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    von Monika Kammerlander
    Namen:
    Constanze Mozart
    Geburtsname: Constanze Weber
    Ehename: Constanze von Nissen
    Lebensdaten:
    * in Zell im Wiesental, Deutschland
    in Salzburg, Österreich
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Nachlassverwalterin
    Charakterisierender Satz:

    Letzter Gruß Constanze Mozarts an ihren soeben verstorbenen Gatten Wolfgang A. Mozart in Form einer Eintragung in sein Stammbuch, notiert auf der Rückseite der Eintragung von Dr. Sigmund Barisani, die ihr als Vorlage diente:

    ”Was Du einst auf diesem Blatte an Deinen Freund schriebst,

    eben dieses schreibe nun Tiefgebeugt an Dich

    vielgeliebter Gatte; mir, und ganz Europa unvergeßlicher Mozart –

    auch Dir ist nun wohl- auf ewig wohl!!!---

    Um 1, U. nach Mitternacht vom 4te zum 5te Dezember deß Jahres

    Verließ er in Seinem 36te Jahre- O! nur allzu frühe! –

    Diese gute- aber undankbare Welt! – O Gott! –

    8 Jahre knüpfte uns daß zärtlichste, hienieden unzertrennliche Band! –

    O! könnte bald auf ewig mit Dir verbunden seyn.

    Deine äußerst betrübte Gattin

    Constance Mozart née ‘Weber”

    (Faksimile-Abdruck in Arthur Schurig: Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Leben, seine Persönlichkeit, sein Werk, Bd. 2, Leipzig: Insel-Verlag. S. 333. Constanze irrt sich hier in der Zahl der Ehejahre; sie war neun Jahre mit Mozart verheiratet.)


    Profil

    Die ausgebildete Sängerin Constanze Mozart war für Mozart eine gute Zuhörerin und engste Vertraute. Auf den zahlreichen Reisen (z.B. Prag 1787 und 1791) Sie begleitete sie nicht nur ihren Ehemann, sondern übernahm zunehmend die Reiseorganisation. Obgleich sich ihre Ehe mit Mozart als immer schwieriger gestaltete, hatte sie bis zum Tode Mozarts, allen negativen Vorurteilen Leopold Mozarts zum Trotz, um die Gunst ihres Schwiegervaters gerungen.


    Nach Mozarts Tod war Constanze aus finanziellen Gründen gezwungen, selbst wieder musikalisch aktiv zu werden und konzertierte zunächst in Wien, dann in Leipzig, Dresden und Prag. Sie veranstaltete Soireen, bei denen sie ihren späteren Ehemann, Nikolaus von Nissen kennen lernte. Mit ihm begann sie eine umfassende Mozart-Biografie, die sie nach Nissens Tod fertig stellte und herausgab. Mit dieser über 50 Jahre andauernden Tätigkeit legte sie den Grundstein für die Mozartforschung.

    Orte und Länder

    Constanze Mozart wurde als dritte von vier Töchtern Fridolin Webers und seiner Frau Cäcilia in Zell geboren. 1763 übersiedelte die Familie nach Mannheim. 1779 erfolgte der Umzug der Familie Weber nach Wien, wo Aloisia, die Schwester Constanzes, ein Engagement am Burgtheater bekommen hatte. 1781 nahm die verwitwete Cäcilia Weber den eben aus den erzbischöflichen Diensten aus Salzburg entlassenen Wolfgang A. Mozart als Untermieter auf.


    Am 4. August 1782 heirateten Constanze Weber und Wolfgang A. Mozart in Wien, wo das Ehepaar auch wohnhaft blieb. Nach Mozarts Tod 1791 trat Constanze Mozart wieder in Konzerten auf, am 28. Februar 1796 stand sie in einer Partie in ”La Clemenza di Tito” sogar auf der Bühne des Königlichen Operntheaters zu Berlin.


