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  • Hedwig Materna

    von Jutta Heise
    Hedwig Materna – Mainz (Brünnhilde)
    Namen:
    Hedwig Materna
    Geburtsname: Hedwig Materna
    Ehename: Hedwig Hirsch-Materna
    Lebensdaten:
    geb. in Graz, Österreich-Ungarn
    gest. in München, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Gesangspädagogin, Musikschriftstellerin
    Charakterisierender Satz:

    „Die hoheitsvolle, walkürenhafte Erscheinung, die gewaltige und doch so schmiegsame, jeden Ausdrucks fähige Stimme und die groß angelegte Darstellung verbanden sich zu einer Gesamtwirkung, der sich niemand entziehen konnte. Mit ihrer gestrigen Brünnhilde hat sie sich in den gegenwärtig nur wenige Vertreterinnen umfassenden Kreis der ersten Wagnersängerinnen gestellt.“


    (Mainzer Neueste Nachrichten 17.3.1897)


    Profil

    Hedwig Materna war lange Jahre festes Mitglied im Opernensemble in Mainz, sang dort fast alle großen Wagnerpartien und qualifizierte sich somit zur Wagnersängerin des Hauses. Darüber hinaus betätigte sie sich als Gesangspädagogin mit neuen Ansätzen. Ihre musikschriftstellerischen Tätigkeiten fanden allgemein Beachtung.

    Orte und Länder

    In ihrer Geburtsstadt Graz erhielt Hedwig Materna ihren ersten Gesangsunterricht und trat wahrscheinlich dort das erste Mal auf. Weitere Studien folgten in Wien. Nach Konzerten u.a. in Maribor ging die Sängerin für ein Jahr zu einem Engagement nach Leipzig. Seit 1896 bis zum Ende ihrer Gesangskarriere 1911 war sie bis auf eine kurze Unterbrechung festes Ensemblemitglied des Stadttheaters in Mainz. In den Jahren 1898-1900 sang die Künstlerin in Zürich. Gastspiele führten sie u.a. nach Bayreuth.

    Biografie

    Hedwig Materna wurde am 4. September 1867 in Graz geboren. Ihr Vater, der älteste Bruder der Sängerin Amalie Materna, war Postkontrolleur und Telegraphist. Ihren ersten Gesangsunterricht erhielt Hedwig Materna in ihrer Heimatstadt bei Louise Weinlich geb. Tipka. Anschließend setzte sie ihre Studien bei Jella Fichner in Wien fort. Möglicherweise hatte auch ihre Tante Amalie Materna Einfluss auf die Gesangsausbildung und Bühnendarstellung ihrer Nichte. Sie galt zu dieser Zeit bereits als berühmte Sängerin, war an der Wiener Hofoper engagiert und trat regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen auf. So bestand sicher für Hedwig Materna die Chance, an Proben und Aufführungen der Tante in Wien und Bayreuth teilzunehmen (Kramer 2016, S. 238).


    Im Lebenslauf der Sängerin gibt es bisher noch zahlreiche Lücken. So ist nicht bekannt, wann sie in Wien Unterricht bekam und wo sie lebte. Zunächst präsentierte sich die Künstlerin in verschiedenen Städten als Liedsängerin. Bekannt ist, dass sie bereits als 20jährige in Graz mit Liedern von Schubert und Mendelssohn mit Erfolg auftrat (Grazer Volksblatt 15.2.1887, 20. Jg., Nr. 36, S. 2-3). In einem Konzert am 7.Juli 1893 in Maribor, lobte der Kritiker neben der guten Textverständlichkeit ihres Gesanges die „feinsinnige Interpretation der Lieder Schumanns“ und ihre „glockenreine, weiche doch kräftige Stimme“ (Marburger Zeitung 9.7.1893, 32. Jg., Nr. 55, S. 5). In dem Konzert trat sie gemeinsam mit ihrem Bruder Leopold (1872-1948) auf, der sie am Klavier begleitete.


