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  • Emma Ritter-Bondy

    von Irina Vaterl
    Namen:
    Emma Ritter-Bondy
    Geburtsname: Emma Maria Bondy
    Varianten: Emma Bondy, Emma Bondi, Emma Emma Maria Ritter-Bondy, Emma Emma Maria Bondy, Emma Emma Maria Bondi
    Lebensdaten:
    geb. in Graz, Österreich
    gest. in Glasgow, Schottland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Professorin, Konzertveranstalterin
    Charakterisierender Satz:

    „Beide [Moritz und Emma Bondy] reich talentirt, und noch so jung; es steht ihnen noch eine schöne Zukunft bevor, besonders wenn man sie nicht zu Wunderkindern erheben, ihnen nicht Seiltänzereien einlernen will, sondern ihnen den heiligen Ernst der Kunst einzuprägen bemüht ist. Die Kränze, die ihnen gestern zu Theil wurden, mögen ihnen noch nach Jahren gespendet werden.“

    (o.A., „Theater-Revue“, in: Grazer Zeitung. Abendblatt, No. 207 [Graz,18.9.1850])


    Profil

    1838 in Graz geboren, galt Emma Ritter-Bondy als musikalisches Wunderkind mit einer vielversprechenden Karriere. Sie trat bereits im Alter von ungefähr neun Jahren gemeinsam mit ihren Geschwistern Moritz und Camillo auf und feierte große Erfolge im Grazer Kulturleben. Euphorische Rezensionen bescheinigten ihr eine erfolgreiche Zukunft.

    Emma Ritter-Bondys privates Leben verlief jedoch sehr ereignisreich, geprägt von vielen örtlichen Veränderungen: als junge Ehefrau wohnte sie in Wien, zog dann nach Koblenz um, wo sie eine Familie aufbaute, und wanderte schließlich als junge Witwe nach Glasgow aus.

    Besonders in Glasgow prägte sie maßgeblich das Kulturleben: nach heutigen Recherchen war Emma Ritter Bondy die erste weibliche Professorin in Großbritannien. 1894 starb Emma Ritter-Bondy in Glasgow.

    Orte und Länder

    Ihre Kindheit verbrachte Emma Ritter-Bondy in Graz. Sie erhielt dort ihre frühe musikalische Ausbildung und absolvierte die ersten Konzertauftritte. Weitere Studien führten sie an das Wiener Konservatorium. Nach der Eheschließung mit Franz Ritter lebten die beiden in Wien, Konzertreisen führten sie jedoch quer durch Europa, u.a. nach Italien, nach Deutschland und in die Schweiz. Um 1868 erfolgte der Umzug des Paares nach Koblenz, Deutschland. Nach dem Tod ihres Mannes Franz Ritter am 1. Januar 1879 zog Emma Ritter-Bondy 1881 mit den beiden gemeinsamen kleinen Kindern nach Glasgow, Schottland. Sie konzertierte und gab Privatunterricht, bevor sie 1891 an das „Athenaeum“, einem Vorläufer der „Royal Scottish Academy of Music and Drama (RSAMD)“, berufen wurde. 1892 erhielt Emma Ritter-Bondy die britische Staatsbürgerschaft für sich und für ihre beiden Kinder. Emma Ritter-Bondy starb am 23. Juni 1894 in Glasgow.

    Biografie

    Kindheit und Jugend


    Emma Ritter-Bondy wurde am 9. Januar 1838 als Emma Maria Bondy in Graz geboren. Sie war das zweite Kind von Leopold Bondy (geb.1799 in Neubidschau, dem heutigen Nový Bydžov, Tschechien) und Pauline von Vernáy (geb.1814 in Jakobsdorf, in der Nähe von Bratislava, Slowakei).


    Leopold Bondy war Direktor einer Sprach- und Erziehungsanstalt in Graz. Das Paar hatte sieben Kinder: Der erste Sohn Moritz wurde 1835 in Ptuj, im heutigen Slowenien geboren. Familie Bondy lebte für einen unbestimmten Zeitraum dort, da Leopold die Erziehung der Familie des Grafen Schönfeld am Schloss Thurnisch leitete. Die weiteren sechs Kinder von Leopold und Pauline Bondy wurden in Graz geboren. Erwähnenswert ist neben Moritz (1835-unbekannt) besonders auch Ida (1841-1903), die Jakob Stolz (1832-1919), den Vater von Robert Stolz (1880-1975), heiratete.


