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  • Frieda Seger

    von Martina Bick
    Namen:
    Frieda Seger
    Lebensdaten:
    geb. in Neustift, Österreich
    gest. unbekannt
    Tätigkeitsfelder:
    Musikerin

    Profil

    Frieda Seger war eine Musikerin aus Österreich. Sie ist eine von drei Musikerinnen, deren Ausschluss aus der Reichsmusikkammer 1940 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) mit der Kennzeichnung „Zigeunerin“ publiziert wurde.

    Orte und Länder

    Frieda Seger wurde in Neustift Kreis Fürstenfeld in der Steiermark, Österreich, geboren und lebte zuletzt in Limbach. Über ihre weiteren Aufenthaltsorte ist nichts bekannt.

    Biografie

    Frieda Seger, Sintezza, wurde am 24.3.1923 in Neustift in der Steiermark, Österreich, geboren. In den Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer [RKM], die ab Oktober 1938 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) publiziert wurden, wurden in den Jahren 1940 und 1941 einige Musiker und Musikerinnen als „Zigeuner“ und „Zigeunerin“ gekennzeichnet. Unter den 84 derart öffentlich Ausgeschlossenen dieser ethnischen Gruppe – 33 Sinti aus dem „Altreich“ und 51 Roma und Sinti aus der „Ostmark“ – finden sich drei Frauen (Sintezza): Friederike Küfer, Elisabeth Küfer und Frieda Seger.

    Über Frieda Seger, die bei ihrem Ausschluss aus der RMK erst siebzehn Jahre alt war, ist darüber hinaus nichts bekannt. Claudia Maurer Zenck vermutet, dass sie zumindest weitläufig mit der Kärntner Sinti-Familie Seger verwandt war: „Im Lager Weyer waren auch ein Haufen Leute von Villach, lauter Sinti, die Seger, Taubmann, Held usw. Die haben da in Kärnten in einer großen Kaserne gewohnt, im Winter. Im Sommer sind sie auf Reisen gewesen. [...] Die Kärntner Sinti waren die allerbesten Musiker. Bis nach England sind sie gekommen zum Musizieren. Herrlich, einfach herrlich. Die überlebenden Sinti in Kärnten selbst sind damals noch rechtzeitig nach Italien abgehaut, viele waren es ja nicht.“ (Rosa Winter, „Wie es so war unser Leben“, S. 30, zitiert nach Maurer Zenck 2016, online-Publikation o.S.) „Konnte Frieda Seger ebenfalls nach Italien fliehen? Oder wurde auch sie ins Lager nach Weyer verbracht? Möglicherweise überstellte man sie aber auch ins Lager Lackenbach im Gau Niederdonau (früher und heute: Burgenland), das Ende 1940 errichtete, größte Zwangsarbeiterlager für österreichische Roma und Sinti. (…). Frieda Seger hätte wegen ihrer Jugend Aussichten gehabt, das Lager als Arbeitsfähige zu überleben (…).“ (Maurer Zenck 2016, ebenda.)

    Quellen

    „Ausschlüsse aus der Reichsmusikkammer“, in: Amtliche Mitteilungen der Reichsmusikkammer [AMRMK] 1938-1943.


    Maurer Zenck, Claudia, „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte, in: Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard, online seit August 2016, Kapitel Biographik, http://mugi.hfmt-hamburg.de/Beatrix_Borchard/


    Maurer Zenck, Claudia, „Verfolgungsgrund: 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, in zwei Teilen erschienen in: mr-[musica reanimata-]Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 1–19, und H. 89 (März 2016), S. 1–20.


    Maurer Zenck, Claudia, Verfolgungsgrund: „Zigeuner“. Unbekannte Musiker und ihr Schicksal im „Dritten Reich“, Wien 2016 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur – Studien und Texte, Bd. 25).


    Winter, Rosa, „Wie es so war unser Leben“, in: Uns hat es nicht geben sollen. Rosa Winter, Gitta und Nicole Martl. Drei Generationen Sinti-Frauen erzählen, hrsg. von Ludwig Laher, Grünbach 2004, 2. Aufl. 2005, S. 23–52.


    www.lexm.uni-hamburg.de/

    Forschung

    In den Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer von 1940 und 1941 wurden bisher außerdem noch 15 Musiker (einer 1939, drei 1942, elf 1943) gefunden, die durch andere Quellen als Sinto oder Rom identifiziert werden konnten; weitere Musikerinnen waren jedoch nicht dabei.

    Die hohe Zahl der ausgeschlossenen „Zigeuner“ und „Zigeunerinnen“ in der „Ostmark“ dürfte sich aus den starken Bemühungen erklären, die „Zigeunerplage“ in der „Ostmark“ möglichst schnell und radikal zu lösen (vgl. hierzu die Ausführungen von Claudia Maurer-Zenck in „Verfolgungsgrund 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, Tl. 1, in: mr-Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 6–9).

    Forschungsbedarf

    In der "Erinnerungsstätte Lager Weyer" sind im Jahr 2005 neue Unterlagen aufgetaucht, die eine fast lückenlose Dokumentation aller Inhaftierten ermöglicht. Um das weitere Schicksal von Frieda Seger zu erforschen, wäre eine Recherche hier notwendig.

    Autor/innen

    Martina Bick


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 11.05.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Martina Bick, Artikel „Frieda Seger“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11.5.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Frieda_Seger