    Ab wann Hedwig Materna sich aktiv mit dem Opernrepertoire befasste, bleibt bisher auch im Unklaren. In bunten Programmen kam es vereinzelt auch zur Aufführung einzelner Opernarien. So sang sie am 7. Juli 1893 gemeinsam mit dem Opernsänger des Marburger Theaters Karl Kloß die Partie der Selica im Liebesduett aus „L’Africaine“ von Giacomo Meyerbeer und aus „Le Nozze de Figaro“ die Kavatine der Gräfin aus dem 2. Akt „Heil’ge Quelle reiner Triebe“ (Marburger Zeitung 9.7.1893, 32. Jg., Nr. 55, S. 5). 1895 wurde sie als dramatische Sängerin an das Stadttheater in Leipzig engagiert (Signale für die Musikalische Welt November 1895, 53. Jg., Nr. 57, S. 902) und sang dort u.a. in einer Aufführung des „Lohengrin“ die Rolle der Ortrud (Bayreuther Blätter April-Juni 1896, Bd. 19, Nr. 4, S. 200-201). In dieser Rolle trat Hedwig Materna in Wien am 28. und 29. März 1896 am Neustädter Stadttheater auf und wurde als eine Künstlerin mit ausgesprochen dramatischem Talent und einer umfangreichen Stimme von großer Fülle und Kraft bezeichnet. Unangenehm fiel ihre Stimme in den Höhen auf, die noch nicht voll ausgebildet zu sein schien. Angesichts ihrer äußeren Erscheinung – eine große kräftige Frau – schließen die Kritiker schon jetzt auf eine dramatische Sängerin. Sie bescheinigten ihr eine große Zukunft. Besonders die Rolle der Ortrud schien wie geschaffen für die Sängerin (Badener Bezirks-Blatt 8.4.1896, 16. Jg. Nr. 29, S. 2). Für die Spielzeit ab 1896 wurde die Künstlerin am Stadttheater Mainz eingestellt. Auch hier sang sie zur Saisoneröffnung am 13. September 1896 im „Lohengrin“ die Rolle der Ortrud. Welchen Stellenwert man der Auftaktveranstaltung der neuen Spielzeit in der Stadt beimaß, zeigt sich darin, dass der Großherzog von Hessen anwesend war (Signale für die Musikalische Welt 22.9.1896, 54. Jg., Nr. 47, S. 741). Auch in dieser Aufführung wurde ihre erstaunliche, fast überwältigende Energie im Ausdruck, mit der sie die Rolle verkörperte, bewundert. Der Kritiker bescheinigte ihr genügend künstlerische Mittel für eine große Karriere. Neben den positiven Rezensionen gab es auch kritische Bemerkungen betreffs ihrer Stimme. So wurden die Übergänge der einzelnen Register ihrer Stimme und der übermäßige Einsatz der Kopfstimme bemängelt (Mainzer Anzeiger 14.9.1896).


    In der Folgezeit qualifizierte sich die Künstlerin immer mehr zur ausgesprochenen Wagnersängerin. Schon bald sang sie die Rolle der Senta, das erste Mal am 18. Oktober 1896. Über die Qualität und Wirkung ihres Auftrittes gingen die Meinungen der Kritiker auseinander. Möglicherweise gab es, hervorgerufen durch Aufregung, einige Unsicherheiten im Duett mit dem Sänger der Holländerpartie, allerdings überwog die Schönheit ihres Gesanges, wie ein Kritiker des Mainzer Anzeigers bemerkte: „Die Ballade und ihren Part im Duett mit Erik sang sie außerordentlich schön und musikalisch. Ihre Stimme war von einem Glanz, welcher oft hinreißend wirkte, und wenn nicht alles trügt, so wird gerade diese Parthie späterhin in H. Materna eine ganz vorzügliche Vertreterin finden.“ (Mainzer Anzeiger 19.10.1896, Nr. 244) Doch nicht nur ihre gesangliche sondern auch die darstellerische Leistung wird in den Zeitungen bewertet. Einige Rezensenten kritisierten ihre Bewegungen als entsetzlich groß und empfahlen, die Rolle solle weiblicher dargestellt werden (Mainzer Journal 11.3.1898; Kramer 2016, S. 239). Ein Jahr später wurde zwar „ihr vorzügliches Aussehen, das geistvoll bewegte Mienenspiel“ bewundert, aber mit der Einschränkung „sie muss auf ihre Bewegungen achten, darf nicht die edle Plastik ihrer Gesten außeracht lassen.“ (Mainzer Tageblatt 1.3.1899)