    Über eventuelle musikalische Vorkenntnisse von Leopold Bondy und seiner Frau Pauline ist nichts bekannt, ebenso wenig weiß man über den ersten Musikunterricht von Emma Bondy und ihren Geschwistern.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle sieben Kinder musikalischen Unterricht erhielten, fest steht, dass einige von ihnen den Beruf des Musikers bzw. der Musikerin ergriffen. Ida Bondy trat z. B. als Pianistin in Graz mehrfach in Erscheinung und sie wirkte nach ihrer Heirat mit Jakob Stolz 1862 in dessen Musikschule als Klavierpädagogin sowie im kaufmännischen Bereich der Verwaltung. Die erste Erwähnung eines Konzertauftrittes von Emma Ritter-Bondy erfolgte im Jahr 1849, wobei sich der Autor allerdings bereits auf ein Debut im Jahre 1847 bezieht (Der Kosmopolit, No. 8 [Graz, 11.1.1849], S. 32). In den folgenden Jahren erfolgten zahlreiche Ankündigungen und Rezensionen in der Presse, oftmals trat Emma mit ihren Brüdern Moritz und Camillo auf. Von Wunderkindern ist häufig die Rede, das Grazer Publikum war begeistert von den Geschwistern Bondy. So erschien beispislwesie folgender Artikel im Abendblatt der „Grazer Zeitung“: „...Was die anderen Theile der Akademie betrifft, so hörte man eine mehr lange als ‚große’ Fantasie von Thalberg, welche Moritz und Emma Bondi recht gelungen vortrugen. Beide reich talentirt, und noch so jung; es steht ihnen noch eine schöne Zukunft bevor, besonders wenn man sie nicht zu Wunderkindern erheben, ihnen nicht Seiltänzereien einlernen will, sondern ihnen den heiligen Ernst der Kunst einzuprägen bemüht ist. Die Kränze, die ihnen gestern zu Theil wurden, mögen ihnen noch nach Jahren gespendet werden...“ (o.A., Theater-Revue, in: Grazer Zeitung. Abendblatt, No. 207, [Graz,18.9.1850])


    Ab Mitte der 1850er-Jahre studierte Emma Ritter-Bondy am Konservatorium der Stadt Wien in der Klasse von Josef Fischhof.



    Eheschließung, erste internationale Konzertreisen und Übersiedelung nach Deutschland


    Am 22. Mai 1862 heiratete Emma Ritter-Bondy den in Wien ansässigen Franz Ritter (1811-1879). In verschiedenen Dokumenten, wie z.B. im Reisepass und im Trauschein, wird er als Portraitmaler, Bildhauer, Modelleur oder Wachsbossierer bezeichnet. Im Jahr 1863 suchten Emma Ritter-Bondy und Franz Ritter um einen Reisepass an und erste (Konzert-)Reisen führten das Paar nach Konstanz, Bern, Stuttgart, Heidelberg und in weitere Städte. Für ein Konzert Emma Ritter-Bondys kamen sie und ihr Mann am 11. November 1868 nach Koblenz und beschlossen, hier ihren neuen Lebensmittelpunkt aufzubauen.


    1871 war Emma Ritter-Bondy zum ersten Mal schwanger, doch ihr Sohn Leopold starb einen Tag nach seiner Geburt am 28. September. Sie schrieb in ihr Gebetsbuch folgende Notiz: „Geburtstag meines theuere [sic] mir ewig unvergesslichen Kindes Leopold, den 28 September um 4 ¼ Uhr Morgens. Gestorben den andern Morgen, den 29 Sept. um 4 Uhr Morgens. B.126. Pfahl Ende zu Coblenz.“ (Ritter-Bondy, Emma. Gebetsbuch 1871-1894, S. 3) Am 25. Juli 1872 erlitt Emma Ritter-Bondy eine Fehlgeburt im dritten Monat. Am 14. März 1874 wurde Emmas Tochter Ida geboren, am 3. Dezember 1875 folgte Sohn Camillo. Am 1. Januar 1879 starb Franz Ritter, und Emma Ritter-Bondy war mit zwei kleinen Kindern im Alter von vier und drei Jahren auf sich gestellt.



