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  • Ilona Szoyer

    von Ferenc János Szabó
    Namen:
    Ilona Szoyer
    Geburtsname: Ilona Szoyer
    Varianten: Ilona Ilona Szoyer, Ilonka Szoyer, Ilonka Ilonka Szoyer
    Lebensdaten:
    geb. in Debrecen, Ungarn
    gest. in Budapest, Ungarn
    Tätigkeitsfelder:
    Opern- und Operettensängerin (Sopran)
    Charakterisierender Satz:

    „Nagy ajánló levele Szoyer Ilonkának ifjusága és szépsége. (…) Hozzájárul mindehhez, hogy szépen csengő, kellemes énekhangja van, a mely jól iskolázott és a melylyel kitünően s takarékosan tud bánni. A nagy nehézségeket az énekben játszva leküzdi; hangja minden modulaczióra képes és minden regiszterben egyformán tiszta, kellemes, szivhez szóló.“


    „Ein großes Empfehlungsschreiben von Ilonka Szoyer ist ihre Jugend und Schönheit. (…) Noch dazu hat sie eine wohlklingende und angenehme Singstimme, die gut ausgebildet ist und mit der sie vorzüglich und sparsam umzugehen weiß. Sie besiegt leichthin die großen gesanglichen Schwierigkeiten, ihre Stimme ist zu allen Modulationen fähig und ist in allen Lagen gleichermaßen klar, angenehm und zu Herzen gehend.“


    (t.). „Angot asszony leánya“. [Die Tochter von Frau Angot] In: Egyetértés Jg. 34. Nr. 292. (24. Oktober 1900.). S. 4.


    Profil

    Ilona Szoyer war eine berühmte Sopranistin der Jahrhundertwende in Budapest. Zwar waren die künstlerischen Höhepunkte ihrer Karriere mit dem Budapester Opernhaus verbunden, aber vor allem durch Operettenrollen in Wien und Budapest wurde sie sehr populär. Während ihrer Opernkarriere hatte sie zahlreiche in- und ausländische Gastauftritte, dann wechselte sie vom Opernhaus zur Budapester Volksoper. Sie war die Ehefrau des Dirigenten und Volksoperndirektors Dezső Márkus. Ihre Tochter, Ily Márkus-Szoyer, schlug ebenfalls die Laufbahn als Sängerin ein.

    Orte und Länder

    Ilona Szoyer studierte in Budapest, debütierte in Leipzig und wirkte anschließend als Operetten- und Opernsängerin in Wien und Budapest. Sie gab Gastspiele in verschiedenen österreichischen, ungarischen und deutschen Städten.

    Biografie

    Ilona Szoyer wurde am 24. Juli 1880 in Debrecen geboren. Es gibt kaum Informationen über ihre Ausbildung, höchstwahrscheinlich hatte sie Privatunterricht in Budapest (Kutsch-Riemens), laut anderen Quellen (Schöpflin 1929) in Wien bei Karl Geiringer genommen.

    Ihr Debüt feierte Szoyer am Neuen Theater in Leipzig als Marie in „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing am 12. August 1899, am nächsten Tag sang sie eine kleinere Rolle in „Lohengrin“ von Richard Wagner, doch sie wurde nicht verpflichtet. Szoyer wandte sich danach der Operette zu. Schon zwei Monate später trat sie als Mitglied des Wiener Carltheaters bei einer Festvorstellung zur Feier des Geburtstages von Johann Strauß jun. auf, wo sie die Soubrettenrolle der Franziska Cagliari in der Uraufführung der komischen Operette „Wiener Blut“ (26. Oktober 1899) sang. Die Operette wurde im Oktober und November en suite aufgeführt. Unmittelbar daran schloss die Aufführung der Operette „Die Geisha“ (25. November 1899) an, worin Szoyer erneut in einer Soubrettenrolle, nämlich als Molly Seamore, zu hören war. In der zweiten Hälfte der Saison 1899–1900 hatte sie schon weniger Auftritte in Wien, sie trat dort zum letzten Mal am 29. Februar 1900 in Franz von Suppés „Das Modell“ als Stella auf.


    Anschließend kehrte sie als erfolgreiche Operettensängerin nach Ungarn heim und wurde im August 1900 Mitglied des Magyar Színház [Ungarischen Theaters]. Ihre Debüt-Rolle war Clairette in „La fille du Mme Angot“ von Charles Lecocq im Oktober 1900. In der Saison 1900-1901 errang sie große Erfolge als Operettensängerin in Budapest und in anderen ungarischen Städten in Hauptrollen wie Rosalinde („Die Fledermaus“ von Johann Strauss) oder Yum-Yum („The Mikado“ von Arthur Sullivan).