    Hedwig Materna arbeitete nicht nur an ihrer Stimmbildung, sondern ebenso an der Darstellungsweise, was auch die Kritiker positiv bemerkten. In der Aufführung des „Holländers“ im Dezember des gleichen Jahres wurde bemerkt „welch eine Stimmkraft und künstlerische Ausdruckskraft [sie] entfaltete, die geradezu verblüffend wirkte.“ (Mainzer Neueste Nachrichten 4.12.1896) Die Künstlerin wurde nach dem Schluss der Oper vier Mal hervorgerufen. Der Kritiker bemerkte den Fortschritt bei der Wiedergabe der Senta folgendermaßen als „von Rolle zu Rolle so überraschend emporwachsendes Talent“. (Mainzer Neuste Nachrichten 4.12.1896) Auch in der Rolle der Ortrud steigerte sie ihre Ausdrucksweise: „Der gestrige Abend bewies nun ad oculos, zu welch bedeutender Künstlerin Fräulein Materna im Verlaufe dieser Saison herangereift ist. […] eine vollendete Ortrud, wie sie stimmgewaltiger noch selten gehört worden und die mit bewundernswerthem Ingenium in den Geist ihrer Rolle eingedrungen.“ (Mainzer Neueste Nachrichten 12.4.1897) Es folgten weitere Auftritte in Werken Richard Wagners, so dass Hedwig Materna zum Kreis der ersten Wagnersängerinnen heranreifte. 1898, in der ersten Aufführung des Ringes in Mainz, sang sie die Brünnhilde im gesamten Ring (Walz 2004, S. 123). Nach einer Aufführung der Walküre schrieb der Kritiker: „Für die Brünnhilde bringt Fräulein Hedwig Materna alle erforderlichen Eigenschaften mit: Die Heldinnengestalt, kraftvolle blühende Stimme, Empfindung und Ausdruck in Gesang und Darstellung, in echt Wagner’schem Geiste, kurzum eine ,Brünnhilde‘, die den höchsten Anforderungen der Kunst gerecht wird.“ (Mainzer Neuste Nachrichten 18.3.1899). Als sie die Partie der Elsa im „Lohengrin“ zum ersten Mal sang, übertraf sie die Erwartungen des Publikums und ihr wurde „ausgeprägte künstlerische Individualität“ bescheinigt (Mainzer Tageblatt 1.3.1899). Bereits 1897 übernahm sie bei den Festspielen von Bayreuth eine der Walküren in der „Walküre“ (vgl. Kutsch 2003, S. 2983).


