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Renate Birnstein

* 17. November 1946 in Hamburg, Deutschland.



“Komponieren ist für mich Ausdrucksbedürfnis und “Forschungsbedürfnis” in einem, das Bestreben, etwas Persönliches musikalisch zum Ausdruck zu bringen und der Wunsch, das musikalische “Material” zu erforschen, zu entdecken, wie es sich verhält, wenn ich mit ihm kompositorisch arbeite.”
H�rbeispiel
„in terra”, für 24-stimmigen Chor a cappella (1978)
Notenbeispiel Schriftprobe
Mediennachweis

Bild
Renate Birnstein (2006)
Privatbesitz. Mit freundlicher Genehmigung von Renate Birnstein.

Hörbeispiel
Beginn von „in terra”, für 24-stimmigen Chor a cappella (1978)
Aufnahme des Norddeutschen Rundfunks vom 12.09.1979, Dir. Alexander Sumski.
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Prof. Renate Birnstein, Herrn Prof. Dr. Alexander Sumski und des Norddeutschen Rundfunks.

Notenbeispiel
Beginn von ”in terra” für 24-stimmigen Chor a cappella (1978). Mit freundlicher Genehmigung des Musikverlags Hans Sikorski ©, Hamburg.

Schriftprobe
Les horloges, für Klavier aus dem Zyklus "Les temps" (1995) Privatbesitz. Mit freundlicher Genehmigung von Renate Birnstein.

Tätigkeitsfelder
Komponistin und Hochschullehrerin für Komposition und Musiktheorie

Orte und Länder
Renate Birnstein ist in Hamburg geboren und aufgewachsen und hat an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg studiert. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Lehrbeauftragte an den Musikhochschulen Lübeck und Hamburg ist sie seit 1988 Professorin für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Stipendien führten sie nach Boswil/Schweiz und Rom (Villa Massimo).

Profil
Renate Birnstein lebt und arbeitet als Komponistin und Hochschullehrerin für Komposition und Musiktheorie in Hamburg. Ihr Werk ist ganz den Idealen der Neuen Musik verpflichtet. Sie bevorzugt kleine Formen, in denen das musikalische Material freitonal nach einem strengen Konzept bearbeitet wird. Neben zahlreichen Kammermusikwerken für verschiedene Ensembles hat sie ein Chorwerk und Orchesterstücke geschrieben. Ihre Lehrtätigkeit versteht sie als eine sinnvolle und anregende Ergänzung zur eher einsamen Schreibtischarbeit des Komponierens.

Biografie

Renate Birnstein, geb. 1946 in Hamburg, erhielt ab ihrem siebten Lebensjahr Instrumentalunterricht (Violine, Bratsche und Klavier) und studierte bei Diether de la Motte und György Ligeti an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Komposition und Musiktheorie. Seit 1988 ist sie dort selbst als Professorin tätig. Sie begann schon früh zu komponieren und erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Ihre Werke werden in Konzerten, in Hochschulen und im Rundfunk aufgeführt und umfassen Orchester-, Chor- und Kammermusik.
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Würdigung

Zutiefst beeindruckt von Alban Berg und Anton Webern, ausgebildet von einem ermutigenden und einem höchst kritischen Lehrer hat Renate Birnstein früh versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Sie fühlt sich selbst nicht starr einer bestimmten Kompositionsrichtung zugehörig, sondern ordnet die Technik immer dem unter “was die Musik wirklich braucht.” (Renate Birnstein in: Brigitte Schulze, 1984).
Die Zwölftontechnik der Zweiten Wiener Schule und die seriellen Techniken, die Renate Birnstein als bereits historische Satztechniken kennen lernte, prägen noch ihre ersten Arbeiten. Dann beeinflusste die Begegnung und anschließende intensive Auseinandersetzung mit der Musik Steve Reichs 1972 die Stücke ihrer mittleren Periode, die eine Verbindung von Elementen der amerikanischen Minimal Music mit europäischem Formdenken darstellen. Später arbeitete sie mit der Überlagerung verschiedener Taktarten, Metren und Tempi, was die Auflösung der Klanggruppen des herkömmlichen Orchesters zur Folge hatte und die Grenzen von Kammer- und Orchestermusik aufhob.
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Rezeption

Renate Birnsteins Werke haben unterschiedliche Verbreitung gefunden. Viele Kammermusikstücke entstanden im Auftrag von Ensembles, die die Werke einstudierten und aufführten. Das geistliche Konzert für Sopran, Alt, Bass, Violine und Orgel “Ich rufe an mit meiner Stimme”, uraufgeführt 1981, entstand für den Kirchentag 1981 in Hamburg. Das “Oktett” für Flöte, Klarinette, Posaune, Viola, Violoncello und zwei Schlagzeuger, uraufgeführt in München 1985, wurde im Auftrag des Bayrischen Rundfunks komponiert und die Ballade “Pranto ocre” für Bariton und Klavier nach dem Text des brasilianischen Dichters Paes Loureiro entstand 2003 im Rahmen der Projektreihe “Poesie & Musik – Brasilianische Klänge” (vgl. http://www.topicos.net/fileadmin/pdf/2003/2/Stimmen.pdf) und wurde bereits in vielen Ländern aufgeführt.
Von einigen Werken gibt es Rundfunkaufzeichnungen oder private Aufnahmen. Die Stücke “Les horloges” und “Les grains de sable” sind auf der CD “Neues aus der Milchstraße. Hamburg: Hochschule für Musik und Theater Hamburg, P 2000” enthalten.
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Werkverzeichnis