    Glasgow


    1881 zog Emma Ritter-Bondy mit ihren beiden Kindern nach Glasgow in Schottland. Es ist nicht belegt, warum die Wahl auf diese Stadt fiel, Anhaltspunkte für eine Reise nach Großbritannien in den Jahren davor gab es keine. Im Herbst des selben Jahres hatte Emma Ritter-Bondy ihren wahrscheinlich ersten öffentlichen Auftritt in Schottland. In der „City Hall“ in Glasgow gab es eine Konzertreihe namens „Saturday Concert Series“. Für den 5. November 1881 wurden vier Sänger am Klavier begleitet von Emma Ritter-Bondy angekündigt. Auf dem Programm standen auch Stücke für Klavier solo wie beispielsweise der „Valse de l'opéra Faust, S. 407“ von Franz Liszt, der „Bolero“ op. 19 von Frédéric Chopin und „La Babillarde“ op.14 von Julius Schulhoff. Auch im folgenden Jahr trat Emma Ritter-Bondy im Rahmen der „Saturday Concert Series“ auf. Ihr erstes großes Solokonzert in Glasgow gab Emma am 29. November 1883 in der St. Andrew´s Hall und erhielt dafür eine ausführliche Rezension im „Glasgow Herald“. In den darauffolgenden Jahren erschienen regelmäßig Berichte und Rezensionen über Emmas Auftritte in Glasgow. Sie konzertierte sowohl als Solistin als auch in verschiedenen Kammermusikformationen mit nicht weiter namentlich genannten Musikerkollegen.


    Parallel wirkte Emma Ritter-Bondy als Musikpädagogin. Wahrscheinlich unterrichtete sie auch ihre eigenen Kinder: Tochter Ida spielte Klavier und Sohn Camillo Violine. Im Jahr 1891 begann Emma Ritter-Bondy am „Athenaeum“, einem Vorläufer der „Royal Scottish Academy of Music and Drama (RSAMD)“ zu unterrichten, im darauffolgenden Jahr bekam sie den Titel der Professorin verliehen. Es war das erste Mal in der Geschichte der Institution, dass der Professorentitel vergeben wurde und es ist durchaus bemerkenswert, dass ihn eine Frau erhielt (BBC News 8.3.2017, The first female professor in the UK, URL: http://www.bbc.com/news/uk-scotland-39191297, 17.04.2017). Die Jahre 1891 und 1892 waren geprägt von weiteren Erfolgen, die Emma Ritter-Bondy für sich verbuchen konnte. Zudem suchte sie um die britische Staatsbürgerschaft an und erhielt diese für sich und für ihre beiden Kinder im Mai 1892 (vgl. Vaterl, Irina. Von Graz nach Glasgow. Die Pianistin Emma Ritter-Bondy [1838−1894], S. 52).


    Am Morgen des 23. Juni 1894 starb Emma Ritter-Bondy in Glasgow. Als Todesursache wurden eine chronische Nierenentzündung und Herzversagen genannt. In ihrem Testament bestimmte Emma drei Personen, die die Vormundschaft für ihre Kinder übernehmen sollten. Ihr Klavier und ihre goldene Uhr wurden der Tochter Ida vermacht. Der Wert ihres Besitzes sollte für die musikalische Ausbildung ihrer Kinder verwendet werden. Diese war vorzugsweise in Berlin oder in London vorgesehen. Emma hinterließ etwa £700, heute wären das etwa £42000 (ca. 50.000€). Beide Kinder verfolgten ihre musikalische Laufbahn weiter und schlossen ihre Musikstudien tatsächlich in Berlin und London ab. Während sich Tocher Ida als Klavierbegleiterin einen Namen machte, wurde Sohn Camillo als Violinvirtuose und Pädagoge bekannt.

