubert. Die Erinnerungen seiner Freunde, 1983, S. 132-142).

    Bei einer von Sophie Müller am 26. Oktober 1827 gegebenen Abendgesellschaft trug Irene Kiesewetter die vierhändige Komposition von Franz Schubert „Divertissement à l'hongroise“ op. 54, D 818 gemeinsam mit Johann Baptist Jenger vor (Hilmar 1997, S. 52). In einem Brief an Marie Pachler nimmt Jenger Bezug auf dieses Ereignis, als er am 26. Oktober 1827 schreibt: „An Ihre Lieblingin [sic] Sophie Müller und Vater werde ich heute Abend Ihre Grüße entrichten. Wir haben bei ihr eine kleine musikalische Soiree, wo ich mit einem Fräulein, was Sie so gerne schon lange kennen möchte – weil sie von der Müller ihrem Vater, von Freund Schwammerl [Franz Schubert] und mir schon so viel Liebes und Gutes von Ihnen gehört hat – das Divertissement Hongroise spielen werde. Dieses Fräulein ist Irene Kiesewetter, deren eigenhändig geschriebenen Name Sie, liebe gnädige Frau, auf dem obgenannten Divertissement, was Sie in Händen haben, finden werden.“ (zitiert nach Quellen 3: Deutsch, Dokumente, 1964, S. 461)

    Auch als Interpretin von Klavierwerken Ludwig van Beethovens wird Irene Kiesewetter genannt: Am 16. Oktober 1830 berichtet ihr zukünftiger Ehemann Anton Prokesch-Osten beispielsweise Folgendes: „Mit den Meinigen, der Familie Kiesewetter, Schönstein […], Jenger und Teltscher […] im Garten des Dr. Menz, eines Grazers, auf der Siebenbrunnerwiese zu Mittag und abends. Die schöne Irene spielt mit Jenger die Pastoralsinfonie und die Ouverture zu Egmont. Schönstein singt einige zwanzig Schubertsche Lieder.“ (Qellen 2: Prokesch [der Jüngere], Aus den Tagebüchern 1830-1834, 1909, S. 55)

    Auch nach der Verheiratung setzten sich die musikalischen Abende im Leben des jungen Ehepaares fort, fast täglich wurden musikalische Veranstaltungen besucht oder fanden solche im eigenen Heim statt.

    Irene Kiesewetter dürfte gelegentlich komponiert haben, denn am 9. Dezember 1831 notiert Anton Prokesch-Osten: „Irene überrascht mich mit einer Abendgesellschaft, zu der Gentz, Paar und die beiden Kudelkas geladen sind. Sie trägt mehrere Musikstücke vor; Vogel singt Schubertsche Lieder, Tietze ein paar Lieder von Lachner, Worte von mir und mein ´Leiermädchen´ von Irene in Musik gesetzt.“ (Quellen 2: Prokesch [der Jüngere], Aus den Tagebüchern 1830-1834, 1909, S. 118)

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    Athen 1834-1849

    Während des Aufenthalts in Athen wurde das Anwesen der Familie Prokesch (Wohnhaus mit 27 Zimmern, Nebengebäuden und Gärten) in den späten 1830er-Jahren zum Treffpunkt der geistigen Elite in Griechenland, wobei auch zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus den verschiedensten Ländern Europas zu Gast waren (vgl. dazu Quellen 4: Moutafidou, Villa und Landgut des Prokesch von Osten in Athen, 1999, S. 291-295). Zu nennen sind beispielsweise die aus Graz stammende Pilgerin Maria Schuber (vgl. dazu Quellen 4: Mylonaki, Die steirische Pilgerin Maria Schuber in Griechenland, 2000, S. 309-316), die in Griechenland verheiratete Deutsche Bettina Schivas (geb. Savigny), aber auch hochrangige Politiker, die geschäftlich mit Anton Prokesch verkehrten. So wurde den Gästen im Hause Prokesch offensichtlich Beethoven geboten, denn Bettina Schinas schreibt am 26. April 1835 an ihre Eltern: „die Prokesch sehr schön, Sachen von Beethoven gespielt“ (Quellen 3: Steffen, Bettina Schinas geb. von Savigny. Leben in Griechenland 1834 und 1835, 2002, S. 204). Dokumentiert sind ferner Aussagen von Fürst Hermann von Pückler-Muskau, der sich vom Klavierspiel Irenes beeindrucken ließ und das gesellschaftliche Leben im Hause Prokesch beschreibt (Quellen 2: Pückler-Muskau, Briefwechsel und Tagebücher, 1840, S. 256-57). Auch Hans Christian Andersen wurde gastfreundlich empfangen, genauso wie Franz Grillparzer und Jakob Philipp Fallmerayer (Bertsch, Anton Prokesch von Osten, 2005, S. 259-260).