    Sie verließ das Ungarische Theater im November 1901 nach einem Vertragsbruch. Sie sollte in einer Aufführung der Operette „The Geisha“ gemeinsam mit Sári Fedák, dem umjubelten jungen Operettenstar, aufzutreten, aber sie hatte die Aufführung abgesagt. Ihre publizierte Begründung war eine Erkrankung, aber wahrscheinlich gab es einen Primadonnenstreit im Hintergrund. Laut einiger Zeitungsartikel hatte Szoyer zuvor schon gesagt: „An dem Tag, an dem Sári Fedák ins Ungarische Theater kommt, werde ich hier rausgehen.“ Nach dem Vertragsbruch strengte das Theater gegen Szoyer ein Gerichtsverfahren an, der Prozess wurde erst 1907 abgeschlossen; dem Theater wurde zugesprochen, im Recht gewesen zu sein.


    Nachdem das Ungarische Theater verlassen hatte, trat Ilona Szoyer mehrfach als Gast in verschiedenen ungarischen Städten auf, darunter Kassa (Košice) und Debrecen. Während dieser Gastspiele bekam sie auch eine Einladung ans Königliche Ungarische Opernhaus in Budapest.


    Szoyer trat an der Budapester Oper zum ersten Mal am 14. Januar 1902 auf. Ihre ersten Rollen waren wieder Soubrettenrollen wie Rose Friquet in Aimé Maillarts „Les dragnos de Villars“ und Adéle (Johann Strauss jun, „Die Fledermaus“), und virtuose Koloraturrollen wie Maria (Gaetano Donizetti, „La figlia del reggimento“) und die dreifache Hauptrolle in „Les Contes d’Hoffmann“ von Jacques Offenbach. Schon im Mai 1902 trat sie in der ungarischen Erstaufführung der Oper „Fedora“ von Umberto Giordano als Olga auf. Danach war sie vom 1. Juni 1902 bis 30. Juni 1912 Ensemblemitglied des Hauses. In ihren ersten Saisons an der Oper sang sie neben die oben genannten Rollen unter anderem die Rollen der Zerlina (W. A. Mozart, „Don Giovanni“) und Papagena (W. A. Mozart, „Die Zauberflöte“) und Hosenrollen wie Oscar (Giuseppe Verdi, „Un ballo in maschera“), Urbain (Giacomo Meyerbeer, „Les Huguenots“), Cherubino (W. A. Mozart, „Le nozze di Figaro“), Mátyás in Ferenc Erkels „László Hunyadi“ und Georg in Karl Goldmarks „Götz von Berlichingen), und virtuose frühromantische Frauenrollen wie Ännchen (Carl Maria Weber, „Der Freischütz“) und Rosina in „Il barbiere di Siviglia“ von Gioacchino Rossini. Bis 1904 studierte sie solche Rollen ein und führte sie auf.


    Ihre Stimme wurde bereits bei den ersten umfänglichen Budapester Aufnahmesitzungen der Gramophone & Typewriter Co. im Sommer 1902 verewigt. Später, im Jahre 1905, sang sie für Lyrophon, Odeon ITM und Dacapo weitere Aufnahmen ein.


    Am 16. Oktober 1904 verlobte sich Ilona Szoyer mit dem Operndirigenten Dezső Márkus, das Paar heiratete am 19. Juni 1905. Die Künstlerehe wurde in der Presse gründlich – obgleich wohlmeinend – verspottet. Im Neuen Politischen Volksblatt (Budapest) wurde auch eine Karikatur mit folgendem Vers veröffentlicht:


    „Ilona Szoyer und Desider Markus.


    Sie hat getanzt, sie hat gesungen,

    Er schlug den Takt hiezu genau;

    Es war ihm tief ins Herz gedrungen,

    Jetzt wird sie seine kleine Frau.


    Doch mit dem Tanzen, Dirigiren [sic]

    Wird’s später umgekehrt wohl sein.

    Dann wird wohl sie den Taktstock führen

    Und er tanzt nach dem Takte fein.“


    Ihr erstes Kind Imre Márkus wurde vor 1908 geboren. Das zweite Kind, die spätere Sängerin Ily Márkus-Szoyer, kam während des Ersten Weltkriegs, am 13. August 1915, Zur Welt.


    Von November 1904 an studierte Ilona Szoyer ernste, lyrische Sopranpartien wie Mária Gara im „Hunyadi László“ von Ferenc Erkel, Juliette in „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod, Marguerite im „Faust“ von Charles Gounod und Micaëla in George Bizet’s „Carmen“ ein. Sogar eine pantomimische Rolle, die Pierrette in „Der Schleier der Pierrette“ von Ernő Dohnányi, spielte sie.


    Im Jahre 1905 sang sie in der Ungarischen Erstaufführung der Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini die Partie der Musetta. Die Oper wurde in doppelter Besetzung einstudiert: Szoyer teilte ihre Partie mit Gizella Blätterbauer, aber die Presse lobte Szoyers Darstellung und Gesang weitaus mehr. Nach diesem Erfolg erhielt sie die Titelrolle in der ungarischen Erstaufführung der „Manon“ von Jules Massenet (abwechselnd mit Elza Szamosi, die die Mimi in der oben genannten Erstaufführung gesungen hatte). In dieser Zeit war sie eine der meist gefragten Opernsängerinnen.