    Wie schnell sich der Erfolg der Sängerin in der Opernwelt herumsprach, zeigt sich darin, dass sie bereits nach einjähriger Tätigkeit in Mainz ein neues Angebot für Engagements erhielt. Der Direktor des Kölner Theaters Julius Hofmann bot ihr einen Vertrag für gleich fünf Jahre unter sehr günstigen Bedingungen an (Neue freie Presse Wien 11.7.1897, Nr. 11 811, S. 7). Da Hedwig Materna bis 1898 nachweislich in Mainz blieb, hat sie das Angebot anscheinend nicht angenommen. Allerdings folgte dann im Frühjahr 1898 der (vorläufige) Abschied von Mainz, da sie zu einem Engagement nach Zürich wechselte. Die Verbundenheit zu Mainz zeigte sie darin, dass sie regelmäßig zu Gastauftritten zurückkehrte. So sang sie z. B. im April 1899 in der Mainzer Aufführung die Rolle der Isolde in „Tristan und Isolde“ (Weekblad voor Muziek 29.4.1899, Bd. 6, Nr. 17, S. 168). Ab 1900 wurde die Sängerin wieder festes Mitglied des Opernensembles in Mainz. Möglicherweise hatte der erneute Wechsel zurück zur ehemaligen Wirkungsstätte auch private Gründe. Die Tagespresse berichtete von einem Selbstmordversuch der Künstlerin, den sie Aufgrund eines Abschiedsbriefes ihres Geliebten, dem Mainzer Musikkritiker Heinrich Hirsch, unternahm. Weiter hieß es, dass sich die Sängerin im Rhein ertränken wollte, aber noch rechtzeitig gerettet werden konnte (Neues Wiener Tageblatt 13.9.1900, 34. Jg., Nr. 251, S. 5 bzw. Neue Freie Presse 12.9.1900, Nr. 12 950, S. 5).


    Im Dezember 1900 wurde ihre Tochter Ella geboren. Bis kurz vor deren Geburt stand Hedwig Materna auf der Bühne und sang die Rolle der Valentine aus „Les Huguenots“ von Giacomo Meyerbeer. Die Hochzeit mit Heinrich Hirsch erfolgte gut zwei Jahre nach der Geburt der Tochter im Januar 1903. Ella Hirsch wurde später eine vielversprechend talentierte Pianistin, wie der Kritiker des Grazer Tageblattes über ein Konzert im Dezember 1917 in Mainz ihr bescheinigte (Grazer Tageblatt 29.12. 1917, 27. Jg., Nr. 357, S. 7). Es gibt bisher allerdings keine weiteren Hinweise, auf eine Künstlerkarriere der Tochter. Auch nach der Geburt ihrer Tochter setzte Hedwig Materna ihre Gesangskarriere fort. Am 27.9.1901 sang sie im „Tannhäuser“ die Venus und verhalf der Partie in der Aufführung zu großem Erfolg: „Alles war bei der Künstlerin von innen her gestaltet, entwickelt und belebt; was die verstandesmäßige Kraft sondirt und zerlegt hatte, war durch Empfindung und Leidenschaftlichkeit im großen Zuge zu einem fesselnden, harmonischen Gesamtbild vereinigt.“ (Mainzer Anzeiger 28.9.1901)


    Die Vielseitigkeit Hedwig Maternas zeigt sich u.a. darin, dass sie nicht nur die unterschiedlichsten Wagnerpartien vollendet zur Aufführung brachte, sondern über ein breites Repertoire verfügte. So zählt die Rolle der Desdemona aus „Otello“ von Giuseppe Verdi mit zu ihren besten Partien. Im Mainzer Tageblatt vom 2.12.1901 wird sie als „Denkende und tiefempfindende Künstlerin“ bezeichnet, was insbesondere im Höhepunkt des 4. Aktes zum Tragen kam. Weiterhin sang sie die Rolle der Carmen in der gleichnamigen Oper von Georges Bizet und die Herodias in der „Salome“ von Richard Strauss. So begründete sie den guten Ruf des Mainzer Opernhauses in der Ära Emil Steinbach (1849-1919) mit, der von 1877 bis 1910 das Orchester als Chefdirigent leitete. 1910 bescheinigte der Kritiker des Mainzer Tageblattes Hedwig Materna, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stehe (Mainzer Tageblatt 13.11.1910). Warum die Künstlerin sich 1911 von der Bühne zurückzog, bleibt bisher im Dunklen.