    Berlin und Frankfurt 1849-1855 bzw. 1859

    1849 wurde Anton Prokesch Osten nach Berlin versetzt. Irene und die Kinder blieben zunächst noch in Athen, übersiedelten verspätet nach Berlin und folgten Anton zunächst nicht nach Frankfurt, wo er ab 1853 arbeitete. In Berlin war das Haus der Familie Prokesch wieder Treffpunkt für die geistige Elite und für Irene Kiesewetter ergaben sich zahlreiche einschlägige Kontakte (darunter Alexander von Humboldt) und musikalische Begegnungen z.B. mit Giacomo Meyerbeer und Franz Liszt (Quellen 4: Bertsch, Anton Prokesch von Osten, 2005, S. 229 und 341).


    Graz 1859-1872

    Während Anton Prokesch-Osten seine diplomatischen Dienste in Konstantinopel ausübte, blieb seine Ehefrau in Österreich. Spätestens 1859 übersiedelte Irene Kiesewetter, verh. Prokesch-Osten nach Graz. Das ursprünglich von Franz Hauberrisser erbaute Gebäude in der Grazer Elisabethstraße, das im Auftrag der Familie Prokesch von Theophil Hansen umgebaut wurde, stand namentlich im Besitz Irene Prokeschs und wurde regelmäßig von Besuchern aus dem In- und Ausland frequentiert. Neben Theophil Hansen, dem auch mit dem Familien-Mausoleum beauftragten dänischen Architekten, wurden auch die Besucher aus den Athener Jahren Hans Christian Andersen, Fürst Pückler-Muskau u.a. gastfreundlich in Graz empfangen. Auch hier gab es eine Fortsetzung der musikalisch-literarischen Abende (Quellen 4: Bertsch, Anton Prokesch von Osten, 2005, S. 601).


    Widmungswerke (siehe auch unten: Werkverzeichnis)

    Die Verbundenheit Franz Schuberts mit dem Hause Kiesewetter in den 1820er-Jahren zeigt sich konkret im Zusammenhang mit drei Kompositionen, die für Irene Kiesewetter entstanden. Hervorzuheben sind die Kantate „Al par del ruscelletto“ D 936 (4 Solostimmen und gem. Chor, vierhändige Klavierbegleitung, wahrscheinlich für Schubert und Jenger am Klavier gedacht), die Schubert zur Genesung von einer schweren Krankheit (auf die Jenger in seinem Brief Bezug nimmt, s.o.) für Irene 1827 komponierte. Weiters ist „Der Tanz“ D 826 (für 4 gemischte Stimmen und Klavier) zu nennen, dessen Text (vermutlich von Kolumban Schnitzer v. Meerau) den Anlass dieser Gelegenheitskomposition andeutet. Offensichtlich gab Irene Kiesewetters Vater die Komposition bei Schubert in Auftrag, da dem jungen Mädchen eine aus damaliger Sicht zu intensive Tanzbegeisterung nachgesagt wurde. Diese wurde als Gefahr für die Jugend angesehen, wobei gleichzeitig auf einen lebensbedrohlichen Zustand (vielleicht die überwundene Krankheit Irenes) hingewiesen wird (Quellen 2: Kreissle, Schubert, 1865, S. 373).


    „Es redet und träumet die Jugend so viel

    von Tanzen, Galoppen, Gelagen,

    auf einmal erreicht sie ein trügliches Ziel,

    da hört man sie seufzen und klagen.