    Wahrscheinlich konnte sie bis 1912 zwischen Oper und Operette keine endgültige Entscheidung fällen. Sie trat regelmäßig bei Gastspielen als Operettensängerin in zahlreichen ungarischen Städten auf und übernahm dabei nicht nur internationale Operettenrollen wie z.B. Saffi (Johann Strauss jun, „Der Zigeunerbaron“), Adéle (Johann Strauss jun, „Die Fledermaus“), Rosalinde (Johann Strauss jun, „Die Fledermaus“), Olympie (Jacques Offenbach, „Les contes d’Hoffmann“) oder Denise (Hervé, „Mam’zelle Nitouche“), sondern sang auch in neueren Operetten wie „Bob herceg“ [Prinz Bob] von Jenő Huszka und „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár. Ihr Repertoire zeigt, dass sie – während ihrer Tätigkeit als Opernsängerin – auch neue Operettenrollen einstudierte, um Gastspiele zu geben. Nach zwei Gastauftritten im Mai 1906 am Königlichen Opernhaus in Berlin lud Joseph Gregor Ilona Szoyer für mehrere Wochen an die Komische Oper ein, um im Februar und März 1908 in den Festvorstellungen der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss jun. die Rolle der Adele zu singen.


    Nach 1912 kehrte Szoyer wieder ganz zur leichteren Gattung zurück. Laut zeitgenössischen Zeitungsartikeln wurde diese Entscheidung nicht als endgültig betrachtet – sie blieb es jedoch. Szoyers Ehemann Dezső Márkus gründete 1911 ein neues Musiktheater, genannt Népopera [Volksoper], er war Direktor und Dirigent dieser neuen Opernbühne in Budapest. Kurz nach der Gründung wurde auch Ilona Szoyer an die Volksoper verpflichtet. Sie trat dort vor allem als Operettensängerin auf, sowohl in klassischen Operetten wie „Die Fledermaus“ von Johann Strauss jun., Robert Planquette’s „Rip van Winkle“ und „Les cloches de Corneville“ als auch in neueren Werken wie „Tengerész Kató“ [„Die Marine-Gustl“] von Georg Jarno und „Kis király“ [„Kleiner König“] von Imre Kálmán. Das Ensemble der Volksoper wurde im August 1914 aufgelöst, danach gab die Volksoper nur noch einige wenige Vorstellungen. Ilona Szoyer trat im Frühling 1915 von der Bühne ab.


    Ihre spätere Laufbahn ist völlig unbekannt. Ihr Ehemann war nach dem ersten Weltkrieg Dirigent und Direktor des Stadttheaters, das im selben Gebäude untergebracht war, in dem sich zuvor die Volksoper befunden hatte, Nach 1918 sind jedoch keine Auftritte von Szoyer mehr dokumentiert.


    Ilona Szoyer starb im Februar 1956 in Budapest.

    Quellen

    Archivdokumente


    Dokumente des Prozesses wegen Szoyer’s Vertragsbruch 1901, Stadtarchiv Budapest: HU BFL - VII.2.c - 1902 - I.0869.


    Rezensionen: Archiv der Staatsoper Budapest, Pressesammlung



    Literatur


    Incze, Henrik – Hervay, Frigyes (Hg.): Magyar Színészeti Alamanch. Az 1901. évre. Második évfolyam. Budapest: Thália, 1902. S. 38–40.


    „Szoyer Ilona“. In: Magyar szinmüvészeti lexikon. A magyar színjátszás története. Aladár Schöpflin (Hg.). [Budapest:] Országos Színészegyesület és Nyugdíjintézete, [1931.] Band 4, S. 318.


    Szabolcsi, Bence, Tóth, Aladár (Hg.), Zenei Lexikon. A zenetörténet és zenetudomány enciklopédiája. Második, pótlással bővített kiadás. Budapest: Győző Andor, 1935. Band 2. S. 581.


    Bartha, Dénes (Hg.): Zenei Lexikon. Átdolgozott új kiadás. Budapest: Zeneműkiadó Vállalat, 1965. Band 3. S. 468.


    Staud, Géza (Hg.): A budapesti Operaház 100 éve. Budapest: Zeneműkiadó, 1984.


    Székely, György (Hg.), Magyar Színművészeti Lexikon. Budapest: Akadémiai kiadó, 1994. S. 773.


    Erényi, Nándor, „Szinházakról, szinészekről“. In: Budapesti Ujságirók almanachja 1908-ra, Sándor Szerdahelyi (Hg.). [Budapest]: A Budapesti Ujságirók Egyesülete, [1908.]. S. 372.


    Karl Joseph Kutsch/Leo Riemens, Großes Sängerlexikon. 3. erweiterte Auflage. Bd. 5. Bern und München: K. G. Saur, 1997. S. 3414.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 268650922
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 1026896819

    Autor/innen

    Ferenc János Szabó


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 12.04.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Ferenc János Szabó, Artikel „Ilona Szoyer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 12.4.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Ilona_Szoyer