Forschungsbedarf
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Lærum Liebich, Inga
Dass Inga Lærum Liebich weder in dem aktuellen Überblickswerk zur norwegischen Musikgeschichte, „Norges Musikk Historie“ (1999–2001), noch in „Norsk Biografisk Leksikon“ angemessen repräsentiert ist – und das obwohl sieeine der zentralen Akteurinnen im norwegischen Musikleben und eine außergewöhnliche Musikerpersönlichkeit war –, kann z.T. mit der unzureichenden Quellenlage erklärt werden.
Ein zentrales Desiderat besteht daher darin, auf Grundlage intensiver Archivrecherchen (insbesondere auch in Privatarchiven) ihre Biografie auszuleuchten (v.a. ihre Studienaufenthalte in Mailand, Rom und London sowie ihr Wirken in den USA). Inwiefern bestand ein künstlerischer Austausch mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Rudolf Liebich, bzw. mit ihrem Bruder, dem Bildhauer und satirischen Zeichner Gustav Lærum? Insbesondere ihre Tätigkeiten als Dirigentin (Repertoire, geplante und tatsächlich realisierte Aufführungen, Programmgestaltung) und Pädagogin (Schülerkreis, Unterrichtsmethoden) liegen noch im Dunkeln.
Neben einer Aktualisierung des Werkverzeichnisses sowie Rezeptionsstudien stehen Analysen ausgewählter Lieder und Klavierkompositionen noch aus. Sie könnten Inga Lærum Liebichs kompositorisches Schaffen zu anderen zeitgenössischen Lied- und Klavierkompositionen ins Verhältnis setzen und ihre Einbindung in zeitgenössische Identitäts- und Geschlechterdiskurse offenlegen. Von besonderem Interesse wäre in diesem Zusammenhang die Relation zwischen Religion, Musik und der Emanzipationsbewegung um 1900. Inwiefern bot die Institution der katholischen Kirche, und in dem Zusammenhang ihre Tätigkeit an den beiden katholischen Kirchen bzw. der Eintritt in den Schwesternorden, einen Möglichkeitsraum für sich emanzipierende Künstlerinnen?
Schließlich wäre auch ein genaueres Ausloten ihres Engagements während der Gründungsphase des Norwegischen Komponistenverbandes um 1917 und damit verbunden eine Verortung im zeitgenössischen Musikleben wünschenswert. Mit wem stand sie in Kontakt, wen beeinflußte sie und von wem wurde sie beeinflußt?
Inga Lærum Liebich ist Teil des Forschungsprojektes der Autorin zum Thema „Komponierende Frauen in Norwegen. Bedingungen kulturellen Handelns.“
Lange, Aloisia
Als „berühmte Schwägerin des berühmten Mozart“ sind Leben und Wirken der Aloisia Lange vergleichsweise gut erforscht. Gleichwohl ist vor allem für ihr Repertoire jenseits von Mozart noch großer Forschungsbedarf anzumerken, auch um die Breite ihres Repertoires zu vergegenwärtigen.Interessant wären darüber hinaus Dokumentationen ihrer zahlreichen Konzertreisen.
Institutionsgeschichtlich kann sie als Schlüsselfigur der Wiener Bühnen der 1780er und 1790er Jahre gelten – eine Position, die es ermöglichen könnte, anhand ihrer Person und Funktion die dortige Situation genauer zu fassen.
Lang, Josephine
Josephine Langs Musikkenntnisse bedürfen weiterer Untersuchung. Ihre Briefe und Lied-Autographen liefern nur einige Hinweise auf die Musik, die sie kannte, schätzte und aufführte. Insbesondere bedarf das Repertoire, das sie als Kammersängerin in München vortrug, noch eingehendere Forschungen.Drucke von Josephine Langs op. 1 und op. 3 sind auch noch nicht aufgefunden worden. In Josephine Langs persönlich aufgestelltem Werkverzeichnis von 1867 steht, dass sie ihre eigenen Hefte von „opp. 1, 2, und 3“ durch ihren Schwiegersohn an den Verleger (Falter & Sohn) zum Zweck einer zweiten Auflage geschickt habe. Dieses ist wohl der Grund, warum diese Liedersammlungen nicht in der Württembergischen Landesbibliothek zu finden sind. Die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin besaß op. 1 und op. 3, aber sie wurden leider im Krieg zerstört. Forschungen bei den verschiedenen Verlegern, die eventuell die Noten von Falter & Sohn erworben haben, waren bis jetzt erfolglos.