    1811 übersiedelte sie mit ihrem am 26. Juni 1809 in Preßburg geehelichten zweiten Ehemann Nikolaus von Nissen nach Kopenhagen, wo das Ehepaar begann, den musikalischen Nachlass Wolfgang A. Mozarts zu ordnen. Nach dem Verkauf des Hauses in Kopenhagen übersiedelte das Ehepaar Nissen 1821 nach Salzburg, um die Mozartbiografie zu vollenden. Nach dem Tod Nissens 1826 führte Constanze Mozart das Werk der Nachlass-Regelung in Salzburg zu Ende.

    Biografie

    Constanze Mozart wurde am 5. Januar 1762 in Zell, im schwarzwäldischen Wiesenthal geboren, als zweitjüngste Tochter von Fridolin Weber und seiner Frau Maria Cäcilia. Ihr Vater, der in Freiburg Jura studiert hatte, wurde als Amtmann in Zell 1763 gekündigt. Die Familie Weber übersiedelte nach Mannheim, in die Geburtsstadt von Cäcilia Weber, was für die Familie einen sozialen wie auch finanziellen Abstieg mit sich brachte. Fridolin Weber musste in der Folge seine Familie mit Gelegenheitsjobs als Sänger, Souffleur und schlecht bezahlter Notenkopist mühsam über Wasser halten.


    Trotzdem (oder gerade deswegen) war er bemüht, seinen Töchtern die beste Erziehung angedeihen zu lassen. Die gute Schulbildung seiner Töchter lässt auf deren Unterricht in der Katholischen Schule der Congregation von Notre Dame schließen. Alle vier Mädchen hatten nämlich ausgezeichnete Kenntnis der französischen Sprache in Wort und Schrift. Die Musikausbildung musste der Vater wohl selbst übernommen haben, da alle Töchter eine virtuose Koloraturtechnik besaßen und exzellent Klavier spielten. So hatte Wolfgang A. Mozart sicher recht, wenn er die Familie Weber mit seiner eigenen verglich:

    “...ihr Vatter wie meiner, und die ganze famille wie die Mozartische.”

    Bei dem Gesangsunterricht, den Constanzes Schwester Aloisia Weber zwischen Oktober 1777 und März 1778 von Wolfgang A. Mozart erhielt, war meistens auch Constanze anwesend. Auch Constanze verrichtete nach eigenen Angaben täglich ihre Stimm- und Gesangsübungen. Drei der Töchter, nämlich Aloisia, Sophie und Josepha (Mitglied der Theatertruppe von E. Schikaneder) übten später den Musikerberuf als Sängerinnen und Pianistinnen aus. Die wahrscheinlich talentierteste von ihnen, Aloisia, konnte ab ihrem 19. Lebensjahr die gesamte Familie ernähren und auch deren gesellschaftlichen Status wieder heben.


    Nach seiner unbeantwortet gebliebenen Liebe zu Aloisia hatte Wolfgang A. Mozart für Constanze erst ein Auge, als er nach seinem Hinauswurf aus der Salzburger Hofmusik Anfang Mai 1781 nach Wien übersiedelte und bei der mittlerweile in Wien ansässigen Witwe Cäcilia Weber als Untermieter einzog. In einem Brief vom 15. Dezember 1781 gesteht Mozart seinem Vater bereits seine Liebe zu Constanze. Leopold Mozart verwehrte seine Einwilligung zur Eheschließung bis zum letzten Moment und ließ sich erst durch die Fürsprache der die Liebenden unterstützenden Baronin Waldstetten umstimmen. Noch bevor sein briefliches Placet eintraf, hatten Wolfgang und Constanze sich am 4. August 1782 trauen lassen.


    Je mehr sich die Beziehung zwischen Wolfgang A. Mozart und seiner Salzburger Familie, also seinem Vater und seiner Schwester Nannerl distanzierte, umso näher wurde ihm seine geliebte Constanze. Constanze Mozart galt mit ihren damals 20 Jahren als lebenslustig und war sicher auch in musikalischen Dingen eine gute Zuhörerin, später auch immer wichtigere Ratgeberin. Sie wurde Mozarts Begleiterin auf den wichtigen Reisen nach Prag 1787 und 1791.


