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  • Anna Weindlich

    von Martina Bick
    Namen:
    Anna Weindlich
    Varianten: Anna Weinlich
    Lebensdaten:
    geb. in Kattowitz (oder Kottwitz), Deutschland
    gest. in KZ Auschwitz-Birkenau, Polen
    Tätigkeitsfelder:
    Musikerin, Sängerin

    Profil

    Die Sängerin Anna Weindlich wurde mit ihrer Mutter und ihrer knapp vierjährigen Tochter Lisa 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort wenige Wochen später ermordet. Über ihr Leben und ihre berufliche Tätigkeit ist bis jetzt nichts bekannt.

    Orte und Länder

    Anna Weindlich wurde in Kattowitz (oder Kottwitz) geboren und in Auschwitz-Birkenau ermordet.

    Biografie

    Die Sängerin Anna Weindlich, Sintezza, wurde am 26. Februar 1915 in Kattowitz (oder Kottwitz) geboren und wurde am 17. März 1943 auf einem Transport mit deutschen, tschechischen und polnischen Staatsangehörigen zusammen mit ihrer Mutter Therese Anna Weindlich und der knapp vierjährigen Lise Weindlich – die höchstwahrscheinlich ihre Tochter war - ins KZ Auschwitz-Birkenau eingeliefert. Das „Hauptbuch (Frauen)“, die Dokumentation des sogenannten „Zigeunerlagers“ des KZs Auschwitz-Birkenau, in dem von Ende Februar 1943 bis Ende Juli 1944 mehr als 20.000 Roma und Sinti inhaftiert waren, bezeichnet sie allerdings zu diesem Zeitpunkt (1943) als 21-jährig (S. 273/4). Sie wurde bereits sieben Wochen nach der Deportation ermordet, ihre Mutter fünf Tage später, am 10. Mai 1943. Die kleine Lise überlebte Mutter und Großmutter um zwei Monate.

    Mit demselben Transport wurden auch fünf Männer mit Namen Weindlich (und einer mit Namen Weinlich) nach Birkenau deportiert, wie dem „Hauptbuch (Männer)“ auf S. 111 bzw. 110 zu entnehmen ist.

    Quellen

    Erlass über die Wandermusiker in der Pfalz vom 24.3.1939, in: AMRMK 6/7 (1.4.1939).


    „Hauptbuch des Zigeunerlagers Auschwitz (Frauen)“, in: Gedenkbuch. Die Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, hrsg. vom Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Zusammenarbeit mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, 2 Bde., München 1993, Bd. 1 (in Bd. 2: „Hauptbuch des Zigeunerlagers Auschwitz [Männer]“).


    Maurer Zenck, Claudia, „Spuren unbekannter deutscher und österreichischer Musikerinnen. Auf der Suche nach NS-verfolgten ‚Zigeunerinnen‘ und ihrer Geschichte, in: Multimediale Festschrift für Beatrix Borchard, online seit August 2016, Kapitel Biographik, http://mugi.hfmt-hamburg.de/Beatrix_Borchard/


    Maurer Zenck, Claudia, „Verfolgungsgrund: 'Zigeuner'. Nachruf auf unbekannte Musiker“, in zwei Teilen erschienen in: mr-[musica reanimata-]Mitteilungen H. 88 (Dez. 2015), S. 1–19, und H. 89 (März 2016), S. 1–20.


    Maurer Zenck, Claudia, Verfolgungsgrund: „Zigeuner“. Unbekannte Musiker und ihr Schicksal im „Dritten Reich“, Wien 2016 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur – Studien und Texte, Bd. 25).


    Sterbebücher von Auschwitz. Fragmente. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau,hrs. von Jerzy Debski, 3 Bde, München 1995.



    Forschung

    Claudia Maurer Zenck nimmt an, dass ebenso wie bei den männlichen Roma- und Sinti-Musikern, bei denen das Musikantenhandwerk vom Vater an die Söhne weitergegeben wurde, auch „die Sängerinnen ihre Töchter in ihr Metier eingeführt haben; dafür sprechen die beiden Sängerinnen Weindlich oder Weinlich, die im KZ Auschwitz ermordet wurden.“ (Maurer Zenck, August 2016, online-Publikation o.S.)

    Forschungsbedarf

    Die vier Sängerinnen, die im „Hauptbuch (Frauen)“ aufscheinen (Hanny Winterstein und Marie Winterstein, Therese Anna Weindlich und Anna Weindlich), waren ebenso wenig in der Reichsmusikkammer angemeldet wie die als „Musikerin“ eingetragenen (Martha Eckstein, Dora Christ, usw.), stellt Claudia Maurer Zenck fest (vgl. Maurer Zenck a.a.O.). Sie vermutet, dass diese Musikerinnen mit einer Kapelle Unterhaltungsmusik gemacht haben und dazu durch die Städte oder über Land gezogen waren. „Denn die sog. Wandermusiker wurden seit 1937 bis zum 1. April 1939 im ‚Dritten Reich‘ per Erlass nach und nach aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen [Erlass über die Wandermusiker in der Pfalz vom 24.3.1939, Absatz II, S. 23; infolgedessen konnten die Österreicherinnen nach dem ‚Anschluss‘ vermutlich gar keinen Antrag auf Aufnahme mehr stellen]. Die ganz jungen Frauen kamen dafür ohnehin noch nicht in Frage; sie hatten vermutlich auch noch keinen Wandergewerbeschein, den Reisende benötigten, oder ein vom Arbeitsamt ausgestelltes Arbeitsbuch, in das ihre Engagements in Gaststätten o. ä. eingetragen werden mussten. Wie es sich damit bei ihnen und bei den um eine oder zwei Generationen älteren Musikerinnen tatsächlich verhielt, muss noch erforscht werden.“ (Maurer Zenck a.a.O.)

    Autor/innen

    Martina Bick


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 21.07.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Martina Bick, Artikel „Anna Weindlich“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 21.7.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Anna_Weindlich