Auch eine historisch-kritische Ausgabe der Werke Josephine Lang steht noch aus, obwohl eine Anzahl von Neuausgaben bei amerikanischen und deutschen Verlegern erschienen ist.
Langley, Beatrice
Der Forschungsbedarf umfasst nahezu alle Tätigkeiten von Beatrice Langley sowie auch ihre Biografie. Über ihr Violinstudium bei den beiden Geigern Joseph Ludwig und August Wilhelmj ist bislang ebenso wenig bekannt, wie über ihre – vermutliche – Studienzeit in Berlin bei Joseph Joachim.Interessant wäre ferner, die verschiedenen beruflichen Kontakte von Beatrice Langley zu untersuchen, u. a. ihre Zusammenarbeit mit der Sängerin Emma Albani – einschließlich der Tourneen, die die beiden Musikerinnen gemeinsam unternahmen. Ebenfalls ist zu vermuten, dass sie sich im Umfeld der „Society of Women Musicians“ bewegte, die 1911 gegründet wurde und zu deren Ehrenpräsidentinnen u. a. Ethel Smyth zählte.
Völlig unerforscht sind bislang die Tätigkeiten von Beatrice Langley nach 1920. Im Kontext der englischen Ausbildung von Laien war sie vermutlich in der Grafschaft Devon eine zentrale Figur. Ihre Arbeit als Dirigentin ihres eigenen Streichorchesters wäre in diesem Zusammenhang ebenso interessant, wie die Frage nach möglichen Schülerinnen und Schülern.
Lara, Adelina de
Obwohl von Adelina de Lara eine Autobiografie vorliegt, ist über ihr künstlerisches Leben kaum etwas zu erfahren; die Autobiografie beschäftigt sich zu großen Teilen mit familiären Zusammenhängen sowie mit den Kontakten zu anderen Künstlerinnen und Künstlern, gibt jedoch nur wenig konkrete Hinweise zu ihrem eigenen Arbeitsalltag. Den dort gelegten Spuren wäre allerdings in Forschungen weiter nachzugehen. Eine systematische Sichtung von Zeitungen und Musikzeitschriften gäbe sicherlich ein genaueres Bild der künstlerischen Tätigkeiten von Adelina de Lara, eine Untersuchung ihres Schülerkreises könnte Aufschluss über ihre Klavierpädagogik geben.Über ihre Kompositionen ist außer der Tatsache, dass sie geschrieben und teilweise aufgeführt wurden, nichts bekannt.
Lawrence, Emily M.
Der Forschungsbedarf zu Emily M. Lawrence umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre Kompositionen.Le Beau, Luise Adolpha
Luise Adolpha Le Beaus Lied- und Klavierschaffen fand bisher kaum Berücksichtigung in der musikwissenschaftlichen Literatur, ebenso wenig ihr pädagogisches Wirken und ihre Bedeutung für die musikalische Erziehung von Mädchen im 19. Jahrhundert.Ihre Lebenserinnerungen müssten vergleichenden Betrachtungen zu anderen zeitgenössischen Zeugnissen oder Berichten unterzogen werden.