    Bald schmerzet der Hals und bald schmerzet die Brust

    verschwunden ist alle die himmlische Lust;

    ´Nur diesmal noch kehr' mir Gesundheit zurück!´

    so flehet vom Himmel der hoffende Blick!


    Jüngst wähnt auch ein Fräulein mit trübem Gefühl,

    schon hätte ihr Stündchen geschlagen.

    Doch stand noch das Rädchen der Parze nicht still,

    nun schöner die Freuden ihr tagen.

    Drum Freunde erhebet den frohen Gesang,

    es lebe die teure Irene noch lang,

    sie denke zwar oft an das falsche Geschick,

    doch trübe sich nimmer ihr heiterer Blick.“ (Quellen 3: Deutsch, Dokumente, 1964, S. 291-292)


    Auch andere Komponisten widmen Irene Kiesewetter (Prokesch-Osten) im Laufe ihres Lebens Werke (siehe Werkverzeichnis). Da es sich ausschließlich um Klavierkompositionen handelt, kann davon ausgegangen werden, dass diese auch von ihr gespielt wurden.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen

    Irene Kiesewetter dürfte gelegentlich komponiert haben, wobei keine Kompositionen in Druck erschienen und zur Zeit nur ein Werk aus den Primärquellen (Aus den Tagebüchern des Grafen Prokesch von Osten 1830-1834, S. 118) erschlossen werden kann:

    Irene Kiesewetter, Leiermädchen. Text: Anton Prokesch-Osten, 1831.

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    Werke gewidmet Irene Kiesewetter (Irene Prokesch-Osten)


    Arnold, Johann Baptist. Terzettino [Für Sopran, Alt, Tenor u. Klavier] composto e dedicato alla nobil Signorina Irene di Kiesewetter da Giovanni Battista Arnold. Poesia di Metastasio, Partitur, Handschrift, 4 Bl. ÖNB


    Adelburg, August von. Une soirée aux bords du Bosphore: Fantaisie nocturne contenant Introduction, Chanson Turque, Barcarolle pour Violon avec accompagnement de Piano. Op. 8. A Son Excellence Mme. La Baronne de Prokesch-Osten. Prague: Ad. Christoph & W. Kuhé, [1838].


    Von Franz Schubert (chronologisch):

    Franz Schubert. [Acht] Variationen über ein französisches Lied für das Piano-Forte auf vier Hände verfasst, und dem Hrn Ludwig van Beethoven zugeeignet von seinem Verehrer und Bewunderer Franz Schubert, entstanden Želiezovce 1818, September 1818. „Le bon Chevalier“; Erstdruck des Werkes von A. Diabelli et Comp. (Plattennummer 996) 1822. Titelblatt: mit eigenhändiger Widmung Schuberts: „Frz. Schubert / für Fräulein Irene v. Kiesewetter“. NGA: VII,1/1: Werke für Klavier zu vier Händen I vorgelegt von Walburga Litschauer, Kassel: Bärenreiter 2007 (BA 5558).


    Schubert, Franz. Cantate zur Feier der Genesung der Irene Kiesewetter. Tenor I und II, Bass I und II, Gemischter Chor, Klavier I und II. Text anonym: „Al par del ruscelletto chiaro“, 26. Dezember 1827, Autograph ohne Titel [SchubertOnline], D 936, Erstdruck: Alte Schubert GA 1892. Schubert Gesamtausgabe: III/2/a: Mehrstimmige Gesänge für gemischte Stimmen vorgelegt von Dietrich Berke (Anhang vorgelegt von Dietrich Berke und Michael Kube). Kassel: Bärenreiter, 1996 und 2006 (BA 5536).


