Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (100%)
  • Deutsch
  • Else Cellarius

    von Christiane Tewinkel
    Namen:
    Else Cellarius
    Geburtsname: Else Mathilda Cellarius
    Ehename: Else Woolams
    Varianten: Else Else Mathilda Else Cellarius, Else Else Mathilda Else Woolams, Elsie Cellarius, Elsie Woolams, Elsie Elsie Mathilda Elsie Cellarius, Elsie Elsie Mathilda Elsie Woolams, Elsa Cellarius, Elsa Woolams, Elsa Elsa Mathilda Elsa Cellarius, Elsa Elsa Mathilda Elsa Woolams
    Lebensdaten:
    geb. in San Francisco, USA
    gest. in Monterey, CA, USA
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Sängerin, Musikförderin, Veranstalterin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Mrs. Woolams founded the Young People’s Symphony in San Francisco some 15 years ago and was active in the work of the Pacific Opera Company in developing American talent.“


    („Mrs. Woolams hat vor ungefähr fünfzehn Jahren die Young People’s Symphony in San Francisco gegründet und sich gemeinsam mit der Pacific Opera Company für die Heranziehung amerikanischer Talente engagiert.“; Sausalito News, 30. November 1950, S. 2)


    Profil

    Else Cellarius fiel früh als pianistisch begabtes Kind auf. Bereits 1895 war die damals Achtjährige an einem öffentlichen Klaviervorspiel beteiligt. Im Jahre 1900 beschloss die Familie, Else und ihrer zehn Jahre älteren Schwester Aimee Cellarius weitere Studien in Europa zu ermöglichen. Else nahm in den späten Wintermonaten des Jahres 1900 offenbar Unterricht bei einer der Assistentinnen von Theodor Leschetizky. Möglicherweise waren die beiden Schwestern danach auch Schülerinnen bei Moritz Moszkowski in Paris. Zeitungsberichte belegen ferner einen Auftritt als Sängerin an der Dresdner Hofoper im Frühjahr 1907 und in San Francisco 1912; 1912 heiratete Else Cellarius den Briten Leonard Woolams und nahm seinen Namen an. In späteren Jahren engagierte sie sich in der regionalen Musikförderung. Else Cellarius scheint zudem komponiert zu haben, auch wenn keine Werke mehr aufzufinden sind und lediglich der Titel einer einzigen Komposition überliefert ist.

    Orte und Länder

    Else Cellarius wuchs in der kalifornischen Bay Area auf und verbrachte als Jugendliche mit ihrer Familie zwei Jahre in Europa, vor allem in Wien und Paris. Danach kehrte sie mehrfach nach Europa zurück und trat etwa in Dresden auf. Um 1912 wurde sie erneut in der Bay Area ansässig.