Lebrun, Franziska
Obwohl das kompositorische Œuvre ausgesprochen überschaubar ist, fehlt eine detaillierte Untersuchung und Einordnung der Sonaten in den historischen Kontext.Lehmann, Lilli
Schon die Liste der Briefpartner Lilli Lehmanns macht deutlich, wie interessant und lohnend eine komplette Erschließung und Transkription des Briefbestandes wäre. Lehmann stand tatsächlich mit der gesamten künstlerischen und gesellschaftlichen Elite ihrer Zeit in Verbindung. Ihr kompletter schriftlicher Nachlass ist in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz archiviert, jedoch nur grob sortiert. Eine endgültige Katalogisierung, eventuell auch eine Edition ausgewählter Briefe wäre von höchstem wissenschaftlichen Interesse. Sie könnte nicht unwesentliche Beiträge zur biografischen Forschung in Lehmanns Umfeld beitragen. Die Staatsbibliothek selbst sieht derzeit keine Möglichkeit einer Bearbeitung des Nachlasses durch Kräfte der Bibliothek.Lehmann, Liza
Der Forschungsbedarf zu Liza Lehmann umfasst ihre Biografie sowie vor allem eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung ihrer Kompositionen. Auch ihre künstlerischen und privaten Kontakte sind bislang kaum erforscht.Leider, Frida
Es gibt wenige Dokumente oder Briefe, die Frida Leiders Gefährdung und berufliche Schwierigkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus belegen. Dokumente aus dieser Zeit wären hilfreich für die biografische Forschung zu der Sängerin. Ebenso befinden sich noch zahlreiche Gemälde im Privatbesitz, eine Erfassung dieser Bestände wäre wünschenswert. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Frida Leiders Repertoire und ihrer besonderen Bedeutung für das Wagnerfach steht noch aus.Leubuscher, Helene
Der Forschungsbedarf zu Helene Leubuscher umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre Tätigkeiten. Interessant wäre dabei z. B. die Frage, in welcher Weise die Lisztsche Schule die Musikpädagogik in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts prägte, z. B. durch Schülerinnen wie Helene Leubuscher, Ottilie Lichterfeld oder Martha Remmert.Levy, Sara
Zu den Forschungsdesideraten gehört Sara Levys Kontakt zum Salon Anna Amalias von Preußen und die Frage, inwieweit dieser sowie die Musikpflege der preußischen Prinzessin für sie tatsächlich Vorbildfunktion hatten. Die frühe Zeit ihrer musikalischen Geselligkeit lässt sich bisher nur anhand ihrer Sammeltätigkeit und ihrer Aufträge an Komponisten erschließen, die späte Zeit ist weitgehend aus der Erinnerungsliteratur des späteren 19. Jahrhunderts überliefert – weitere Quellenfunde bzw. eine Auswertung bereits zugänglicher Quellen beispielsweise aus dem Umkreis der Familie Mendelssohn wären hierfür wünschenswert.Interessant wäre eine Analyse der von Sara Levy insbesondere bei Carl Philipp Emanuel Bach in Auftrag gegebenen Werke unter dem Aspekt der Adressiertheit.
Lichterfeld, Ottilie
Der Forschungsbedarf zu Ottilie Lichterfeld umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre Tätigkeiten. Interessant wären weitere Forschungen zu ihrem Berliner Schülerkreis, die möglicherweise Rückschlüsse auf die Verbreitung der Lisztschen Schule ermöglichten.Liebmann, Helene
Auch in den Londoner und Hamburger Lebensabschnitt der Musikerin könnte durch entsprechendes Vorgehen mit Sicherheit mehr Licht gebracht werden. Neben ihrem Sterbedatum bleibt bislang offen, ob Helene Liebmann Kinder hatte, ob sie unterrichtete und in welchem Umfang sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland als Pianistin oder Sängerin am Konzertleben teilnahm.Lind, Jenny
Das bemerkenswerte Ausmaß von Jenny Linds Popularität und der reiche Austausch der Sängerin mit Künstlern, Monarchen und anderen Zeitgenossen bietet einen Fundus an Quellen, die bis dato jedoch nur vereinzelt und teilweise nicht in der Originalsprache gedruckt wurden. Dabei erscheint vor allem eine kritische Ausgabe des Briefwechsels Jenny Linds für ein fundiertes Forschungsunternehmen unerlässlich.Lipsius, Marie
Konnte La Mara von den Erlösen ihrer Bücher leben?Wie genau waren ihre Arbeitsweisen, unter welchen Bedingungen arbeitete sie, inwiefern unterschieden sich ihre Bedingungen zu denen ihrer männlichen Kollegen.
Lissa, Zofia
Interessant wäre es, die Bedingungen zu untersuchen, die dazu führten, dass in Polen im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern Musikwissenschaftlerinnen wie Zofia Lissa und Stefania Lobaczewska (ebenfalls aus Lemberg) bereits in den 1930er Jahren bedeutende Positionen erreichen konnten.Long, Kathleen
Der Forschungsbedarf zu Kathleen Long umfasst sowohl ihre Biografie als auch zahlreiche Tätigkeitsbereiche. Während ihre Konzerte im Londoner Musikleben vergleichsweise gut zu dokumentieren sind, ist ihre Bedeutung für Musikpädagogik und Musikpolitik bislang unerforscht; dies betrifft u. a. auch ihre Aktivitäten in der „Society of Woman Musicians“.Im Rahmen übergreifender, sozialgeschichtlicher Forschungen wäre die Biografie von Kathleen Long auch im Hinblick auf ein kontinuierliches, fünfzig Jahre umspannendes Arbeitsleben als Musikerin interessant.