    Schubert, Franz. Der Tanz. Sopran, Alt, Tenor, Bass, Klavier. Text: Kolumban Schnitzer von Meerau (?), Es redet und träumet die Jugend so viel, 1827 oder Anfang 1828. Autograph ohne Titel [SchubertOnline], D 826, Erstdruck: Alte Schubert Gesamtausgabe 1892. NGA: III/2/a: Mehrstimmige Gesänge für gemischte Stimmen vorgelegt von Dietrich Berke (Anhang vorgelegt von Dietrich Berke und Michael Kube). Kassel: Bärenreiter, 1996 und 2006 (BA 5536)

    Repertoire

    Irene Kiesewetter widmete sich als Klavierspielerin besonders den Werken Franz Schuberts. Zu dessen Lebenszeiten und in den Jahren nach dessen Tod wurde sie von Zeitzeugen als Klavier-Begleiterin von Schubert-Liedern, bei Lied-Vorträgen mit Karl Schönstein und beim Vierhändigspiel von Schuberts Werken mit Johann Baptist Jenger genannt (vgl. Quellen 4: Hilmar 1997). Außerdem waren verschiedene Klavierwerke Ludwig van Beethovens Bestandteil des Repertoires von Irene Kiesewetter, wobei derzeit jedoch keine exakten Angaben vorliegen. Hinzu kamen – wie damals üblich – Bearbeitungen von Orchesterwerken verschiedener Komponisten für Klavier.

    Quellen

    1. Handschriften


    Briefe von und an Irene Kiesewetter bzw. Prokesch von Osten u.a. in Wien (Wienbibliothek, Österreichische Nationalbibliothek, Haus- Hof und Staatsarchiv Wien) und Graz (Steiermärkisches Landesarchiv, Universitätsbibliothek Graz).

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    2. Gedruckte Primärquellen 1834-1920: Briefausgaben, Tagebücher u.ä. (chronologisch nach Erscheinungsjahr)


    Münch, Ernst (Hg.). Julius Schneller's Lebensumriss und vertraute Briefe an seine Gattin und seine Freunde. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 1. Leipzig und Stuttgart: J. Scheible, 1834.


    Münch, Ernst (Hg.). Briefwechsel zwischen Julius Schneller und seinem Pflegesohn Prokesch. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 2. Leipzig und Stuttgart: J. Scheible, 1834.


    Pückler-Muskau, Hermann von. Südöstlicher Bildersaal. Band 2. Griechische Leiden. 1. Teil. Stuttgart: Hallberger´sche Verlagshandlung, 1840.


    Pückler-Muskau, Hermann von. Briefwechsel und Tagebücher: aus dem Nachlaß des Fürsten Pückler-Muskau. Ludmilla Assing-Grimelli (Hg.). Band 9. Berlin: Wedekind & Schwieger, 1876.


    Prokesch, Anton [der Jüngere] (Hg). Aus dem Nachlasse des Grafen Prokesch-Osten k.k. österreichischer Botschafter und Feldzeugmeister. Briefwechsel mit Herrn von Gentz und Fürsten Metternich. Band 1. Wien: C. Gerold's Sohn, 1881.


    Prokesch, Anton [der Jüngere] (Hg). Aus den Briefen des Grafen Prokesch von Osten (1849-1855). Wien: Carl Gerold´s Sohn, 1896.


    Prokesch, Anton [der Jüngere] (Hg). Aus den Tagebüchern des Grafen Prokesch von Osten 1830-1834. Wien: Christoph Reißer´s Söhne, 1909.


    Fournier, August und Arnold Winkler (Hg.). Tagebücher von Friedrich von Gentz (1829-1831). Zürich/Leipzig/Wien: Amalthea Verlag, 1920.



    3. Gedruckte Primärquellen allgemein 1832-2002 (chronologisch nach Erscheinungsjahr)


    Mailáth, Johann (Hg.). Leben der Sophie Müller, weiland K. K. Hofschauspielerin und nachgelassene Papiere. Wien: Ferdinand Ullrich, 1832.


    Münch, Ernst (Hg.). Julius Schneller´s Ideen über Literatur und Kunst, nebst ausgewählten Dichtungen […]. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 3. Leipzig und Stuttgart: J. Scheible, 1834.


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    Kreissle, Heinrich von. Franz Schubert. Wien: Carl Gerold’s Sohn, 1865.


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    Deutsch, Otto Erich. Schubert. Die Erinnerungen seiner Freunde. Leipzig 1957. Unveränderter Nachdruck der Auflage. Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 1983.