A. Vokalmusik:
in terra, für 24 - stimmigen Chor a cappella, 1978 - 11 Min., UA Hamburg 1979, Sikorski Verlag (1979),Leihmaterial

Ich rufe an mit meiner Stimme, Geistliches Konzert für Sopran, Alt, Bass, Violine und Orgel, 1980/81 - 8 Min., UA Hamburg 1981

Fünf Lieder auf Verse aus Gedichten von Annette v. Droste-Hülshoff
für Sopran und Orchester, 1990/91 - 15 Min.

Pranto ocre, Ballade für Bariton und Klavier, Text: Paes Loureiro, 2003 - 8.30 Min, UA Potsdam 2003

Wo’s mich nicht gibt, Lied für Sopran und Klavier, Text: Ossip Mandelstamm in der Übertragung von Paul Celan, 2003 - 2 Min., UA St. Petersburg 2003

Taube und Füchse, Lied für Mezzosopran, Flöte ( auch Altflöte in G ), und 2 Mikrofone, Text: aus: Hohelied Salomonis II, 2004 – 7 Min., UA Hamburg 2004

Notizen der Hoffnung, Liederzyklus nach Gedichten von Marie Luise Kaschnitz, für Mezzosopran/Alt und Klavier, 2005/2006

Me-[mento]-mory, für Mezzosopran und Violine nach dem Gedicht "Das Auge" von Marie Luise Kaschnitz, 2006; UA Hamburg 2006 zum ersten Todestag von György Ligeti

B. Instrumentalmusik:
Musik für Orchester
Imaginations, Kammermusik für großes Orchester, 1972 - 10 Min., UA Hilchenbach 1976

Scatola, für Orchester, 1978/79 - 10 Min.
Fünf Stücke für Streichorchester, 1979/80 - 11 Min.

Sextett für sechs Ensembles, für Orchester, 1981 - 13.30 Min., (Auftrag des "ensemble 13", Ltg. Manfred Reichert)

Intrada, für Streichorchester, 1987 - 4 Min., UA Hamburg 1987

Kammermusik
Vier Stücke für Klarinette, Posaune und Violoncello, 1971 - 7 Min., UA Hamburg 1971

Ribambelle, für Klarinette und drei Schlagzeuger,1972 - 8 Min., UA Darmstadt 1972

Ossia, Quintett für Flöte, Klarinette Sopran, Violine und Violoncello, 1974 - 9 Min., UA Stuttgart 1974

IDEM, Sextett für Flöte, Altflöte, Klarinette, Violine, Viola und Violoncello, 1974 - 11 Min., UA Stuttgart 1978

inter pares, Quintett für Flöte, Violine, Violoncello, Vibrafon und Klavier
1975 - 9 Min., UA Hamburg 1976

Peram, Trio für Flöte, Gitarre und Vibrafon, 1976 - 8 Min., UA Lübeck 1976

Variationen für Violine, Viola und Violoncello, Streichtrio, 1977 - 7 Min.,
UA Hitzacker 1978

Duo concertante, für Bassklarinette und Violoncello, 1980 - 7 Min., UA Lüneburg 1980

Streichquintett, fünf Sätze, 1982 - 18 Min., UA Zürich 1988

quasi fantasia, für Gitarre solo, 1983 - 5 Min., UA Münster 1985

piano music II, für Klarinette und Klavier, 1977/1984 - 6 Min., UA der 2. Fassung: Hamburg 1986

Trio in dodici parti, für Flöte, Violine und Violoncello, 1984 - 11 Min., UA Hamburg 1986

Oktett, für Flöte, Klarinette, Posaune, Violine, Viola, Violoncello und zwei Schlagzeuger, 1984 - 11 Min., (Auftrag des Bayrischen Rundfunks für das "ars nova ensembles, nürnberg"), UA München 1985

wie ein Kondukt, für Großbassflöte, (Bassflöte) solo, 1985 - 5.30 Min.,
UA Hamburg 1985

Streichquartett (zwei Sätze), 1986 - 11 Min., UA Zürich 1988

Schattenspiele, für Großbassflöte und Bassetthorn, 1986 - 7.30 Min.,
UA Lüneburg 1986

Septett, für Flöte, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier,
1988 - 11 Min., UA Hamburg 1988

Kassiopeias Lied, für Klarinette solo (B und Es), 1989 - 5 Min., UA Zagreb 1989

Kurwenal, für Violoncello solo, 1990 - 5.30 Min., UA Hamburg 1992

... und aus Abend und Morgen, Sextett für Klarinette, Viola, Violoncello und drei Schlagzeuger, 1993 - 11 Min., UA Hamburg 1994

Musique pour les fleurs de givre, Quintett für Flöte, Oboe, Fagott, Violine und Violoncello, 1996/97 - 11.30 Min., UA Hamburg 1997

Les formules magiques, Klaviertrio, 1998 - 11.30 Min., UA Hamburg 1999

Streichsextett, für 3 Violinen, 2 Bratschen und Violoncello, 2002 - 11 Min.