    Würdigung

    Die Pianistin


    Bereits in früher Kindheit genoss Emma Ritter-Bondy hohes musikalisches Ansehen in ihrer Heimatstadt Graz. Von ihren künstlerischen Aktivitäten im In- und Ausland zeugen zahlreiche Konzertankündigungen und Rezensionen in verschiedenen Tageszeitungen. Von frühester Kindheit an stand sie gemeinsam mit ihren Geschwistern, vor allem Moritz und Camillo, auf der Bühne und somit auch im Fokus von Publikum und Musikkritikern.

    Eine erste relevante Rezension findet sich in der Zeitschrift „Der Kosmopolit“ am 11. Januar 1849, in der es um eine Konzertveranstaltung in Graz geht: „Ueberraschend war ganz besonders das Erscheinen zweier Kinder Moritz und Emma Bondi, die zwar schon bei ihrem ersten Debut im Jahre 1847 allgemeine Bewunderung erregten, deren Spiel aber diesmal ganz besonders das Vorwalten des Gesangelementes und ein ihrem Vortrage ganz eigentümlicher Wohllaut und Reiz charakterisierte. [...] Man kann hier nicht unerwähnt lassen, daß diese beiden Kinder nicht, wie es bei Künstlern so häufig geschieht, einseitig ausgebildet werden, sondern nebst Musik auch fleißig in den verschiedenen Wissenschaften und in der Erlernung fremder Sprachen geübt werden.“ (Sperlich, Rudolf: „Artistisches“, in: Der Kosmopolit, No. 8 [Graz, 11.1.1849], S. 32)


    Nach Emma Bondys Umzug nach Wien um 1860 und mit der Verlagerung des Betätigungsfeldes in die österreichische Hauptstadt wurde in den Grazer Tageszeitungen nicht weiter von den Erfolgen der Pianistin berichtet. So geriet Emma Bondy in ihrer Geburtsstadt in Vergessenheit. Ab 1881 finden sich auch in der englischsprachigen Presse zahlreiche Erwähnungen über die pianistischen Qualitäten von Emma Ritter-Bondy, die von ihrer späteren regen Konzerttätigkeit in Schottland zeugen.



    Die Pädagogin


    Die Tätigkeit als Klavierpädagogin nahm einen hohen Stellenwert in Emma Ritter-Bondys Leben ein. Vermutlich unterrichtete sie während ihrer Zeit in Koblenz am „Königlichen Gymnasium zu Coblenz“. Später in Glasgow erteilte sie erst Unterricht in privaten Rahmen, bevor sie 1891 begann, am dortigen „Athaneum“ zu unterrichten. Im darauffolgenden Jahr wurde ihr der Titel „Professor of Piano“ verliehen. (BBC News 8.3.2017. The first female professor in the UK, URL: http://www.bbc.com/news/uk-scotland-39191297, 17.04.2017)


    Im Jahresbericht des „Athaneums“ vom 31. August 1892 wurde in der Rubrik für Stipendien und Wettbewerbspreise erwähnt, dass Edith Brown, Studentin von Madame Ritter Bondy ein Stipendium im Wert von £10 gewinnt. „...scholarship of £10 for pianoforte given by the Athenaeum Directors to Edith M Brown, student of Madame Ritter-Bondy ...” Es war der Hauptpreis für Pianisten/Pianistinnen und brachte neben der Geldsumme (heute wären es etwa £600, also ungefähr 700€) außerdem die Verleihung einer Silbermedaille.


    Emma Ritter-Bondy war bis zu ihrem Tod 1894 als Klavierpädagogin in Glasgow tätig.