    Während ihrer Ehe mit Wolfgang A. Mozart gebar sie sechs Kinder, von denen zwei überlebten. Die wachsende Geldnot in den letzten Ehe-Jahren mit Mozart, die vielen Quartierwechsel und anstrengenden Geburten zehrten jedoch derart an ihren Kräften, dass sich Constanze vermehrt in die Kuren nach Baden-Baden begab.


    Der Tod Wolfgang A. Mozarts am 5. Dezember 1791 traf die erst 29-jährige Witwe abrupt und sollte ihr Leben von Grund auf verändern. Die finanziellen Sorgen und die Sorge um ihre Söhne, den siebenjährigen Carl Thomas und den fünf Monate alten Franz Xaver Mozart zwangen Constanze, auch selbst musikalisch wieder aktiv zu werden. Die ausgebildete Sängerin konzertierte zunächst in Wien, später auch in Leipzig, Dresden und Prag. Am 28. Februar 1796 stand sie sogar in einer der Partien in ”La Clemenza di Tito” auf der Bühne des Königlichen Operntheaters zu Berlin. Um jedoch zu regelmäßigen Einnahmen zu kommen, beschloss sie, Untermieter in ihre Wohnung zu nehmen.


    Constanze bezog also eine geräumige Wohnung im obersten Stockwerk des Michaelerhauses. Dort arrangierte sie musikalische Soireen, die von vielen durchreisenden Künstlern, die Mozart kannten, besucht wurden. Einer der Stammgäste dieser Soireen war in der Saison 1797/98 Nikolaus Nissen, welcher, selbst hochmusikalisch, ein glühender Verehrer der Werke Wolfgang A. Mozarts war. Es traf sich gut, dass der als sympathisch, klug und hochgebildet geltende dänische Legationssekretär auf Wohnungssuche war. Bald zog Nikolaus Nissen in die geräumige Wohnung Constanzes ein. Er übernahm für die verwaisten Kinder die Vaterrolle und auch den Unterricht in Latein, Französisch und Algebra.


    Auch wenn die Hochzeit von Constanze Mozart und Nikolaus Nissen erst am 26. Juni 1809 stattfand – im Martinsdom zu Preßburg – bestand, nach allem was wir wissen, schon seit längerem eine ernsthafte Liebesbeziehung zwischen beiden.


    Wegen der angeschlagenen Gesundheit Nissens beschloss das Ehepaar in die Heimat des Gatten zu übersiedeln. Zehn Jahre lang lebten sie in der Lavendelgasse in Kopenhagen: Dort führte das Paar ein finanziell sorgenfreies Leben und Nikolaus von Nissen begann auf der Basis von Erzählungen seiner Frau mit seinem Lebenswerk, dem Schreiben der Mozart-Biografie.


    1821 reifte beim Ehepaar Nissen anlässlich eines Kuraufenthaltes in Gastein der Wunsch, sich in Salzburg niederzulassen. In ihrem neuen Haus am Nonnberg setzte Nikolaus von Nissen mit Hilfe Constanzes sein Alterswerk fort. Ferner unterstützte sie ihn bei der anstrengenden Reise nach Deutschland, die dem Aufsuchen von mit Mozart verbundenen Stätten und Personen gewidmet war. Constanze führte das von Nissen aufgrund seiner Krankheit und Todes am 22. März 1826 unvollendete Projekt der Mozart-Biografie zu Ende. Constanze holte ihre Schwester Sophie zu sich ins Haus, die am selben Tag wie sie ihren Mann verloren hatte. Bis zu ihrem Tod am 6. März 1842 – Constanze starb an einer Lungenlähmung – stellte sie ihr ganzes Leben in den Dienst der Erinnerung an ihren Mann.