    Biografie

    Else Mathilda Cellarius wurde am 21. Februar 1887 oder 1888 als Kind deutschstämmiger Eltern in San Francisco geboren. Die wichtigste historische Quelle für ihre Kinderjahre und ihre besondere musikalische Begabung sind – wie im Falle der gleichaltrigen Alma Stencel – die Lebenserinnerungen des kalifornischen Pianisten und Klavierpädagogen Hugo Mansfeldt. Else Cellarius war ihm aufgefallen, als sie im Alter von zwei Jahren die Melodien der Stücke mitsang und summte, die ihre ältere Schwester Aimee (1877–1976) bei ihm im Klavierunterricht spielte. Eben vierjährig geworden, kam Else als Schülerin zu Mansfeldt, der weiter berichtet, dass „[a] week before she was five years old, she played the famous sonata in G major by Beethoven, up to speed“ („sie eine Woche vor ihrem fünften Geburtstag Beethovens berühmte Sonate G Dur in korrektem Tempo spielte“; A Californian Liszt Legacy, S. 110). Im Oktober 1895 trat Else mit anderen sehr jungen Mitstreiterinnen bei einem Konzert auf (San Francisco Call, 15. Oktober 1895, S. 19), und im März 1896 spielte sie in einem Schülerkonzert Georg Friedrich Händels „Harmonischen Grobschmied“, „with good execution and wonderful facility, considering her age. The piano passages were rendered in a particularly pretty and graceful manner“ („mit für ihr Alter guter Ausführung und wunderbarer Leichtigkeit. Die leisen Passagen wurden besonders hübsch und anmutig gespielt“; San Francisco Call, 21. März 1896, S. 7). Anfang September 1900 übersiedelte die Mutter Bertha Cellarius gemeinsam mit Aimee und Else nach Wien, um den beiden dort weitere Klavierstudien zu ermöglichen (San Francisco Call, 2. September 1900, S. 34). Mansfeldt berichtet, dass Else, die das notwendige Eintrittsalter von fünfzehn Jahren zu dieser Zeit noch nicht erreicht hatte, vom Konservatorium mit einer Art Sonderzulassung bedacht wurde; A Californian Liszt Legacy, S. 120. Dieser Vorgang ist in den Akten des Wiener Konservatoriums nicht zu belegen; möglicherweise hatte sich auch ein Mitglied der Fakultät erboten, Else privat zu unterrichten. Ebenfalls nicht zu belegen ist, dass Else Klavierunterricht bei einer der Assistentinnen von Theodor Leschetizky in Wien nahm. Mansfeldt schildert unterdessen folgende Episode: „When Leschetitzky returned [from Italy], all applicants for lessons were informed of the day he would receive them, and Mrs. Cellarius lost no time in calling at his house with Else. Mrs. C. had already discontinued Else’s lessons with the assistant teacher, as she told my wife the child had known for years the things the woman was teaching her. They were shown into the reception room, and the moment Leschetitzky entered, this enfant terrible, Else, went up to him and said, ‚I stopped taking lessons from your teacher, – I can play better than she can.’ You can imagine the fury of that old autocrat at thus having his teachers belittled by this child from San Francisco. He said to the mother angrily, ‚Take that child back to the teacher I sent you to. When I tell my pupils to jump out of a window, they must not first look where they are going to land, but they must jump at once.’“ („Als Leschetizky [aus Italien] zurückkehrte, wurden alle Aspiranten über ihre Unterrichtstage informiert, und Mrs. Cellarius verlor keine Zeit, ihn gemeinsam mit Else zu Hause aufzusuchen. Den Unterricht bei den Assistentinnen hatte Mrs. C. bereits abgesagt, da dem Kind die Dinge, die die Frau ihr beibrachte, seit Jahren bekannt waren, wie sie meiner Frau erzählte. Man führte sie ins Empfangszimmer, und als Leschetizky eintrat, ging Else, das enfant terrible, zu ihm und sagte, ‚Ich habe aufgehört bei Ihrer Lehrerin, – ich kann besser als sie spielen.’ Man kann sich den Zorn des alten Autokraten vorstellen, darüber, dass ein Kind aus San Francisco seine Lehrerinnen so herabsetzte. Wütend sagte er zu der Mutter, ‚Bringen Sie das Kind wieder zu der Lehrerin zurück. Wenn ich meinen Schülern sage, dass sie aus dem Fenster springen sollen, dürfen sie nicht erst schauen, wo sie landen werden, sie müssen sofort springen.’“; A Californian Liszt Legacy, S. 121–122. Unterdessen immatrikulierte sich Elses Schwester Aimee Cellarius am 16. September 1900 am Wiener Konservatorium in der sogenannten Ausbildungsschule (Klavierklasse Anton Door, zusätzlich Unterricht in Harmonielehre bei Hermann Grädener, s. Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Konservatoriumsakten). Aimee wurde jedoch Anfang Februar 1901 suspendiert, nachdem sie nicht mehr zum Unterricht erschienen war; ein ungeöffnet an das Konservatorium zurückgesandter Brief belegt, dass die Familie zwischenzeitlich nach Berlin verzogen, dort jedoch ebenfalls nicht mehr aufzufinden war (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Gesellschaftsakten 491 ex 1900/1901). Die Rückkehr in die USA fand im Sommer 1902 statt, mit einem Zwischenhalt in New York (San Francisco Call, 29. Juni 1902, S. 30). Über die folgenden Jahre in Else Cellarius’ Leben ist wenig bekannt. Offenbar sattelte sie musikalisch um: Am 15. Februar 1907 debütierte sie an der Dresdner Hofoper als Pamina (Tage-Buch der Königlich Sächsischen Hoftheater, 91. Jahrgang, Dresden 1908, S. 76). Die Kritik reagierte anerkennend, sprach von einem „vorteilhaft[en] und erfolgreich[en]“ Versuch und hebte lobend hervor, dass sie „ziemlich unbefangen und wagemutig“ gesungen und gespielt habe. Bemängelt wurde dagegen, dass es ihr an „Sicherheit der Intonation“ fehle (Dresdner Nachrichten, Abend-Ausgabe, 17. Februar 1907, S. 1).