    Emma Ritter-Bondys anfängliche Erfolge als „Wunderkind“ mündeten in eine Karriere als Pianistin und Klavierlehrerin, was bedeutet, dass es nicht zu einem Einbruch der pianistischen Laufbahn kam, wie dies oft bei so genannten Wunderkindern der Fall war. Als in der Musik professionell tätige Frau, die für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommen musste, wurde Emma Ritter-Bondy in ihrem künstlerischen Werdegang durch ihre privaten Umstände (Geburten, Kinderbetreuung, Tod des Ehemannes, Übersiedlung in ein fremdes Land) vermutlich beeinträchtigt. Sie konnte jedoch ihren Weg fortsetzen und sich Zeit ihres Lebens der Kunst widmen. So ging sie auch nach ihrer Heirat einer aktiven Konzerttätigkeit nach und erhielt Zeit ihres Lebens durchwegs positive Kritiken. Es fällt auf, dass sie sowohl von familiärer als auch von ehelicher Seite Unterstützung und Bestätigung bekam − und genau das gab sie auch an ihre Kinder weiter. Ida und Camillo sollten die bestmögliche Ausbildung erhalten, daher schickte sie beide nach Berlin und London, finanzielle Risiken wurden dabei in Kauf genommen.

    Rezeption

    Emma Ritter-Bondy war zu Lebzeiten sowohl als Pianistin, als auch als Pädagogin angesehen. Eine große Karriere blieb ihr jedoch verwehrt und heute ist ihr Name beinahe unbekannt.


    Ihr Urenkel John Ritter setzte sich mit ihrem Lebensweg auseinander. In seinem Privatarchiv befinden sich u.a. Originaldokumente, Zeitungsausschnitte, Fotos, Partituren und das Gebetsbuch von Emma Ritter-Bondy. Aus Interesse an seiner Familiengeschichte verfasste John Ritter ein Manuskript, in dem er versuchte, das Leben und das musikalische Wirken von Emma Ritter-Bondy nachzuzeichnen.


    Die wissenschaftliche Masterarbeit „Von Graz nach Glasgow. Die Pianistin Emma Ritter-Bondy (1838−1894)“ von Irina Vaterl ist das erste veröffentlichte Werk über die Musikerin (vgl. Vaterl, Irina. Von Graz nach Glasgow. Die Pianistin Emma Ritter-Bondy (1838−1894). Wissenschaftliche Masterarbeit, Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz, 2017.)

    Werkverzeichnis

    Kompositionen oder Schriften sind nicht bekannt.

    Repertoire

    Emma Ritter-Bondys Konzertprogramme folgten dem damals gängigen Ideal und waren aus mehreren kurzen Stücken aufgebaut. Ihr Repertoire schien dabei nahezu unerschöpflich. Allerdings finden sich in den erhaltenen Programmen häufig keine genauen Werkbezeichnungen. Es ist beispielsweise von einem Nocturne von Frederic Chopin die Rede, welches aus den insgesamt 21 Nocturnes damit gemeint ist, geht allerdings nicht hervor. Daher ist es beinahe unmöglich, ein komplettes Repertoireverzeichnis zu verfassen. Aus diesem Grund ist hier nur auf einige grundlegende und darüber hinaus auf interessante Aspekte einzugehen.


    In ihrer Kindheit spielte sie mehrmals – gemeinsam mit ihrem Bruder – Werke von Sigismund Thalberg und Friedrich Kalkbrenner für zwei Klaviere. Beide waren seinerzeit Pianisten und Komponisten virtuoser und überaus beliebter Werke, die heutzutage eher in den Hintergrund gerückt sind. In späteren Jahren war Emma Ritter-Bondys Solorepertoire sehr vielfältig und umfasste neben heute noch sehr bekannten Werken, wie beispielsweise der „Sonate pathétique“ op.13, c-moll und der „Sonate Appassionata“ op.57, f-moll von Ludwig van Beethoven oder den Scherzi und Balladen von Fréderic Chopin auch heute selten gespielte Klavierwerke wie beispielsweise Stücke von Moritz Moskowski, Carl Maria von Weber oder Alfred Jaëll. Wie Rezensionen besagen, ist sie „...eben so zu Hause in der classischen als in der modernen Concertmusik...“ (o.A., „Tagesneuigkeiten“, in: Würzburger Stadt- und Landbote, No.11, 20. Jahrgang [Würzburg, 12.1.1867]). Emma Ritter-Bondys Repertoire umfasste zudem Werke für Klavier und Orchester. In Ankündigungen für Konzerte findet man unter anderem mehrmals das Konzert op. 54 in a-Moll von Robert Schumann und das Konzert op. 25 in g-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy.