    Deutsch, Otto Erich. Schubert. Die Dokumente seines Lebens gesammelt und erläutert von Otto Erich Deutsch. Franz Schubert. Neue Ausgabe sämtlicher Werke. Serie VIII: Supplement. Band 5. Kassel: Bärenreiter, 1964.


    Steffen, Ruth (Hg.). Bettina Schinas geb. von Savigny. Leben in Griechenland 1834 und 1835. Briefe und Berichte an ihre Eltern. Münster: Cay Lienau, 2002.



    4. Sekundärliteratur (chronologisch)


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    5. Portraits


    Irene Kiesewetter

    Josef Teltscher, Aquarell 1830 (ebenso von Anton Prokesch v. Osten). Vgl. Angaben dazu in Quellen 3: Schubert-Ausstellung, 1897, S. 62.


    Irene Prokesch

    Lithographie von Franz Eybl, 1834

    Foto einer Originallithographie der Neuen Galerie (Graz), Wikipedia

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Irene_Prokesch-Osten_Eybl_Litho.jpg


    Josef Kriehuber 1849

    https://search.onb.ac.at/primo_library/libweb/action/display.do?tabs=detailsTab&ct=display&fn=search&doc=ONB_gideon_oaibaa3781452&indx=3&recIds=ONB_gideon_oaibaa3781452&recIdxs=2&elementId=2&renderMode=poppedOut&displayMode=full&frbrVersion=&frbg=&&vl(1UI0)=contains&dscnt=0&scp.scps=scope%3A%28ONB_gideon%29&tb=t&vid=ONB&mode=Basic&srt=rank&tab=onb_bildarchiv&dum=true&vl(freeText0)=kiesewetter-wiesenbrunn&dstmp=1516967879657



    6. Links


    Herold, Anja. „Kiesewetter von Wiesenbrunn, Irene, verh. Prokesch-Osten“. In: Instrumentalistinnenlexikon. Freia Hoffmann (Hg.). Stand 2008. http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/kiesewetter-von-wiesenbrunn-irene (abgerufen am 8.9.18).

    Forschung

    Zumeist findet Irene Kiesewetter Erwähnung in der Schubert-Literatur. Jedoch fehlen detaillierte Darstellungen ihres Lebens und Wirkens. Die Monographie von Daniel Bertsch über Anton Prokesch von Osten (Quellen 4: Bertsch, 2005) gibt fundierten Einblick in das gemeinsame Leben des Ehepaars, wenngleich die musikkulturelle Betätigung nur am Rande behandelt wird. Die handschriftlichen Quellen aus diversen Archiven (siehe Quellen 1.) sind diesbezüglich zum Großteil noch nicht ausgewertet.

    Forschungsbedarf

    Zumeist wird Irene Kiesewetter mit den von Schubert für sie komponierten Werken in Verbindung gebracht. Das sind die „Kantate“ D 936 und „Der Tanz“ D 826. Die alleinige Assoziation Irene Kiesewetters mit diesen Werken greift jedoch zu kurz. Vielmehr wäre es ein Desideratum, das gesamte musikalische Umfeld Irene Kiesewetters zu erschließen, angefangen von ihrer pianistischen Ausbildung (über die bislang nichts bekannt ist), bis hin zu dem von ihr gespielten Repertoire und ihren möglichen Kompositionen. Von Bedeutung wären auch Nachforschungen zur Funktion ihres Netzwerkes im kulturellen Leben und zum Salongeschehen in den jeweiligen Städten. Weiters wäre zu hinterfragen, ob das Bild der klavierspielenden Ehefrau und Mutter, die der von ihr in den höheren Kreisen geforderten und erwarteten Repräsentationsrolle perfekt entsprach, nicht doch Sprünge aufweist: Zu ergründen wäre in diesem Zusammenhang auch, ob individuelle künstlerische Ansätze innerhalb der musikkulturellen Gestaltungsmöglichkeiten, die Irene Kiesewetter bzw. Prokesch-Osten zweifellos hatte, erkennbar und herauszufiltern wären.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 122328769
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 141479922

    Autor/innen

    Ingeborg Harer


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 18.09.2018


    Empfohlene Zitierweise

    Ingeborg Harer, Artikel „Irene Kiesewetter“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 18.9.2018.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Irene_Kiesewetter