    Im Frühjahr 1910 ist eine Schiffsreise Hamburg – New York zu belegen. Im Oktober 1912 heiratete Else Cellarius in San Fancisco den gebürtigen Briten Leonard Woolams. Das Paar bekam im Laufe der Jahre zwei Söhne und eine Tochter. Die Zeitung „San Francisco Call“ fasste mit Blick auf die junge Braut zusammen, dass „[r]ecently she returned from Europe, where she received her musical and literary education. Since her return to San Francisco she has continued her studies along these lines, and is well known as a singer and composer on this coast“ („sie gerade erst aus Europa zurückgekehrt ist, wo sie ihre musikalische und literarische Bildung erhalten hat. Seit ihrer Rückkehr nach San Francisco hat sie sich ihren Studien weiter gewidmet, und ist hier an der Küste als Sängerin und Komponistin sehr bekannt.“; 6. Oktober 1912, S. 53) An Heiligabend 1912 trat Else Woolams als Sängerin bei einem Weihnachtskonzert mit einer einzigen Nummer, dem Weihnachtslied „Noel“, auf (San Francisco Call, 24. Dezember 1912, S. 13). Über die folgenden Jahre ist abermals nichts bekannt. Eine nächste Quelle berichtet von der Zugehörigkeit der Eheleute Woolams zur „San Francisco Opera Association Founder’s List 1923“. Auch gehörte Else Woolams zu den Unterstützerinnen eines Quartettabend des San Francisco Quartet (Sausalito News, 1. Oktober 1937, S. 5). 1938 sandte sie einen „Golden Gate exposition march song of 1939“ für Klavier und Stimme an die Library of Congress, offenbar mit dem Wunsch, ihn zu veröffentlichen (Library of Congress. Copyright Office. Catalog / of / Copyright Entries / Part 3 / Musical Compositions. New Series, Vol. 33, Part 2. Last Half of 1938. Nos. 7-12, United States / Government Printing Office / Washington: 1939, S. 1267).


    Ein nächster Hinweis auf Else Woolams’ musikalisches Engagement findet sich erst im Spätherbst des Jahres 1950, als die „Sausalito News“ über eine geplante regionale Kulturinitiative berichtet: Unter dem Motto „Sunday Salons in Marin“ („Sonntägliche Salons in Marin“) und in der Verantwortung des „Marin Art and Garden Center“ sollen im darauffolgenden Jahr regelmäßige kulturelle Veranstaltungen stattfinden: „Mrs. Else Woolams of Mill Valley“ wird als „chairman of the new series of events at the Center („Vorsitzende der neuen Reihe von Veranstaltungen im Center“) genannt (30. November 1950, S. 2). Am 23. Mai 1951 berichtet das in San Rafael, California ansässige „Daily Independent Journal“ sogar von der Gründung eines eigenen Orchesters für diese Reihe (S. 11). Else Woolams’ Tätigkeit als Vorsitzende der Planungsgruppe ist auch für das Jahr 1953 noch belegt (Daily Independent Journal, 28. Februar 1953, S. 21). Ihre Tätigkeiten in den nächsten Jahrzehnten sind bislang unbekannt.