    Würdigung

    Constanze Mozart war auf Grund ihrer hervorragenden musikalischen Ausbildung in der Lage, die Sopranpartien der Opern ihres Mannes gemeinsam mit ihm durchzuarbeiten. Wir wissen, dass Mozart diese anspruchsvolle Arbeit mit seiner Frau sehr geschätzt hat.


    Als Mozart im Spätsommer 1783 in Salzburg zu Besuch war, sang er mit seiner Frau und gemeinsam mit Freunden das berühmte Quartett aus dem dritten Akt des ”Idomeneo”. ”Andrò ramingo e solo”: Er selbst hatte die Partie des kretischen Königssohnes Idamantes übernommen. Der Vortrag des Quartetts erschütterte ihn derart, dass er in Tränen ausbrach und das Zimmer verlassen musste. Dies erzählte Constanze Mozart erst fünfzig Jahre später anlässlich eines Besuches 1829 von dem englischen Verleger Vincent Novello und dessen Frau Mary in Salzburg. Die Reisetagebücher der Novellos enthalten noch mehr Erstaunliches: Einmal habe Mozart seiner Frau gestanden, sein Glück sei zu groß, um dauerhaft zu sein.


    Wenige Jahre nach dem Tod ihres Mannes ließ Constanze Mozart den Klavierauszug des ”Idomeneo” veröffentlichen. In der Ankündigung dieser Ausgabe schrieb sie: ”Die Liebhaber und Kenner der Mozartischen Musik werden darinn alle die Schönheiten und Vorzüge seiner Kunst, welches jedes Werk Mozarts vor allen andern auszeichnet vielleicht in noch höherm Grade beysammen finden, weil der Stoff heroisch ist, und Mozart’s Geist im Großen und Erhabenen am herrlichsten glänzte.” Dieser Ausspruch zeugt von der Bewunderung und auch dem Verständnis für die hohen Ideale Wolfgang A. Mozarts. 1828 gibt Constanze Mozart die Mozart-Biografie ihres zweiten Mannes, Nikolaus von Nissen, heraus.

    Rezeption

    Constanze Mozart wird in den meisten der gängigen Mozart-Biografien als dem Genie ihres Mannes nicht gerecht werdenden Ehefrau beschrieben. In der biografischen Literatur über Wolfgang Amadeus Mozart gibt es genügend Aussagen, die angebliche charakterliche und menschliche Mängel Constanze Mozarts herausstreichen. Oft sind die Aussagen, wie zum Beispiel bei Wolfgang Hildesheimer, sogar widersprüchlich: ”Constanze war eine leichtlebige, dabei triebhafte Natur, sie gewährte Mozart – und vielleicht nicht nur ihm – erotische, zumindest sexuelle Befriedigung, wäre aber unfähig gewesen, ihm jenes Glück zu spenden, dessen ein geringerer zu seiner Selbstverwirklichung bedurft hätte. Darin war Mozart Egozentriker: Der Maßstab allen menschlichen Empfindens war ihm das von ihm selbst investierte Gefühl, nicht die Erwiderung des Partners, deren mehr oder weniger geringen Grad er nicht wahrnahm oder zumindest: erst dann wahrnahm, wenn er, wie von Aloisia, zurückgewiesen wurde. Seine Einsamkeit war zwar extrem, zugleich aber war sie ihm auch Schutz vor Verletzungen seines Ego.” Zunächst bemerkt er völlig richtig: ”Constanze Mozart ist der seltene Fall einer biographischen Schlüsselfigur, deren Bild wir aus keinem einzigen Selbstzeugnis zusammensetzen können, zumindest nicht, solange sie Constanze Mozart war. Und auch die Aussagen anderer über sie sind spärlich genug. Wir sind beinahe ausschließlich auf die an sie adressierten Briefe angewiesen, und auf die wenigen, meist unfreundlichen Andeutungen überlebender Zeitgenossen. Aus ihren acht Jahren als Mozarts Frau haben wir kein einziges Dokument von ihr selbst. Die Briefe an ihren Mann sind verschollen,” und weiter: ”Vielleicht offenbarte sich in ihnen jene Liebe und Fürsorglichkeit, die sie für ihren Gatten empfunden haben will, allzu ungenügend für die registrierende Nachwelt. (...) Es ist unwahrscheinlich, daß sie jemals psychisch gelitten hat, und auch ihre physischen Leiden betrachten wir mehr als willkommenen Vorwand zu Badekuren.”