    Ob Emma Ritter-Bondy auch eigene Kompositionen verfasste, ist nicht bekannt, auf Konzertprogrammen scheint diesbezüglich nichts auf.

    Quellen

    Primärquellen


    Von und über Emma Ritter-Bondy (Familienarchiv John Ritter, Lincoln).


    Ritter-Bondy, Emma. Gebetsbuch 1871-1894 (Familienarchiv John Ritter, Lincoln).


    Ritter, John. Gespräch in Lincoln, geführt von Irina Vaterl, Lincoln (England) am 15. Dezember 2016.


    Ritter, John. Emma Ritter (Mme Ritter-Bondy). 1838-1894, unpubliziertes Manuskript. Lincoln. Januar 2016.


    Ritter, John. Emma Ritter. Her family, unpubliziertes Manuskript. Lincoln. Januar 2016.


    Taufbuch XXVIII 1834−1842, Graz-Hl. Blut.


    Taufindex III 1773−1884, Graz-Hl. Blut.



    Allgemeine Quellen


    Bischoff, Ferdinand. Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des fünfundsiebenzigjährigen Bestandes des Vereines Graz. Graz: Verlag des steierm. Musikvereines, 1890.


    Hlubek, F.X. Ein treues Bild des Herzogthums Steiermark […]. Gratz: Kienreich, 1860.


    Lehmann, Adolph. Adolph Lehmann's allgemeiner Wohnungs-Anzeiger

    nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt u. Residenzstadt Wien u. Umgebung. Wien: Druck und Verlag von Friedrich Förster,1859.


    Manz, Stefan. Migranten und Internierte. Deutsche in Glasgow. 1864−1918. Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 2003.


    Schreiner, Gustav. Grätz. Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung, Grätz: Ferstl´sche Buchhandlung, 1843.



    Quellen bzw. Zeitungsartikel, Annoncen u.ä., die vorwiegend auf Emma Ritter-Bondys Auftritte als Pianistin Bezug nehmen


    Österreich


    Grazer Volksblatt


    o.A., Anzeige, in: Grazer Volksblatt, No. 256, 1. Jahrgang [Graz, 18.11.1868].

    o.A., Ankündigung, in: Grazer Volksblatt, No. 57, 2. Jahrgang [Graz, 11.3.1869].

    o.A., Grazer Neuigkeiten, in: Grazer Volksblatt, No. 59, 2. Jahrgang [Graz, 13.3.1869].

    o.A., Konzertankündigung, in: Grazer Volksblatt, No. 294, 3. Jahrgang [Graz, 25.12.1870], S. 843.

    o.A., Musik und Kunst, in: Grazer Volksblatt, No. 288, 7. Jahrgang [Graz, 17.12.1874].

    o.A., Grazer Notizen, in: Grazer Volksblatt, No. 84, 8. Jahrgang [Graz, 15.4.1875].

    o.A., Anzeige, in: Grazer Volksblatt, No. 33, 10. Jahrgang [Graz, 11.2.1877].

    o.A., Grazer Notizen, in: Grazer Volksblatt, No. 36, 10. Jahrgang [Graz, 15.2.1877].



    Grazer Zeitung


    o.A., Theater-Revue, in: Grazer Zeitung. Abendblatt, No. 207 [Graz,18.9.1850].

    o.A., Musik, in: Grazer Zeitung, No. 422, [Graz, 13.12.1859], S. 1429.



    Blätter für Musik, Theater und Kunst


    o.A., Kunstnotizen, in: Blätter für Musik, Theater und Kunst, No. 94, 2. Jahrgang, [Wien, 21.11.1856], S. 375.

    o.A., Kunstnotizen in: Blätter für Musik, Theater und Kunst, No. 89, 3. Jahrgang, [Wien, 6.11.1857], S.356.

    o.A., Theaterschau, in: Blätter für Musik, Theater und Kunst, No. 38, 9. Jahrgang, [Wien, 12.5.1863], S. 151.

    o.A., Kunstnotizen, in: Blätter für Musik, Theater und Kunst, No. 38, 9. Jahrgang, [Wien, 12.5.1863], S. 152.


