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  • Friderike Küfer

    von Martina Bick
    Namen:
    Friderike Küfer
    Lebensdaten:
    geb. in Botnang bei Stuttgart, Deutschland
    gest. unbekannt
    Tätigkeitsfelder:
    Musikerin

    Profil

    Friederike Küfer ist eine von drei Musikerinnen, deren Ausschluss aus der Reichsmusikkammer 1940 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) mit der Kennzeichnung „Zigeunerin“ publiziert wurde.

    Orte und Länder

    Friederike Küfer wurde in Botnang, heute ein Stadtteil von Stuttgart, geboren und lebte in Mamming-Schwaigen in Niederbayern.

    Biografie

    Friederike Küfer wurde am 24. April 1897 in Botnang bei Stuttgart geboren. Sie war vermutlich verheiratet und Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

    In ihrem Aufsatz „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte“ (Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard 2016, online-Publikation o.S.) teilt Claudia Maurer-Zenck mit, dass in den Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer [RKM], die ab Oktober 1938 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) publiziert wurden, in den Jahren 1940 und 1941 einige Musiker und Musikerinnen auf eine bestimmte Weise gekennzeichnet wurden, nämlich als „Zigeuner“ und „Zigeunerin“. Unter den 84 derart öffentlich Ausgeschlossenen dieser ethnischen Gruppe – 33 Sinti aus dem „Altreich“ und 51 Roma und Sinti aus der „Ostmark“ – fand Maurer Zenck drei Frauen (Sintezza): Frieda Seger, Elisabeth Küfer und Friederike Küfer aus Mamming-Schwaigen in Niederbayern. Elisabeth Küfer, geboren 1917 in Augsburg, war vermutlich die Tochter von Friederike Küfer. Der ebenfalls im April 1940 dort angeführte Musiker Georg Küfer, geb. am 18. März 1921 in Gahlen bei Dinslaken, war vermutlich ihr Sohn und der im Dezember 1940 ausgeschlossene Xaver Küfer ihr Mann.

    Soweit bisher bekannt ist, wurde Friederike Küfer nicht wie ihre Tochter Elisabeth nach Auschwitz deportiert. Über ihr musikalisches Wirken und ihr weiteres Schicksal ist bisher nichts bekannt.

    Quellen

    „Ausschlüsse aus der Reichsmusikkammer“, in: Amtliche Mitteilungen der Reichsmusikkammer [AMRMK] 7/5 vom 15. Mai 1940, S. 22.


    Maurer-Zenck, Claudia, „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte, in: Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard, online seit August 2016, Kapitel Biographik, http://mugi.hfmt-hamburg.de/Beatrix_Borchard/


    Maurer-Zenck, Claudia, „Verfolgungsgrund: 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, in zwei Teilen erschienen in: mr-[musica reanimata-]Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 1–19, und H. 89 (März 2016), S. 1–20.


    Maurer-Zenck, Claudia, Verfolgungsgrund: „Zigeuner“. Unbekannte Musiker und ihr Schicksal im „Dritten Reich“, Wien 2016 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur – Studien und Texte, Bd. 25).



    https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00006616

    Forschung

    Am 1. Mai 2015 wurde in München ein Dokumentationszentrum als „zentraler Lern- und Erinnerungsort, der an die Verbrechen der NS-Diktatur erinnert und sich mit ihren Ursachen, Ausprägungen und Folgen bis in die Gegenwart auseinandersetzt“ eröffnet (zit. nach Website des Dokumentationszentrums, eingesehen am 1.6.2017: https://www.ns-dokuzentrum-muenchen.de/home/)


    Zur Verfolgung der Sinti und Roma in Bayern s.: Ludwig Eiber, „Ich wusste, es wird schlimm“. Die Verfolgung der Sinti und Roma in München 1933-1945, München 1993.

    Forschungsbedarf

    Die Biographie und das musikalische Wirken von Friederike Küfer müssen noch erforscht werden. Es ist bisher nicht bekannt, ob sie Sängerin oder Instrumentalistin war und wo sie aufgetreten ist. Desgleichen muss herausgefunden werden, ob bzw. wie sie die NS-Zeit überleben konnte.

    Autor/innen

    Martina Bick


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 01.06.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Martina Bick, Artikel „Friderike Küfer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.6.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Friderike_Küfer