    Auch Heinz Gärtners Abhandlungen über Constanze Mozart enthalten unzählige übelwollende Nachreden, wobei viele Fakten, die gegenteiliges beweisen, einfach verschwiegen werden. Dass Constanze Mozart die Mozartforschung erst nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes Nikolaus Nissen in Gang gebracht hat, wird häufiger ihren geldsüchtigen Ambitionen zugeordnet, als der Liebe zu ihrem Mann Wolfgang A. Mozart, die immer die Basis für die Arbeit am künstlerischen Nachlass bildete.


    Diesen eher negativen Darstellungen steht die erste Mozart-Biografie von Franz Niemetschek gegenüber, die Constanze in einem sehr ansprechenden und sehr realistischen Bild erscheinen lässt. In den Beschreibungen für den englischen Musikverleger Vincent Novello, der Constanze 1829 in Salzburg besuchte, dürfte sich mehr “Dichtung” als Wahrheit in Constanzes Lebensgeschichte gemischt haben.


    Die heutige Musikwissenschaft entdeckt in der Persönlichkeit Constanzes immer mehr Charakterzüge, die ihre Rolle als nächster und wichtigster Mensch für das Genie Wolfgang A. Mozart, der sie, wie er so oft betonte, innigst liebte, in neuem Licht erscheinen lassen. Sie zeugen von der Entwicklung des “innig geliebten Weibchens” zu einer gefestigten Persönlichkeit, die in den Wirren und Schwierigkeiten der letzten Ehejahre der Mozarts neben einer umsichtigen Haushaltsleiterin auch zur engsten musikalischen Beraterin ihres Mannes wurde.


    Ihre Mitwisserschaft der Zugehörigkeit Mozarts zu dem geheimen und von Staat und Kirche verfolgten Orden der “Illuminati” lässt sie noch mehr als engste Vertraute und Kennerin auch der geheimsten Gedankengänge und progressiven Weltanschauung ihres Mannes erscheinen.

    Repertoire

    Das erste dezidiert von Wolfgang A. Mozart seiner Frau Constanze gewidmete Werk war die Messe in c-Moll, KV 427 (417a), deren Sopranpartie Constanze bei deren Uraufführung am 26. Oktober 1783 in der Kirche St. Peter anlässlich des ersten Besuches des Ehepaares Mozart in Salzburg sang.


    Die Uraufführung der Oper “Entführung aus dem Serail” war am 16. Juli 1782. Drei Wochen später, am 4. August, heirateten Wolfgang und Constanze. Nicht nur, dass Wolfgang A. Mozart seine Liebesbeziehung und Gefühle zu Constanze in diesem Werk zum Ausdruck brachte. In der ersten Sendung von Ausschnitten des soeben fertiggestellten ersten Aktes an seinen Vater Leopold befand sich auch eine Kopie der Arie “Ach ich liebte, war so glücklich”, in einer Handschrift, die Leopold Mozart unbekannt war: sie war geschrieben von Constanze! Hiermit bewies sie sich auch als Tochter ihres Vaters, eines professionellen Notenkopisten.


