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  • Elisabeth Küfer

    von Martina Bick
    Namen:
    Elisabeth Küfer
    Lebensdaten:
    geb. in Augsburg, Deutschland
    gest. unbekannt in Auschwitz-Birkenau (Konzentrationslager), Polen
    Tätigkeitsfelder:
    Musikerin

    Profil

    Elisabeth Küfer ist eine von drei Musikerinnen, deren Ausschluss aus der Reichsmusikkammer 1940 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) mit der Kennzeichnung „Zigeunerin“ publiziert wurde.

    Orte und Länder

    Elisabeth Küfer wurde in Augsburg geboren und lebte in Mamming-Schwaigen, Niederbayern. 1943 wurde sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert.

    Biografie

    Elisabeth Küfer wurde am 5. April 1917 in Augsburg geboren. In ihrem Aufsatz „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte“ (Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard 2016, online-Publikation o.S.) teilt Claudia Maurer Zenck mit, dass in den Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer [RKM], die ab Oktober 1938 in den „Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer“ (AMRMK) publiziert wurden, in den Jahren 1940 und 1941 einige Musiker und Musikerinnen auf eine bestimmte Weise gekennzeichnet wurden, nämlich als „Zigeuner“ und „Zigeunerin“. Unter den 84 derart öffentlich Ausgeschlossenen dieser ethnischen Gruppe – 33 Sinti aus dem „Altreich“ und 51 Roma und Sinti aus der „Ostmark“ – fand Maurer Zenck drei Frauen (Sintezza): Frieda Seger, Elisabeth Küfer und Friederike Küfer aus Mamming-Schwaigen in Niederbayern. Friederike Küfer, geboren 1897 in Botnang bei Stuttgart, war vermutlich die Mutter von Elisabeth Küfer.

    Claudia Maurer Zenck rekonstruierte ferner aus dem Eintrag von Elisabeth Küfers Namen in das sogenannte „Hauptbuch des Zigeunerlagers Auschwitz (Frauen)“ unter der Nummer [Z] 4015, dass Elisabeth Küfer am 16. März 1943 mit einem großen „Zigeuner“-Transport ins gerade errichtete „Zigeunerlager“ von Auschwitz-Birkenau eingeliefert wurde (vgl. ebenda). Ihr Name ist im „Hauptbuch“, der Dokumentation dieses Lagers, in dem von Ende Februar 1943 bis Ende Juli 1944 mehr als 20.000 Roma und Sinti inhaftiert waren, mit dem Eintrag „Arbeiterin“ verzeichnet, durch den Eintrag in die Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer konnte sie jedoch als Musikerin identifiziert werden. Bei ihrer Registrierung in Auschwitz war sie 26 Jahre alt. Solange keine Informationen über ihr weiteres Schicksal bekannt werden, muss sie als im KZ Auschwitz-Birkenau verschollen gelten.

    Quellen

    „Ausschlüsse aus der Reichsmusikkammer“, in: Amtliche Mitteilungen der Reichsmusikkammer [AMRMK] 7/5 vom 15. Mai 1940, S. 22.


    Czech, Danuta, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek 1989, S. 443.


    „Hauptbuch des Zigeunerlagers Auschwitz (Frauen)“, in: Gedenkbuch. Die Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, hrsg. vom Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Zusammenarbeit mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, 2 Bde., München 1993, Bd. 1 (in Bd. 2: „Hauptbuch des Zigeunerlagers Auschwitz [Männer]“).


    Maurer Zenck, Claudia, „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte“, in: Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard, online seit August 2016, Kapitel Biographik, http://mugi.hfmt-hamburg.de/Beatrix_Borchard/


    Maurer Zenck, Claudia, „Verfolgungsgrund: 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, in zwei Teilen erschienen in: mr-[musica reanimata-]Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 1–19, und H. 89 (März 2016), S. 1–20.


    Maurer Zenck, Claudia, Verfolgungsgrund: „Zigeuner“. Unbekannte Musiker und ihr Schicksal im „Dritten Reich“, Wien 2016 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur – Studien und Texte, Bd. 25).


    https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00006544

    Forschung

    In den Ausschlusslisten der Reichsmusikkammer von 1940 und 1941 konnte Claudia Maurer Zenck bisher 15 Musiker (einer 1939, drei 1942, elf 1943) auffinden, die durch andere Quellen als Sinto oder Rom identifiziert werden konnten; weitere Musikerinnen waren jedoch nicht dabei. Die hohe Zahl der ausgeschlossenen „Zigeuner“ und „Zigeunerinnen“ in der „Ostmark“ erklärt Maurer Zenck mit den starken Bemühungen der NS-Behörden, die „Zigeunerplage“ in der „Ostmark“ möglichst schnell und radikal zu lösen (vgl. Claudia Maurer Zenck, „Verfolgungsgrund 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, Tl. 1, in: mr-Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 6–9).

    Forschungsbedarf

    Über Elisabeth Küfer und die anderen als „Arbeiterin“ gekennzeichneten Frauen sind im „Hauptbuch (Frauen)“ keine Daten zu ihrem weiteren Schicksal nach ihrer Ankunft im „Zigeunerlager“ festgehalten und noch keine weiteren Forschungen angestellt worden. Ob Elisabeth Küfer in Ausschwitz mehr als ein Jahr überleben konnte, im April, Mai oder August 1944 nach Ravensbrück deportiert wurde und damit eine geringe Chance hatte, das „Dritte Reich“ zu überleben, muss noch untersucht werden. Vielleicht kann ihr Name in einem der Register von Ravensbrück oder einem anderen Lager aufgefunden werden. Es muss ferner ermittelt werden, in welcher Weise Elisabeth Küfer als Musikerin tätig war.

    Autor/innen

    Martina Bick


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 01.06.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Martina Bick, Artikel „Elisabeth Küfer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.6.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Elisabeth_Küfer