    Der Humorist


    o.A., Wiener Stadtpost, in: Der Humorist, No. 222, 14. Jahrgang, [Wien, 15.09.1850], S. 888.

    o.A., Aus der Provinz, in: Der Humorist, No. 227, 14. Jahrgang, [Wien, 21.09.1850], S. 906.

    o.A., Korrespondenz, in: Der Humorist, No. 260, 14. Jahrgang, [Wien, 30.10.1850], S.1039.


    Neue Wiener Musik-Zeitung


    o.A., Correspondenzen, in: Neue Wiener Musik-Zeitung, No. 48, 3. Jahrgang, [Wien, 30.11.1854], S. 202.

    Dr. C. St., Korrespondenz, in: Neue Wiener Musik-Zeitung, No. 13, 4. Jahrgang, [Wien, 29.3.1855], S. 52.

    o.A., Kunstnachrichten, in: Neue Wiener Musik-Zeitung, No. 50, 5. Jahrgang, [Wien 20.11.1856], S. 202.


    Der Kosmopolit


    Sperlich, Rudolf. Artistisches, in: Der Kosmopolit, No. 8 [Graz, 11.1.1849], S. 32.



    Deutschland


    Neue Zeitschrift für Musik


    o.A., Tagesgeschichte. Concerte, Reisen, Engagements, in: Neue Zeitschrift für Musik, No. 21, 58. Band, [Leipzig, 22.05.1863], S. 177.

    o.A., Tagesgeschichte, in: Neue Zeitschrift für Musik, No. 5, [Leipzig, 26.1.1872], S. 54.


    Signale für die musikalische Welt


    o.A., Dur und Moll, in: Signale für die musikalische Welt, No. 24, 25. Jahrgang, [Leipzig, 25.04.1867], S. 411.

    o.A., Concertrevue, in: Signale für die musikalische Welt, No. 12, 28. Jahrgang, [Leipzig, 21.2.1870], S. 189.


    Würzburger Anzeiger


    o.A., Tagesbericht, in: Würzburger Anzeiger, No. 9, [Würzburg, 9.1.1867].


    Würzburger Stadt- und Landbote


    o.A., Tagesneuigkeiten, in: Würzburger Stadt- und Landbote, No. 11, 20. Jahrgang, [Würzburg, 12.1.1867.


    Neue Berliner Musikzeitung


    o.A., Nachrichten, in: Neue Berliner Musikzeitung, No. 18, 21. Jahrgang, [Berlin, 1.5.1867], S. 143.

    o.A., Nachrichten, in: Neue Berliner Musikzeitung, No. 20, 21. Jahrgang, [Berlin, 15.5.1867], S. 159.


    Bamberger Tagblatt


    o.A., Konzertankündigung, in: Bamberger Tagblatt, No. 158, [Bamberg, 12.6.1855], S. 1281.


    Allgemeine Musikalische Zeitung


    o.A., Nachrichten, in: Allgemeine Musikalische Zeitung, No.8, [Leipzig, 21.2.1844], S. 134 f.


    Süddeutsche Musik-Zeitung


    o.A., Correspondenzen, in: Süddeutsche Musik-Zeitung, No. 48, 14. Jahrgang, [Mainz, 27.11.1865], S. 190.

    o.A., Correspondenzen, in: Süddeutsche Musik-Zeitung, No. 52, 14. Jahrgang, [Mainz, 25.12.1865], S. 206.


    Fränkischer Kurier


    o.A. Konzertbericht, in: Fränkischer Kurier, 33. Jahrgang, [Nürnberg, 23.10.1866].



    Sekundärliteratur


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    Aschauer, Michael. „Musikalische Institutionen in Graz vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“. In: Die Emporbringung der Musik in allen ihren Zweigen: musikalische Institutionen im Biedermeier; wissenschaftliche Tagung, 6. bis 7. Oktober 2012 Ruprechtshofen, N.Ö. Andrea Harrandt und Erich Wolfgang Partsch (Hg.). (= Publikationen des Instituts für Österreichische Musikdokumentation, Bd. 38).Tutzing: Schneider, 2014. S. 155−178.