    Else Cellarius, verh. Woolams, starb am 8. Oktober 1986 im kalifornischen Monterey.

    Würdigung

    Else Cellarius wirkte im Laufe ihres Lebens sowohl als Pianistin wie auch als Sängerin und Komponistin. Sie gehörte dabei zu einer Generation von musikalisch hochbegabten jungen Frauen, die trotz einer ausgezeichneten Ausbildung keine professionelle Laufbahn als Musikerinnen einschlugen. Dennoch manifestierte sich im Fall von Else Cellarius die Ausbildung in einem lokal fokussierten, gleichwohl nachhaltigen musikalischen Engagement.

    Werkverzeichnis

    Über Else Cellarius’ Kompositionen ist nichts bekannt. Lediglich ein einziges Werk, ein „Golden Gate exposition march song of 1939“ für Klavier und Stimme, ist dem Titel nach bekannt und wurde 1939 im „Catalog of Copyright Entries“ der Library of Congress verzeichnet (Library of Congress. Copyright Office. Catalog / of / Copyright Entries / Part 3 / Musical Compositions. New Series, Vol. 33, Part 2. Last Half of 1938. Nos. 7-12 / United States / Government Printing Office / Washington: 1939, S. 1267).

    Quellen

    Unpublizierte Quellen


    Wien, Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Konservatoriumsakten und Gesellschaftsakten



    Literatur


    Tewinkel, Christiane (ed.), A Californian Liszt Legacy. The Pianist Hugo Mansfeldt and His Pupils Alma Stencel and Else Cellarius, Sinzig: Studioverlag 2016. Verlagsseite: http://www.studiopunktverlag.de/9783895641770.php



    Quellen im World Wide Web – Zeitungen und Zeitschriften


    Ancestry. Genealogy, Family Trees and Family History Records: ancestry.com, Stand 15. März 2016.


    California Digital Newspaper Collection: cdnc.ucr.edu, Stand 15. März 2016.


    Chronicling America. Historic American Newspapers: chroniclingamerica.loc.gov, Stand 15. März 2016.


    Historical Newspapers: news.hrvh.org, Stand 15. März 2016.

    Forschung

    Else Cellarius’ musikalische Vita ist vor allem durch den Lebensbericht ihres einstmaligen Lehrers Hugo Mansfeldt dokumentiert (Tewinkel, Christiane (ed.), A Californian Liszt Legacy. The Pianist Hugo Mansfeldt and His Pupils Alma Stencel and Else Cellarius, Sinzig: Studioverlag 2016). Die wissenschaftliche Edition ergänzt seinen Bericht um Details zu Elses Familie, besonders zu ihrer Schwester Aimee, und um weitere Daten und Berichte über die junge Pianistin/Sängerin aus zeitgenössischen Quellen. Zu Art und Anlage ihrer kompositorischen Tätigkeit ist indessen so gut wie nichts bekannt.

    Forschungsbedarf

    Neben grundsätzlichen Unklarheiten zu Elses Aufenthaltsorten und ihrem künstlerischen Wirken zwischen 1902–1912 steht die Frage, wann und wieso sie sich vom Klavier abwandte und ins Gesangsfach wechselte. Überdies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar, welche Gründe sie wann zur Aufgabe ihrer professionellen Ambitionen bewegten. Auch über ihr Engagement als Musikförderin an der amerikanischen Westküste ist noch sehr wenig bekannt.

    Autor/innen

    Christiane Tewinkel, Februar 2017


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel zuerst eingeben am 22. Februar 2017

    Zuletzt bearbeitet am 10.03.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Christiane Tewinkel, Artikel „Else Cellarius“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.3.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Else_Cellarius