Les fleurs du vent, für Flöte, Klavier und Schlagzeug, 2009 – 8 Min.

Les deux, Duo für Violine und Violoncello, 2011 – 9 Min., UA Hamburg 2011

Musik für Klavier
Heptagon, für Klavier, 1976 - 8 Min., UA Darmstadt 1977

Les pendules, für Klavier, aus dem Zyklus "Les temps", 1994 – 5.30 Min.

Les horloges, für Klavier, aus dem Zyklus "Les temps", 1995 - 6.30 Min., UA Lübeck 1997

Les grains de sable, für Klavier, aus dem Zyklus "Les temps", 1998 - 5.30 Min., UA Hamburg 1999

Les vagues, für Klavier, aus dem Zyklus "Les temps", 2000 - 5 Min.,
UA Hamburg 2001

Les points, für Klavier, aus dem Zyklus "Les temps", 2001 - 4.30 Min.
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Quellen

Sekundärquellen (chronologisch):
Bick, Martina. „Birnstein, Renate Maria“. In: Lexikon Musik und Gender. Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld (Hg.). Kassel: Bärenreiter/Metzler Verlag, 2010, S. 148-149.

De la Motte, Diether. “Zur Situation junger deutscher Komponisten”. In: Tendenzen zwischen Tonalität und Atonalität. Reinhold Brinkmann (Hg.). (= Veröffentlichungen des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung, Darmstadt, Bd.18). Mainz: Schott Verlag, 1978.

Lück, Hartmut. ”Permutation über zarte Klänge”. In: Frankfurter Rundschau vom 8.5.1979.

Weissweiler, Eva. ”Komponistinnen aus 500 Jahren. Eine Kultur – und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen”. Frankfurt/M: Fischer Verlag, 1981. S. 384-386.

Schulze, Brigitte. “Ein Portrait”. In: Neuland. Ansätze zur Musik der Gegenwart. Herbert Henck, Gisela Gronemeyer und Deborah Richards Hg.). (= Jahrbuch, Bd. 4). Bergisch-Gladbach: Neuland Musikverlag, 1984. S. 159-169.

Schmalbrock, Beate. “Komponistinnen unserer Zeit”. Folkwang Hochschule Essen, 1986.

Bahnemann, Dorothea. “Komponistin sein. Renate Birnstein, eine komponierende Frau unserer Zeit”. Examensarbeit Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 1990.

Winkelmann, Ulrike. “work in progress... . Die Entstehung des Klavierzyklus “Les Temps” von Renate Birnstein. Examensarbeit Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 1999.

CDs (chronologisch):
Hochschule für Musik und Theater Hamburg. “Les horloges.” “Les grains de sable”. In: Neues aus der Milchstraße. Hamburg, 2000.

Filme (chronologisch):
ZDF: Renate Birnstein, Fernsehportrait in der Reihe “Junge Komponisten” , 1980.

Institut für Film und Bild. “Junge deutsche Komponisten. Renate Birnstein und Franz Martin Olbrisch. Buch und Regie: Detlef Michael Behrens. Gründwald, 1987. (16 Min. in Farbe)
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Forschung

Die im Literaturverzeichnis aufgeführten Examensarbeiten sind nur über die jeweiligen Autorinnen zu beziehen.

Kontakt zu Renate Birnstein:
Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Harvestehuder Weg 12, 20148 Hamburg

Über die Entstehung von „Pranto ocre, Ballade für Bariton und Klavier, 2003“ wird zurzeit ein Film produziert. Kontakt: Apollon Art Foundation, Horner Heerstr. 23, 28359 Bremen, Tel: 0421/3387644, Email: apollon@vossnet.de. Dort gibt es eventuell auch den Mitschnitt eines Konzerts.
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Forschungsbedarf

Zeitgenössische Musik ist in der Gesellschaft nicht angekommen. Die Bereitschaft, sich auf fremde, ungewöhnliche Hörerfahrungen einzulassen, hat eher abgenommen. Woran das liegen mag, wäre eine interessante Fragestellung, der man nachgehen sollte.
Autor/innen:
Martina Bick, Die Grundseite wurde im September 2006 in enger Zusammenarbeit mit Prof. Renate Birnstein verfasst.

Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 29.09.2006