    BBC News 8.3.2017. The first female professor in the UK, URL: http://www.bbc.com/news/uk-scotland-39191297, 17.04.2017.


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    Schweitzer, Claudia. ... ist übrigens als Lehrerin höchst empfehlungswürdig. Kulturgeschichte der Clavierlehrerin. Oldenburg: BIS-Verlag der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, 2008.


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    Strunz, Gunnar. Steiermark. Das grüne Herz Österreichs. Berlin: Trescher Verlag, 2011.


    Vaterl, Irina. Von Graz nach Glasgow. Die Pianistin Emma Ritter-Bondy (1838−1894). Wissenschaftliche Masterarbeit, Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz, 2017.


    Wier, Albert. Artikel „Ritter, Camillo”. In: The MacMillan Encyclopedia of Music and Musicians. New York: The Macmillan company, 1938. S. 1556.

    Forschung

    Über Emma Ritter-Bondy liegen zurzeit noch keine Publikationen vor. Vergeblich sucht man ihren Namen in den gängigen Musiklexika. Das heißt, sie zählt auch heute noch zu den „vergessenen Musikerinnen“. Durch den Kontakt und die Zusammenarbeit mit ihrem Urenkel, John Ritter (geboren 1936, der Enkelsohn von Camillo Ritter) und mithilfe der von ihm gesammelten Dokumente (Familienarchiv John Ritter, Lincoln), konnten jedoch große Teile ihrer künstlerischen Biografie rekonstruiert werden (vgl. hierzu ausführlich: Vaterl 2017). Aufschluss geben dabei erhaltene Konzertprogramme, Zeitungsartikel, sowie das von Emma Ritter-Bondy verwendete Gebetsbuch. Sie benutzte es, um einige persönliche Notizen darin festzuhalten, die meisten sind jedoch durch einen Zahlencode verschlüsselt.


    Erwähnung in den aktuellen Medien fand Emma Ritter-Bondy am 8. März 2017: Nach heutigen Recherchen gibt es die These, dass Emma Ritter Bondy die erste weibliche Professorin in Großbritannien war. Der englische Sender BBC widmete am Frauentag 2017 Emma Ritter-Bondy einen Beitrag. Zahlreiche englischsprachige Zeitungen veröffentlichten Artikel, ein Video Statement einer Professorin des „Royal Conservatoire of Scotland“ ist im Internet zu finden. (BBC News 7.3.2017, The first female professor in the UK, URL: http://www.bbc.com/news/uk-scotland-39191297, 17.04.2017)


    Die Annahme, dass 1908 mit Edith Morley, Professorin für Englische Literatur am University College Reading, die erste weibliche Professorin in Großbritannien arbeitete, würde somit widerlegt werden.

    Forschungsbedarf

    Als Ausgangspunkt für weitere Forschungen und Recherchen wäre Emma Ritter-Bondys Zeit in Schottland in Betracht zu ziehen. Es wäre interessant, mehr über ihre Lehrtätigkeit in Schottland zu erfahren, die Lebenswege ihrer ehemaligen Studierenden zu beleuchten und somit Einblick in ihre pädagogischen Erfolge zu erhalten. Waren ihre Studierenden später als professionelle Musiker erfolgreich? Gibt es in irgendeiner Weise Dokumente, die von ihren pädagogischen und didaktischen Ideen und ihrer Methodik Zeugnis ablegen? Da sie sich in doch relativ kurzer Zeit in Schottland als Lehrerin offensichtlich sehr gut etabliert hatte, wären auch Betrachtungen und Meinungen ihrer Kollegen in Glasgow interessant. Außerdem würde es einer fundierten und umfassenden geschichtlichen Recherche bedürfen, um Emmas Rang als erste weibliche Professorin in Großbritannien zu verifizieren und gegebenenfalls zu differenzieren oder gar zu widerlegen.

    Autor/innen

    Irina Vaterl


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 09.10.2018


    Empfohlene Zitierweise

    Irina Vaterl, Artikel „Emma Ritter-Bondy“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 9.10.2018.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Emma_Ritter-Bondy