    Nach 1900 wandte sich Hedwig Materna auch der Gesangspädagogik zu. Vermutlich unterrichtete sie in Wien (Grazer Tageblatt 15.7.1903, 13. Jg., Nr. 192, S. 15). Weiterhin betätigte sich die Sängerin als Musikschriftstellerin. Ihre Abhandlung über „Die Erziehung zum Gesang“ und „Richard Wagners Frauengestalten“ fanden breites Interesse.


    Das Sterbedatum von Hedwig Materna ist derzeit nicht gesichert. Lediglich das Bayerische Online-Lexikon verweist auf das Jahr 1939.

    Würdigung

    Hedwig Materna wird als eine Künstlerin von ausgesprochen dramatischem Talent bezeichnet. Ausgestattet mit einer umfangreichen Stimme von großer Fülle und Kraft fand sie die entsprechenden Aufgaben im hochdramatischen und im Wagner-Repertoire. So stieg sie innerhalb kurzer Zeit zur ersten Riege der Wagnersängerinnen auf. Die anfangs kritischen Stimmen aufgrund ihrer schneidenden Stimme in den hohen Lagen wichen bewundernden Aussagen über „ihre phänomenale musikalische Sicherheit bei durchgeistigter Ausarbeitung ihrer Rolle“ (Mainzer Tageblatt 14.2.1910).


    Neben ihrer Bühnentätigkeit wandte sie sich auch der Gesangspädagogik zu und schrieb eine Abhandlung über „Die Erziehung zum Gesang“ (Grazer Tageblatt 29.12. 1917, 27. Jg., Nr. 357, S. 7). Hierin spricht sie sich gegen eine einseitige Ausbildung der Sängerinnen und Sänger und für ein umfassendes künstlerisches Studium aus. Im Gesangs-Unterricht solle es keine Trennung von psychischer und physischer Aktion geben, da diese eine Einheit bildeten. Das Ziel einer umfangreichen Ausbildung sollte laut Materna das harmonische Zusammenwirken von technisch geschulter Ausbildung der Stimme und darstellerischer Kunst der Partie sein: „Nur durch das beständige Mitschwingen der seelischen Potenzen und die geistige Beherrschung des Materials wird die Stimmbildung ihren künstlerischen und prophylaktischen Zweck erfüllen!“ (Grazer Tageblatt 15.7.1903, 13. Jg., Nr. 192, S. 15)


    Ihre musikschriftstellerischen Tätigkeiten fanden allgemein hohe Beachtung. Besonders das 1903 herausgegebene Werk „Richard Wagners Frauengestalten“ stieß auf große Anerkennung. Der Unterschied zu vorhergehenden Veröffentlichungen über die Frauengestalten Wagners war, dass ihre Abhandlung aus Sicht einer Darstellerin geschrieben wurde, und nicht aus der einer Rezipierenden. Wie Hedwig Materna im Vorwort bemerkt, ging es ihr darum „Unklarheiten“ seitens des Publikums über bestimmte Punkte in Wagners Bühnenwerken auszuräumen (Materna 1903, S. 5). Weiterhin ist es der weibliche Blick auf die Frauengestalten, der in der journalistischen Musikwelt auf Beachtung und Erstaunen traf. Die bemerkenswerte Rezeption des Buches zeigt sich darin, dass Kritiker sich in ihren Rezensionen über Hedwig Materna auf ihr Buch bezogen. In einer Kritik der Rolle der Senta heißt es: „Frau Maternas Leistung war durchdrungen von edlem Feuer der Begeisterung. Sie hat sich, wie wenige, besonders in die Frauengestalten Wagners eingelebt, und versteht es, immer von neuem zu fesseln. Um zu sehen, wie ernst sie ihre Aufgabe erfasst, braucht man nur ihr vortreffliches Buch ,Wagners Frauengestalten‘ zu lesen.“ (Mainzer Tageblatt, 2.10.1905)

    Rezeption

    Hedwig Materna zählt mit zu den großen Wagnerinterpretinnen. So hat sie in Mainz in der Aufführung des ersten Ringes in allen Werken die Brünnhilde gesungen. Ihr Buch über die Frauenfiguren Wagners war ein Meilenstein in der Geschichte der Wagnerinterpretation, da es sich um das Werk einer Frau handelte, die ihre Ansichten aus dem Blickwinkel einer Darstellerin begründete.