    Im Herbst 1795 organisierte Constanze eine Deutschland-Tournee, auf der sie gemeinsam mit Aloisia und dem Pianisten Anton Eberl in Programmen mit Werken Mozarts auftrat. Die Konzerte der Witwe Mozarts und ihrer Schwester Aloisia, die als eine der berühmtesten Sängerinnen ihrer Zeit galt, wurden vom Publikum in Berlin, Leipzig und Hamburg enthusiastisch aufgenommen. Außerdem trugen sie damit nicht unwesentlich zu einer Verbreitung der Werke Wolfgang A. Mozarts in Deutschland bei. Im “Reisegepäck” dürften neben den Liedern auch Arien aus den Opern ihres verstorbenen Mannes gewesen sein.

    mehr zu Repertoire weniger zu Repertoire

    Zur Entstehung der c-Moll Messe, KV 427, weichen die Darstellungen von Wolfgang A. Mozart und seiner Frau Constanze zwar geringfügig voneinander ab, bringen jedoch weitgehend dasselbe zum Ausdruck: Constanze berichtet dem englischen Ehepaar Novello anlässlich eines Besuches der Bewunderer ihres verstorbenen Mannes in Salzburg, dass die Messe ihre Entstehung einem Gelübde Mozarts in Hoffnung auf die gesunde Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes entsprang.

    Obwohl Mozart die Messe nie vollendet hat, zeugt ihre großartige Konzeption und die auf Constanze maßgeschneiderte Führung der Sopranstimme von seiner großen Liebe zu seiner Frau. Besonders die prächtig angelegte Choral-Fuge (`Cum sancto spirito`) dürfte auf besonderen Wunsch Constanzes entstanden sein, die ihren Mann zum Schreiben von Fugen ermunterte, nachdem sie sich mit dem von Beiden so bewunderten polyphonen Stil von Bach und Händel auseinandergesetzt hatten.


    Die Stimmführung des Sopran-Parts zeigt zwar einen im Vergleich zu Aloisia geringeren Stimm-Umfang (nur bis zum c´´´), verlangt aber eine virtuose Koloratur-Stimme ebenso wie hohe Expressivität. Jane Glover berichtet in ihrem Buch “Mozart’s Women” über spezielle Stimmübungen, die Mozart im Hinblick auf die nahe Aufführung der Messe für Constanze geschrieben hat.


    Die Uraufführung der unvollendet gebliebenen Messe fand am Ende des ersten und letzten gemeinsamen Aufenthaltes des Ehepaares Mozart in Salzburg statt, am 26. Oktober 1783 in der Kirche St. Peter.

    Quellen

    Quellen

    Bauer, W. A., Deutsch, O.E.. Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, Kassel 1962-75.


    Mozart, Constanze. Briefe, Aufzeichnungen, Dokumente. Hrsg. von Arthur Schurig. Dresden: Opal, 1922.


    Nissen-Mozart, Constanze. Tagebuch meines Brief Wechsels in Betref der Mozartischen Biographie (1827-1837). Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg. Rudolph Angermüller (Hg.). Bad Honnef: Bock 1999.


    Nissen, Georg van. Biographie W. A. Mozarts. Leipzig 1828. Neuausgabe mit einem Vorwort von R. Angermüller: Hildesheim 1991.



    Literatur


    Berger, Ludwig. Die unverhoffte Lebensreise der Constanze Mozart. Tübingen: Wunderlich 1955.


    Carr, Friedrich. Mozart und Constanze. Stuttgart: Reclam 1986.


    Diez, Klemens. Constanze – gewesene Witwe Mozart. Ihre ungeschriebenen Lebenserinnerungen; nach vorwiegend authentischen Unterlagen. Wien: Österr. Verl.-Anst. [u.a.] 1982.


    Gärtner, Heinz. Mozarts Requiem. Frankfurt am Main/ Berlin: Ullstein, 1989.


    Glover, Jane. Mozart’s Women: his family, his friends, his music London: Macmillan 2005.


    Nottelmann, Karsten. Mitteilungen über ,das von gott geseegnete Kleeblatt.’ Exegese eines bisher unbekannten Briefs von Constanze Nissen an Carl Mozart. In: Mozart-Jahrbuch 2003/04, Kassel u.a.: Bärenreiter-Verlag 2005, S. 199-225.