    Repertoire

    Opernrollen


    Ludwig van Beethoven

    Fidelio: Leonore


    Georges Bizet

    Carmen: Titelrolle


    Jacques Fromental Halévy

    La Juive: Rachel


    Giacomo Meyerbeer

    L’Africaine: Selica

    Les Huguenots: Valentine


    Wolfgang Amadeus Mozart

    Die Hochzeit des Figaro: Gräfin Almaviva

    Don Giovanni: Donna Anna


    Richard Strauss

    Salome: Herodias


    Giuseppe Verdi

    Otello: Desdemona

    Troubadour: Leonore

    Aida: Aida


    Richard Wagner

    Lohengrin: Ortrud, Elsa

    Götterdämmerung: Brünnhilde

    Siegfried: Brünnhilde

    Die Walküre: Brünnhilde

    Tristan und Isolde: Isolde

    Tannhäuser: Venus, Elisabeth

    Der fliegende Holländer: Senta

    Meistersinger: Eva

    Quellen

    Lexika


    Kutsch, Karl. J. / Riemens, Leo / Rost, Hansjörg: Großes Sängerlexikon, 4. Auflage, Bd. 4. München, K.G. Saur 2003, S. 2983.

    Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2003-2013.


    Online verfügbar unter: http://bmlo.de/Q/GND=11684213X (hier wird das Todesjahr 1939 angegeben), gelesen am 30.5.2017.



    Literatur


    Kramer, Ursula: „Ungesund – gesund – kerngesund“. Die Sängerin als Autorin. Hedwig Materna (*1867) und ihre Interpretation der Wagner’schen Frauengestalten. In: Strohmann, Nicole K./Tumat, Antje u.a. (Hrsg.): Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Beiträge aus dem Forschungszentrum Musik und Gender Bd. 5 hrsg. von Susanne Rode-Breymann, Hannover, Wehrhahn Verlag 2016, S. 223-224.


    Materna, Hedwig: Richard Wagners Frauengestalten, Berlin, Verlag der Deutschen Frauen-Rundschau 1903.


    Walz, Günter: Die Geschichte des Theaters in Mainz. Ein Rückblick auf 2000 Jahre Bühnengeschehen, Mainz, Verlag Philipp von Zabern 2004.


    Weickert, Eva: Hedwig Materna. In: Blick auf Mainzer Frauengeschichte. Mainzer Frauenkalender 1991-2012, Hg. Landeshauptstadt Mainz, Hausdruckerei, 2012, S. 66.



    Rezensionen und Zeitungsberichte


    Badener Bezirks-Blatt 8.4.1896,16. Jg., Nr. 29, S. 2-3.


    Bayreuther Blätter April-Juni 1896, Bd. 19, Nr. 4, S. 200-201.

    Bayreuther Blätter Oktober-Dezember 1903, Bd. 26, Nr. 10.


    Grazer Tageblatt 15.7.1903, 13. Jg., Nr. 192, S. 15.

    Grazer Tageblatt 29.12.1917, 27. Jg., Nr. 357, S. 7.


    Grazer Volksblatt 15.2.1887, 20. Jg., Nr. 36, S. 2-3.


    Der Humorist 10.1.1906, 26. Jg., Nr. 2, S. 10.


    Mainzer Anzeiger: Rubrik "Kleines Feuilleton. Mainzer Stadttheater" 19.10.1896 / 28.9.1901, o. S.

    Mainzer Journal: Rubrik "Kunst und Wissenschaft. Mainzer Stadttheater" 20.10.1896 / 14.9.1896 / 11.3.98, o. S.

    Mainzer Neueste Nachrichten: Rubrik "Theater, Kunst und Literatur. Stadttheater" 4.12.1896 / 17.3.1897 / 12.4.1897 / 18.3.1899, o.S.

    Mainzer Tageblatt: Rubrik "Kunst, Wissenschaft und Leben. Stadttheater" 1.3.1899 / 14.9.1896 / 26.9.1904 / 2.12.1901 / 2.10.1905 / 14.2.1910 / 13.11.1910, o. S.


    Marburger Zeitung 2.7.1893, 32. Jg., Nr. 53, S. 3.

    Marburger Zeitung 9.7.1893, 32. Jg., Nr. 55, S. 5.


    Neue Freie Presse Wien 11.7.1897, Nr. 11 811, S. 7.

    Neue Freie Presse Wien 12.9.1900, Nr. 12 950, S. 5.


    Neue Musik-Zeitung, Jg. 1906, Bd. 28, S. 397.


    Neues Wiener Tageblatt 13.9.1900, 34. Jg., Nr. 251, S. 5.


    Neue Zeitschrift für Musik 3.8.1904, 71. Jg., Nr. 32, S. 570.


    Signale für die Musikalische Welt November 1895, 53. Jg., Nr. 57, S. 902.

    Signale für die Musikalische Welt 22.9.1896, 54. Jg., Nr. 47, S. 741.


    Weekblad voor Muziek 29.4.1899, Bd. 6, Nr. 17, S. 168.


    Weitere Zeitungseinträge unter: http://anno.onb.ac.at/anno



    Archivalien


    http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/search


    Die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv Mainz verfügen über zahlreiches Archivmaterial über die Sängerin.

    Forschung

    Der Vortrag von Ursula Kramer anlässlich der Vorlesungsreihe „Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von KünstlerInnen im Theater des 19. Jahrhunderts“ am Forschungszentrum „Musik und Gender“ der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover hat die Sängerin Hedwig Materna in den Blickwinkel der Forschung gerückt. Anhand reichhaltigen Materials – Programmzettel, Rezensionen –, das in der Mainzer Stadtbibliothek zu finden ist, hat sie einen Einblick in das Leben und Schaffen der Sängerin vermittelt. In ihrem Vortrag beschreibt sie u.a. wie sich Hedwig Materna speziell bei der Rolle der Senta mit den Schriften Richard Wagners, Franz Liszts und Georg Münzers auseinandersetzt.

    Günter Walz hat in seinem Buch über „Die Geschichte des Theaters in Mainz“ die Sängerin mit zur Geltung gebracht. Ebenfalls wurde sie in Eva Weickerts Mainzer Frauenkalender mit erwähnt.

    Forschungsbedarf

    Ein großer Forschungsbedarf besteht in der vollständigen Aufarbeitung des Lebens und der Lebensumstände Hedwig Maternas. So gibt es viele Lücken und Unstimmigkeiten zu den Lebensdaten der Sängerin. Beispielsweise gab es mehrere Rezensionen in Marburger Zeitungen und es wäre zu klären, ob Hedwig Materna eventuell dort kontinuierlich tätig war oder ob es sich um Gastkonzerte handelte. Weitere Fragen wären, wo die Künstlerin bis zu ihrem Engagement in Leipzig gelebt hat, ob sie wirklich in der Stadt Wien Gesangsunterricht gegeben hat und wo sie nach Beendigung ihres Engagements in Mainz gelebt hat. Des Weiteren ist über ihre Tätigkeit in Zürich nichts bekannt - weder an welchem Theater die Sängerin engagiert war, noch welche Rollen sie dort präsentierte.

    Interessant wäre es herauszufinden, ob sie weitere musikschriftstellerische Werke verfasst hat, was den weiblichen Blick ausmacht und speziell den einer Darstellerin.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 67227731
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 11684213X

    Autor/innen

    Jutta Heise


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 20.11.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Jutta Heise, Artikel „Hedwig Materna“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.11.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Hedwig_Materna