    Ogris, Werner. Mozart im Familien- und Erbrecht seiner Zeit. Verlöbnis – Heirat – Verlassenschaft. Wien: Böhlau 1999.


    Perl, Helmut. “Der Fall Zauberflöte. Mozart und die Illuminaten.” Zürich, Mainz: Atlantis 2006.


    Arthur Schurig. Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Leben, seine Persönlichkeit, sein Werk, Bd. 2, Leipzig: Insel-Verlag. o.J.


    Unseld, Melanie: Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Hamburg: Rowohlt-Verlag 2005.


    Valentin, Erich. Das Testament der Constanze Mozart-Nissen. In: Neues Mozart-Jahrbuch. Regensburg: Bosse 1942.



    Weissenstein, Friedrich. Die Frauen der Genies. Wien: Deutiche, 2001.


    Welsh, Renate. Constanze Mozart. Eine unbedeutende Frau. München: DTV-Verlag 2004.

    Forschung

    Die widersprüchlichen Äußerungen zur Person Constanze Mozarts der diversen Mozart-Biografen zeigt, wie schwierig es ist, zu einer ihr gerecht werdenden Lebensdarstellung zu finden.


    Die Bibliothek der “Internationalen Stiftung Mozarteum” verfügt über eine erhebliche Anzahl von Mozart-Biografien, die noch nicht vollständig auf Berichte über Constanze Mozart ausgewertet sind.

    Forschungsbedarf

    Das Repertoire Constanzes auf den Konzert-Reisen nach dem Tod ihres Mannes in Linz, Graz, Berlin, Leipzig, Hamburg und Prag ist noch wenig recherchiert.


    Die Frage nach den Retouchen in Briefen Mozarts (v.a. Ausradieren von Namen von Bekannten und Freunden) können nach dem Erscheinen von Helmut Perls Buch “Der Fall ‚Zauberflöte’. Mozart und die Illuminaten” in einem neuen Licht gesehen werden. Da Mozart in seinen letzten fünf Lebensjahren selbst dem in vieler Hinsicht radikalen Freimaurer-Zirkel der “Illuminati” sehr nahe stand, musste er Repressionen seitens des Staates und der Kirche befürchten, die schon viele seiner Freunde erlitten hatten. Möglicherweise wollte Constanze mit ihren Namens-Retouchen nach Mozarts Tod viele dieser Freunde schützen und nicht der Zensur preisgeben.


    Constanze war eingeweiht in die geheimsten Gedankengänge ihres Mannes. Sie wusste, dass Mozart eine neue Loge mit dem Namen “Grotte” gründen wollte. Laut Helmut Perl (S. 153) schrieb sie am 21. Juli 1800 an den Verlag Breitkopf & Härtel dazu: “Ich leihe Ihnen hiemit zum Gebrauch für die biographie (...) einen Aufsatz, größtentheils in der Handschrift meines Mannes, von einem Orden oder Gesellschaft die er errichten wollte: Grotta genannt. Ich kann nicht mehr Erläuterung schaffen, der hiesige hofklarinettist Stadler der ältere, der den Rest geschrieben hat, könnte es, trägt aber Bedenken zu gestehen, daß er darum weiß, weil die Ordens oder geheime Gesellschaften so sehr verhaßt sind.”


    Dies lässt die Schwierigkeiten der letzten Ehejahre der Mozarts in neuem Licht erscheinen und bedarf neuer Forschungsarbeit.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 12345861
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 11873721X
    Library of Congress (LCCN): n81139238
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    Autor/innen

    Monika Kammerlander, Die Grundseite wurde im November 2006 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 29.9.2006


    Empfohlene Zitierweise

    Monika Kammerlander, Artikel „Constanze Mozart“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 29.9.2006.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Constanze_Mozart